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NHL-Verträge und ihre Ausnahmeregelungen

Eigentlich sind die Verträge klar und werden selten aufgelöst. Heuer passierte es schon dreimal - mit unterschiedlichen Folgen:

NHL-Verträge und ihre Ausnahmeregelungen Foto: © GETTY

NHL-Verträge sind eigentlich hieb- und stichfest, können nicht nachverhandelt werden und werden nur in den seltensten Fällen aufgelöst. Heuer passierte das aber schon dreimal – mit unterschiedlichen Folgen:

Grundsätzlich sind NHL-Verträge von einer Seite nicht auflösbar – ein Unterschied etwa zur ECHL. Eine Ausnahme wären allerdings disziplinäre Verfehlungen oder auch Nicht-Bestehen von Fitness-Tests.

In diesem Falle könnte sich der Spieler, wenn er sich ungerechnet behandelt fehlt, erst an die Spielergewerkschaft wenden, mit deren Hilfe dann an einen neutralen Schiedsrichter.

Vier Punkte sind zu beachten

Vier Punkte sind zu beachten

Aber was ist, wenn beide Seiten sich über eine Vertragsauflösung einig sind? Kein Problem, allerdings gibt es einige Punkte zu beachten:

  1. Der Spieler muss den anderen Teams zuvor angeboten werden, bevor die Auflösung wirksam wird. Das erfolgt via Waivers, wo der Spieler innerhalb von 24 Stunden erworben werden kann.

  2. Meldet sich hier niemand (was meist der Fall ist), wird die Auflösung wirksam – der Spieler ist ab sofort ein Unrestricted Free Agent, kann bei jedem anderen Team in der NHL oder Europa unterschreiben. Sein altes Team gibt alle Rechte auf.

  3. Der Spieler wird nur bis zum Zeitpunkt der Vertragsauflösung bezahlt, einen etwaigen Signing Bonus kann er allerdings behalten. Abschlagszahlungen sind nicht erlaubt.

  4. Beide Verträge (vor und nach der Auflösung) werden natürlich “prorated”, also aliquot, ausbezahlt. Bei einem Wechsel nach Europa kann der neue Kontrakt natürlich frei verhandelt werden, unterliegt nicht mehr den NHL-Gesetzen.

All das passiert sehr selten, heuer allerdings schon dreimal, dass es mir ins Auge gestochen ist. Die Gründe waren unterschiedlich und so auch die weiteren Karrieren der Spieler:

David Kämpf

David Kämpf
Kämpf ist Teamkollege von Marco Rossi bei den Canucks.
Foto: ©GETTY

David Kämpf (In der NHL muss er auf seinen Umlaut verzichten) unterschrieb im Sommer 2021 nach vier Saisonen in Chicago bei den Toronto Maple Leafs, nach zwei guten Spielzeiten erhielt er dort einen neuen Vier-Jahres-Vertrag zu jeweils 2,4 Millionen US-Dollar.

Die ersten beiden Jahre spielte er für die Leafs, die Produktion des Bottom-6-Centers ging aber merklich zurück.

Heuer schickten ihn die Leafs aus dem Camp in die AHL, wo er lediglich vier Spiele bestritt, bevor er um eine Auszeit bat. Diese endete Mitte November, als er sich mit den Maple Leafs auf eine Vertragsauflösung einigte.

Der mittlerweile 31-Jährige unterschrieb umgehend bei den Vancouver Canucks für 1,1 Millionen Dollar bis zum Ende der Saison.

Wie steigen die drei Seiten aus?

Torontos sportliches Abschneiden wird von einer An- oder Abwesenheit des großgewachsenen Centers natürlich nicht beeinflusst. In Vancouver herrschte schon die ganze Saison eine Riesen-Center-Misere, auch der knapp drei Wochen zuvor aus Chicago geholte Lukas Reichel floppte schnell.

Verletzungen (Elias Pettersson, Teddy Bluegers, Marco Rossi) und überhaupt ein Mangel an Talent im Kader brachte Kämpf mitunter sogar eine Top-6-Rolle mit Eiszeit in entscheidenden Phasen ein.

In Punkten schlug sich das jedoch nicht nieder: Zwei Tore und ein Assist in 25 Spielen sind die Ausbeute des ehrlichen, aber offensiv doch limitierten Centers.

Der Wechsel nach Vancouver zahlte sich für Kämpf, der allerdings zwei Jahre Vertrag auf eines eintauschte, aber auf jeden Fall aus, gehört er doch zum Olympia-Aufgebot.

Der tschechische Nationalcoach Radim Rulik ist allgemein kein Fan der AHL, ein weiteres Verweilen von Kämpf bei den Toronto Marlies hätte seine Olympiateilnahme sicher gefährdet.

Alexandre Texier

Alexandre Texier
Texier spielt seit November in Montreal.
Foto: ©GETTY

Die Karriere des Franzosen fiel über die Jahre etwas ruckelig aus: Von Columbus 2017 in der zweiten Runde gedraftet, spielte er noch zwei Saisonen in Finnland, bevor er 2019 nach Saisonschluss nach Columbus bzw. ins Farmteam nach Cleveland jettete.

Es sollten drei NHL-Saisonen mit den Blue Jackets folgen, danach der erste Zacken der Karriere: Aus gesundheitlichen Gründen und um näher bei seiner Familie zu sein, unterschrieb er in Europa bei den ZSC Lions, anstatt seinen NHL-Vertrag zu erfüllen.

