Scouting Report

Slowakei vs. ICE: Höherer Sold, aber kommt das Geld auch an?

Bernd Freimüller war wieder unterwegs und erklärt diesmal, warum ein Wechsel in die Slowakei manchmal nur vermeintlich verlockend ist.

Slowakei vs. ICE: Höherer Sold, aber kommt das Geld auch an? Foto: © GEPA

Scout Bernd Freimüller reist für LAOLA1!

Ein Trip in den Osten der Slowakei Richtung Ukraine vervollständigte zwischen Weihnachten und Neujahr meine Berichte über die zwölf Teams der slowakischen Extraliga.

Ein Blick auf einige Auffälligkeiten:

Meister in Netto-Version

Nach dem Meistertitel hieß es in Kosice abspecken: Hauptgeldgeber Steel befindet sich nun in amerikanischer Hand, da fließen die Mittel nicht mehr so wie früher, dazu kamen noch enttäuschende Zuschauerzahlen in der Vorsaison.

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Die Konsequenz: Bis auf zwei Ukrainer, die bereits im Jugendbereich zur Organisation gehörten, keine Legionäre mehr, Max Gildon und Brent Pollock fanden etwa in Bozen neue Jobs. Ex-VSV- und Linz-Coach Dan Ceman hält aber weiter die Stellung in seiner bereits fünften Saison.

Ein absolutes Alleinstellungsmerkmal in einer Liga, wo Legionäre kommen und gehen (sechs dürfen am Spielbericht stehen, Anmeldungen sind unbegrenzt). Nachdem aber einige der besseren Slowaken bleiben, steht Kosice als derzeit Dritter weiter im Spitzenfeld.

Slovan wiedererstarkt

Nach zwei sehr schwachen Saisonen zeigt sich Slovan Bratislava wiedererstarkt, führt seit einiger Zeit auch die Tabelle an.

Ex-Iserlohn-Coach Brad Tapper vereinte einen soliden Kern von Einheimischen mit starken Legionären, zu denen auch der Ex-Rooster Ryan O‘Connor gehört. Bis auf zwei Ausnahmen blieb der Kader auch seit Saisonstart unverändert, was in dieser Liga eine Rarität ist.

Einzige Einschränkung auf dem Weg zum ersten Meistertitel seit 2022: Slovan entschied eine Unzahl von Spielen erst in den Schlussminuten für sich – Anzeichen von mentaler Stärke oder einfach Glück, das auch wieder verschwinden kann?

Kommen und Gehen zwischen Extraliga und ICE

Die beiden Ligen pflegen einen regen Austausch bezüglich der Legionäre: Eben Gildon und Pollock, aber auch Marcus Vela, Frank Hora, Ryan McKinnon oder Collin Adams kamen direkt aus der Slowakei nach Österreich. Scott Kosmachuk unterschrieb nach überschaubaren Leistungen in Zvolen während der Saison bei den Caps.

In die andere Richtung finden noch mehr Wechsel statt, da es oft mehr um Verfügbarkeit als über gezeigte Leistungen geht. So wechselten alleine heuer Leute wie Tanner Kaspick (Asiago), Anthony Salinitri (Bozen) oder Josh Wesley (Pustertal) in die Extraliga (alle drei sind schon wieder weg), Ex-Caps-Goalie Tyler Parks stabilisierte nach Saisonbeginn die Torhüterposition in Poprad. Carter Turnbull verließ schon letzte Saison das sinkende Asiago-Schiff, scorte heuer in seiner zweiten Saison in Banska Bystrica in den ersten Saisonwochen fast nach Belieben.

Slowakische Cracks in der ICE? Alles andere als populär, es gibt derzeit auch nur zwei – Martin Stajnoch hält sich schon seit Jahren, Verteidiger-Kollege Martin Hudec sprang bei Ferencvaros nach einer Verletzungsserie ein.

Sind Verträge das Papier wert?

In einem Punkt ist die ICE der Extraliga meilenwert überlegen, nämlich in dem der Zahlungsmoral. Wenn alles gut geht, passt auch in der Slowakei alles (bei den Spitzenteams natürlich mehr als bei den Nachzüglern).

