Damit konnten die üblichen Maßnahmen - gegen Ende der Saison müssen die Akademie-Defender stets Legionären weichen - nicht mehr unter "Der Zweck heiligt die Mittel" abgehakt werden.
Vor allem der eine oder andere einheimische Verteidiger soll jetzt fix spielen. Bei den Legionären überstand nur Dennis Robertson das Ausmisten im Sommer.
Ausrufezeichen des Kaders
Natürlich sind die Roten Bullen weiter tief besetzt, können bei Bedarf auch jederzeit Spieler aus dem Farmteam hochziehen, die dann auch nur selten abfallen. Spiele mit einer behelfsmäßigen vierten Linie (was bei anderen Teams oft vorkommt) sollten weiter kein Thema sein.
In der Defensive sollten sich Lukas Hörl (mit Startvorteilen), Fabian Baumann und Alexander Rebernig die Plätze 6 und 7 ausschnapsen - von so einer jungen Tiefe können andere Teams nur träumen.
Nur zwei Legionäre im Angriff - völlig ungewohnt in der ICE. Doch dazu kommen noch Teamspieler wie Peter Schneider, Benjamin Nissner, Thomas Raffl, Mario Huber und Ali Wukovits, Routinier Michi Raffl (letzte Saison verletzungsfrei) sowie sichere Werte wie Peter Hochkofler oder Flo Baltram.
Das sind bereits mehr als drei Linien, ehe jüngere oder junge Spieler zum Zug kommen würden. Bei Vollbestand also weiter eine beneidenswerte Tiefe.
David Kickert blickt auf eine bessere Saison zurück als Atte Tolvanen, als Duo sollten die beiden weiter zur Ligaspitze gehören. Ein krasser Abfall bei Einsatz des zweiten Torhüters wie bei anderen Teams kann hier ausgeschlossen werden.
Fragezeichen des Kaders
Oliver Galipeau, Wyatt Kalynuk und Jayden Lee sind die neuen Importdefender neben Robertson. Lee könnte hier die interessanteste PP-Variante sein, Kalynuk ein Puckträger und Galipeau ein Spieler mit niedrigem Ruhepuls, der einen jüngeren Kollegen führen kann, werden.
Doch erstmals seit langem verzichten die Roten Bullen auf einen dezidierten Goon-Verteidiger, früher gab es mit dem heuer geschassten Tyler Lewington und Andrew MacWilliam sogar zwei. Robertson ist 35, Hochkofler kommt von einem Schlaganfall zurück – fehlt es heuer an Einschüchterungspotenzial?
Red Bull legt so viel Wert auf Außenwirkung wie keine andere Organisation - an diesen Maßstäben gemessen gestaltete sich der heurige Sommer chaotisch.
Stürmer Maximilian Wurzer wurde als Abgang gemeldet, ehe er doch blieb. Noch eine Petitesse, aber dass Manny Viveiros erst bestätigt, dann eine Woche später (nach negativen Exit-Interviews mit den Spielern) verabschiedet wurde, zeigt, dass auch abseits des Eises Konfusion herrschte.
Kann der neue Coach Alan Letang (als Headcoach gerade zwei Monate im Erwachsenenbereich tätig) den allgemeinen Negativtrend stoppen?
Peter Schneider - 35 und seine schwächste Saison im Rückspiegel. Thomas Raffl - 40 und in der Vorbereitung verletzt, sein Bruder Michi mit 37 auch kein Jungspund mehr. Peter Hochkofler - wie gesagt. Dennis Robertson - 35 und mit einem immens aufwendigen Spielstil in den letzten Jahren.
Dazu kommen verletzungsanfällige Spieler wie Ali Wukovits oder Neuzugang Adam Brooks - das alles kann gutgehen, muss es aber wirklich nicht. Brooks kann zu einem starken Playmaker werden, sich aber auch als zu fragil herausstellen.
Hier könnte nachgerüstet werden
Nur sechs Legionärsslots sind besetzt (Tolvanen und Nienhuis belegen seit letztem Sommer bzw. heuer keine mehr), da wäre noch viel Spielraum. Allerdings sind die Salzburg-Imports in ihrer Vita kaum mehr von den schwächeren Teams zu unterscheiden.
Kommt da wie jedes Jahr noch wer nach oder gibt man heuer endlich jüngeren Spielern eine Chance? Die Zeiten, als die Roten Bullen Star-Legionäre in die Liga holen, sind auf jeden Fall vorbei.
Ausblick
Nach vier Meistertiteln in Folge sollte eine schwächere Saison nicht alles in Frage stellen. Salzburg sollte wieder zum Spitzenfeld gehören, könnte dort aber nur ein Team von vielen sein, da einige Cracks Richtung Karriereende tendieren...