Neue EBEL-Namen im Scout-Fokus

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Noch knapp drei Wochen bis zu den Trainingsstarts in der EBEL!

Bei den Black Wings Linz und dem VSV fehlt noch jeweils ein Defender, der Dornbirner EC und vor allem der HC Bozen haben da noch mehr zu tun.

LAOLA1-Experte Bernd Freimüller wirft einen Blick auf eine Handvoll der bisherigen Neuzugänge und schätzt auch einige Brennpunkte ein:

Konzern-interne Coach-Rochade

Der erst 33-jährige Matt McIlvane wurde im Hause Red Bull vom Co-Trainer in München zum Head Coach in Salzburg. Und bei den Legionären ist Qualität statt Quantität angesagt: Die Saison wird mit sieben Ausländern begonnen, lediglich Brent Regner und der ewige John Hughes konnten sich für eine Weiterbeschäftigung qualifizieren. Die neuen Namen fallen alle in die Kategorie "Routiniers".

Für mich die interessanteste Personalie: Wie findet sich die Schussmaschine Bud Holloway auf der für ihn ungewohnten Center-Position zurecht? Er galt aber über Jahre in der SHL ebenso als Tor-Garantie wie der aus Mannheim gekommene Chad Kolarik.

Auch der KAC beschränkt sich zu Saisonbeginn auf lediglich sieben Gastarbeiter. Rein aus Scout-Sicht legte der regierende Meister aber die uninteressante Off-Season hin: Lediglich Manuel Ganahl und Lukas Haudum kamen (zurück) – ich hoffe, die beiden haben sich von der WM bisher besser erholt als ich.

Bei der Personalie Haudum ist aber der Hintergrund ein interessanter: Der KAC stach sein Heimat-Team der Black Wings Linz gehaltsmäßig aus. Dazu kommt aber noch die EBEL-Ausbildungsentschädigung von 30.000 Euro, die auch Haudums letzte fünf Saisonen in Schweden nicht verhindern konnten. Die Linzer können sich bei ihren Ex-Coach Rob Daum bedanken, der Haudum in der Saison 2013/14 einmal auf dem Spielbericht eintragen ließ. Damit war ein wichtiger Faktor für die Ablöseforderung erfüllt, der zweite war, dass Haudum seinen 23. Geburtstag noch nicht gefeiert hat. Ohne dieses Spiel im Jahre Schnee wären die Black Wings leer ausgegangen.

Dient das als Erinnerung für den Rest der EBEL-Teams, alle ihre talentierteren Nachwuchskräfte irgendwann einmal auf einem Spielbericht einzutragen? Das könnte zu einer interessanten Zwickmühle führen: Die Teams sichern sich so für den Fall der Fälle ab. Spielern, die aber auf ein College-Engagement in Übersee hoffen, würde dieses so erschwert, wenn nicht ganz verunmöglicht. U18-Team-Verteidiger Luis Lindner bat Salzburg letztes Jahr sogar darum, ihn nicht in der AlpsHL einzusetzen, bevor er heuer in die USHL (mögliches Sprungbrett zum College) übersiedelte.

Apropos Linz: Die Black Wings stellten sich nach der enttäuschenden Vorsaison breiter auf als zuvor. Vor allem auf Center Mark McNeill darf man gespannt sein: An guten Tagen ein körperlich starker und um das Tor herum gefährlicher Mann, der aber auch untertauchen kann. Defender Josh Roach soll seine in der EIHL gezeigten Offensivleistungen einbringen, um so für mehr Power von der blauen Linie als in der letzten Saison zu sorgen.

Im Gegensatz zum KAC und Salzburg ging das dritte Akademie-Team, die Vienna Capitals, in die andere Richtung und schöpft die (neue) Obergrenze von elf Ausländern voll aus. Neben Defender Brenden Kichton, der in der AHL als auch in der Liiga ein sehr guter Puckmover und Distanzschütze war, am interessantesten: Goalie Ryan Zapolski.