Sollten die Leistungen aber nicht stimmen, wollen viele Vereinsbosse von den Verträgen auf einmal nichts mehr wissen, stellen einfach die Zahlungen ein. Dazu passend eine Story eines Agenten: "Ein Spieler wurde einfach vor die Tür gesetzt, nichts mehr bezahlt, auch meine Gebühr nicht. Ein Jahr später wollte dasselbe Team einen anderen Klienten von mir. Erst dann bezahlten sie mich und den Spieler nachträglich."

Ein anderer Agent fasst das Dilemma so zusammen: "Was soll ich meinem Spieler raten? Für 20.000 Euro weniger in der ICE zu spielen, die sind aber sicher. Oder eben für mehr Geld auf dem Papier in die Extraliga zu gehen, wo die Auszahlungen dann aber zu einem Glücksspiel werden können?"

In puncto Pünktlichkeit und Verlässlichkeit der Zahlungen hinkt die Extraliga sogar dem – oft überschaubaren – sportlichen Niveau hinterher.

Feuerwehrmänner

Aufsteiger Presov zierte fast von Beginn an das Tabellenende, was folgte, war klar: Fast alle Legionäre wurden ersetzt, dazu auch der logische Trainerwechsel. Kai Suikkanen (früher Bozen, Dornbirn und Augsburg) – mittlerweile auch schon 66 Jahre alt – soll den Abstieg verhindern. Zwar dürfte der letzte Tabellenplatz einzementiert bleiben, doch dieser steigt seit heuer nicht mehr direkt ab. Gemeinsam mit dem Vorletzten und den beiden Top-Teams der zweiten Leistungsstufe werden in einer doppelten Hin- und Rückrunde zwei Teams für die nächste Saison gesucht, wobei die Extraligisten natürlich klare Favoriten sind.

Auch in Poprad heuerte nach einem völlig verkorksten Saisonstart ein Ex-ICE-Coach an: Mike Pellegrims führte das Team aus der Hohen Tatra auch schnell nach oben, derzeit sogar auf einen Top-6-Rang. Wie in der letzten Saison in Bad Nauheim war seine Handschrift schnell zu sehen. Bleibt ihm für den Rest seiner Trainerkarriere der Ruf eines soliden Feuerwehrmannes erhalten? Seine – vorsichtig formuliert – etwas spröde Art kam in Klagenfurt oder Düsseldorf alles andere als gut an, danach reichte es lange nur noch für Assistant Jobs.

Weiter ein Trumpf-Ass für Poprad: der mittlerweile 40-jährige Adam Cracknell, weiter eine Macht ums Tor herum und wieder einer der Top-Scorer der Liga.

Ein kleines Kuriosum: Der gar nicht so gebräuchliche Name Martel bürgte in der Extraliga offenbar für Qualität. Winger Jordan wechselte heuer aus Übersee ins nahe der Ukraine gelegene Michalovce, überzeugte dort von Beginn an. Danick (ein Center/Winger) gehörte letzte Saison zur Meistertruppe in Kosice, wechselte nach einem kurzen Gastspiel im finnischen Pori zu Spisska Nova Ves und schloss dort an seine letztjährigen Leistungen an. Beide Forwards sind aber weder verwandt noch verschwägert…

Youngsters für den Draft

Der Draftjahrgang 2008 ist in der Slowakei von überschaubarer Qualität – also eh wie fast immer mit der Ausnahme der Super-Jahrgänge 2004 und 2005. Die Augen der NHL-Scouts, für die die Extraliga eher eine untergeordnete Rolle spielt, sind fast ausschließlich auf zwei "späte" 2007er gerichtet, die heuer ihr erstes Draftjahr bestreiten. Praktisch dabei, dass sie beide für ein Team, nämlich Nitra, spielen. Wie derzeit beim Junioren-Nationalteam finden sich der smarte Center Tomas Chrenko und Winger Adam Nemec (Bruder des New-Jersey-Defenders Simon) auch hier in der gleichen Reihe wieder, gehören durchaus schon zu den Spielträgern. HK Nitra versteht es schon seit langem am besten, starke Jugendarbeit mit Erfolg im Klubeishockey zu verbinden.

Ein Spiel Nitra – Trencin (oder umgekehrt) könnte für NHL-Scouts schon die ganze Liga abdecken, spielt bei Trencin mit Defender Adam Goljer (2008 geboren) der dritte interessante Youngster der Liga...

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