Johannes Dürr: "Ich habe Namen genannt"

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2014 ist Langläufer Johannes Dürr bei den Olympischen Spielen in Sotschi als Doping-Sünder aufgeflogen. Fünf Jahre später hat der Niederösterreicher mit seinen Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft dazu beigetragen, dass ein internationales Blutdoping-Netzwerk aufgeflogen ist.

"Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahme habe ich auch Namen genannt, wo ich felsenfest überzeugt bin, dass sie an der richtigen Stelle sind", sagt Dürr in einem ARD-Interview.

Dürr hatte mit Aussagen in einer Ende Jänner ausgestrahlten ARD-Dokumentation über seine früheren Blutdopingpraktiken ausgesagt und die Ermittlungen der Behörden im aktuellen Doping-Skandal angestoßen.

Die Hintermänner hatte Dürr dabei nicht genannt, diese danach aber den bereits seit Monaten ermittelnden Behörden mitgeteilt. "Im Rahmen der staatsanwaltschaftlichen Einvernahmen habe ich auch die Namen genannt. Nicht in der Öffentlichkeit, weil man dann immer wieder nur in diese Vereinzelungsstruktur hineinfällt. Das Ziel sollte aber sein, dass eine möglichst breite und offene Diskussion geführt wird."

"Doping wird totgeschwiegen"

"Ich bin ganz klar Täter natürlich, ich bin in einem System zum Täter geworden, das leider sehr, sehr viele Täter generiert, weil einfach niemand darüber redet, weil man es totschweigt."

Den Vorwurf, dass er sich durch seine Auftritte als Opfer zelebriert, weist Dürr zurück. "Ich bin ganz klar Täter natürlich, ich bin in einem System genauso zum Täter geworden, das leider einfach sehr, sehr viele Täter generiert, weil einfach niemand darüber redet, weil man es totschweigt. Die ganze Zeit wird es totgeschwiegen, der Deckel drauf", sagt der Niederösterreicher nach Beginn der Nordischen WM in Seefeld und noch vor den Dopingrazzien am Mittwoch.

Dieses Deckel-Drauf-Schema sei jedoch das große Gefahrenpotenzial, mit dem sich die Einzeltätertheorie verfestigt. Er mache mit seinen Aussagen aber genau das Gegenteil. Durch eine breite Diskussion könne man auch Lösungen finden.

"Ich bin der Meinung, dass viele nicht darüber reden wollen, weil es ein unschönes Thema ist, es fällt mir auch nicht leicht, darüber zu sprechen", so Dürr. Sport sei so schön und könne vielen so viel geben, deshalb sei es verständlich, dass man vor dieser Problematik gerne die Augen verschließe."

Dürr will beim Schweigen nicht mitmachen

Die Doping-Gefahr sei aber ein Thema, das im Bewusstsein der jungen Sportler, der Menschen drinnen sein müsse, damit man sich Präventionsmöglichkeiten überlegen könne. "Ich fände es unverantwortlich, wenn ich beim Schweigen mitgemacht hätte." Eltern, die ihre Kinder in den Leistungssport bringen, sollten wissen, in welche Gefahren man sich begeben könne.

Er wolle aber auch keinen Generalverdacht gegen alle Langläufer schüren. "Das kann man so nicht stehen lassen und so will ich es nicht stehen lassen. Das ist nicht das, was ich gemacht und ausgesagt habe." Er spreche vom Spitzensport, Leistungssport mit seinen Gefahren an sich.

Es gehe nicht um vereinzelte Täter, sondern um die Gefahren des Systems aus verschiedensten Interessen von Sponsoren, Verbänden und Sportlern. "Diese unterschiedlichen Interessensstrukturen schaffen ein System, in dem sehr, sehr viele davon profitieren und eigentlich wenige daran ein Interesse haben, über Doping tatsächlich offen zu sprechen."

Gerichtstermin mit ÖSV

Einer der angesprochenen Verbände ist der ÖSV, der im Vorjahr gegen Dürr nach einer öffentlichen Aussage über Mitwisser im Österreichischen Ski-Verband (ÖSV) eine Einstweilige Verfügung erwirkt hat. Gegen diese Verfügung geht Dürr juristisch vor. Eine gerichtliche Verhandlung sei kürzlich vom 20. Februar auf Mitte April verschoben worden, so Dürr.

Er hoffe, dass er danach freier über das Thema ÖSV sprechen könne. "Ich gehe davon aus". Er versuche auch in dieser Thematik einen Abschluss zu finden. "Dann habe ich vielleicht einen Stein angeschubst, der eine möglichst breite Diskussion auslösen kann, damit man zu Lösungen kommt." Die pauschale Lösung habe er selbst aber natürlich auch nicht, bekräftigt Dürr.

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Textquelle: © LAOLA1.at/APA

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