LAOLA1-Scout Freimüller analysiert die Schweiz

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Drittes WM-Spiel für Österreich: Mit der Schweiz wartet ein Team, das schon bei den letzten beiden A-Weltmeisterschaften ein Gegner des ÖEHV-Teams war und das mit durchaus gutem Ausgang.

Einem 4:3 nach Penaltyschießen in Prag 2015 folgte zum Auftakt der WM in Kopenhagen 2018 ein 2:3 nach Verlängerung. Da sollten gegen den westlichen Nachbarn doch wieder Punkte drinnen sein - oder doch nicht?

Ein Quervergleich deutet nicht darauf hin: Die Schweiz bezwang Lettland (zuvor 5:2 gegen Österreich) zwar erst in der Schlussphase mit 3:1, war aber das klar überlegene Team, scheiterte nur lange an Lettlands 25-jährigem Goalie Elvis Merzlikins, der mit 15 Jahren in die Schweiz kam, zehn Jahre lang ausgerechnet in Lugano sein Geld verdiente und seit März in der NHL bei den Columbus Blue Jackets unter Vertrag steht.

Schweiz-Coach Patrick Fischer baut auf ein starkes Team

Coach Patrick Fischer, der spätestens seit der letztjährigen Silbermedaille weniger kritisch betrachtet wird als bei seinem Amtsantritt, kann heuer auf ein starkes Team zurückgreifen.

Natürlich gab es auch Absagen von NHL-Spielern (Denis Malgin, Dean Kukan), doch in den letzten Jahren hat die Schweiz einen unglaublichen Kern von Spielern in Übersee gebildet (13 in der NHL).

Bezeichnend dafür: Parallel zum WM-Auftakt erzielte der 22-jährige Stürmer Timo Meier zwei Tore für seine San Jose Sharks in den Playoffs.

Leader des WM-Teams ist Defender Roman Josi – wenn der 28-jährige Berner nicht zur Gruppe der besten NHL-Defender gehört, rangiert er zumindest gleich dahinter.

Nicht alle NHL-Teams hatten in seinem Draft-Jahr so viel Vertrauen in ihn wie Nashville, das ihn in der zweiten Runde draftete (auch das im Rückblick viel zu niedrig).

Roman Josi und Yannik Weber bilden ein starkes Duo

Klub-Kollege Yannick Weber spielt nicht ganz so spektakulär, ist aber auch bereits seit Jahren ein solider NHL-Defender – die beiden bilden ein Paar, das natürlich in allen Schlüsselmomenten auf dem Eis steht.

Raphael Diaz und Roman Löffel gehören in der Defensive zu den Routiniers, Michael Fora erspielte sich bei der letzten WM einen Vertrag mit Montreal, der aber nach einem AHL-Spiel wieder beendet war. Biel-Defender Yanis Moser spielt heuer schon seine zweite WM – und das mit dem Geburtsjahr 2000, also dem selben Jahrgang wie Österreichs WM-Debütant Benjamin Baumgartner.

Fiala, Hischier und Praplan bilden die Paradelinie

Auch im Angriff fehlt es nicht an NHL-Prominenz: Der überaus begabte Kevin Fiala (heuer von Nashville zu Minnesota getradet) bildet die Paradelinie mit New-Jersey-Star Nico Hischier und Vincent Praplan, der in Übersee aber in der AHL seine Probleme hat.

Dort machte zum Ende der Saison auch Philipp Kurashev seine ersten Schritte im Profibereich, direkt nach einer Junioren-Karriere in der QMJHL. Sein Vater Konstantin war vor Urzeiten ein Verteidiger-Legionär in Wien.

Am anderen Ende der Altersskala stehen Andres Ambühl (35) und Simon Moser (30). Andere Spieler nehmen spezielle Rollen ein: Lino Martschini ist der kleingewachsene Sharp-Shooter, Noah Rod ein äußerst aufsässiger Penalty-Killer mit tollen Beinen. Über solche – und einen immens harten Schuss – verfügt auch Flügel Gregory Hofmann, der 2011 von Carolina gedraftet wurde, aber nie nach Übersee ging.

Sven Andrighetto sollte heute sein WM-Debüt geben. Der kleine Flügel mit den sehr guten Händen schaltete bei der letzten WM Steven Strong mit einem hässlichen Kniecheck aus, was aber sonst nicht Teil seines Spielstils ist.

Im Tor sollte turnusgemäß heute Reto Berra wieder Leonardo Genoni ablösen, Berra ist ein großgewachsener, sehr ruhig agierender Goalie.

Für Vize-Weltmeister Schweiz ist Viertelfinal Pflicht

Die Schweiz verfügt – wie eigentlich immer in den letzten Jahren – über ein tief besetztes Team mit einigen herausragenden Einzelkönnern, für die eine Viertelfinal-Qualifikation inzwischen fast schon Pflicht ist.

Der heutige Spiel wird für ÖEHV-Teamchef Roger Bader natürlich ein besonders, das gleiche gilt für Benjamin Baumgartner, der ebenso in der Schweizer National League sein Geld verdient wie Dominic Zwerger und Fabio Hofer.

Zwerger und Hofer sind Eishockey-Schweizer

Patrick Obrist spielt eine Stufe tiefer bei Kloten, Peter Schneider verstärkt das Schweizer Kontingent nächste Saison in Biel, wird dabei der einzige echte Legionär sein. Zwerger und Hofer sind etwa bei Ambri ebenso Eishockey-Schweizer wie Italiens Diego Kostner.

Bei aller Hochachtung vor der Arbeit der Eidgenossen (stets Top-10 im Nachwuchs): Die immer wieder – auch in Österreich – vorgebrachte Leier von den nur vier Ausländern pro Team ist angesichts dieser Sachlage natürlich nicht mehr als ein Volksmärchen. Der Unterschied zwischen den beiden Nationen (zehn Plätze in der Weltrangliste) entspringt schon weit mehr der Klasse des Nachwuchses als der Ausländer-Anzahl in den beiden Ligen ...

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