Den Innsbrucker Haien fehlt die Tiefe

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Die EBEL-Saison 2019/20 steht vor der Tür! Ab Freitag (Runde 1, ab 19:15 Uhr im LIVE-Ticker) rittern elf Teams um die Karl-Nedwed-Trophy.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen detaillierten Blick auf die Saison-Aussichten jedes Klubs. Welche Aspekte lassen hoffen, wo liegen die Baustellen, wo gibt es Fragezeichen?

Die Innsbrucker Haie verpassten vergangene Saison die Playoffs und bauten ihren Kader im Sommer ordentlich um. Unter anderem verließen die Top-Scorer Andrew Yogan und Andrew Clark den Verein. Sie mussten adäquat ersetzt werden, denn auf den Stützen der Haie lastet bedingt durch den dünnen Kader auch in diesem Spieljahr viel Verantwortung.

Wird Jesper Thörnberg und Co. die enorme Eiszeit am Ende zum Verhängnis?

Das sollte klappen

Mit C. J. Motte kam ein neuer Goalie, der mir schon bei seinen wenigen, aber guten Aushilfen in der AHL sowie in der ECHL positiv ins Auge gestochen ist. Reflexstark, kompakt und mit gutem Stellungsspiel. Ich lege nicht meine Hand dafür ins Feuer, wie er sich in Spiel 47 präsentieren wird (er muss und wird wohl jedes Spiel bestreiten), aber auf der Position des Einser-Goalies sollten sich die Haie verbessert haben.

Mit Michael Boivin, Sacha Guimond, John Lammers, Tyler Spurgeon, Ondrej Sedivy sowie den Neuzugängen Jan Lattner (Znojmo) und Joel Broda (Dornbirn) kennen sieben Legionäre die Liga und sollten in ihrem Leistungsvermögen einzuschätzen sein, auch wenn Broda zuletzt stark mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Dazu kommt als bester österreichischer Angreifer noch Daniel Wachter, der sich letzte Saison zu einem vollwertigen und torgefährlichen EBEL-Stürmer gemausert hat, der auch besseren Teams gut zu Gesicht stehen würde.

Rob Pallin hat zwar nach seinen zwei Top-6-Platzierungen (in Innsbruck mit einem Meistertitel anderswo gleichzusetzen) den Absprung verpasst, versteht es aber trotzdem, auch mit den bescheidenen Mitteln der Haie eine kompetitive Truppe auf die Beine zu stellen.

Das könnte in beide Richtungen gehen

Mit dem von seinem Kreuzbandriss wiedergenesenen Fabian Nussbaumer sowie Tyler Cuma und Thomas Vallant kamen praktisch drei Österreicher dazu, sodass immerhin sieben Defender zur Verfügung stehen - für Innsbruck fast ein Luxus, auch wenn der abgegangene Philipp Lindner über jeden der drei zu stellen wäre. Außerdem wird Cuma in seinem Jahr Spielpause nicht weniger fehleranfällig geworden sein.

Jesper Thörnberg weiß, wo die Kiste steht, das hat er nicht nur in der letzten Saison in Dänemark (33 Tore in 40 Spielen) bewiesen. Er ist der Top-Kandidat dafür, die mit den abgegangenen Andrew Yogan und Andrew Clark erzielten Tore zu ersetzen. Wie gelingt ihm die Umstellung auf die EBEL?

Apropos Yogan und Clark: Vor allem ersterer war am Spiel ohne Scheibe nie interessiert. Die Hoffnung im Verein ist, dass sich die Haie defensiv kompakter präsentieren als in den Vorsaisonen, wo (zu) viele Spiele in Richtung Torspektakel gingen.

Das dürfte Probleme bereiten

Genau ein Goalie, großzügig geschätzt sieben Defender und zehn Stürmer - mehr kann man aus dem Kader nicht herauslesen. Selbst ohne Verletzungen natürlich eine viel zu dünne Geschichte, die an das VSV-Aufgebot der Vorsaison erinnert. Bei Verletzungen ist nicht einmal mehr Drei-Linien-Hockey möglich. Kein anderer Konkurrent weist einen dünneren Kader auf...

Ich habe über die Jahre einige ECHL-Topscorer gesehen, die in der AHL in der vierten Reihe festgefahren sind. Diese teilten sich für mich in drei Gruppen auf: "Interessante Ansätze selbst bei limitierter Eiszeit" - "Müsste ich in der ECHL nochmals sehen" - "Ich verstehe, warum er nie über die ECHL hinauskommt". Caleb Herbert fiel für mich in die dritte Kategorie, weil er seine Beine kaum bewegte. Ich hoffe für die Haie, dass ich mich getäuscht habe.

Selbst Spieler wie Dario Winkler, Christof Wappis oder Henrik Neubauer, die allesamt noch keine großen EBEL-Wellen geschlagen haben, wären für Innsbruck schon Gottesgaben, von Emil Romig, der dann ein besseres Angebot aus Dornbirn annahm, ganz zu schweigen. Man driftet absichtlich oder unabsichtlich wieder in Richtung "Tiroler Weg" und jeder erinnert sich, wohin dieser geführt hat.

Aussicht

Wie bei Villach im Vorjahr kann ein solch dünner Kader nicht ausreichen. Selbst wenn alle Legionäre überragen (und das kann man etwa von Miha Zajc kaum einfordern), werden Siege wohl nur mit großem Kraftaufwand errungen werden - die Rechnung zahlt man dann spätestens im Dezember. An einen Playoff-Platz ist trotz des entgegenkommenden EBEL-Modus wohl kaum zu denken...

Textquelle: © LAOLA1.at

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