IIHF-Regelwerk übernimmt Ideen der EBEL

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Alle vier Jahre verpasst sich der Eishockey-Weltverbverband (International Ice Hockey Federation - IIHF) ein neues Regelwerk.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen genauen Blick auf die wichtigsten Änderungen und erläutert, ob die neuen Regeln auch für die EBEL gelten werden. Anzumerken ist, dass das für die nächsten vier Jahre gültige IIHF-Regelbuch das bisher beste ist – Hauptgrund dafür: Das "Casebook" (=Beispiele und Erläuterungen) wurde darin aufgenommen – aus zwei mach sozusagen eins.

Die EBEL gönnt sich aber zusätzlich weiter ein dickes - fast 40 Seiten umfassendes - Casebook, das einige der IIHF-Regeln außer Kraft setzt.

Dieses Casebook ist weiter eine Mixtur aus IIHF-, NHL- und eigens geschaffenen Regeln, das Referee-Gäste in unserer Liga immer wieder in Verwirrung stürzt. Während die FIFA auf ein allgemein gültiges Regelwerk besteht, lässt die IIHF hier (zu) viele länderspezifische Varianten durchgehen...

Weiterhin der signifikanteste Unterschied zwischen EBEL- und IIHF-Regeln: Für sogenannte "aggressive Fouls" (z.B. Charging, Knie- oder Banden-Checks) sind in der EBEL mindestens Vier-Minuten-Strafen vorgesehen.

EBEL-"Director-of-Hockey-Operations" Lyle Seitz zu den guten Seiten dieser Regel: "Seither haben die Diskussionen darüber aufgehört, ob es eine Zwei- oder Fünf-Minuten-Strafe geben sollte. Außerdem führen gerade diese Attacken zu den meisten Verletzungen."

Allerdings: Oft genug wurden 08/15-Checks bestraft (vor allem Boarding) und die Teams mussten dann statt einer gleich zwei Strafen killen, was die EBEL immer mehr zu einer PP- und PK-Liga machte.

Für mich auch nicht ganz koscher: Diese Vier-Minuten-Strafen sind jetzt der Schmelztiegel für "normale" Fouls (wie etwa Banden-Check oder Charging) und laut IIHF-Regelwerk stets krasser zu ahndenden Vergehen (z. B. Kopfstoß oder Schlittschuhtritt). Mir hat auch noch nie jemand schlüssig erklären können, warum ein Banden-Check oder ein unkorrekter Körperangriff – beides oft im Auge des Betrachters – verwerflicher sind als ein Cross-Check, der eigentlich nie unglücklich zustande kommen kann.

Außerdem: Diese Regeln galten letzte Saison auch schon in der Champions Hockey League, für deren Regelwerk auch Seitz und EBEL-Referee-Boss Greg Kimmerly verantwortlich zeichnen. Doch weder die IIHF noch irgendeine der großen Eishockey-Nationen fand Gefallen daran, die EBEL steht mit diesen Vier-Minuten-Strafen weiter alleine da...

Umgekehrt leistete die EBEL aber auch Regel-Pionierarbeit: Tore können auch anerkannt werden, wenn ein Verteidiger oder Goalie das Tor kurz vor dem Torschuss verschiebt. Und für große Strafen sind nicht mehr Verletzungen, sondern "rücksichtslose Gefährdung" Grundbedingungen – die Refs müssen also nicht mehr ärztliche Diagnosen abgeben.

Beides gute Ideen, die heuer vom EBEL- in das IIHF-Regelwerk übernommen wurden!

Die wichtigsten Änderungen:

"Late Hits": Betrifft Attacken an Spielern, die die Scheibe bereits abgespielt haben. Erwarte hier aber keine Flut an solchen Strafen in der EBEL. Seitz: "Das ist eigentlich Behinderung, hätte auch immer so geahndet werden sollen." Aus beiden Regelwerken verschwunden: Der verzweifelte Versuch zu definieren, wann ein Spieler nicht mehr im Besitz der Scheibe ist (entweder in Sekunden oder Distanz des abgespielten Pucks).

"Early Hits" gibt es als eigene Regel nicht, die IIHF definierte aber via "Behinderung" noch klarer, dass auch Spieler vor der Puck-Annahme nicht gecheckt werden dürfen.

"Banden-Check": Die IIHF sieht hier ab sofort mindestens eine Zwei- und Zehn-Minuten-Strafe vor. Die DEL etwa übernahm diese Regel nicht, in der EBEL gehört das weiter zu den "aggressiven Fouls" mit Vier-Minuten-Strafen.

Neuer Torraum: Der Torraum wurde nach NHL-Maßen neu gestaltet. Etwas kleiner als bisher, seitlich wurde etwas Raum weggenommen. Theoretisch wären die Torhüter bei "Backdoor Plays" etwas im Nachteil, beim Winkelabschneiden im Vorteil. In der Praxis wird es aber kaum zu Änderungen kommen. Weiter in der EBEL gültig (im Gegensatz zur IIHF): Tore von im Torraum stehenden Spielern sind nur dann abzuerkennen, wenn der Torhüter bei der Abwehr behindert wurde.

"Penalty Shots": Sowohl bei der IIHF als auch in der EBEL kann ab sofort wieder jeder Spieler einen Strafschuss ausführen, nicht mehr nur der gefoulte Spieler. Eine Rückkehr zu einer schon vor Jahren gültigen Regel.

Beinstellen: Von der IIHF und der EBEL aus der NHL übernommen: Auch wenn ein Spieler zuerst die Scheibe spielt und der Gegner dann über den Stock fällt (etwa bei einem "Sweep Check"): Ab heuer eine Strafe, bei Breakaways allerdings kein Penalty-Shot.

