Früh folgt der erste große Schritt: Mit 19 Jahren wechselt Hofer zum amtierenden EBEL-Meister Red Bull Salzburg, mit Pierre Page als prägender Figur hinter der Bande.
Im Sommer 2007 wurde der Kanadier als "Director of Hockey Operations" und Head Coach installiert, sein Lebenslauf war beeindruckend. 13 Jahre werkte Page als Trainer in der NHL, gewann mit den Eisbären Berlin zwei Mal die deutsche Meisterschaft.
Zwischen Anspruch und Realität
Der sportliche Erfolg sprach gewissermaßen für ihn, unter seiner Ägide holten die Red Bulls drei Mal den Meistertitel und wurden European-Trophy-Champion. Seine Vorhaben kannten finanziell keine Grenzen - und sollten die Liga nachhaltig verändern.
Legionäre wurden jungen - und sogar routinierten - Österreichern vorgezogen, das bekam Hofer am eigenen Leib zu spüren. Nachdem die erste Profi-Saison mit 45 Einsätzen und elf Scorerpunkten zufriedenstellend verläuft, geht seine Eiszeit rapide bergab.
"Das zweite und dritte Jahr waren mühsam. Ich habe im Farmteam gespielt, dann wieder in der ersten Mannschaft", meint der Lustenauer rückblickend. "Dadurch, dass viele Ausländer in der Liga spielen durften, sind die Plätze begrenzt gewesen."
"Es war nur Gerede"
Dabei hätte er vor seinem Engagement in der Mozartstadt ein gutes Gespräch mit Page gehabt.
Er hat mir gesagt, dass er mich fördern wird. Das hat gut geklungen, war letzten Endes aber nicht so. Es war nur Gerede von ihm.
"Er hat mir gesagt, dass er mich fördern wird. Das hat gut geklungen, war letzten Endes aber nicht so. Es war nur Gerede von ihm, das hat er mit vielen Spielern gemacht."
Viele junge Spieler sind mit der Aussicht auf Eiszeit und ausgezeichneten Entwicklungsmöglichkeiten nach Salzburg gekommen. Doch für die meisten kam es anders als versprochen. "Am Ende des Tages muss man ehrlich sagen: Nicht alles, was Pierre Page gemacht hat, war gut", stellt Hofer klar.
"Er hat bei vielen Spielern nicht das volle Potenzial ausschöpfen können, obwohl sie sehr gut waren. Viele haben dann aufgehört oder sind woanders hingegangen und haben dort gezeigt, dass sie doch Eishockey spielen können."
Der Wendepunkt unter Jackson
In seinem vierten Jahr wendet sich das Blatt wieder. Page wird zum Schwesterklub Red Bull München beordert, an seiner Stelle übernimmt der legendäre Don Jackson den Trainerposten.
"Unter ihm hat sich alles wieder verändert", betont Hofer und schwärmt: "Er war menschlich top, einer der besten Trainer, die ich bis jetzt in meiner Profi-Karriere hatte. Es war auch persönlich ein schönes Jahr, ich konnte wieder viel spielen."
Nach lediglich 14 Spielen im letzten Jahr unter Page kommt der Vorarlberger unter Jackson wieder auf 45 Einsätze, schreibt 17 Punkte an. Trotzdem reift in ihm der Entschluss, Salzburg den Rücken zu kehren.
Er nimmt das Positive mit: "Diese Zeit hat mich stärker gemacht und für die weitere Karriere geprägt. Man kann sich nicht nur ausruhen und es kommt alles von selbst. Man muss um seinen Platz kämpfen, ihn sich verdienen."
Der Befreiungsschlag in Linz
Hofer verschlägt es nach Oberösterreich. Bei den Black Wings Linz verspricht ihm Coach Rob Daum mehr Eiszeit als in Salzburg, wo der Vorarlberger nicht über die vierte Linie hinauskommt.
"Ich war 23 Jahre alt, und ich weiß, damit ist man in Österreich noch jung. Doch man muss ehrlich sagen, dass man in diesem Alter woanders ein gestandener Spieler ist. Ich wollte eine größere Rolle kriegen", spricht der Stürmer über das Motiv seines Wechsels.
Im Nachhinein lässt sich feststellen: Der Schritt war goldrichtig. Der Rechtsausleger blüht in der Stahlstadt regelrecht auf, erhöht seine Ausbeute auf 29 Punkte, gefolgt von zwei Spielzeiten mit jeweils 41 Torbeteiligungen.
Den Höhepunkt erreicht der Mann aus Lustenau mit 68 Scorerpunkten (27 Tore, 41 Assists) in der Spielzeit 2017/18. Es sollte zugleich sein letztes Jahr im Trikot der Black Wings sein. Auf die Zeit in der Landeshauptstadt Oberösterreichs blickt Hofer wohlwollend zurück.
