Freimüller analysiert die Vegas Golden Knights

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Dänemark oder Griechenland Fußball-Europameister? Kaiserslautern als Aufsteiger gleich deutscher Meister? Leicester City Gewinner der Premier League? Alles Kinderkram, sollten die Vegas Golden Knights den 1:3-Rückstand in den NHL-Finals gegen die Washington Capitals noch drehen und nach Finale 7 den Stanley Cup in die Höhe hieven.

Selbst wenn die Krönung ausbleiben sollte, ist die erste Saison des NHL-Neulings als absolute Sensation zu betrachten. Noch ist das Stanley-Cup-Finale nicht vorbei: Die Heimstärke der Golden Knights ist einer ihrer Vorteile.

Egal wie die Finalserie ausgeht, ist das bisherige Auftreten doch Grund genug für LAOLA1-Experte Bernd Freimüller, die sportlichen Aspekte der Erfolgsgeschichte des Expansion-Teams noch einmal näher zu beleuchten:

Der unerwartete Erfolgslauf

Alle NHL-Pundits sind sich ausnahmsweise einmal einig: Die Erfolgsstory von Vegas hat keiner kommen sehen. Schon der Grunddurchgang war einer für die Geschichtsbücher, angeblich - ich habe keine Ahnung von diesen Sportarten - hat nie ein MLB-, NBA- oder NFL-Team in seiner Expansion-Saison seine Division gewonnen. 109 Punkte bedeuteten die fünftbeste Ausbeute und den souveränen Einzug in die Playoffs.

Das alleine wäre schon eine Cinderella-Story gewesen, doch die war noch lange nicht beendet: Die Los Angeles Kings (Sweep), die San Jose Sharks (4-2) und die Winnipeg Jets (4-1) waren die nächsten Opfer, wobei vor allem die vier Siege en suite gegen die bärenstarken Jets auch die letzten Zweifler verstummen ließen. 13-3 lautete die Ausbeute in den Playoffs vor dem Finale, daheim verlor man bis dahin nur eines der acht Spiele.

Hilfe durch den Expansion Draft

Wie hier auch schon mehrmals angeführt (meine Analysen vor und nach dem Expansion Draft) – der Expansion Draft kam dem Neuling durch seine großzügigeren Regeln sicher mehr entgegen als seinen Vorgängern vor Jahren. Doch das alleine hätte nicht gereicht: Einige Teams waren offenbar so damit beschäftigt, bestimmte Spieler zu beschützen, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht sahen. Und dass ein Expansion-Team natürlich ohne schlechte oder einfach nur hohe Verträge startete und solche daher aufnehmen konnte, war auch ein Startvorteil.

Bestes Beispiel für die großzügige Unterstützung durch ein bestehendes NHL-Team: Die Florida Panthers ließen Jonathan Marchessault unprotected, obwohl dieser in der Vorsaison bereits 30 Tore erzielt hatte. Seine Ausbeute heuer (bei einem noch laufenden Vertrag von lächerlichen 750.000 US-Dollar): 75 Punkte in 77 Regular Season Games, 20 Punkte in bisher 19 Playoff-Spielen. Vegas nahm den Panthers auch noch gerne Reilly Smith und dessen dort unerwünschten 25-Millionen-Dollar-Vertrag ab.

Mit Marchessault und William Karlsson bildet Smith die Topline eines tief besetzten Teams. Der Panthers-General-Manager konnte dadurch immerhin Alex Petrovic beschützen, heute Defender Nummer sechs in seiner Depth Chart. Für dieses Entgegenkommen gab Dale Tallon Vegas-Gegenüber George McPhee auch noch einen Viertrunden-Pick als Draufgabe mit. Hier waren sich die Experten schon nach dem Draft einig, heute natürlich noch mehr: Was hat sich Tallon, dessen Panthers wieder einmal die Playoffs verpassten, dabei gedacht?

