LAOLA1-Scout Freimüller über Tests und Team

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Erster Probegalopp für Österreichs Eishockey-Nationalteam in Hinblick auf die A-WM in Bratislava im Mai 2019. In Danzig sind Norwegen (Freitag, 14 Uhr), Dänemark (Samstag, 14 Uhr) und Gastgeber Polen (Sonntag 17:30 Uhr im LAOLA1-LIVE-Stream) die Gegner im ersten von drei Test-Events vor dem Saison-Highlight in der Slowakei.

Sind solche Turniere, die in der unbekannten "European Ice Hockey Challenge" zusammengefasst werden, überhaupt noch zeitgemäß? Ist das die "UEFA Nations League" im Eishockey?

Ein Fall für Bernd Freimüller. Ich könnte mir ja keine größere Verschwendung von Papier und Druckertinte vorstellen, als den immer ungefähr drei Wochen vor den Turnieren veröffentlichten ÖEHV-Kader auszudrucken.

Der LAOLA1-Scout nimmt sich der internationalen Turnier-Problematik an und analysiert den Kader von Roger Bader:

Das November-Turnier geht ja oft noch, doch im Februar wird es meistens abstrus, Absagen werden nahezu im Minutentakt vermeldet.

Veritable Verletzungen sind das eine, eine Schonzeit für Spieler vor den Playoffs das andere, aber auch Aussagen wie "der Coach will nicht, dass ich fahre" bzw. "ich gehe lieber Ski fahren", bekam ÖEHV-Teamchef Roger Bader schon zu hören.

Zugegeben, in Österreich fällt die Kader-Zusammensetzung bei solchen Turnieren immer extrem aus, aber auch in anderen Ländern sind krasse Kader-Rochaden keine Seltenheit.

Tschechien fehlten etwa zum Trainings-Auftakt vor dem Karlaja-Cup diese Woche gleich zehn Cracks, Deutschland nimmt vorsorglich den Februar-Termin gar nicht in Anspruch.

IIHF-Plan zu Turnier-Problematik wieder verschwunden

Die Problematik der Turniere während der Saison hat natürlich auch die IIHF erkannt. Vor Jahren tauchte ein Plan auf, der aber leider nicht weiterverfolgt wurde und schon gar nicht zur Abstimmung kam. Die Saison sollte nämlich gänzlich den Ligen gehören, die ihre Spielpläne dann nach eigenem Gutdünken festlegen könnten.

Durch die zwei bis drei Termine, die wegfallen würden, stünden mindestens drei weitere Wochenenden zur Verfügung. Dazu käme auch noch, dass kein Team durch Verletzungen beim Nationalteam benachteiligt würde.

Natürlich gäbe es auch eine Gegenleistung: Alle nationalen Ligen müssten bis zu einem gewissen Zeitpunkt abgeschlossen werden, wie es ja auch bei der FIFA vor einer Welt- bzw. Europameisterschaft gang und gäbe ist.

Alle Ligen enden Anfang April...

Bei einem Drop-Dead-Date (= letzte Frist) Anfang April hätten die Nationalteams dann etwa drei Wochen Zeit zur Vorbereitung auf die B-WM, vier bis fünf Wochen auf die A-WM. Die Abstellungsrichtlinien der IIHF haben sich nämlich ohnehin als völlig zahnlos erwiesen – ein trauriges Schauspiel wie im April, als Italien ohne sämtlich Bozen-Spieler auskommen müsste, wäre dann Vergangenheit.

Auch ein Gerangel wie zwischen ÖEHV und EBEL über die Liga-Finaltermine käme dann nicht mehr vor, die IIHF und nicht die Ligen würden das späteste Saisonende bestimmen. Parallele Länder- und Ligaspiele (im Fußball völlig undenkbar) wären dann auch ein für allemal vom Tisch.

Wären dann alteingesessene Turniere wie der Karlaja-Cup Geschichte?

