NEWS

Was hält 2026 für Rossi und die Canucks bereit?

Die NHL-Playoffs werden wohl ohne Vancouver stattfinden, wahrscheinlicher ist ein weiterer Ausverkauf. Was bedeutet das für Marco Rossi? Und wie sieht die Zukunft aus?

Was hält 2026 für Rossi und die Canucks bereit? Foto: © GETTY

Acht Spiele sind seit dem Megadeal um Quinn Hughes vergangen - was erwartet die Vancouver Canucks und Marco Rossi im neuen Jahr?

Wohl vor allem noch einige Kaderrochaden - LAOLA1-Scout Bernd Freimüller liefert einen Überblick:

Die Ergebnisse der Canucks seit dem Trade

Quinn Hughes für Zeev Buium, Marco Rossi und Liam Öhgren sowie einen Erstrunden-Pick 2026 - so die nackten Fakten des Trades zwischen den Minnesota Wild und den Vancouver Canucks am 12. Dezember.

Die Canucks gewannen danach ihre ersten vier Spiele eines Ost-Roadtrips, aus den nächsten vier Spielen gelang nur noch ein Overtime-Sieg in Seattle.

test

Das ist auch irgendwie typisch für das Team heuer: Auswärts mehr als nur passabel (26 Punkte in 22 Spielen), daheim aber mit neun Punkten aus 17 Spielen das schwächste Team der Liga. Und jetzt stehen im Jänner zehn Heimspiele an...

Playoff-Chancen?

Natürlich nur noch im theoretischen Bereich, da hat sich mit dem Trade gar nichts geändert.

Sechs Punkte Abstand auf einen Playoff-Rang hören sich natürlich nicht dramatisch an, nur: Zwischen den LA Kings (Achter der Western Conference) und den Canucks liegen sechs weitere Teams. Sieben Konkurrenten gesamt zu überflügeln ist illusorisch.

Das beweist auch die Gesamttabelle der NHL: Nur die Winnipeg Jets (letztes Jahr noch Grunddurchgangs-Sieger) liegen einen Zähler hinter den Canucks, die Chicago Blackhawks mit ebenfalls 35 Punkten sind gleichauf.

Wie präsentierten sich die neuen Canucks bisher?

Überschaubar - Zeev Buium traf gleich in seinem ersten Spiel, seitdem werden seine Offensivbeiträge wie in Minnesota von defensiven Aussetzern begleitet. Liam Öhgren überraschte noch am ehesten positiv, spielte sich von der vierten zuletzt sogar in die zweite Linie und traf auch schon zweimal.

Marco Rossi war bei und nach seinem Debüt als Einser-Center gesetzt und erhielt zeitweise auch die meiste Eiszeit unter den Forwards. Das änderte sich, nachdem Elias Pettersson nach einer Verletzung wieder zurückkam.

test
Viel Grund zum Lachen hatte Marco Rossi bislang noch nicht
Foto: ©GETTY

Auch die Linemates von Rossi sollten im Laufe der Zeit rotieren: Anfangs noch mit Brock Boeser und Jake DeBrusk (beide heuer grottenschlecht) im Einsatz, spielte er auch schon mit Evander Kane zusammen. Beim letzten Spiel waren Conor Garland und Öhgren seine Winger. Alles natürlich ein Riesenunterschied zu Linemates wie Matt Boldy und Kirill Kaprizov in Minnesota.

Rossis bis jetzt überschaubare Bilanz in acht Spielen: Ein Tor, ein Assist und -5. Daran wird sich auch in den nächsten Spielen nichts ändern, Rossi fällt nach einem geblockten Schuss einige Zeit aus (alle Infos >>>). Hoffentlich nicht wieder ein Bruch wie bei den Wild...

Wie sieht es überhaupt um die Center bzw. Forwards der Canucks aus?

Mehr Quantität als Qualität und das wird noch drastischer: Die langzeitverletzten Teddy Blueger und Filip Chytil (nach unzähligen Gehirnerschütterungen) stehen wieder im Eistraining, könnten in den nächsten Wochen dazukommen.

Die Centerachse würde daher im Vergleich zu Rossis Debüt, als die beiden und Pettersson nicht zur Verfügung standen, völlig neu aussehen. Drew O'Connor würde wohl auf den Flügel zurückkehren, David Kämpf und Faceoff-Ass Aatu Räty wären weitere potentielle Pivots.

Aber schon jetzt verfügen die Canucks über 14 Forwards, mit Blueger und Chytil wären es dann 16, die in die AHL geschickten Arshdeep Bains und Lukas Reichel gar nicht eingerechnet. Auch nur logisch, denn mit Huges ging ein Defender, mit Rossi und Öhgren kamen zwei Forwards.