Tore mit dem Schlittschuh: Die IIHF zeigt sich bei mit dem Schlittschuh erzielten Toren restriktiv, absichtliche Abfälscher gelten nicht. Das werden einige Ligen außer Kraft setzen, die DEL tat es schon letztes Jahr. Die IIHF macht hier eigentlich einen Schritt zurück.

In der EBEL gilt hier weiter die NHL-Regel-Auslegung – nur bei klaren Kickbewegungen soll das Tor aberkannt werden, sonst gilt der Treffer. Seitz: "Wir wollen mehr Tore, nicht weniger. Und will man wirklich bei Weitschüssen, die in einem Heer von Stöcken und Schlittschuhen einschlagen, herausfinden, von wem und ob der Puck absichtlich abgefälscht wurde?"

"Faceoffs": Bei einem Vorbereitungsspiel in Tschechien gesehen: Gleich drei Strafen gegen Teams wegen Faceoff-Vergehens. So heiß wird in der EBEL nicht gekocht werden, aber ich erwarte doch mehr Strafen nach Bullys. Seitz: "Keine neue Regel, wir wenden nur die bisher bestehenden etwas strikter an. Die Spiele sollen wieder kürzer werden, schnellere und korrektere Faceoffs helfen dabei."

In der EBEL wird bei Vergehen der Center nicht mehr gewechselt, der Linesman zeigt aber das Vergehen deutlich an. Macht das Team beim selben Bully noch einen Fehler, zeigt der Linesman das mit erhobenen zwei Fingern an, der Head verhängt dann eine Strafe. Erwarte aber keine Strafenflut wie in der stets etwas exzentrischen Extraliga in Tschechien...

"Torhütervergehen": Ebenfalls in Brünn gesehen: Gleich zwei Strafen gegen Goalies, die abseits des Torraums die Scheibe blockierten. In der dortigen Extraliga müssen die Torhüter außerhalb des Torraums die Scheibe in Bewegung halten, wenn es sich nicht gerade um einen normalen Save handelt. In der EBEL wird das nicht so gehandhabt, die bisherigen Regeln gelten weiterhin. Hinter der Torlinie darf sowieso kein Goalie die Scheibe blockieren, zwischen Torlinie und Hashmarks nur unter Druck eines Gegenspielers. Erwarte hier kaum zusätzlichen Strafen.

Fights: Die EBEL gönnt sich weiterhin als einzige europäische Liga neben der EIHL eine Fünf-Minuten-Strafe für "faire" Faustkämpfe. Bei zwei solchen Fights gibt es aber seit letzter Saison eine Sperre. Heuer dazu aber zwei Änderungen: Das gilt nur für die ersten 44 Runden, außerdem nicht für einen Spieler, der sich im Fight nur gegen einen Anstifter gewehrt hat.

"Technische Hilfsmittel": Ab sofort dürfen auf der Bank alle Formen von Technologie verwendet werden, das wird vor allem Tablets betreffen. Allerdings: Dem Schiri etwa so einen Fehler aufzeigen zu wollen, führt zu einer Strafe. Ich bin überzeugt, dass es hier aber auch einmal einen Ralf Rangnick – fuchtelte in der Pause eines Leipzig-Spiels gegenüber einem Referee mit dem Handy herum – geben wird.

Insgesamt wurden im IIHF-Regelbuch einige Begriff neu und schärfer definiert, dabei handelte es sich vor allem um Checks.

Körperkontakt soll auf ein Mindestmaß reduziert werden

Dabei ging es weiter in die Richtung, dass das Körperspiel immer enger definiert wird, Checks, die vor Jahren noch regelkonform waren, stehen schon länger auf dem Index. Auch wenn es von den Regelhütern immer dementiert wird: Das Eishockey befindet sich – egal ob in der NHL oder in Europa – immer mehr auf dem Weg zu einem Sport, bei dem der Körperkontakt auf ein Mindestmaß reduziert werden soll. Zu groß ist die Angst vor Gehirnerschütterungen und möglichen Rechtsfolgen daraus…

Zum Personellen: Pro-Ref Mark Lemelin (in die Schweiz) ist der prominenteste Abgang unter den Heads, der verletzte Slowene Milan Rakovic der unter den Linesmen. Lemelins Stelle wurde nicht nachbesetzt, im Lauf der Saison werden aber ein oder zwei AHL-Refs für jeweils einige Wochen zu Gast sein.

Die Austausch-Programme mit Dänemark, Großbritannien und Deutschland bleiben bestehen, aus der Slowakei steht wieder Top-Referee Vladimir Baluska im EBEL-Kader.

Erfreulich: Erstmals in der Geschichte sind EBEL-Referees auch Bestandteil des "großen" IIHF-Austausch-Programmes – so werden Schiedsrichter aus Top-Eishockey-Nationen wie Schweden, Finnland oder Tschechien zu Gast sein. Mit der tschechischen Extraliga wurde unabhängig davon auch ein Schiri-Austausch beschlossen.

Erwarte also viele neue Gesichter in der EBEL, umgekehrt wurden unsere Schiedsrichter in den letzten Jahren hoffähig und dürfen sich nun auch in den europäischen Topligen beweisen. Bleibt nur zu hoffen, dass sie zwischen den einzelnen Regelwerken immer das richtige anweden werden...

Textquelle: © LAOLA1.at

EBEL: Die Herkunft der Legionäre - eine Experten-Analyse

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