Jetzt habe ich draufgehaut, das war die richtige Entscheidung.
Die "Bader Boys" haben diesen Kampf angenommen, obwohl ihnen durchaus anzumerken war, dass die Akkus nicht bei 100 Prozent waren. Doch auch in Phasen, in denen sie nicht aus der defensiven Zone herausgekommen sind, wurde Ruhe bewahrt.
"Da haben wir einfach zusammengehalten und gut verteidigt. Es hat jeder für jeden gekämpft", meinte der Verteidiger. Und wenn die Struktur einmal verloren wurde, "dann hatten wir einen unglaublichen Torhüter", verwies Stapelfeldt auf Atte Tolvanen.
Eine Krake namens Tolvanen >>>
Geduld nach Ausgleich
Der Österreicher rettete seine Mannschaft in der 26. Spielminute gegen den alleine auf ihn zustürmenden Renars Krastenbergs vor dem Verlusttreffer, auf der Gegenseite machte Ex-VSV-Goalie Kristers Gudlevskis gegen Tim Harnisch keine gute Figur.
Der Schuss des Graz-Stürmers rutschte dem Letten durch und kullerte über die Linie. "In den letzten zwei Spielen war ich ein bisschen zu sehr Pass-orientiert, jetzt habe ich draufgehaut, das war die richtige Entscheidung", sagte Harnisch.
Österreich spielte konzentriert weiter, musste kein einziges Mal in Unterzahl agieren. Als Tolvanen 25 Sekunden nach Beginn des Schlussabschnitts doch bezwungen wurde, herrschte keine Hektik.
Stapelfeldt erklärte: "Wir haben uns vom schnellen Ausgleich nicht verunsichern lassen, konsequent weitergespielt. Wir haben gewusst: Machen wir so weiter, dann kriegen wir unsere Chancen."
"Ich habe gesagt, die muss drinnen sein"
Er sollte damit Recht behalten. Benjamin Nissner traf im einzigen Powerplay an diesem Abend nach schöner Einzelleistung, musste kurzzeitig aber zittern. Die Referees deuteten an, dass der Puck nicht gänzlich die Linie überschritten hatte.
"Ich habe auch nicht gesehen, ob die Scheibe reingegangen ist. Ich habe gesagt, die muss drinnen sein. Es geht gar nicht anders", erzählte der Salzburg-Stürmer. Zum Glück einer ganzen Nation war die Scheibe im Tor.
Danach entwickelte sich ein drittes Drittel, das sich für Vinzenz Rohrer "wie ein Fußballspiel" angefühlt hat. Dort bewies Rot-Weiß-Rot viel Geduld, vertraute auf die eigenen Fähigkeiten. Dazu gehörte, zu leiden, die Extra-Meter zu gehen.
"Niemand hätte uns das zugetraut"
Als Vinzenz Rohrer zwei Sekunden vor Spielende ins leere Tor traf, war der Jubel grenzenlos.
"Wir sind überglücklich! Das hätte uns in dieser Form niemand zugetraut", sagte Schneider. "Wir haben gewusst, wir haben das Potenzial in der Mannschaft, dass wir an einem sehr guten Tag solche Spiele abliefern können."
Die gesamte Vorbereitung über hätte man darauf hingearbeitet, "so strukturiert zu spielen. Wir wussten, bei so einem Turnier müssen wir hinten brutal kompakt stehen." Fünf Gegentreffer in drei Spielen sprechen eine deutliche Sprache.
Und am Klang der österreichischen Nationalhymne kann man sich nicht satt hören. "Drei Mal hintereinander die Hymne zu hören, kann schon was", freute sich Nissner und forderte: "Wir müssen am Boden bleiben."
Das Viertelfinale ist das Ziel
Der Traum vom neuerlichen Viertelfinal-Einzug lebt - und ist äußerst realistisch.
Wer sagt, dass wir nicht ein, zwei Tore machen und dasselbe wie heute passiert?
Schon ein Punkt aus den verbleibenden vier Gruppenspielen könnte für einen Platz unter den ersten vier in der Gruppe A ausreichen.
"Der vierte Sieg ist unser nächstes Ziel. Egal, wo wir Punkte mitnehmen können, wollen wir das tun", konstatierte Schneider.
Warum nicht auch gegen die Schweiz?
Vielleicht sogar am Mittwoch im Kracher gegen Gastgeber Schweiz? "Ich erwarte von uns eine Defensivschlacht. Wer sagt, dass wir nicht ein, zwei Tore machen und dasselbe wie heute passiert?", fragte Nissner.
Viel wird vom körperlichen Zustand des ÖEHV-Teams abhängig sein, nach vier Spielen in fünf Tagen lassen die Kräfte sichtbar nach. "Der Tank ist voll", widersprach Nissner. Schneider fügte an: "Mir ist es heute schon viel besser als letztes Mal gegangen."
Österreich erwartet eine ausverkaufte Swiss Life Arena in Zürich und ein patriotisches Publikum, das sie bei jeder Gelegenheit auspfeifen wird. "Wir sind alle Profis, damit muss man umgehen können", betonte der Kapitän.
Man könne die Atmosphäre sogar im positiven Sinne mitnehmen. Schneider erklärte: "Wenn die Halle bebt, gibt das einem nochmal einen extra Boost. Das wird geil werden."