Auch Minnesota-GM Chuck Fletcher könnte seine Expansion-Politik neben anderen Faktoren seinen Job gekostet haben: Um etwa seine Defender Marco Scandella oder Matt Dumba zu beschützen, ließ er Erik Haula nach Vegas ziehen und gab den Knights als Morgengabe für dieses Entgegenkommen auch noch Youngster Alex Tuch mit. Beide entpuppten sich als Schlüsselspieler in Vegas, Haula kam gar auf unglaubliche 29 Regular-Season-Tore.

Neue Rollen, neues Glück

Nochmals zu William Karlsson: Im Gegensatz zu Marchessault, dessen Erfolg nicht so überraschend kam, sah niemand die unglaubliche Saison des Schweden kommen. Bei Columbus ein Tiefen-Center mit sechs Saisontoren in 81 Spielen, bei Vegas steigerte er sich mit der Rolle als Top-Pivot und erzielte unglaubliche 43 Tore in 82 Spielen.

Welcher dieser beiden Karlssons ist nun der wahre? Nun, ein Shooting Percentage von 23 Prozent im Grunddurchgang ist wohl kaum aufrechtzuerhalten, aber er hatte schon in jungen Jahren seine Qualitäten, wenngleich vielleicht auch nicht im Torjäger-Bereich. Ein Blick auf meinen letzten Junior-Report über ihn nach der U18-WM 2011 bildet diese Dichotomie auch ab: "Maybe another Loui Eriksson although his goal scoring potential may not be that high."

Ein weiteres Beispiel für einen Spieler, der sich mit zusätzlicher Eiszeit steigerte: Defender Nate Schmidt war ungefähr Nummer sieben in der Depth Chart der Washington Capitals, die ihn deswegen auch unprotected ließen. In Las Vegas ist Schmidt nun die Nummer eins in einer überaus mobilen Defensive.

Kaum Stars, ein vermeintlich wild zusammengewürfelter Haufen - aber die Vegas Golden Knights stehen im ersten Jahr ihres Bestehens im Stanley-Cup-Finale! LAOLA1 hat die unwahrscheinlichen Helden und ihre vorhergehenden Stationen zusammengetragen:

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Marc-Andre Fleury (G, 33, Kanada) - 61 Spiele, 92,8% Save Percentage

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Der Star der Mannschaft durfte schon drei Stanley Cups mit den Pittsburgh Penguins in die Höhe wuchten, für die er seit 2003 spielte (2008/09, 2015/16, 2016/17). Fiel mit einer Gehirnerschütterung ab Mitte Oktober 25 Spiele lang aus, verpasste dafür in den Playoffs keine Partie.

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Malcolm Subban (G, 24, Kanada) - 22 Spiele, 91,0% Save Percentage

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Zuvor bei den Boston Bruins kaum berücksichtigt, holte Vegas Subban im Oktober von den Waivers. Nach der Fleury-Verletzung hätte seine Chance gewartet, doch er verletzte sich selbst und kehrte erst im November wieder zurück. In insgesamt 22 Auftritten bewies der Bruder von Nashville-Defender und Lindsey-Vonn-Freund P.K. Subban seine Backup-Qualitäten.

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Maxime Lagace (G, 25, Kanada) - 16 Spiele, 86,7% Save Percentage

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Der ungedraftete Goalie wartete seit 2014 bei den Dallas Stars vergeblich auf eine NHL-Chance. Die bekam er nach der Verletzungs-Misere im Vegas-Tor, wo er zwischendurch 16 Spiele bestritt.

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Deryk Engelland (D, 36, Kanada) - 94 Spiele, 5 Tore, 18 Assists

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Der 2000 von New Jersey gedraftete Defender musste fast zehn Jahre warten, ehe ihm die Pittsburgh Penguins eine NHL-Chance gaben. Seither war er eben dort und später drei Jahre bei den Calgary Flames Stammspieler, wo er nach seinem auslaufenden Vertrag für den Expansion Draft freigegeben wurde. Als Wahl-Bewohner von Las Vegas - hier spielte er einst für die Wranglers ECHL, traf seine Frau und blieb gleich - wurde er zu einer logischen Wahl. Er war Vegas-Nominee für die King Clancy Memorial Trophy.