"Linz war wirklich vom ersten bis zum vierten Jahr perfekt. Ich habe sehr viel gespielt, vom Trainer das Vertrauen bekommen. Die Leute, die Stadt waren fantastisch. Ich bin sehr dankbar für die Jahre in Linz. Aber ich musste den Schritt machen."
Der Traum Schweiz - und eine späte Entdeckung
Besagter Schritt führt den Angreifer in die Schweizer National League zu HC Ambri-Piotta. "Es war bereits als kleiner Bub mein Ziel, irgendwann einmal in die Schweiz zu gehen und dort zu spielen", erzählt Hofer.
Deshalb zögert er erst gar nicht, als das Angebot von den "Biancoblu" kommt. "Ich musste die Chance nutzen", stellt Hofer klar. Er war zu diesem Zeitpunkt 27. "Wenn ich noch zwei Jahre gewartet hätte, wäre es vielleicht zu spät gewesen."
Immerhin hätte er jederzeit nach Österreich zurückkehren können, hätte er sich in der Schweiz nicht durchgesetzt. Was der Vorarlberger damals nicht wusste: Er ist im Besitz der Schweizer Lizenz und gilt daher als einheimischer Spieler.
"Ich habe es wirklich nicht gewusst! Es wäre wahrscheinlich möglich gewesen, dass ich schon früher in die Schweiz gehe. Aber besser so, als ich hätte nie davon erfahren", kann der 58-malige Internationale heute darüber lachen.
"Es hat mich geschockt"
Die Anfänge im westlichen Nachbarland Österreichs sind schwerer als gedacht.
"Es hat mich geschockt, wie schnell hier gespielt wird", staunt Hofer. "In Österreich hast du mit dem Puck doch etwas mehr Zeit zu überlegen, was du machst."
Doch Hofer passt sich an - auch, weil ihm sein Spielstil entgegenkommt. "Ich bin ein schneller Spieler, dadurch habe ich mich gut zurechtgefunden."
Das Endresultat: Hofer beendet sein erstes Jahr mit 31 Punkten aus 54 Spielen.
Als Zweifel laut werden - und schnell verstummen
Sein zweites Jahr in der Schweiz startet turbulent.
Ich habe anfangs schon gehört, dass ich nicht mehr richtig spielen würde, mein Kopf schon in Biel wäre.
Es ist Ende September, die Saison 2019/20 ist fünf Spieltage jung, als sein Wechsel von Ambri-Piotta zum EHC Biel zur kommenden Saison verlautbart wird. Anders als in Österreich ist es bei den Eidgenossen Usus, dass solche Deals frühzeitig bekanntgegeben werden.
"Der Verein war natürlich enttäuscht, als klar wurde, dass ich mich für Biel entschieden habe", verrät Hofer. Er pflegte ein gutes Verhältnis mit Paolo Duca, dem damaligen Sportchef von Ambri. Der Schweizer zeigte letztlich auch Verständnis für die Entscheidung.
Die Anhänger dagegen hinterfragten, ob sich der Lustenauer noch mit 100 Prozent für ihr Team einsetzen würde. "Ich habe anfangs schon gehört, dass ich nicht mehr richtig spielen würde, mein Kopf schon in Biel wäre", so Hofer.
Am Tag nach der Verkündung kam es ausgerechnet zum Duell zwischen Ambri und Biel. "Ich habe ein Tor geschossen. Danach waren die Zweifel, dass ich nicht mehr 100 Prozent für den Klub geben würde, schnell weg", sagt er.
Die weitere Saison steht dennoch nicht unter einem guten Stern, nach einer Handgelenksverletzung sowie einem Knöchelbruch verabschiedet sich Hofer mit elf Punkten aus 30 Spielen aus Ambri.
Ein Neuanfang mit Hindernissen
Einer der Hauptgründe, die pro Biel gesprochen haben, ist Coach Antti Törmänen. Der Finne gilt als Menschenfänger, in Gesprächen mit Spielerkollegen "habe ich nur Positives über ihn gehört", sagt Hofer.
Umso größer ist der Schock auch bei ihm, als Törmänen im Juli 2020 die Diagnose Gallenblasenkrebs erhält. In der Saison 2020/21, Hofers erster in Biel, kann er sein Traineramt daher nicht ausüben. An seiner Stelle übernimmt Lars Leuenberger.
Sorgen, dass die ungewollte Rotation Auswirkungen auf seine Rolle hat, macht sich Hofer nicht. "Der Klub hat mich in den Top 6 eingeplant und sieht mich als wichtiger Spieler. Deshalb habe ich gewusst, dass ich die Rolle auch bei einem neuen Trainer haben werde."
