NEWS

Atte Tolvanen: "Man darf diese Entscheidung nicht hinterfragen"

Der ÖEHV-Goalie spricht über die nervenaufreibende Zeit vor der Geburt seines Kindes, seine schwächste Saison in Salzburg und das Verhältnis zu David Kickert.

Atte Tolvanen: "Man darf diese Entscheidung nicht hinterfragen" Foto: © GEPA

Über den 9. Mai 2025 wird in der Familie Tolvanen noch oft gesprochen.

Bei der Eishockey-WM in Stockholm standen sich die Brüder Atte und Eeli Tolvanen gegenüber - der eine hütete Österreichs Tor, der andere stürmte für das finnische Nationalteam.

Am Ende konnten beide einen Sieg verbuchen. Eeli gewann das Spiel mit Finnland 2:1, Atte entschied dafür das Familien-interne Duell für sich und machte unter anderem eine Breakaway-Chance seines jüngeren Bruders zunichte.

"Hoffentlich gibt es ein Bild von dieser Situation. Das hätte ich gerne", sagte Atte Tolvanen letztes Jahr nach dem Spiel.

Ein kleines Geschenk

Ein Jahr später überrascht ihn LAOLA1 mit exakt jenem Bild, das er sich in Stockholm gewunschen hatte.

test
Foto: ©GEPA

"Oh, vielen Dank. Das habe ich tatsächlich noch nicht daheim hängen, sondern nur auf meinem Instagram-Kanal", freut sich der ÖEHV-Tormann über das kleine Geschenk.

Danach entwickelt sich ein Gespräch, in dem nicht nur das spezielle Duell mit seinem Bruder im Fokus steht, sondern auch die nervenaufreibende Zeit danach, als Tolvanen am Tag nach dem Spiel für die Geburt seines ersten Kindes zu seiner Frau nach Helsinki reiste.

Letztlich sollte der gebürtige Finne nicht mehr nach Schweden zurückkehren. "Es ist schwer, man darf seine Entscheidung nicht hinterfragen", sagt Tolvanen heute.

Außerdem spricht der vierfache Meister-Tormann von Red Bull Salzburg über sein Verhältnis zu Teamkollege David Kickert und seine bislang schlechteste Saison in der Mozartstadt.

LAOLA1: Wie speziell war es letztendlich, nicht nur eine WM für Österreich zu spielen, sondern vor allem deinem Bruder Eeli gegenüberzustehen?

Atte Tolvanen: Es war eine unglaubliche Erfahrung. Wir hätten nie gedacht, dass es dazu kommt. Es ist surreal, dass mein erstes WM-Spiel gegen meinen Bruder und Finnland war.

LAOLA1: Habt ihr beide vor dem Spiel eine Wette abgeschlossen?

Tolvanen: Nein, wir haben uns auf unsere eigenen Dinge fokussiert, wollten abwarten, wie sich das Spiel entwickelt, und haben beide natürlich auf ein gutes Resultat gehofft. Wir haben zwar verloren, aber ein gutes Spiel bestritten und hatten spät die Chance auf den Ausgleich. Er war glücklich, dass Finnland gewonnen hat, aber ich hatte beim Breakaway und auch bei einigen seiner weiteren Chancen das bessere Ende für mich. Zumindest konnte ich diesen Sieg für mich verbuchen. Aber man will ja als Team gewinnen, das ist uns nicht gelungen. Das wollen wir dieses Jahr besser machen.

Wenn er anfängt, sich aufzuspielen und denkt, er wäre in irgendwas besser als ich, dann erinnere ich ihn einfach an das Breakaway.

Atte Tolvanen

LAOLA1: War das Spiel im Sommer ein großes Gesprächsthema zwischen euch beiden?

Tolvanen: Wir haben ein paar Mal darüber gesprochen, aber letztendlich will man einfach nur den Sommer genießen und es ihm nicht zu sehr unter die Nase reiben. (lacht) Aber wenn er anfängt, sich aufzuspielen und denkt, er wäre in irgendwas besser als ich, dann erinnere ich ihn einfach an das Breakaway.

LAOLA1: Gibt es in diesem Jahr eine Chance auf eine Revanche?

Tolvanen: Nein, er kommt dieses Jahr nicht.

LAOLA1: Es wird deine zweite Weltmeisterschaft sein. Wie blickst du darauf?

Tolvanen: Ich hoffe, dass ich dieses Mal die komplette WM bestreiten kann. Es wäre toll, von Anfang bis Ende dabei zu sein. Darauf freue ich mich schon sehr. Das ist eine tolle Gelegenheit für uns, und die Schweiz ist ein wirklich schöner Ort. Hoffentlich kommen viele Zuschauer und es herrscht eine mitreißende Stimmung. Ich hoffe, dass uns in Zürich viele österreichische Fans unterstützen werden.

LAOLA1: Du hast die letzte Weltmeisterschaft nach dem ersten Spiel gegen Finnland verlassen, weil deine Frau euer Kind zur Welt gebracht hat. Das war nicht nur für uns in Stockholm ziemlich nervenaufreibend, weil alle darauf warteten, dass du wieder zum Team zurückkehrst, sondern ich kann mir vorstellen, dass es für dich und deine Frau auch eine belastende Situation war.

Tolvanen: Es war eine schwere Zeit. Man kann als Mann wenig tun, außer da zu sein und zu unterstützen.. Ich erinnere mich, dass ich eines Tages dachte: Soll ich ins Flugzeug steigen, um morgens bei diesem einen Spiel dabei zu sein? Aber da war es schon fast zu spät, um das noch zu schaffen. Es war nervenaufreibend. Wann wird es passieren? Wenn es jetzt passiert, gäbe es die Möglichkeit, zurückzukommen? Aber es ist so gekommen, wie es gekommen ist. Es ist schwer, man darf seine Entscheidung nicht hinterfragen. Die Entscheidung, die wir damals mit den uns vorliegenden Informationen getroffen haben, war die beste, die wir treffen konnten. Natürlich möchte man bei der Geburt seines Kindes dabei sein.