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Jason Garisson (D, 33, Kanada) - 8 Spiele, 1 Assist

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Bei den Florida Panthers, Vancouver Canucks und Tampa Bay Lightning einst noch sehr gefragt, wurde Garrison ein Verlegenheits-Pick im Expansion Draft und konnte sich auch keinen Stammplatz bei den Golden Knights erkämpfen. Acht Saison-Einsätze, der Großteil der Saison aber beim AHL-Team Chicago Wolves verbracht.

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Brad Hunt (D, 29, Kanada) - 45 Spiele, 3 Tore, 15 Assists

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Umgekehrt zu Garrison spielte Hunt bei den Edmonton Oilers, St. Louis Blues und Nashville Predators kaum eine Rolle, ehe er sein Pensum in Vegas ordentlich nach oben schrauben konnte. Alle seine Stats konnte er innerhalb der ersten Golden-Knights-Saison mehr als verdoppeln, obwohl er seit 2013 am NHL-Eis stand.

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Brayden McNabb (D, 27, Kanada) - 91 Spiele, 7 Tore, 13 Assists

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Die ersten zwei NHL-Jahre ab 2011 bei den Buffalo Sabres noch Ergänzungsspieler, fand McNabb in den kommenden zwei Saisonen bei den Los Angeles Kings mehr Spielzeit. Das dritte Jahr verlief etwas holpriger, weswegen der Drittrunden-Pick 2009 für den Expansion Draft freigegeben wurde.

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Jon Merrill (D, 26, USA) - 42 Spiele, 1 Tor, 2 Assists

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An das Arbeitspensum, welches Merrill ab 2013 bei den New Jersey Devils absolvierte, kam er in der ersten Vegas-Saison nicht ganz heran - aber die Golden Knights sind mit seinem Output zufrieden. Im Jänner einigte man sich bereits auf eine Vertragsverlängerung um zwei Jahre.

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Colin Miller (D, 25, Kanada) - 97 Spiele, 12 Tore, 32 Assists

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2012 von den Los Angeles Kings in der 5. Runde gedraftet, kam Miller nie auf kalifornischem Eis zum Einsatz. Erst, als er 2015 als Teil des Trades rund um Milan Lucic zu den Boston Bruins abgegeben wurde, kam die Karriere langsam in Schwung. Nach einem mittelmäßigen und einem guten Jahr an der Ostküste wanderte er als Expansion Pick in die Wüste, wo Miller unumstritten ist und besonders durch die 32 Assists auch gut scorte.

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Luca Sbisa (D, 28, Schweiz) - 37 Spiele, 2 Tore, 14 Assists

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Der Erstrunden-Pick 2008 sollte eine defensive Stütze sein, konnte diese Rolle aufgrund von Verletzungspausen aber noch nicht dauerhaft ausfüllen. Aufgrund einer Handverletzung fiel er etwa von Mitte Februar bis Anfang Mai aus. Nach nur einem Jahr bei seinem Ursprungs-Klub Philadelphia Flyers war Sbisa von 2009 bis 2014 bei den Anaheim Ducks, anschließend bei den Vancouver Canucks tätig.

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Nate Schmidt (D, 26, USA) - 91 Spiele, 7 Tore, 35 Assists

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Ungedraftet zu einem Vertrag bei den Washington Capitals: Nate Schmidt überzeugte seine einzige vorhergehende NHL-Station mit Leistung und war spätestens ab 2015 fixer Bestandteil im Aufgebot des steten Eastern-Conference-Mitfavoriten der letzten Jahre. In der Hauptstadt durfte er auch schon entsprechend Playoff-Erfahrung sammeln. Für die Golden Knights hat sich der Pick im Expansion Draft sehr bezahlt gemacht, mit 35 Assists ist Schmidt ein starker Vorbereiter.

