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Portrait

Roman Josi: Der Schweizer Volksheld

Roman Josi ist der größte Eishockey-Spieler, den die Schweiz je hervorgebracht hat. Dabei wäre seine Karriere beinahe auf dem Fußballplatz gelandet.

Roman Josi: Der Schweizer Volksheld Foto: © IMAGO / Manuel Stefan

Fällt Roman Josis Name, wird es in Zürich besonders laut.

Die Schweizer gelten generell als sehr patriotisches Volk, doch wenn ihr Held sein Stelldichein gibt, dann gibt es gar kein Halten mehr. Wohin das Auge auch blickt, etliche Rücken sind mit der unverkennbaren Aufschrift "90 Josi" versehen.

Der Berner ist der beste Eishockey-Spieler, den die Eidgenossen jemals herausgebracht haben. Über 15 Jahre spielt der Kapitän in der NHL, trägt bei den Nashville Predators seit 2017 das "C" auf der Brust. Heuer knackte er die magische Marke von 1.000 NHL-Spielen.

Dabei waren die Pläne des 35-Jährigen einmal andere.

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Der Traum von der großen Fußball-Karriere...

Im Juni 1990 erblickte "Rö", wie Josi von seinem engsten Freundes- und Verwandten-Kreis genannt wird, im Berner Oberland das Licht der Welt. Er war das zweite Kind der Familie Josi, sein älterer Bruder Yannick war zwei Jahre früher geboren.

Roman hat in dieser Phase immer wieder betont, dass er ein großer Fußballer werden will.

Mama Doris Josi

Eishockey war bei den Josis seit jeher ein großes Thema, allerdings nicht bei Roman. Seine Liebe galt dem Fußball, besonders den Young Boys Bern. Während Bruder Yannick beim SC Bern in die Eishockey-Schule gegangen ist, war Roman dem Spiel mit Puck und Schläger abgeneigt.

Mama Doris Josi sagte dem "Blick" einmal, dass der Trainer der Berner Hockey-Schule früh sein Interesse an Roman angemeldet hätte. "Doch der hat abgelehnt. Roman hat in dieser Phase immer wieder betont, dass er ein großer Fußballer werden will."

...war schnell geplatzt

Dass dieser Traum nicht zur Realität wurde, war früh entschieden. Bei einem Schnuppertraining der Young Boys F-Junioren, die der Altersstufe U8 entsprechen, waren die Trainer offensichtlich wenig überzeugt.

Über das Warum ist man sich in der Familie Josi jedoch uneinig. War es wirklich fehlendes Talent? Bruder Yannick vermochte sich daran zu erinnern, "dass die YB-Trainer den Rö für zu wenig talentiert eingestuft haben."

Roman konnte dies nicht glauben: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Fußball-Talent für den YB-Nachwuchs nicht gereicht hat. Es muss irgendeinen anderen Grund gegeben haben."

Die exakte Ursache ist bis heute nicht überliefert. Die Eidgenossen werden darüber allerdings nicht traurig sein.

"Aus Roman könnte ein NLA-Spieler werden"

Der "Berner Giel" hat schließlich doch das Feuer fürs Eishockey gefunden. Auch dank Yannick, mit dem er im Nachwuchs des SCB ein Abwehr-Pärchen gebildet hat.

Doch je älter beide wurden, desto mehr verlor Yannick die Motivation an den pickelharten Trainings - und dadurch irgendwann auch am Eishockey. Während es der ältere Bruder irgendwann bleiben ließ, war Romans Weg vorgezeichnet.

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Roman Josi als "Gitterspieler"
Foto: ©imago sportfotodienst

Für das Spiel auf der spiegelglatten Eisfläche dürfte sein Talent größer als jenes am Rasen gewesen sein. Als Josi etwa zehn Jahre alt war, bemerkten seine Angehörigen, dass aus Eishockey mehr als nur ein Hobby, sondern einmal sein täglich Brot werden könnte.

