Doping-Skandal: Weitere Sportarten im Fokus

Doping-Skandal: Weitere Sportarten im Fokus Foto: © GEPA
 

In den bei der Nordischen Ski-WM mit groß angelegten Razzien aufgedeckten Dopingskandal sind wohl auch noch andere Sportarten als Langlauf verwickelt. Davon gehen die Ermittlungsbehörden aus.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wurden in der Praxis des am Vortag festgenommenen Sportmediziners in Erfurt auch Fußballer, Schwimmer, Radsportler, Handballer und Leichtathleten behandelt.

Das heißt freilich nicht, dass diese auch mit Blutdoping-Praktiken zu tun gehabt haben müssen. Die Verwicklung von anderen Sportarten ist aber dennoch sehr wahrscheinlich.

"Es werden sicherlich auch noch andere Sportarten betroffen sein", hatte Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt am Mittwoch gesagt und von einem seit Jahren weltweit agierenden Netzwerk und einer "kriminellen Organisation" gesprochen.

Bernhard Kohl belastete Arzt schon 2009

Bei der Doping-Razzia in Seefeld waren sieben Personen, darunter fünf Athleten aus Österreich, Kasachstan und Estland, festgenommen worden. Bei den ÖSV-Sportlern handelt es sich um die Langläufer Domink Baldauf und Max Hauke. Zudem wurden in Erfurt ein deutscher Sportmediziner, dem in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt Verwicklungen in Dopingpraktiken vorgeworfen worden waren, und ein mutmaßlicher Komplize festgenommen. Der Mediziner hatte die Vorwürfe in der Vergangenheit bestritten.

Ex-Radprofi Bernhard Kohl belastete den Arzt schon nach seinem EPO-Fall 2009 im "Kurier": „Er war eingeweiht in die Dopingvorgänge. Ich hatte zu ihm von Beginn an eine gute Gesprächsbasis. Irgendwann kamen wir auf Doping zu sprechen. Er sagte: 'Logisch, dass man es machen muss.' Er sagte einmal, dass ich nicht der Einzige im Team sei, der Blutdoping fabriziere.“

Laut Kohl hat der Mediziner nicht nur vom Doping während der Tour de France 2008 gewusst, sondern auch dabei geholfen. Er habe Kohls Blut wenn nötig mit Kochsalzlösung verdünnt und sein Hotelzimmer für Bluttransfusionen zur Verfügung gestellt.

Haftbefehl gegen Mediziner möglich

Der Mediziner ist im Zusammenhang mit den aktuellen Doping-Razzien in Erfurt einem Ermittlungsrichter vorgeführt worden. Es sei möglich, dass am Nachmittag ein Haftbefehl gegen den Mann erlassen werde, sagte ein Sprecher des zuständigen Zollfahndungsamts München am Donnerstag.

Der deutsche Ski-Verband gibt an, dass es keinen Kontakt zu dem Mediziner gegeben habe. "Der Arzt, wenn man ihn denn überhaupt noch so bezeichnen mag, hat keine Verbindungen zum Deutschen Skiverband, zumindest keine Verbindungen, die uns irgendwie bekannt wären", sagte DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach am Donnerstag und ergänzte: "Insofern gehen wir fest davon aus, dass da auch keine (deutschen) Athletinnen oder Athleten in dieses System, das da zerschlagen wurde, involviert waren."

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Textquelle: © LAOLA1.at/APA Zum Seitenanfang »

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