Carina Edlinger: In vier Jahren von blind zu Gold?

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Eine junge Sportlerinnenkarriere kann auf viele Arten ein jähes Ende nehmen. Die Diagnose Morbus Stargardt ist eine davon.

Aber Schicksalsschläge können auch neue Wege öffnen. Und Österreichs Langlauf-Aushängeschild im Sehbehindertenbereich, Carina Edlinger, beweist das. Die 19-Jährige ist mit ihrem Guide und Bruder Julian Edlinger bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang eine der größten Hoffnungen auf Gold.

Dabei musste sie sich an das Leben fast ohne Augenlicht erst in den letzten vier Jahren langsam gewöhnen.

Wenn der Bruder es darf…

Morbus Stargardt, ein seltener Gendefekt, sorgt für eine starke Beeinträchtigung des scharfen Sehfeldes bis hin zur fast vollständigen Erblindung. Auch Edlingers Sehvermögen ist mittlerweile auf zwei Prozent reduziert. Nur noch Umrisse von Personen nimmt sie wahr.

Neu im Langlaufsport ist sie allerdings nicht: Schon vor Ausbruch der Krankheit im Alter von 15 Jahren war Edlinger Mitglied des ÖSV-Nachwuchses und tourte durch Europa- und Kontinentalcup.

Zum Sport gefunden hat sie durch ihren Bruder: Julian, 21 Jahre alt, machte die familiäre Vorhut im Langlauf. "Ich bin ja nicht das große Sporttalent gewesen. Aber mein lieber Herr talentierter Bruder ist so gut gewesen, dass ich mir dachte: Das will ich auch machen!", lacht Carina gegenüber LAOLA1.

"Unsere Mutter hatte ihre Zweifel: ‚Ist das wirklich etwas für dich? Du musst dich da schon fest anstrengen.‘ Aber wenn ich das machen durfte, wollte sie das auch", so Julian.

Ein Senkrechtstart zu zweit

Seit der Saison 2016/17 startet Edlinger bei den sehbehinderten Langläuferinnen. Und schon auf dem ersten Weg bewies sie, dass das Talent nicht ausschließlich bei ihrem Bruder gelandet ist.



Der erste Winter im Parasport brachte den Geschwistern gleich zweimal Gold und einmal Bronze bei den nordischen Skiweltmeisterschaften der Sehbehinderten ein. Als Draufgabe gewann sie den Gesamtweltcup.

Dabei war die Möglichkeit des Parasports gar nicht am Radar von Familie Edlinger.

Olympia als großer Traum

"Als meine Sehkraft schlechter wurde, hat es nicht viel Perspektive gegeben. Mein Traum von Olympischen Spielen war damit abgehakt, aber er ist nie verloren gegangen", sagt Carina.

"Denn ich bin ein extremer Olympia-Fan. Ich freue mich alle vier Jahre darauf, denn es ist so wunderbar, einfach nur mitzubekommen, wie sehr sich etwa jemand über seine Medaille freuen kann. Und bei den Paralympischen Spielen 2014 in Sotschi haben wir dann die Eröffnungsfeier gesehen – und ich dachte mir, vielleicht ist das ein Weg. Meine Augen wurden schon damals viel schlechter."

Und über einige Umwege entdeckte schließlich der ÖSV das schlummernde Talent im Parasport, das eigentlich schon aufgeben wollte. Auch Bruder Julian war nach Beendigung seiner schulischen Laufbahn auf der Suche nach neuen Möglichkeiten – ein glücklicher Zufall.

Langlaufen – und noch einiges mehr

Guides im Sehbehinderten-Langlauf müssen nämlich mehr als nur mithalten können. Neben der Bewältigung der Strecke stehen Kommandos und die Koordination mit dem Sportler ebenso auf der Aufgabenliste, wie Motivation für die letzten schwierigen Kilometer.

Es redet jeder von Gleichberechtigung von olympischem und paralympischem Komitee, man merkt aber wenig davon. Wenn wir vermehrt im Fernsehen übertragen würden, würden sich bestimmt viele Leute dafür interessieren. Es wird oft bei uns nachgefragt.

Julian Edlinger

"Während des Wettkampfes bin nur ich der Chef, der reden darf. Sie braucht ihre Kräfte für das Laufen", erklärt Julian. "Mein Kopf ist permanent bei ihr hinten."

Dementsprechend ist ein Fitness-Vorteil nützlich – "aber im Sprintbereich kann sie schon ziemlich gut dagegenhalten."

Geschwister-Konstellationen sind angesichts dieser Anforderungen selten und bieten gute wie schlechte Seiten. "Man ist wochenlang nebeneinander und bekommt alles voneinander mit. Da ist man auch einmal über eine Pause froh", geben die Edlingers unisono zu.

Volles Mitglied des ÖSV-Teams

Die Erfolge von Team Edlinger haben auch neue Möglichkeiten eröffnet. "Wir haben heuer mit der Damen-Nationalmannschaft mittrainieren dürfen. Wir sind eine super Gruppe, kennen uns auch alle von früher", beschreibt Carina.

Ein wichtiger, aber nur ein erster Schritt. Bei der Frage nach den Verbesserungsmöglichkeiten kennt die Auflistung fast kein Ende.

"Ich bin etwa meine eigene Physiotherapeutin und Masseurin. Wir sind aber froh über das, was wir haben", gibt sie sich bescheiden.

Medaille? Maskottchen!

Wichtig ist den Edlingers aber eine Sache: Die Bekanntheit zu steigern. Und anderen, von ähnlichen Schicksalsschlägen betroffenen Sportlerinnen und Sportlern dadurch ihre Möglichkeiten zu eröffnen.

"Es werden extreme Höchstleistungen erbracht, wenn man 20 Kilometer ohne Arme fährt. Die Leistung gehört herausgehoben, weil man in den Medien auch fast nichts erfährt", bedauert Carina.

"Es redet jeder von Gleichberechtigung von olympischem und paralympischem Komitee, man merkt aber wenig davon. Wenn wir vermehrt im Fernsehen übertragen würden, würden sich bestimmt viele Leute dafür interessieren. Es wird oft bei uns nachgefragt", fügt Julian hinzu.

Ihre eigene Bekanntheit können Carina und Julian Edlinger in Pyeongchang noch im Sprint am Mittwoch und über die 7,5 Kilometer klassisch am Samstag steigern. Carinas Ziel ist dabei klar: "Ich will unbedingt eins der Maskottchen gewinnen!"

Ein schöner Zufall, dass es zusätzlich auch eine Medaille als Preis gibt.

In der Salzburger Red-Bull-Arena fasst das ÖPC-Team die Ausrüstung für PyeongChang 2018 aus! LAOLA1 hat die besten Bilder:

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Paralympics 2018: Doppeltes Blech-Pech für ÖPC-Sportler

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