Genug Quantität also, die Qualität ist aber gruselig: Elias Pettersson (sein hochdortierter Vertrag mit 11,5 Millilonen Dollar pro Jahr schaut von Tag zu Tag problematischer aus) ist mit 23 Punkten der Topscorer des Teams, das sagt schon alles. 

Trades stehen vor der Tür

Rossi sollte mit einigen Spielern nicht zu enge Bande aufbauen - nicht, dass diese faule Äpfel wären (am Kampfgeist scheitern die Canucks nicht), aber schon in Kürze wird der Ausverkauf, der mit Hughes begonnen hat, weitergehen.

GM Patrik Allvin betrieb zwar Verbalakrobatik und dichtete den Rebuild in einen "Hybrid Retool" um, aber klar ist: Die Canucks sind im Ausverkaufmodus und wissen, dass eine erfolgreiche Zukunft weit enfernt liegt.

Schon vor dem Hughes-Trade verständigten Allvin und James Rutherford (die Aufgabenverteilung zwischen den beiden ist für Außenstehende nicht leicht zu durchschauen) die restlichen 31 Teams, dass alle Cracks, deren Verträge nach der Saison auslaufen, zu haben seien.

Das gilt also für Defender Derek Forbort (Saison wohl schon vorbei), Blueger (muss sich erst wieder präsentieren), Linus Karlsson (zuletzt auffällig, aber wohl mit wenigen Interessenten), Kämpf (heuer schon gratis per Waivers zu haben) und vor allem Evander Kane und Kiefer Sherwood.

test
Einer der heißesten Trade-Kandidaten: Evander Kane
Foto: ©GETTY

Kane ist zwar nicht leicht zu handeln, der 34-Jährige spielt aber in den Playoffs oft sein bestes Hockey. Sherwood ist sicher die heißeste Aktie und sollte den größten Gegenwert einbringen - ein körperlich starker Forward mit Abschlussqualitäten (mit 16 Toren mit Abstand der beste Canucks-Scorer) und mit einem Gehalt von 1,5 Millionen Dollar cap-mäßig leicht unterzubringen.

Aber Allvin und Rutherford werden ihre Ohren auch bei anderen Anfragen nicht unbedingt verschließen, untradeable scheint kein Spieler mehr zu sein. Hofft jemand Pettersson wieder auf Achse zu bringen (Carolina soll interessiert sein)? Traut sich ein Team mit Goalieproblemen über Thatcher Demko heran? Er oszilliert wie Jan Mursak beim KAC zwischen oftmaligen Krankenständen und starken Leistungen.

Beides würde überraschen, genauso wenn sich für Boeser und DeBrusk Interessenten fänden. Demkos neuer höher dotierter Drei-Jahres-Vertrag beginnt überhaupt erst im nächsten Sommer, das macht einen Trade ebenso unwahrscheinlich wie bei DeBrusk (2031), Pettersson und Boeser (2032).

Conor Garland (eigentlich der Teamleader) und Defender Filip Hronek sind heuer auch eher positive Erscheinungen und würden sicher Interesse hervorrufen, wenn sie nicht ebenfalls langfristig (2032) unter Vertrag stehen würden.

Realistisch daher: Kane und Sherwood sind so gut wie weg, nur der Zeitpunkt und der Gegenwert sind noch offen. Drew O'Connor (2027) könnte ebenfalls folgen, wenn die Canucks ihm die Freigabe erteilen.

Er verfügt auch (wie Kane oder Blueger) über eine (modified) No-Trade-Clause, Pettersson, Boeser und DeBrusk gar über No-Movement-Clauses. Es wäre aber eher unvorstellbar, dass sie sich neuen Destinationen verschließen würden.  

Wie sieht die Zukunft in Vancouver aus?

Hochdotierte Leistungsträger, die nicht abliefern, der größte Star mit Quinn Huges getradet, Rossi und auch Garland mit Verletzungen out, dazu kaum nachrückende Talente.

Die unmittelbare Zukunft der Canucks sieht düster aus, große interne Verstärkungen könnten nur durch (mehrere) hohe Picks erfolgen und das braucht Jahre.

Allerdings garantiert auch der letzte Platz (immer im Bereich des Möglichen) keinen automatischen Top-Pick, der für die Organisation ohnehin ein Novum wäre.

Siegesserien wären eher kontraproduktiv, die nächsten Wochen werden aber für die leidgeprüften Fans eher eine Kombination von Niederlagen und Abgängen bringen...

Ranked: Die Rekord-Torschützen der NHL

Kommentare