Der Center/Winger kehrte nach diesem Jahr in der Schweiz nach Columbus zurück, spielte dort auch noch 78 Spiele. Im Sommer 2024 tradeten ihn die Blue Jackets aber zu den St. Louis Blues, Texier brachte es dort aber nur auf 31 Spiele in seiner ersten Saison.

Texier schlug groß ein

Als auch der Start zu heurigen Saison mit lediglich acht von 20 möglichen Einsätzen (und die meist in der vierten Linie mit nur einem Punkt) in die Hose ging, wollten ihn die Blues in die AHL schicken. Texier weigerte sich und bat um Bedenkzeit.

Diese endete 23. November, als sein Vertrag im beiderseitigen Einvernehmen aufgelöst wurde. Der war 2,1 Millionen wert, sein neuer in Montreal nur eine Million.

Aber der Paycut gilt nur bis zum Ende der Saison: Texier schlug bei den Canadiens groß ein, spielte sich sogar in die Top-Linie und steht nun mit sieben Toren und 16 Assists in 25 Spielen da. Das Resultat: Ein brandneuer Deal für zwei weitere Saisonen zu jeweils 2,5 Millionen Dollar.

Wie steigen die drei Seiten aus?

Sollte Texier nicht völlig abstinken, ist das ein guter – vielleicht etwas überhasteter - Deal für die Canadiens, der mittlerweile 26-Jährige kann in allen Situationen und Positionen eingesetzt werden.

Die Blues müssen sich natürlich fragen, warum das mit ihm so gar nicht geklappt hat. Texier wiederum ist mehr als nur zufrieden: Ein neuer, gut dotierter Deal, der ihm zwei weitere Jahre Sicherheit bietet und er und seine Mutter, die ihn begleitet hat, können sich in Montreal in ihrer Landessprache verständigen.

David Tomasek

David Tomasek
Tomasek spielt mittlerweile wieder in Schweden.
Foto: ©GETTY

Ich bin ja auch schon einige Jahre dabei und eine Unterschrift wie von Tomasek im letzten Sommer in Edmonton erinnert mich an viele andere europäische Stars, die im höheren Alter in die NHL wechselten und dort scheiterten.

Das extremste Beispiel: Jiri Dopita, einst als bester Spieler außerhalb der NHL gefeiert. Er wagte den Sprung nach Übersee erst mit 33 (!) Jahren, hielt sich dort bei den Flyers und den Oilers aber nicht einmal zwei Saisonen.

Tomasek war dagegen mit 29 Jahren im letzten Sommer fast noch juvenil, dazu kam, dass er die nordamerikanische Lebensweise und Sprache aus seiner Juniorenzeit in der OHL kannte.

Die zehn Jahre danach verbrachte der Winger aber ausschließlich in Europa, wo er sich in Tschechien (Pardubice, Sparta Prag), Finnland (JYP), der KHL (Khabarovsk) und schließlich in zwei Saisonen bei Färjestad zu einem Offensivbringer entwickelte.

Traum von der NHL - Rückkehr nach Schweden

Tomasek wollte sich nach eigenen Aussagen den Traum von der NHL noch erfüllen, nahm daher im Sommer das Angebot der Edmonton Oilers über ein Jahr zu 1,2 Millionen Dollar an.

Der Start gelang dem Center/Winger auch: Er kam im Powerplay zum Einsatz, wo er allerdings einige Vorlagen von Leon Draisaitl nicht in weit offene Tore unterbringen konnte. Bei 5-5 war er nur selten mit dem Deutschen oder dem anderen Superstar Connor McDavid im Einsatz, sollte eher aus den hinteren Linien Offensive beitragen, wo die Centertiefe der Oliers überschaubar war.

Das gelang aber kaum, ein kleiner Mangel an Footspeed, der in Europa weniger ins Gewicht fällt, machte sich hier doch bemerkbar. Der nachverpflichtete Jack Roslovic macht die Punkte, die man sich von Tomasek erwartet hatte, bekam dann auch dessen Powerplayzeit.

Als auch noch Zach Hyman nach seiner Verletzung zurückkehrte, ging die Eiszeit des Tschechen noch mehr nach unten, bis er schließlich zum Healthy Scratch wurde. Das ergab für einen europäischen Star wie Tomasek im Gegensatz zu einem jüngerem Spieler natürlich keinen Sinn, seiner Bitte nach Vertragsauflösung wurde Ende Dezember entsprochen. 

Tomasek kehrte unter dem Jubel der Färjestad-Fans nach Schweden zurück.

Wie steigen die drei Seiten aus?

Färjestad kann sich über einen bewährten, körperlich starken Center mit Scorer-, aber auch defensiven Qualitäten freuen, mit vier Punkten in fünf Spielen stellte sich Tomasek auch wieder wie gewohnt ein.

Der Tscheche kann sich nicht vorwerfen, es nie in der NHL versucht zu haben, wird nun mit regelmäßiger Spielpraxis in Schweden zu Olympia reisen.

Für die Oilers war Tomasek ein Experiment mit Hoffnung, aber ohne Garantie, finanziell spielte er sowieso keine große Rolle.

Allerdings: Bei einer früheren Trennung hätte man wohl Verteidiger Troy Stecher, den man aufgrund des vollen Kaders auf Waivers setzten musste und prompt an die Maple Leafs verlor, wohl noch im Kader...

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