Ich kenne den US-Amerikaner schon seit Jahren, als er als reiner ECHL-Goalie nach Finnland kam (damals noch sehr ungewohnt) und voll einschlug. Nach drei starken Jahren bei Lukko blieb er zwar in Finnland, übersiedelte aber zu Jokerit in die KHL. Seine dritte Saison dort war aber seine schwächste und kostete ihn auch eine Weiterbeschäftigung in der KHL. Der mittelgroße Torhüter überzeugte zu seinen besten Zeiten mit sehr guter Beinarbeit und wenig "Wasted Movement". Auch in der EBEL?

Angesichts von neun(!) schwedischen Neuzugängen in den letzten beiden Saisonen bei den Graz99ers lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass Assistant Coach Jens Gustafsson wenn nicht de jure, so doch de facto, Sportdirektor-Aufgaben von Doug Mason übernommen hat. Auf Center Joakim Hillding darf man gespannt sein, er war beim sensationellen Aufstieg von Oskarshamn in die SHL ein Schlüsselspieler.

Ganz wichtig für ein weiteres erfolgreiches 99ers-Jahr: Kann Routinier Cristopher Nihlstorp endlich die Goalie-Position, die in den letzten beiden Saison katastrophal (Hannu Toivonen) bzw. wechselhaft (Robin Rahm) besetzt war, stabilisieren? Der 35-Jährige war aufgrund einer Hüftoperation und Gehirnerschütterungen in den beiden letzten Saisonen entweder out oder Backup.

Interessante Namen bei den restlichen Teams

Center Phil McRae in Znojmo: Er wird dort sicher die Top-Center-Rolle einnehmen, aber um der Wahrheit die Ehre zu geben – viel gute Spiele habe ich von ihm in Europa noch nicht gesehen und eigentlich auch in der AHL nicht. Den früheren St.-Louis-Zweitrunden-Pick als Underachiever zu bezeichnen, ist sicher nicht übertrieben.

Patrick Bjorkstrand in Villach: Ein stets mit hoher Drehzahl und guter Beinarbeit agierender Angreifer mit KHL- und Liiga-Erfahrung. Auch wenn er die letzte Saison als Center beendet hat – ich habe ihn über die Jahre nur als Flügel gesehen und da eher als (guten) Komplementär-Spieler denn als Spielträger. Beim VSV ist er als Toplinien-Center gesetzt. Der Däne unterschrieb ebenso für zwei Jahre (und das nach unzähligen Payouts in der Draustadt in den letzten Jahren) wie Defender Kevin Schmidt, der vor drei Jahren in Dornbirn ein wahres Perpetuum mobile in der Defensive war.

In Fehervar klammerte sich Coach Hannu Järvenpää (wie schon in Villach) an liga-erprobte Namen. Neben Andrew Yogan, Tim Campbell, Scott Timmins und Mikko Lehtonen kam auch Langzeit-Linz-Goalie Michael Ouzas nach Ungarn. Gerade er, der sich nicht immer durch großes Stamina auszeichnete, soll nun Vielspieler Mac Carruth ersetzen. Gewisse Zweifel sind da angebracht...

Auch in Innsbruck kann sich der neue Goalie bereits jetzt warm anziehen: C.J. Motte wird aufgrund des klapperdürren Kaders vor ihm – und ohne liga-erfahrene Backup-Absicherung – auf wenige Ruhepausen hoffen können. Mir gefiel der AHL/ECHL-Borderliner bei meinen Beobachtungen aber immer...

Dornbirn baut noch an seinem Kader – apropos bauen: Mathias Bau Hansen war beim Vor-WM-Test der Dänen in Wien eine auffallende Erscheinung, nicht zuletzt aufgrund seiner zwei Meter. Seine Reichweite sollte ihm auch in der EBEL Vorteile verschaffen. Der Grund für seine letztjährige Saison ohne Klubspiele: Washington und sein Management konnten sich nicht darüber einigen, wie sein Milzriss medizinisch zu behandeln war.

In Bozen steht der Kader derzeit erst in Grundrissen, einige Legionärsplätze sind noch offen. Um Manager Dieter Knoll Worte von Uli Hoeneß leicht abgewandelt in den Mund zu legen: "Wenn Sie wüssten, wen wir noch nicht verpflichtet haben"...

Textquelle: © LAOLA1.at

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