Vater Peter erzählte: "Die Trainer setzten auf ihn, er durfte ab da auch immer eine Stufe höher mitspielen. Da dachten wir: Aus Roman könnte ein NLA-Spieler werden."

NLA-Debüt mit 16, erste WM mit 19 - im eigenen Land

Wenige Monate nach seinem 16. Geburtstag debütierte der Verteidiger beim SC Bern in der Schweizer National League, seine Entwicklungskurve zeigte da schon steil nach oben.

Sein Weg führte ihn in der Spielzeit 2008/09 bereits in die Schweizer "Nati". Die erste Weltmeisterschaft mit dem weißen Kreuz auf der Brust war 2009 just jene im eigenen Land, noch dazu bestritten die Eidgenossen ihre Spiele in Bern.

"Ich kann mich noch gut an meine erste WM erinnern. Das war megacool", blickte Josi mit Freude zurück. Damals war es noch keine Selbstverständlichkeit, dass Österreichs westliches Nachbarland um das Viertelfinale, geschweige denn Medaillen spielt.

"Da hat sich in den vergangenen Jahren schon ziemlich viel verändert", lachte der Schweizer, der einer Goldenen Generation an Spielern, zu der etwa auch Nino Niederreiter zählt, angehört.

Wie von einem anderen Stern

Bevor sich der große Traum von der NHL verwirklicht hat, gewann Josi mit dem SC Bern seine erste Meisterschaft.

Mit 20 den "Meister-Kübel", wie die Trophäe im Land der WM-Silbernen liebevoll genannt wird, in die Höhe zu strecken, war ein besonderer Moment für ihn.

Roman brach seine KV-Sportlerlehre bei der Postfinance ab, und da waren auch wir überfordert.

Papa Peter Josi

Gerade weil er maßgeblichen Anteil am Titelgewinn hatte. Nach 34 Punkten in 41 Spielen hatten die Schweizer Medien keine andere Wahl, als den Jungstar ins All-Star-Team der Liga zu wählen.

"In seiner letzten Saison hier spielte er wie von einem anderen Stern", war Papa Josi stolz.

Lehre abgebrochen

Er war froh, dass sein Sohn erst mit 20 Jahren den Sprung nach Übersee gemacht hat. Anders als etwa Niederreiter, der mit 17 Jahren eigenhändig eine Lehre abbrach und nach Nordamerika ging.

Die Diskussion um die Lehre herrschte im Hause Josi trotzdem. Peter Josi berichtete: "Auch Roman brach seine KV-Sportlerlehre bei der Postfinance ab, und da waren auch wir überfordert."

Letztendlich mussten die Josis einsehen, "dass eine Lehre und Einsätze und Trainings mit den U18-, U20- und NLA-Teams einfach zu viel ist."

Großer Kummer

Bei einigen Verwandten löste Josi mit dem Wechsel über den großen Teich große Sorgen aus. "Ich habe zu diesem Zeitpunkt viele Tränen vergossen, weil ich Angst hatte, dass Roman in den USA große Probleme bekommen würde", verriet seine Oma Lydia.

Der Kummer sollte unberechtigt sein. Nach einer Saison in der American Hockey League bei den Milwaukee Admirals setzte sich der Schweizer bei den Nashville Predators fest. Sein NHL-Debüt gab er im November 2011, zwei Wochen später gelang ihm sein erstes Tor.

Nachdem der Abwehrspieler für seine Leistungen auf dem Weg zur Silbermedaille bei der WM 2013 als MVP ausgezeichnet wurde, signierte Josi seinen ersten großen Vertrag in Nordamerika. 4,4 Millionen US-Dollar verdiente der Berner fortan.

Was bei seiner Mutter Bedenken auslöste: "Manchmal habe ich Angst, dass der Rö ausgenutzt wird, weil er ein besonders gutmütiger Mensch ist und fast nicht Nein sagen kann."

