Die Brennpunkte der ICE-Playoffs

Die Brennpunkte der ICE-Playoffs Foto: © GEPA
 

Die nächsten Wochen werden entscheidend sein: So früh wie keine andere europäische Eishockey-Liga startet die bet-at-home ICE Hockey League in ihre Viertelfinali und damit in die Playoffs.

HC Bozen gegen Bratislava Capitals, KAC gegen VSV, Red Bull Salzburg gegen Dornbirn und Vienna Capitals gegen Fehervar lauten die vier Paarungen auf dem ersten Schritt in Richtung Karl Nedwed Trophy.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller liefert eine umfassende Vorschau auf die vier am Freitag beginnenden Serien (ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker):

HC Bozen (1.) – Bratislava Capitals (7.)

Bisherige Spiele: 4:0, 6:5, 6:0 (H), 5:4 SO (A)

Schon eine kleine Überraschung, dass sich die Bozner nicht den VSV als Gegner gepickt haben. Jetzt warten längere Reisen (mit jeweils acht Grenzübertritten pro Trip) und ein doch etwas breiter aufgestellter Gegner, der in der zweiten Saisonhälfte stärker agierte, aber weiter große Leistungsschwankungen aufweist.

Der HCB gewann alle bisherigen Saisonduelle, davon allerdings drei auf Bozner Eis.

Für den HCB wird das Spiel am Freitag das erste ernstzunehmende seit dem 28. Februar sein, als man mit einem 4:0-Sieg in Salzburg den ersten Platz in der Pick-Runde fixierte. Gelingt am Freitag der Umstieg auf den Ernstfall? Allerdings spielten auch die Capitals zuletzt zwei Freundschaftsspiele und schonten einige Stammspieler.

Schlüsselpersonalien:

Die Bozner Defensive: Auch wenn mit Stollery und dem physischen Di Perna zwei Defender fraglich sind – die Südtiroler verfügen über eine Abwehr, die in der Liga die beste Balance zwischen körperbetontem Spiel und Fähigkeiten zum Spielaufbau aufweist.

Catenacci, Gazley, Findlay: Auch wenn die Südtiroler in der Offensive tief aufgestellt sind und vier Linien rausrollen können – diese drei sind die offensiven Trumpfasse, zu denen allerdings auch noch Halmo, Bardaro und Miceli kommen. Die Tor-Erfolge von wertvollen Rollenspielern wie Frank oder Bernard stammen eher aus der ersten Saisonhälfte.

Kann Caps-Goalie Coreau vier Spiele für sein Team stehlen? Nach schwachem Beginn steigerte er sich, war vielleicht auch der beste Torhüter in der Quali-Runde – das ist allerdings ein sehr schwaches Lob.

Während bei Bozen alle Cracks volles Tempo in allen drei Zonen gehen können, schleppen die Capitals Leute wie Kostitsyn (eineinhalb Saisonen ohne Spielpraxis und in entsprechender Verfassung) und Miklik (38) mit, die schon mit dem bisherigen Tempo oft überfordert waren. In entscheidenden Phasen wird die vierte Linie auch wenig Eiszeit sehen.

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KAC (2.) – VSV (8.)

Bisherige Spiele: 3:1, 4:3 (H), 1:2, 4:0 (A)

Wie immer in den letzten Jahren wird die Affiche das tatsächliche Spielniveau weit übertreffen. Egal ob mit oder ohne Zusehern – hochintensiv waren die Derbies der letzten Jahre nur selten.

Das Spiel des VSV am Sonntag in Dornbirn erinnerte an die Erzählungen mancher Kriegsheimkehrer – nur ein falscher Schritt oder Move in einem Schlüsselmoment (und von denen gab es viele) und alles wäre vorbei gewesen. Die Villacher spielten eine sehr gute Quailfication-Round, brauchten aber immens viel Glück – war's das schon oder geht da noch mehr?

Der KAC spielte zu Beginn eine solide, nach den Verpflichtungen von Fraser und Postma eine sehr starke Saison. Der VSV waberte, von den Trainer- und Personalentscheidungen abgesehen, wild daher: Erst mit vogelwilder Defensive, dann eine Zeit lang mit weniger Gegentoren, aber offensiv impotent. Zuletzt trafen die Big Guns wieder, allerdings oft erst nach großen Rückständen, die man sich gegen den KAC eher nicht leisten sollte.

Schlüsselpersonalien:

Kann Jakub Sedlacek am Freitag spielen? Und ist er wirklich ein Goalie, der Spiele und Serien gewinnen kann? Für mich wirkt er öfters verdammt klein und gibt auch zu oft Tore am kurzen Eck her. Sebastian Dahm hat seinen MVP-Titel und seine Statistiken auch dem risikofreien Konzept des KAC zu verdanken, sollte aber im Goalie-Duell klar die Überhand behalten.