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Clayton Stoner (D, 33 Kanada) - 0 Spiele

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Bei den Minnesota Wild (2009-2014) und Anaheim Ducks (2014-2017) zum Stammpersonal gehörend, konnte Stoner bislang verletzungsbedingt nur in der Pre-Season für Vegas auf das Eis. Unrühmliche private Geschichte: Aufgrund der Tötung eines Grizzlybären 2013 wurde Stoner zu 10.000 US-Dollar Strafe und drei Jahren Jagdverbot verdonnert.

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Shea Theodore (D, 22, Kanada) - 76 Spiele, 8 Tore, 28 Assists

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Kam gemeinsam mit Stoner von den Anaheim Ducks, deren Erstrunden-Pick er 2013 war. Die Ducks schützten dadurch Josh Manson und es entstand ein Win-Win-Geschäft: War Theodore in Kalifornien nur Ergänzungsspieler, der eher in der AHL zum Zug kam, läuft es in Las Vegas wesentlich besser.

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Zach Whitecloud (D, 21, Kanada) - 1 Spiel

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Er kam, sah, siegte - und musste wieder zuschauen. Erst Anfang März von Vegas mit einem Dreijahres-Vertrag ausgestattet, ist Whitecloud ein Zukunftsversprechen. Seinen ersten und einzigen NHL-Auftritt hatte er am 5. April gegen die Edmonton Oilers (3:4), wobei er das Spiel mit einer Plus-Minus-Statistik von +3 beendete. Da er zur Trade Deadline aber nicht auf der Reserve List der Golden Knights aufschien, war seine NHL-Saison mit Playoff-Beginn sowieso vorbei.

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Pierre-Edouard Bellemare (C/W, 33, Frankreich) - 87 Spiele, 6 Tore, 11 Assists

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Nach acht Jahren in Schweden gelang Bellemare spät der Sprung nach Nordamerika. Ab 2013 war der Franzose dafür aus dem Stand weg Stammspieler bei den Philadelphia Flyers und Teamkollege von Michael Raffl.

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Ryan Carpenter (C/RW, 27, USA) - 49 Spiele, 9 Tore, 10 Assists

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Die San Jose Sharks holten Carpenter nach seiner College-Zeit ungedraftet und ließen ihn erst einmal beim AHL-Team walten, wo er gleich zum besten Scorer wurde. Ab 2015 bekam er nur vereinzelte NHL-Chancen und pendelte zwischen NHL und AHL, im Dezember funkten die Golden Knights dazwischen und holten ihn von den Waivers.

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William Carrier (LW/RW, 23, Kanada) - 46 Spiele, 1 Tor, 2 Assists

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2013 von den St. Louis Blues in der 2. Runde gedraftet, wurde Carrier (Mit-)Gegenstand eines Tauschgeschäfts mit den Buffalo Sabres. Erst dort durfte er 2016/17 eine halbe NHL-Spielzeit absolvieren. Im Expansion Draft wurde er gemeinsam mit einem Draft Pick nach Vegas geschickt.

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Cody Eakin (C, 26, Kanada) - 95 Spiele, 14 Tore, 17 Assists

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Die Karriere bei den Washington Capitals, deren Drittrunden-Pick Eakin 2009 war, endete nach 30 Spielen 2011/12, ehe es im Tausch mit Mike Ribeiro zu den Dallas Stars ging. Dort war er in den folgenden Jahren relevanter Baustein, eine sehr schwache Saison 2016/17 (nur zwölf Scorerpunkte) gab ihn zum Expansion Draft frei. In Las Vegas läuft es wieder besser, auch wenn die Zahlen noch nicht ganz an seine Hochzeiten heranreichen.

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Erik Haula (C/LW, 27, Finnland) - 91 Spiele, 32 Tore, 30 Assists

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Wie schon Thomas Vanek an der University of Minnesota groß geworden, wurde der Finne spät im Draft 2009 von seinem "Heim-Team" Minnesota Wild gezogen. Trotzdem erkämpfte er sich ab 2013 einen Stammplatz und führte die Wild 2015/16 in der Plus-Minus-Statistik an. Er wanderte gemeinsam mit Alex Tuch beim Expansion Draft nach Vegas, was die Golden Knights aber nicht störte - der Finne bekam gleich einen Dreijahres-Vertrag verpasst und dankte das mit dem tollen Output von bislang 62 Scorerpunkten, fast doppelt so viele wie in seiner bisher besten NHL-Saison.

