Philippe Lakos: "Genieße das Image nicht"

Philippe Lakos: Foto: © GEPA
 

Philippe Lakos feiert am Freitag bei den Graz99ers (ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker) seinen 700. Auftritt für die Vienna Capitals.

Eine einzige seiner 16 Saisonen in der EBEL bestritt der mittlerweile 37-Jährige beim HC Innsbruck, ansonsten ist der als Raubein bekannte Verteidiger nie aus dem Lineup der Wiener wegzudenken gewesen.

Er ist auch der einzige Crack, der beide Meistertitel des 2001 aus der Taufe gehobenen Vereins seiner Heimatstadt mitfeiern durfte.

"Das ist natürlich eine Ehre, wenn du solange für dieselbe Mannschaft spielen kannst und darfst. Man merkt aber gleichzeitig, dass man älter wird", gibt der jüngere der Lakos-Brüder anlässlich seines Jubiläums zu.

Home sweet Home

Nach den Jugendjahren in Übersee, als sich Philippe Lakos in der OHL bei den Toronto St. Michael's Majors und später bei diversen Klubs in der ECHL austobte, führte der Weg wieder nach Wien.

Nach zwei ersten Auftritten für die Capitals in den Playoffs 2003 ging es im gleichen Jahr noch einmal an die Ostküste zurück, ehe die vorvorletzte Übersiedelung seiner Karriere folgte: Ab 2003/04 war Lakos bis auf das besagte Jahr Unterbrechung in Innsbruck (2008/09) fix bei den Caps engagiert.

"In jüngeren Jahren war das Ausland immer wieder Thema, es ist halt nie wirklich zustande gekommen. Da ich immer in Wien einen Vertrag hatte, war mein Interesse daran auch nicht so groß", gibt sich Lakos pragmatisch und heimatverbunden.

Alle High- und Lowlights mitgemacht

Nicht nur, dass man sich mit solch einer Vereinstreue bei den Fans beliebt macht. Phil Lakos hat alle Höhen und Tiefen mit den Vienna Capitals mitgemacht.

Während im ersten vollen Jahr die Playoffs verpasst wurden, gelang 2004/05 gleich das (erste) Meisterstück mit den Donaustädtern. 2012/13 stand am Ende einer erfolgreichen Saison hingegen der schmerzhafte 0:4-Finalsweep gegen den KAC.


VIDEO - Die drei besten Pässe vom Österreich Cup:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


"An die schlimmeren Momente erinnere ich mich nicht wirklich, die verdränge ich immer schnell. Aber klar, wenn du mit 0:4 in der Playoff-Finalserie gesweept wirst, dann ist das nicht angenehm", streicht Lakos diesen negativen Höhepunkt besonders hervor.

"Die beeindruckendste Ära war aber wahrscheinlich die letzte Saison. Die Rekorde im Grunddurchgang, der historische Triple-Sweep und am Ende der Meistertitel - solche Momente bleiben doch ewig in Erinnerung", sieht der Defender den Höhepunkt erst jetzt gekommen.

Potenzial, dass sich die Erfolge häufen - und sei es erst nach dem Ende der Karriere - sieht der 37-Jährige auf jeden Fall gegeben, betrachtet er die Fortschritte der Capitals in Sachen Umfeld. "Die ganze Organisation ist viel größer geworden. Ob jetzt die Albert-Schultz-Halle, die dritte Eisfläche oder das Athletikzentrum - unser Nachwuchs hat jetzt viel mehr Möglichkeiten, als zu meiner Jugendzeit."

Ein Raubein wider Willen

Die körperliche Fitness bewies Lakos nicht nur mit seinen Eishockey-Fähigkeiten. Durchschnittlich 2,3 Minuten verbrachte er in seiner EBEL-Karriere pro Partie auf der Strafbank. Stolz steckt hinter dem Image als Raubein aber keiner.

"Genießen tue ich dieses Image nicht. Es hat immer zu meinem Spielstil dazugehört. Wenn man sich meine letzten Jahre ansieht, dann wird auch deutlich, dass meine Strafminuten weniger werden. Deshalb werde ich sicher nicht nur so in Erinnerung bleiben. Ich habe auch defensiv immer meine Leistung gebracht", will Phil Lakos betonen.

Dennoch hat sich der eine oder andere Fight in die Gedächtnisse gebrannt. Nicht umsonst fällt auch Lakos sofort ein, welcher Kampf sein persönliches Highlight markiert hat: "Jener, von dem die meisten Leute heute noch reden - gegen Tavis Hansen (am 30. Oktober 2005 gegen den HC Innsbruck, Anm.). Da haben wir uns beide nichts geschenkt."


Der Fight mit Tavis Hansen im VIDEO:

(Text wird unterhalb fortgesetzt)


Letztes Jahr machte auch eine andere unschöne Szene EBEL-weit Schlagzeilen, als ein Stockschlag von Salzburg-Stürmer Brett Sterling sowohl dem Besitz des kleinen Fingers als auch der Karriere beinahe ein schmerzhaftes Ende setzte. Nur ein Hautfetzen verband das zertrümmerte obere Glied noch mit dem Rest des Fingers.

"Der Finger ist mittlerweile okay, nicht so gut wie vorher, er ist jetzt um zwei Millimeter kürzer als der andere Finger. Und in der Spitze verspüre ich immer noch ein gewisses Taubheitsgefühl", gibt Lakos ein Update.

In Zukunft ein Schreibtisch-Held?

Dennoch: Mit 37 Jahren rückt das Karriere-Ende natürlich in greifbare Nähe. "Je älter du wirst, desto härter und umfangreicher musst du trainieren. Das hat auch viel mit der mentalen Komponente zu tun, andererseits gehören natürlich auch Glück bei der Gesundheit und die richtige Trainingseinstellung dazu. Ich habe jetzt noch nicht vor, aufzuhören, aber natürlich gehören da immer zwei dazu", spielt Lakos auf die Vertragssituation an.


Der Finger von Philippe Lakos unmittelbar nach dem Zwischenfall:


Dass er auch neben dem Eis durchaus Talente hat, bewies er kürzlich mit einem ungewöhnlichen Beitrag: Dem Design des aktuellen Capitals-Adventkalenders.

"Solche Dinge interessieren mich. Ich würde gerne mit dem Eishockey in Verbindung bleiben, aber einen Trainer-Job strebe ich nicht an, eher einen Job im Office", gibt sich der Neo-Designer als Schreibtisch-Tiger von der ruhigeren Seite.

Nicht nur der berufliche Grundstein für die Zeit danach, auch die privaten wurden vor kurzem mit der Hochzeit und dem angehenden Hausbau gelegt. Bevor es endgültig ruhiger um den Verteidiger wird, gilt es aber noch, die Statistiken in die Höhe zu schrauben. So denkt er schon an das 701. Spiel, welches er wieder vor eigenem Publikum bestreiten wird.

"Und das ist ja auch schön, wenn du noch eines mehr auf dem Buckel hast."


Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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