LAOLA1: Wie ist das Leben als Vater?

Tolvanen: Es ist großartig. Ein bisschen weniger Schlaf (lacht). Es ist so bereichernd, gibt einem so viel. Auch wenn es manchmal anstrengend ist, macht es einem doch so viel Freude. Ich sehe die Freude und das Glück in seinem Gesicht. Er lernt jeden Tag neue Dinge. Es ist unglaublich.

LAOLA1: Waren deine Frau und dein Kind während der Saison in Salzburg?

Tolvanen: Sie sind immer noch dort. Vor der Weltmeisterschaft werden wir sie nach Helsinki bringen, dort den Sommer verbringen und Anfang August wieder nach Salzburg zurückkehren.

Ich war okay, aber zu keinem Zeitpunkt wirklich gut.

Atte Tolvanen

LAOLA1: Wenn du auf die Saison in Salzburg zurückblickst, wie war sie für dich persönlich?

Tolvanen: Um ehrlich zu sein, war es nicht meine beste Saison. Ich bin nie richtig in Fahrt gekommen. Es gab Höhen und Tiefen. Die guten Momente waren nicht so gut wie früher. Wir haben nie den richtigen Rhythmus gefunden.

LAOLA1: Statistisch gesehen war es deine schlechteste Saison in Salzburg.

Tolvanen: Ich war okay, aber zu keinem Zeitpunkt wirklich gut. Ich glaube nicht, dass ich in irgendeiner Weise eine gute oder großartige Saison hatte. Es war insgesamt einfach nur okay. Mir fehlten diese großartigen Spiele und Phasen, in denen man Spiele im Alleingang entscheidet. Ich denke, das ist für mich der wichtigste Punkt, an dem ich mich verbessern und besser werden muss.

LAOLA1: Gibt es einen bestimmten Grund, woran du diese Höhen und Tiefen festmachen kannst?

Tolvanen: Nein, ich glaube nicht, dass es den gibt.

LAOLA1: Inwiefern hat die Teamleistung deine Saison beeinflusst?

Tolvanen: Die Mannschaft hat nicht gut gespielt, auch die einzelnen Spieler nicht. Das hängt alles zusammen. Wenn die Mannschaft nicht gut spielt, ist es für die einzelnen Spieler schwer. Es gibt nicht viele im Team, die sagen könnten, dass sie ein gutes Jahr hatten.

LAOLA1: Ein Spieler, der ein brillantes Jahr hinter sich hat, war David Kickert. Was denkst du darüber?

Tolvanen: Er hatte eine wirklich gute Saison. Er ist einer der wenigen, die von sich behaupten können, eine großartige Saison hinter sich zu haben. Hut ab vor ihm, dass er trotz aller Umstände eine so großartige Saison hingelegt hat.

LAOLA1: Wie ist das Verhältnis zwischen euch?

Tolvanen: Wir haben ein gutes Verhältnis.

LAOLA1: Ihr pusht euch gegenseitig, nicht nur in Salzburg, sondern auch im Nationalteam.

Tolvanen: Die meiste Zeit machen wir beide uns den Platz im Tor aus. Es herrscht stets ein Konkurrenzkampf.

Ich kann der Fels in der Brandung sein. Ich kann dem Team helfen, jeden Abend zu gewinnen.

Atte Tolvanen

LAOLA1: Du stehst vor deiner sechsten Saison in Salzburg. Was möchtest du verbessern?

Tolvanen: Ich muss besser sein als in diesem Jahr, einfach jeden Abend meine beste Leistung abrufen können. Es darf keine Rolle spielen, wie wir auftreten. Ich kann der Fels in der Brandung sein. Ich kann dem Team helfen, jeden Abend zu gewinnen. Ich kann meine Aufgaben so gut erledigen, dass wir trotzdem die Chance auf den Sieg haben, auch wenn wir vielleicht keine Spitzenleistung zeigen.

LAOLA1: Ich habe neulich gelesen, dass du kurz vor dem Karriereende standest, bevor du nach Salzburg gekommen bist. War das ein Wendepunkt in deiner Karriere?

Tolvanen: Es war zweifellos ein großer Moment in meiner Karriere, als ich den Anruf aus Salzburg erhielt und dorthin kam. Alles, was danach kam, war großartig. In diesem Jahr lief es leistungsmäßig nicht ganz so rund. Ich versuche, wieder an das hohe Niveau anzuknüpfen, das wir in den vier Jahren hatten, in denen wir alles gewonnen haben. Dorthin müssen wir zurückfinden. Letztendlich ist das der Gipfel, den man als Spieler erreichen will: die Meisterschaft zu gewinnen.

LAOLA1: Was ist das große Ziel für die Weltmeisterschaft? Geht es lediglich darum, den Klassenerhalt zu sichern, vor allem angesichts der Tatsache, dass viele Topspieler dieses Jahr nicht dabei sind?

Tolvanen: Natürlich müssen wir als Erstes den Klassenerhalt sichern. Wenn das geschafft ist, versuchen wir, das Viertelfinale zu erreichen. Aber das Wichtigste ist zunächst der Klassenerhalt; darauf bauen wir auf und schauen, wie weit wir dann kommen können.

LAOLA1: Und für dich persönlich – ein Sieg gegen Finnland?

Tolvanen (lacht): Ja, das wäre toll.

LAOLA1: Danke für das Gespräch!

Kommentare