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William Karlsson (C/LW, 25, Schweden) - 97 Spiele, 49 Tore, 42 Assists

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Der Aufsteiger der Saison! Obwohl Zweitrunder im Draft 2011, kam Karlsson - am output gemessen - bei den Anaheim Ducks und Columbus Blue Jackets nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. Die erste Saison in Las Vegas und der 25-Jährige, Weltmeister 2017, hat seinen bisherigen NHL-Output schon fast verdoppelt. Mit 91 Scorerpunkten ist er klarer Leader der Golden Knights.

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Oscar Lindberg (C, 26, Schweden) - 66 Spiele, 9 Tore, 3 Assists

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Lindberg wurde zwar schon 2010 in der 2. Runde von den damaligen Phoenix Coyotes gedraftet, es sollte aber bis 2013 dauern, ehe sein Übersee-Abenteuer begann - und das erst einmal in der AHL bei Hartford. Die New York Rangers, die die Rechte an ihm 2011 ertradeten, bauten ihn schließlich ab 2015 in ihr Team ein. Als Pick im Expansion Draft konnte der Doppel-Weltmeister (2013, 2017) gleich im ersten Heimspiel der Vegas Golden Knights anschreiben.

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Jonathan Marchessault (LW/RW, 27, Kanada) - 92 Spiele, 35 Tore, 58 Assists

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Nach erster Schnupperluft in den Jahren 2012/13 (Columbus Blue Jackets) und 2014/15 (Tampa Bay Lightning) wurde Marcehssault erst 2015/16 bei den Bolts zu einem "richtigen" NHL-Spieler. Für einen neuen Vertrag reichte es aber nicht, weswegen es als Free Agent zu den Florida Panthers ging. 2016/17 erfolgte dort die Leistungsexplosion mit 30 Toren und 21 Assists, die der Kanadier im ersten Vegas-Jahr noch einmal steigern konnte. Auf ihn wird in der Wüste langfristig gebaut, er hat einen Fünfjahres-Vertrag inne.

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Stefan Matteau (LW, 24, USA) - 8 Spiele, 1 Assist

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Als Erstrunden-Pick von New Jersey im Jahr 2012 konnte der US-Amerikaner mit kanadischen Wurzeln die Devils nicht überzeugen und wurde 2016 nach vereinzelten NHL-Einsätzen zu den Montreal Canadiens transferiert. Nach einer kompletten Saison in der AHL schloss er sich im Juli 2017 als Free Agent den neu gegründeten Golden Knights an, wo es allerdings bislang auch nur zu einzelnen Auftritten reicht.

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James Neal (RW/LW, 30, Kanada) - 86 Spiele, 29 Tore, 24 Assists

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Playoff-Erfahrung satt! Nach dem guten Start der Karriere bei den Dallas Stars ging es für den Zweitrunden-Pick 2005 im Jahr 2011 weiter zu den Pittsburgh Penguins, seither war er an jeder Postseason aktiv beteiligt. 2011/12 brachte es Neal auf satte 87 Scorerpunkte. 2014 ging es zu den Nashville Predators weiter, wo er im vergangenen Jahr die Luft eines Stanley-Cup-Finales atmen durfte, allerdings gegen sein Ex-Team unterlag.

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Tomas Nosek (C/LW, 25, Tschechien) - 82 Spiele, 8 Tore, 10 Assists

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Ein weiterer Spieler, der den Sprung von Europa in die NHL ohne Draft schaffte. Nach dem Sprung über den Teich ging es in die AHL, wo der Tscheche bei den Grand Rapids Griffins zumindest so auffiel, dass ihm die Detroit Red Wings vereinzelte NHL-Einsätze gönnten. 2016/17 errang Nosek mit den Griffins den Calder Cup und führte das Team dabei nach Scorerpunkten an. Als "billige Abgabe" Detroits im Expansion Draft konnte sich Nosek in Las Vegas als Stammspieler etablieren.