Die Tiefe in den Kadern: Der VSV agierte nach dem Ausfall von fünf bis sechs Stürmern meist mit zehn Angreifern. Dahinter stehen mit dem sicher talentierten Tschurnig und Feldbaumer zwei Jungs, die gemeinsam gefühlte 60 Kilo wiegen und beim KAC wohl im Farmteam um Eiszeit raufen würden. Sie unreflektiert als Stammspieler einzufordern ist realitätsfremd. Der Vorteil von drei Linien? Deine Spitzenspieler bekommen viel Eiszeit, treffen (Linematching ist hier sehr schwer) oft auch auf schwächere Gegenspieler. Nur: Dem KAC wird das ziemlich egal sein, welche Linie am Eis ist – sie unterscheiden sich zwar im Offensiv-Output, sicher aber nicht im defensiven Auffassungsvermögen.

Kosmachuk, Collins, Caron, Pollastrone – sie trugen den VSV zuletzt offensiv, Pollastrone wachte zur rechten Zeit wieder auf, Kosmachuk (bei allen Schwächen abseits des Pucks) hat Sniper-Fähigkeiten wie nur wenige Spieler in der Liga. Dazu kommen noch die nach vorne ausgerichteten Defender Fraser (auch er im Aufschwung) und Schmidt – können sie auch gegen einen Pick-Round-Gegner Flurschaden ausrichten oder war ihr erhöhter Output auch den schwächeren Gegner mit oft katastrophalen Goalies geschuldet?

Auf den KAC-Kader geschaut: Der einzige proaktiv physische Spieler für mich ist Steven Strong. Das wird sich in der Serie gegen den VSV, der auch kein Grinding-Team ist, kaum auswirken, vielleicht aber im Halbfinale. Provokateure wie Niki Kraus oder Siim Liivik finden sich im Team keine mehr.

Red Bull Salzburg (3.) – Dornbirn Bulldogs (6.)

Bisherige Spiele: 4:1, 2:0 (H), 3:2 OT, 3:2 (A)

Eine Serie, die vor Wochen noch knapper ausgesehen hätte. Vielleicht war der 20. Jänner der Stichtag: Salzburg sicherte sich mit einem 2:0 daheim die Pick-Round, obwohl die Bulldogs sie zeitweise an die Wand gespielt hatten. Die Roten Bullen zeigten sich danach weit gefestigter, auch weil Verletzungen und Krankheiten der Vergangenheit angehörten. Die Bulldogs spielten keine gute Qualifikations-Runde, hatten ihren Playoff-Einzug vor allem den Bonuspunkten zu verdanken.

Salzburg verstärkte sich im Verlauf der Saison mit gleich fünf neuen Legionären (Skille, Ortega, McIntyre, Espeland, Urbom). Dornbirns Rechnung: Für Marody (nur ein Spiel), Kaldis und Brosseau kamen schließlich Salmela, Luciani und Pavlovs. Nur ein Zufall, dass die Bulldogs seitdem defensiv poröser wirkten? Und sind Pavlovs und Straka (körperlich starke, aber wenig begabte Angreifer) nicht irgendwie redundant? Bei Vollbestand war Straka zweitweise sogar 13. Stürmer.

Schlüsselpersonalien:

Auch wenn J.P. Lamoureux heuer nicht annähernd so dominant wie in der letzten Saison auftrat (seine Körpersprache sah zeitweise verwunderlich verwundbar aus) – er und Backup Eliasson könnten das beste Goalie-Duo der Liga sein. Was steht ihnen gegenüber? Oskar Östlund, mit der Flexibilität eines durchschnittlichen Teilnehmers einer Senioren-Turnrunde ausgestattet, und Karriere-Backup Höneckl, der nach einem oder zwei brauchbaren Spielen stets an eine Wand fährt.

Im Vollbestand verfügen die Roten Bullen mit Espeland (soft aber mit guten Offensivinstinkten), Urbom (Yin zu Espelands Yang), Chorney (sollte bald wiederkommen) und Joslin über vier Legionäre, dazu kommen die Teamverteidiger Heinrich und Pallestrang. Die Akademieprodukte Schreier und Zündel (oft Defender fünf und sechs) rücken entsprechend nach hinten. Das ist natürlich eine ganz andere Besetzung als über den Großteil der Saison, auch wenn die Förderung der jüngeren Spieler mit der Trading Deadline vorläufig hintan gestellt wurde.

Im Angriff sind die Roten Bullen sowieso so tief wie kaum ein anderes Team besetzt, was aber jetzt erst auffällt, da alle Spieler (außer Paul Huber) wieder fit sind bzw. sich in der Liga eingewöhnt haben (Ortega). Die nach München abgewanderten Peterka und Schütz wurden durch gleich drei Legionäre ersetzt, wovon Jack Skille (so er fit bleibt) einer der besten Wrist-Shooter der Liga ist. Aus lediglich zwei Scorer-Linien wurden dadurch drei.

