HC Innsbruck
Was überraschte
Die Haie schafften das Unmögliche: die Punktezahl der Vorsaison (30) nochmals zu unterbieten (28), schlussendlich stellten sogar die bescheidenen Pioneers eine unüberwindbare Hürde dar. Einer desolaten Saison folgte eine noch desolatere.
Normalerweise sollten bei so vielen neuen Legionären (nur Lattner blieb) der eine oder andere Volltreffer dabei sein. Der ligaerprobte Steve Owre bracht seine Qualitäten auch bis zu seiner Verletzung mit ein, der Rest agierte aber höchst bescheiden, wobei Cole Moberg und Emmett Sproule die größten Flops waren. Sebastian Benker war über die Gesamtsaison der stärkste Legionär, bei ihm hatte Ex-Coach Jordan Smotherman auch nicht seine Finger im Spiel.
Assistant Coach Flo Pedevilla - immer im Gespann mit dem jeweiligen Headcoach für die Spielerauswahl zuständig - muss im heurigen Sommer jedenfalls eine weit höhere Trefferquote als in den letzten beiden Saisonen vorweisen.
Derzeit soll der dürftige Österreicher-Kern erweitert werden, Michael Kernberger kann hier nur der Anfang sein. Innsbruck gilt aber seit Jahren als letzte Ausfahrt für einheimische Cracks.
Was nicht überraschte
Schon ein Blick auf den Kader zu Saisonbeginn machte klar: Wie soll das gut gehen, vor allem defensiv?
Außer Devin Steffler, der sich gut entwickelte, gab es nur Cracks mit bescheidener Ligaerfahrung, dazu kamen Heimkehrer Mario Ebner, Oldboy Jan Lattner und zwei ECHL-Defender.
Selbst ein überragender Goalie hätte hier nicht viel ausrichten können, Matt Vernon (bei Weitschüssen und Five-Hole sehr verwundbar) war davon weit entfernt. Die 215 Gegentore waren dann nur logisch.
Innsbruck ist anders: Wo bei anderen Teams zwei solche Katastrophensaisonen Jobs gekostet hätten, bleibt im "Haifischbecken" alles beim Alten, Coach Ryan Kinasewich wurde schon früh bestätigt.
Langzeit-Obmann Günther Hanschitz geht in seine letzte Saison, legte im Alter von 66 Jahren noch einmal einen Salto rückwärts hin: Brady Shaw kommt an den Inn zurück - seine Entlassung erfolgte vor zwei Jahren aus schwerwiegerenden Gründen als zu oft Nachschlag beim Team-Dinner. "Mit unseren Werten nicht vereinbar", so Hanschitz damals. Alles inzwischen vergessen...
Pioneers Vorarlberg
Was überraschte
Ich hätte die Pioneers vor der Saison hinter Innsbruck eingereiht, sie hängten diese aber schnell ab, ohne je selbst Playoff-Chancen zu haben. Coach Johannes Nygard holte aus seinem Team das heraus, was möglich war und konnte einige stärkere Teams ärgern.
Auch wenn die Pioneers-Legionäre im Niedrig-Preissegment angesiedelt sind: Einige (Owre, Kirichenko, Passolt) haben sich in den letzten Jahren bessere Verträge erspielt.
Heuer blieb das aus - Collin Adams war vielleicht noch der beste Ausländer. Nathan Burke klinkte sich durch eine Verletzung aus dem Rennen aus, der Rest deckte nur Teilgebiete (Gallant: Speed, Florchuk: Physis, Dornbacher: Pässe) ab. Größter Flop: Louie Roehl, der die Rolle als Offensivprovider von der blauen Linie nie erfüllen konnte.
Was nicht überraschte
Die Pioneers dotieren die Verträge von älteren Österreichern besser als die Haie, daher war dort meist mehr Quantität und Qualität vorhanden. Oskar Maier - bei all seinen Defensivschwächen - machte sich zum Team-Topscorer, Kevin Macierzynski spielte seine beste Saison seit langem, darf dadurch wie Ramon Schnetzer seine Saison bei den Capitals nochmals verlängern. Michael Kernberger bot mehr Offensive als gewohnt an.
Der Fluch davon: Können die Pioneers irgendwen von diesen Spielern halten? Der Einheimischen-Kern droht zu erodieren, Daniel Woger geht jedenfalls in die Pension.
Von den jüngeren Cracks konnte sich nur Marlon Tschofen nach oben spielen, beim Rest wird man wohl einsehen müssen, dass es für die ICE nicht reicht. Julian Metzler, zuvor recht solide unterwegs, kam heuer gar nicht in die Gänge.
Am besten trat das Team auf, als mit Kernberger, Mathias Böhm, Heimkehrer Luca Erne und Roberts Bukarts der Kader verbreitet wurde. Ohne das volle Kontingent an Legionären auszuschöpfen und den einen oder anderen etablierten Österreicher anzulocken, wird es auch in Zukunft nicht gehen.
FTC-Telekom
Was überraschte
Der Liganeuling stand bis 33 Sekunden vor Schluss des letzten Spiels in den Pre-Playoffs. Wie so oft kostete ein später Gegentreffer Punkte, die dann am Ende fehlten. Ferencvaros zeigte sich aber von Beginn an ligatauglich, nur wenige Spiele gingen klar verloren.
Die Trefferquote bei den Legionären war eine weit höhere als bei den Mit-Urlaubern Innsbruck und Pioneers. Brady Shaw ist um das Tor herum clever wie eh und je, Tyler Coulter gab einen soliden Zwei-Weg-Center. Jussi Tammela bewies, dass seine Karriere nicht aufgrund seiner On-Ice-Performance entgleist war. Dazu kam noch Rasmus Bengtsson, der als Einser-Verteidiger überaus solide agierte.
Was nicht überraschte
FTC setzte in seiner Premierensaison mit Benze Balics und Kristof Nagy auf ein einheimisches Goalie-Duo. Das ging so lange gut, wie es gut ging, in der zweiten Saisonhälfte gab Balics unzählige fragwürdige Gegentore her. Einer von zehn Legionärsspots muss wohl in der nächsten Saison an einen Torhüter gehen, so nicht Adam Vay zum Thema wird.
Die Zuschauerzahlen fielen überschaubar aus – der Schnitt von 1.500 Fans war der Liga-Mindestwert, aber immerhin das Dreifache der Vorsaison. Nur gegen Szekesfehervar kam die schmucke, aber kleine Halle an ihre Grenzen. Erfreulich: Etwaige Fußball-Hooligans fanden nie den Weg zum Eishockey, der harte Kern schien im gesetzten Alter zu sein.