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David Perron (LW/RW, 29, Kanada) - 81 Spiele, 16 Tore, 57 Assists

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Als verlässlicher Scorer war Perron von 2007 bis 2013 Bestandteil der St. Louis Blues, wobei er fast die gesamte Saison 2010/11 aufgrund einer Gehirnerschütterung verpasste. Nach einer schlechten Saison 2012/13 ging es zu den Edmonton Oilers, wo er nur im ersten Jahr überzeugen konnte, und weiter zu den Pittsburgh Penguins, wo der Kanadier ebenfalls nicht ganz glücklich wurde. Ein Kurzauftritt bei den Anaheim Ducks und die Rückkehr nach St. Louis machten ihn zum Wandervogel, in Vegas könnte die Heimat wieder langfristiger werden: Die 73 Scorerpunkte im ersten Jahr sind ein Karriere-Hoch.

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Ryan Reaves (RW, 31, Kanada) - 27 Spiele, 1 Tor, 2 Assists

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Ähnlich wie Perron war Reaves - allerdings etwas später - ein essentieller Bestandteil der St. Louis Blues von 2010 bis 2017., ohne jedoch ein großer Scorer zu sein. Die aktuelle Saison hat er eigentlich im Tausch für Oskar Sundqvist bei den Pittsburgh Penguins begonnen, von denen er aber im Februar nach Vegas weitergeschickt wurde. In den Playoffs musste er erst neun Spiele zusehen, ehe seine große Stunde schlug: Der Gamewinner in Spiel 5 gegen die Winnipeg Jets ging auf sein Konto.

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Brandon Pirri (C/W, 27, Kanada) - 2 Spiele, 3 Tore

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Pirri ist ein Ergänzungsspieler, der während seines Vertrags bei den Chicago Blackhawks eher in der AHL zu finden war. Nach dem Wechsel zu den Florida Panthers 2013/14 nahm die NHL-Karriere etwas mehr Schwung auf, zweieinhalb halbwegs brauchbare Jahre waren für einen Durchbruch aber nicht genug. Ein Kurzauftritt bei den Anaheim Ducks und eine mäßige Saison bei den New York Rangers später fand sich Pirri in der Wüste, wo er aber bislang nur auf zwei Spiele kam und den Rest der Zeit beim AHL-Team Chicago Wolves werkt.

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Reilly Smith (LW/RW, 27, Kanada) - 82 Spiele, 24 Tore, 52 Assists

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Nachdem sich Smith zu Beginn seiner NHL-Karriere bei den Dallas Stars nicht durchsetzen konnte, bewies er ab 2013 bei den Boston Bruins, dass er es sehr wohl drauf hat: 56 Scorerpunkte in der ersten, 40 in der playoff-losen zweiten, eine Quote, die er auch bei den Florida Panthers erst aufrechterhalten konnte. 2016/17 lief nicht mehr so gut, so wurde er den Südstaatlern zu teuer und für den Expansion Draft freigegeben. Und 24 Tore sind ebenso ein Karriere-Hoch wie die 52 Assists.

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Tomas Tatar (LW/RW, 27, Slowakei) - 26 Spiele, 5 Tore, 2 Assists

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Der Slowakei-Internationale musste lange mit der AHL Vorlieb nehmen, wo er vier starke Saisonen hinlegen musste, ehe es zum NHL-Durchbruch bei den Detroit Red Wings reichte. Ab 2013/14 begann der nur 1,78m große Stürmer, sein Können auf höchster Ebene zu zeigen, und durfte sich vor einem Jahr über einen neuen Vierjahres-Vertrag freuen. Dennoch ging die Reise im Februar zur Trade-Deadline für drei Draftpicks nach Vegas.