Nein, ganz im Gegenteil: Diese würden im April als unmittelbare WM-Vorbereitung stattfinden und würden eher aufgewertet werden – statt den Lückenbüßern, die im November um eine fiktive WM-Chance kämpfen, kämen dann auch Europas Top-Spieler sowie die ersten NHL-Ausscheider zum Einsatz.

Teamchef gefällt Idee weniger, Pilloni findet es gut

Roger Bader konnte sich mit dieser Idee nicht so recht anfreunden: "Mir würden die Termine, an denen ich junge Spieler ausprobieren kann, fehlen."

Aber ein Crack, der im November noch gut in Form war, kann ja in der zweiten Saisonhälfte durchgehend neben den Stiefeln stehen (oder umgekehrt). Sollte da nicht eher die letzte Form für das WM-Aufgebot entscheiden? Und eine vierwöchige Vorbereitungsphase auf eine A-WM ließe ohnehin genügend Spielraum für Tests.

KAC-Manager Oliver Pilloni zeigte sich von dieser Idee weit mehr angetan: "Würde ich sofort unterschreiben!"

Ich weiß nicht, warum die IIHF dieses Thema nicht weiter verfolgte – mir fallen kaum Argumente dagegen ein, vielleicht kommt es ja doch noch einmal aufs Tapet.

Bader verzichtet in Polen auf Salzburger und weitere Routiniers

In Danzig bleibt natürlich alles beim Alten, Bader verzichtete neben den Salzburger Teamspielern (Champions-Hockey-League-Einsatz) auch auf einige weitere erfahrenere Cracks.

Die interessantesten Namen im Team für Polen: Moritz Matzka (Bild), der in der Linzer Hierarchie vor Gerd Kragl rangiert. Kann der kleingewachsene Defender auf internationalem Niveau körperlich mithalten?

Julian Payr – in Davos zuletzt stets mit dabei, hierzulande fast völlig unbekannt. Einer der wenigen rot-weiß-roten Defender mit Größe und Reichweite, dazu guter Beinarbeit und stets eine Stütze in den Nachwuchs-Nationalteams.

Benjamin Nissner – endlich ein neuer Name auf der stets problematische Center-Position. Ging zwar in Wien zuletzt mit unter, sollte aber eisläuferisch auch auf internationalem Niveau mithalten können. Ebenfalls ein neuer Center-Name: Felix Maxa, auch ein Wiener, der aber nach Villach emigrieren musste.

Benjamin Baumgartner – wie Davos-Vereinskollege Payr Jahrgang 2000, in den Junioren-Nationalteams immer einer der Topscorer. Als Center und Flügel einsetzbar, gute Hände und Spielintelligenz, aber körperlich noch mit Aufholbedarf. Für die im Dezember stattfindende Junioren-WM aber ein Schlüsselspieler und eines von Österreichs Toptalenten.

Alle diese Spieler durchliefen natürlich Österreichs Nachwuchs-Nationalteams, Bader kennt sie von seiner Arbeit hinter der Bande oder als Sportdirektor natürlich aus nächster Nähe.

Schluderbacher zeigt Torhüter-Problematik im ÖEHV-Team

Neben fast immer zur Verfügung stehenden Kräften (Woger, Oberkofler, Strong, Ganahl, Kristler, Hofer, Lebler) gibt Bader auch Cracks mit geringer Länderspiel-Anzahl wie Ali Wukovits (Capitals), Dornbirn-Flügel Kevin Macierzynski und den beiden Defendern Thomas Vallant (Dornbirn) und Philipp Lindner (Innsbruck) (wieder) eine Chance.

Ein für die österreichische Torhüter-Problematik bezeichnendes kurioses Ereignis konnte gerade noch abgewendet werden: Sollte Lukas Schluderbacher zu seinem ersten Länderspiel kommen, wäre das wenigstens nicht das erste Pflichtspiel der Saison für ihn. Er durfte beim VSV zumindest einmal Dan Bakala ersetzen, 60 Minuten Spielpraxis müssen für ein ÖEHV-Aufgebot reichen...

Textquelle: © LAOLA1.at

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