Apropos Scoring: Mit Luciani-Rapuzzi (sehr unterschätzt)-Yogan (im ersten Spiel gesperrt) verfügen die Bulldogs über eine der offensiv stärksten Linien der Liga. Aber ist es nur Zufall, dass seit der Verpflichtung von Luciani die Torausbeute außerhalb dieser Linie etwas zurückgegangen ist, die Gegentorquote dagegen angestiegen ist? Vor einigen Wochen noch hätte Dornbirn eine Drei-Tore-Führung gegen den VSV eher nicht aus der Hand gegeben. Diese Löcher zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen müssen gegen Salzburg wieder geschlossen werden, um nur einen Hauch Erfolgschance zu haben.

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Vienna Capitals (4.) – Fehervar AV19 (5.)

Bisherige Spiele: 4:5 SO, 4:2, 1:6 (H), 4:3 SO, 4:1, 11:3 (A)

Das ist Fehervar: 7:0 gegen (damals allerdings ersatzgeschwächte) Salzburger. Sechs Tore in einem Drittel beim 7:4 gegen Liga-Dominator Bozen. 6:1 bei den Vienna Capitals. Auch das ist Fehervar: 3:11 zuhause gegen dieselben Vienna Capitals. 0:7 gegen Red Bull Salzburg. Vom Penthouse ins Armenhaus und das oft innerhalb von Tagen. Hauptgrund dafür: Fehervar spielt unter Coach Antti Karhula ein immens aggressives Hockey. Gelingt dieses Pressing, kann das talentierte Team diese Chancen auch mit Toren veredeln. Kommt der Gegner aber hinter diese Linien oder kreiert Turnovers, geht es schnell in die andere Richtung. Die Tendenz in der Pick-Round zeigte dabei nach unten.

Die Hoffnung von Caps-Coach Dave Cameron, dass sein Team in der Pick-Round in Topform agieren würde, ging nicht auf. Teilweise durch Verletzungen bedingt (manchmal fehlten gleich fünf Legionäre), gleichzeitig aber auch durch Turnovers, die zu Odd-Man-Breaks führen. Letzteres könnte sich gegen Fehervar noch ausgleichen, im Halbfinale dann aber wohl nicht mehr.

Ja, wir wissen, dass sich der Fünfte gegen den Vierten immer durchgesetzt hat, das brauchen wir nicht mehr hundertmal durchzukauen. Die Gründe? Der Vierte hat halt kein Pickrecht und der Fünfte ist meist nicht schlechter als das Team vor ihm. Diese Serie wird wie alle irgendwann reißen, allerdings könnte das Heimrecht für die Caps heuer mehr Fluch als Segen sein: 13 der 24 Home Games in Kagran endeten in Niederlagen.

Schlüsselpersonalien:

Jaroslav Janus war zuerst ein leichtes Upgrade gegenüber Michael Ouzas, zuletzt agierte er aber nur mehr erratisch. Gerade Fehervar braucht einen Goalie, der auch mit wenig Support als Retter auftreten kann und das tat der Tscheche nur selten (etwa bei einem 1:0 in Bozen). Auch wenn Bernhard Starkbaum in vielen Situation aus Bauchlage agiert – Vorteil Caps auf dieser Position.

Kein Kader der Liga ist so übersichtlich wie der ungarische: Sieben Defender und zwölf Angreifer. Bei Ausfällen (zuletzt Toni Kähkönen) bleiben trotz eines Farmteams oft Lücken am Spielbericht oder ein Defender muss nach vorne rücken. Im Vollbestand fällt kaum jemand ab (am ehesten noch der junge Defender Milan Horvath), bei Ausfällen müssen die Topspieler halt sehr viel ran.

Tyler Vause sollte wieder fit werden, Hoffnung besteht auch auf Colin Campbell. Nur: Ist nach mehr als zwei Monaten Pause durch eine Gehirnerschütterung ein Playoff-Spiel wirklich ein guter Comeback-Zeitpunkt? Auch ohne seiner Dominanz zu Saisonbeginn könnte er helfen, einige Spieler, die zuletzt oberhalb ihrer Gewichtsklasse kämpften, in der Depth Chart wieder richtig anzusiedeln.

Den Nachverpflichtungen Archibald und Basse täte eine Leistungssteigerung gut. Defender Johnson sollte auch zurückkehren, aber acht Defender sind nicht unbedingt besser als sieben. Leduc und Wall müssen weiter die Caps-Defensive weiter tragen.

Ein Problem, das die Caps über die ganze Saison nicht in den Griff bekommen haben: Unnötige und offensichtliche Strafen. 257 kleine Strafen sind der absolute Höchstwert der Liga. Wenn man etwa bei Topscorer Ty Loney ein Haar in der Suppe finden will (wie es zuletzt einige DEL-Manager taten), wären das neben seinem Mangel an Startgeschwindigkeit eben diese Strafen. Janos Hari, Istvan Bartalis, Alex Petan und Co. sollte man die Powerplays eher nicht am Silbertablett servieren.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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