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Alex Tuch (C/RW, 22, USA) - 93 Spiele, 21 Tore, 25 Assists

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Als Erstrunden-Pick (Nr. 18) der Minnesota Wild 2014 schaffte es Tuch nur auf sechs NHL-Einsätze in Grün, bei denen er auch ohne Punkte blieb. 2017 ging er im Tausch dafür, dass die Golden Knights Erik Haula im Expansion Draft auswählen, ebenfalls nach Nevada. Gleich im ersten NHL-Spiel kam der 22-Jährige auch zu seinem ersten NHL-Tor und verblieb in Folge im NHL-Aufgebot. Sechs Tore und drei Assists in 15 Playoff-Spielen sind eine starke Marke.

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Das Mastermind

GM George McPhee stellte mit seinem Staff den Kader zusammen und schöpfte vor allem die Regeln des Expansion Drafts zu seinen Gunsten aus. Wie seine Spieler hatte auch McPhee einiges zu beweisen: Zwar lieferte er für die Capitals 17 Jahre eine solide Arbeit ab, viele Leute erinnern sich aber nur daran, dass er trotz einiger starker Teams nie den Stanley Cup nach Washington brachte sowie an einen völlig missratenen Deal, der sein Ende dort auch beschleunigte: Für den alternden Martin Erat (und die Draufgabe Michael Latta) schickte er 2013 den aufstrebenden Filip Forsberg nach Nashville. Weder Erat noch Latta halfen den Capitals in irgendeiner Art und Weise, Forsberg (bis dahin mit guten Ansätzen, aber wenig Offensive) entwickelte sich in Nashville zu einem NHL-Superstar.

Aber auch in Vegas klappte nicht alles: Der Russe Vadim Shipachyov kam als Free Agent aus St. Petersburg und war eigentlich als einer der Topstürmer eingeplant, was alleine schon an seinem Vertrag (zwei Jahre, neun Millionen Dollar gesamt) zu erkennen war. Nach drei Spielen für die Golden Knights und einem verweigerten Stint in der AHL war er schon wieder Geschichte.

Eine Petitesse natürlich angesichts des unglaublichen Erfolgsruns der Golden Knights, den McPhee jetzt ausgerechnet gegen seinen alten Arbeitgeber noch veredeln könnte.

Der Spielstil

Speed ist ihre Visitenkarte, sie haben den Trend der Zeit richtig erkannt. Doch es geht gar nicht nur darum, gut zu Fuß zu sein, das sagte auch Kings-Head-Coach John Stevens nach deren Erstrunden-Niederlage: "Sogar ihre nicht so schnellen Spieler spielen mit hohem Tempo. Kein anderes Team wechselt die Spielrichtung so schnell. Ihre Stürmer arbeiten so unglaublich hart, wenn sie den Puck verlieren, sodass ihre Verteidiger die Gap (=richtige Distanz zu den gegnerischen Stürmern) halten können. Und das gilt für alle Spieler im Kader."

In die gleiche Kerbe schlägt auch sein Kollege Peter DeBoer von den San Jose Sharks: "Du hast immer jemand von ihnen im Rücken, sie geben dir keine Ruhe. Dann versuchst du, Spielzüge durch die Mitte aufzubauen, was ihnen in ihrem Transition Game wieder in die Karten spielt."

Es geht also vor allem um den Speed ohne Puck, die sogenannte "Back Pressure", in der die Knights wohl das beste Team der Liga sind.

Die Coaches

Auch hier spielen wieder die Florida Panthers eine große Rolle. Unvergesslich, wie Head Coach Gerry Gallant von ihnen nach einem Heimspiel gefeuert wurde und er inmitten von Fans mit einem Taxi die Halle verlassen musste. Das ergab im Nachhinein auch einen wunderbare Fotomontage, die nach den Spielen gegen die Jets auftauchte: Gallant, wie er gerade das Taxi besteigt und die Sprechblase: "Fahren sie mich zum Stanley-Cup-Finale!"