Großes Herz

Seine Gutmütigkeit paart Josi mit einem großen Herz.

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Roman Josi bei einem Charity-Spiel 2017
Foto: ©imago / Manuel Winterberger

Sein Bruder Yannick erzählte einmal, dass bei "Rö" sich die Obdachlosen-Zeitungen stapeln würden, weil er "einem besonders armen Kerl" jeden Tag ein Magazin, welches normalerweise einen Dollar kostet, um 20 Dollar abkaufte.

Mittlerweile verdient der "Hockey-Gott", wie die Schweizer ihn auch nennen, über neun Millionen US-Dollar pro Jahr. Und spendet jetzt noch mehr Geld an hilfsbedürftige Menschen.

Zudem besitzt er ein Aktienpaket vom SC Bern, ist wie sein Freund Mark Streit an der Uhren-Marke Norqain beteiligt und ist sogar Geschäftspartner von Pop-Gigant Justin Timberlake.

Zweifel an der Karriere-Fortsetzung

Doch auch Josi musste schon schwierige Zeiten überstehen. Gehirnerschütterungen bremsten den Eidgenossen mehrfach ein.

Etwa in der Saison 2024/25, die für den zweifachen Vize-Weltmeister nach einem harten Check von Florida-Verteidiger Seth Jones bereits Ende Februar vorbei war.

Im Zuge der Genesung wurde bei ihm das POT-Syndrom (eine seltene Störung des autonomen Nervensystems, Anm.) festgestellt. "Da spürte ich, dass bei ihm Zweifel an der Fortsetzung der Karriere aufkamen", offenbarte Vater Peter Josi.

Doch sein Sohn wollte nicht auf diese Weise von der großen Bühne abtreten. Dafür war seine Geschichte noch nicht zu Ende.

Hinter Fischer gestellt

Dass sich der 35-Jährige auch für Gerechtigkeit einsetzt, wurde erst kürzlich deutlich.

Innerhalb des Teams besteht eine breite und klare Unterstützung für Patrick Fischer – getragen von Spielern und Staff.

stand in dem offenen Brief, den Roman Josi in der Causa Fischer an den Verband verfasste.

Als vor der Heim-WM 2026 die Causa Patrick Fischer aufflog, der Schweizer Teamchef aufgrund eines gefälschten Corona-Zertifikats vor den Winterspielen 2022 vom Verband fristlos entlassen wurde, stellte sich der Kapitän in einem offenen Brief hinter ihn.

"Innerhalb des Teams besteht eine breite und klare Unterstützung für Patrick Fischer – getragen von Spielern und Staff. Aus rein sportlicher Sicht stellt seine Abwesenheit zu diesem Zeitpunkt einen erheblichen Verlust dar", hieß es in dem Schreiben.

Die Mannschaft stünde zu 100 Prozent hinter Nachfolger Jan Cadieux, der nach den Titelkämpfen in der Heimat ohnehin vom Assistant zum Head Coach aufgestiegen wäre. Nichtsdestotrotz sei es eine "Herzensangelegenheit" für ihn, betonte Josi.

Doch der Schweizer Verband rückte nicht von seiner Entscheidung ab, Cadieux betreut die Schweiz bei diesen Titelkämpfen.

Krönung bei der Heim-WM?

Dort lautet das Ziel einzig und allein Gold. 2024 und 2025 waren die Eidgenossen erst im Finale gescheitert, vergangenes Jahr in Stockholm gegen die USA auf besonders bittere Art und Weise in der Overtime.

Die "Nati" wirkt reif für den großen Wurf, hat die ersten drei Spiele mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit locker gewonnen. Für Josi würde sich mit dem Weltmeister-Titel ein Kreis schließen.

2009 bestritt er in der Schweiz seine erste WM. 17 Jahre später könnte er das Jubiläum, die zehnte Endrunde, daheim mit Gold krönen. Und sich damit endgültig unsterblich machen.

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