Kommentar

Österreich ist eine gereifte A-Nation

Das ÖEHV-Team wird 2027 wieder in der Top-Division spielen. Weil ein Grundverständnis für die Schlüsselspiele entwickelt wurde und man genug gute Spieler besitzt.

Österreich ist eine gereifte A-Nation Foto: © GEPA

Österreich wird auch 2027 wieder in der Top-Division spielen.

Das ÖEHV-Team hat den Klassenerhalt mit zwei Erfolgen gegen Großbritannien und Ungarn praktisch dingfest gemacht. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, dass beide Nationen noch an der Truppe von Teamchef Roger Bader vorbeiziehen.

Die WM in Deutschland wird die sechste in Folge mit rot-weiß-roter Beteiligung sein. Daher lässt sich feststellen: Österreich ist eine A-Nation - nicht nur eine gestandene, sondern auch eine gereifte.

Bemerkenswerte Reaktion

Es war in beiden Spielen ganz sicher nicht alles perfekt.

Jeweils mussten kritische Phasen überstanden werden, sowohl die Briten als auch die Ungarn zogen das Momentum zeitweise auf ihre Seite. Das ist nur allzu logisch, in den allerseltensten Fällen wird ein Spiel über die vollen 60 Minuten kontrolliert.

Dann zählt die Reaktion des Teams. Und die war bemerkenswert. Mit unglaublich großem Einsatz und Willen wurden die Druckperioden überwunden, allen voran in der Schlussphase gegen Ungarn wurde Schuss um Schuss geblockt, die letzten Reserven aus dem Körper gekitzelt.

Teamchef Bader sagte danach: "Wenn man es so über die Runden bringt und man am Schluss noch so fighten muss, das macht auch was mit einer Mannschaft. Ich glaube, dass wir enorm gestärkt aus diesem Spiel rausgehen können."

Grundverständnis für Schlüsselspiele

Abgesehen von den wertvollen sechs Punkten samt Tabellenführung konnte noch mehr Positives mitgenommen werden.

Österreich scheint ein Grundverständnis für die Schlüsselspiele entwickelt zu haben. Zumeist wirkte die ÖEHV-Auswahl in solchen Duellen wie gelähmt, schaffte es nur vereinzelt, das eigene Potenzial abzurufen. Man braucht nur an 2022 und 2023 zurückzudenken.

Das hat sich mittlerweile gewandelt. In beiden Partien war das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten deutlich spürbar. Die Spieler haben gemerkt: Spielen wir unseren Stiefel runter, dann gehen wir als Sieger vom Eis.

Jedes Wort zählt

Mit ein Grund dafür ist der Zusammenhalt, der diese Mannschaft auszeichnet. "Wir haben so einen guten Teamspirit. Es ist schwierig, uns zu erschüttern", erklärte Bernd Wolf.

Die Routiniers ziehen die jungen Spieler mit, nehmen sie an der Hand, wenn es gebraucht wird. Gleichzeitig wird ihnen die Möglichkeit gegeben, selbst Dinge anzusprechen, wenn ihnen etwas am Herzen liegt.

Dadurch fühlen sich Youngsters wie Gregor Biber, Leon Kolarik oder Ian Scherzer von Grund auf wohl im Nationalteam, können sich so überhaupt erst entfalten und ihr großes Talent zeigen.

Es gibt genug gute Spieler in Österreich

Es sind aber nicht ausschließlich die (Jung-)Stars dieser Mannschaft, die hervorgehoben werden sollen. Diese Endrunde ist der endgültige Beweis dafür, dass Österreich einen großen Pool an WM-tauglichen Spielern besitzt.

Und der Klassenerhalt offensichtlich nicht mehr vom Kommen der NHL-Stars abhängig ist. Wolf betonte: "Es gibt genug gute Spieler in Österreich, wenn sie Eiszeit bekommen und ihnen ihre Rolle kommuniziert wird. Wir können Eishockey spielen, man muss den Jungs nur die Chance geben."

Diese Worte sind ein subtiler Aufruf an die heimischen Teams der win2day ICE Hockey League, Österreichern deutlich mehr Spielzeit einzuräumen. Bader und Co. können in dieser Hinsicht nicht die alleinige Arbeit verrichten.

Es muss gemeinsam an einem Strang gezogen werden. Dann sind solche schönen Erfolgserlebnisse in Zukunft weiterhin möglich.

So liefen die letzten 10 Weltmeisterschaften des ÖEHV-Teams

Kommentare