Gallant, der ein knappes halbes Jahr nach seinem Rausschmiss in Las Vegas unterschrieb, ist ein durchaus fordender Coach, der aber bei Spielern immer beliebt ist. Bei ihm gibt es keine Macht- oder Psycho-Spiele, er lässt dich wissen, was er von dir will und fordert das auch ein, wenn du es ablieferst, lobt er dich auch dafür. Seit Jahren schon an seiner Seite, sogar damals im Taxi: Assistant Mike Kelly, der sich nach dem Abgang von Tommy Samuelsson auch in Wien vorstellen durfte, damals aber gewogen und als zu leicht befunden wurde. Gallant und Kelly bilden nun ein wunderbares Paar, für das ihre Spieler durchs Feuer gehen.

Der Torhüter

Marc-Andre Fleury war von Beginn an der bekannteste Name, den die Knights im Expansion Draft zogen. Er sollte von Beginn an das Gesicht der Franchise sein. Nun, nach einer Verletzung zu Saisonbeginn hielt sich das Team auch ohne ihn über Wasser, selbst als eine Massenepidemie unter den Goalies auszubrechen schien und gleich weitere vier Torhüter verschlissen wurden. Doch Fleury – eine der wunderbarsten und unkompliziertesten NHL-Persönlichkeiten – war bald wieder fit und der erhoffte Rückhalt, der er in Pittsburgh schon längere Zeit nicht mehr war.

Dann kamen die Playoffs – und da ist Fleury bekanntlich selten gut, oder? Typischer Fall von "denkste", er spielte jede Sekunde und das bei einem Goals Against Average von 1,81 und einem Save Percentage von 94,2 Prozent! Fabelzahlen, kein Wunder, dass DeBoer Fleury als größten Faktor für den Playoff-Siegeszug ausmachte: "Der beste Torhüter, mit Saves in den wichtigen Momenten, daher geraten sie fast nie in Rückstand."

Die Zukunft

Wie geht es nach den Feierlichkeiten, die selbst nach einem verlorenen Finale anstehen sollten, weiter? Die Golden Knights sind weder ein junges noch ein altes Team, einzig Grobian-Defender Deryk Engelland – als in Vegas beheimateter Spieler ein Lokalmatador – muss mit 36 Jahren doch bald an sein Karriereende denken. Der Rest des Kaders hat noch einige Jährchen vor sich und GM McPhee hat beim viertniedrigsten Gesamtgehalt der Liga noch genug Cap Space, um seine anstehenden Free Agents wie William Karlsson, James Neal, Tomas Nosek oder Verteidiger Shea Theodore mit neuen Verträgen auszustatten. Das hat er bei Goalgetter Jonathan Marchessault bereits gemacht, dieser durfte sich über eine Gehaltserhöhung von 750.000 auf fünf Millionen US-Dollar jährlich freuen.

Für ein selbst betriebenes Farmteam reicht die Personaldecke auch nächste Saison noch nicht, sie schicken ihre Spieler weiter zu den Chicago Wolves, die weder um die Ecke liegen noch für besonders engagierte Talentförderung bekannt sind. McPhee muss seinen Grundkader weiter ausbauen, nach den Wheelings und Dealings des Expansion Drafts verfügte er im letzten Entry Draft auch gleich über drei Erstrundenpicks, die er für Cody Glass, Nick Suzuki und den schwedischen Defender Erik Brännström nutzte.

Heuer sieht es nicht so gut aus, er hat zwar sieben Picks, aber keinen davon in der ersten oder dritten Runde. Ganz anders dann im wohl auch tieferen Draft 2019: Bereits jetzt verfügt McPhee dort über elf Picks, sechs davon gleich in den ersten drei Runden. Ähnlich sieht es für 2020 aus: Neun Picks, davon drei in der zweiten Runde.

Alles noch Zukunftsmusik und diese Picks müssen natürlich auch erst positiv verwendet werden. Doch wer in Vegas auf weitere erfolgreiche NHL-Saisonen der Golden Knights setzt, könnte sein Geld durchaus gut angelegt haben...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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