Das Jahr verläuft solide, mit 32 Punkten ist der Rechtsschütze der zweitbeste Scorer des Teams. Allerdings ist die Saison bereits in den Play-Ins vorbei, dafür kehrt Törmänen im April 2021 wieder als Trainer zurück. Leuenberger geht zum Zweitligisten EHC Olten.
Das ausbleibende Geschenk
Als bei Törmänen der Gallenkrebs im März 2023 zurückkehrt, befindet sich Biel mitten in den Playoffs. Hofer spielt seine bislang beste Spielzeit in der Schweiz, der EHC hat den Grunddurchgang punktegleich mit Genf-Servette auf Platz zwei abgeschlossen.
Die ganze Mannschaft wollte für ihn den Titel holen. Am Ende haben wir es nicht geschafft.
Die zweite Krebsdiagnose in drei Jahren zwingt Törmänen dazu, sein Amt niederzulegen. Das macht er nach dem letzten Spiel der Saison - Finale 7, gegen Genf-Servette. Die Bieler spielen um ihre erste Meisterschaft seit 40 Jahren.
"Die ganze Mannschaft wollte für ihn den Titel holen", betont Hofer. Man wollte dem scheidenden Trainer mit dem Titel ein schönes Abschiedsgeschenk machen. "Am Ende haben wir es nicht geschafft", meint er ernüchtert. Biel verliert das Spiel um die Meisterschaft 1:4.
Doch Hofer ist ein positiv gestimmter Mensch und sagt: "Es war ein riesiger Erfolg, im Finale zu stehen. Das sieht man meistens erst, wenn man etwas Abstand gewinnt. Doch es war im Großen und Ganzen ein schönes Jahr für uns, auch für den Trainer."
Ein Vertrag als Vertrauensbeweis
Der Herbst zieht ins Land, als Hofer im Oktober 2023 für seine Zukunft vorsorgt.
Der EHC Biel stattet den Publikumsliebling im Alter von 32 Jahren mit einem Vierjahresvertrag aus, der zur Saison 2024/25 schlagend wird und sich bis 2028 erstreckt.
"Ich war nicht mehr der jüngste Spieler", lächelt er und zieht seinen Hut vor der Organisation. "Dass sie das gemacht haben, sieht man nicht oft."
Gegenüber den Diensten des Vorarlbergers ist es zugleich ein großes Zeichen der Wertschätzung, die ihm "von der ersten Minute an als Spieler und Mensch" entgegengebracht wird. "Das ist mir sehr wichtig, Biel ist ein familiärer Klub, hier wird vieles richtig gemacht."
Deshalb fällt ihm die Entscheidung, sich langfristig an die Seeländer zu binden, leicht.
Die Frage nach dem Danach
Was nach dem Ende des Arbeitspapiers passiert, lässt sich nur schwer vorhersagen.
Macht mein Körper nicht mehr mit, wird es mein letzter Vertrag sein.
Hofer ist dann 37 Jahre alt. Er kann sich grundsätzlich vorstellen, weiter Eishockey zu spielen - allerdings nur unter gewissen Voraussetzungen.
"Wenn ich fit bin, mein Körper keine Probleme macht, ich mich wohl fühle und Biel auch noch interessiert ist - dann würde ich verlängern", erklärt der Routinier und hält fest: "Macht mein Körper nicht mehr mit, wird es mein letzter Vertrag sein."
Anderswo in der Schweiz würde Hofer nur nach Rücksprache mit seiner Familie unterschreiben. Seine Frau und zwei Kinder leben in der drei Stunden entfernten Heimat Lustenau. Eine Rückkehr nach Österreich will Hofer per se ebenfalls nicht ausschließen.
Ein Kapitel bleibt geschlossen
Eine Rückkehr ins Nationalteam, für das Hofer zuletzt bei der WM 2019 gespielt hat, ist hingegen kein Thema mehr.
Teamchef Roger Bader hätte in den letzten Jahren mehrfach nachgefragt, ob er es sich anders überlegt habe - unter anderem vor dem Deutschland-Cup im vergangenen November.
Auch sein guter Freund und baldiger Teamkollege in Biel, Dominic Zwerger, wollte ihm ein Comeback im ÖEHV-Team schmackhaft machen. "Er hat gefragt, ob ich nicht noch die WM in Zürich spielen will", erzählt Hofer.
Und bleibt dabei konsequent. "Ich habe 2019 die Entscheidung getroffen: Sobald das erste Kind kommt, werde ich mich im Nationalteam zur Ruhe setzen. Das habe ich gemacht - und wird sich auch nicht mehr ändern."