Nur: Es ist immer am dunkelsten, bevor man das Licht andreht. Zu den Schlusslichtern der letzten zehn Jahre gehörten Teams wie Colorado, Montreal, San Jose oder Buffalo, die dann doch – im Falle der Sabres mit großer Verzögerung – wieder nach oben trendeten oder wie die Avalanche oder Canadiens jetzt zu den besten oder hoffnungsvollsten Organisationen der Liga gehören.
Wie immer in der NHL – schlechte Saisonen und die damit verbundenen Ausverkäufe bringen viele und hohe Picks mit sich. Die Canucks verfügen in den nächsten drei Jahren über 27 Picks, zehn davon in den ersten beiden Runden.
Der letzte Rang garantiert einen Pick unter den ersten drei im nächsten Draft im Juni, die Chance also auf Spieler wie Gavin McKenna, Defender Keaton Verhoeff oder den schwedischen Winger Ivan Stenberg. Wie sehr schon ein einziger junger Spieler eine Organisation nach oben drehen kann, sieht man im Fall von Macklin Celebrini und den Sharks. Die vielen Draftrechte außerhalb der ersten Runde dienen auch als Spielgeld, können jederzeit gegen etablierte Cracks bzw. Nachwuchshoffnungen eingetauscht werden.
Neuer Coach als Initialzündung?
Auch ein neuer Coach kann eine Organisation schnell nach oben bringen: Zudem sollte nach dieser Saison Geschichte sein. Nach drei Saisonen als Assistant und einer davor fragwürdigen Vita kann er natürlich auf mangelndes Spielermaterial sowie viele Verletzungen hinweisen. Allerdings: Die defensiv vogelwilden Auftritte mit bisher 295 Gegentoren sind auch ihm anzulasten. Gehe davon aus, dass nächste Saisonen ein Coach mit mehr Erfahrung hinter der Bande steht.
Trotz einiger fragwürdiger Verträge sieht die Gehaltssituation der Canucks nicht so schlecht aus – der Cap-Spielraum für die nächste Saison beträgt knapp 22 Millionen Dollar, wobei nur die Verträge von Evander Kane, dem langzeitverletzten Derek Forbort und Teddy Blueger (wohl als einziger noch ein Thema) auslaufen. Das für Hughes akquirierte Trio um Rossi, Zeev Buium und Liam Öhgren ist noch zwei oder drei Offseasons von neuen Verträgen entfernt.
Die Buyouts bzw. Gehaltsübernahmen von Oliver Ekman-Larsson und Tyler Myers stehen zwar noch zu Buche, sind aber spätestens ab dem Sommer 2027 mit knapp zwei Millionen für Ekman-Larsson überschaubar. Kuriosum am Rande: Der schwedische Defender wäre mit seinen 38 Punkten für die Maple Leafs heuer Vierter der Canucks-Scoringliste.
Torwartposition als Achillesferse
Um auf die Verträge zurückzukommen: Der mit 11, 6 Millionen pro Jahr dotierte Kontrakt von Elias Pettersson läuft noch bis 2032 und was von ihm seit der Unterschrift kam, ist nicht viel, von einem Top-Center weit entfernt. Der Schwede bekam den Vorzug gegenüber Bo Horvat (ein Cap-Opfer) und J. T. Miller, der nach Streitigkeiten zu den Rangers getradet wurde. Von drei starken Centern blieb einer übrig und der spielt meist mit wenig Pep und Drive.
Fast so schwer in der Magengrube liegend wie Petterssons Vertrag stellt sich der neue von Thatcher Demko dar, der erst im Sommer beginnt: 25, 5 Millionen für drei Jahre. Als Vorgriff präsentierte sich der 30-jährige Goalie wie in den letzten Jahren: Wenn er spielt, dann sehr gut, allerdings nicht sehr oft. Seine Saison ist schon seit Wochen verletzungsbedingt beendet und es besteht wenig Hoffnung, dass er die nächsten Jahre robuster auftritt.
Die Goalieposition ist überhaupt eine Achillesferse der Canucks: Demko überwiegend im Krankenlager, Kevin Lankinen (bis 2030 unter Vertrag) kein dauerhafter Einser, Nikita Tolopilo als Einspringer überfordert. Logisch wäre es, einen neuen Torhüter zu verpflichten, nur: Demko und Lankinen nehmen schon 13 Millionen Dollar pro Jahr ein. Auf der Reserve List findet sich mit dem 18-jährigen Aleksei Medvedev zwar ein kleiner Hoffnungsträger, mit seinen 18 Jahren ist er aber noch weit von NHL-Einsätzen entfernt.
Verworrene Führung
Die Reserve List der Canucks wird ligaweit als durchschnittlich eingestuft. Braeden Cootes – letzten Sommer in der ersten Runde gezogen – gilt als smarter Zwei-Weg-Center, muss aber erst über die AHL herangeführt werden. Winger Jonathan Lekkerimaki wurde als Scorer-Hoffnung 2022 gedrafted, sein Footspeed hat aber bis jetzt nicht NHL-Niveau erreicht.
Zu Ehrenrettung der Canucks-Nachwuchsriege: Verteidiger Tom Willander wurde heuer aufgrund der misslichen Lage in die NHL hochgezogen, anstatt in der AHL zu reifen. Auch Buium ist erst 20 Jahre alt, was oft vergessen wird – beide sollten mit etwas mehr Hilfe in den nächsten Jahren nach oben trenden.
Reserve List, Verträge, Trades – alles natürlich in der Verantwortung der Führungsriege. Doch die stellt sich verworren dar, spätestens seit dem Trade von Hughes, als Jim Rutherford nach Interessenten suchte. Ist der 77-jährige als President of Hockey Operations GM Patrik Allvin überstellt oder nicht? Ein verworrenes Szenario, das sich im nächsten Sommer auflösen muss – ein neuer GM würde ebenso wie die Eishockey-Pension für Rutherford nicht überraschen.
Auch Eigentümer nicht mit bester Reputation …
Diese und ähnliche Entscheidungen muss Klubeigentümer Francesco Aquilini in die Wege leiten. Der 66-Jährige hat aber auch nicht die beste Reputation. Bezeichnend für seinen Sparkurs: Noch immer sind die Canucks das einzige NHL-Team ohne eigenes Trainingscenter, was sich natürlich auch zu Free Agents herumspricht. Die Direktiven, dass das Wort "Rebuild" lange auf dem Index stand (Allvin musste heuer verbale Slaloms hinlegen), kommen natürlich auch von ihm.
Mit Manny Malhotra und Ryan Johnson stehen zwei Hoffnungsträger als Coach bzw. GM beim Farmteam in Abbotsford unter Vertrag, die vor einem Jahr auch den AHL-Titel holten. Sie haben sicher eine Zukunft bei den Canucks, aber beginnt diese schon heuer und würden sie zu diesem Zeitpunkt nicht verbrannt werden? Aquilinos Entscheidungen in den letzten Jahren erfolgten immer ohne große Marktrecherche, auch das ein Grund für die Entwicklung der letzten Zeit.
Die Saison 25/26 wird als die schlechteste in die Canucks-Historie eingehen – bleibt nur zu hoffen, dass Ähnliches nicht auch für die in Kürze beginnende Off-Season zutrifft ...