EBEL-Backups: Nur Zuschauer und Lückenfüller?

EBEL-Backups: Nur Zuschauer und Lückenfüller? Foto: © GEPA
 

Die Erste Bank Eishockey-Liga ist seit Jahren eine Liga, in der die meisten Teams einer klar deklarierten Nummer Eins im Tor vertrauen – allerdings war das Vertrauen noch nie so ausgeprägt wie in dieser Saison.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller wirft einen Blick auf die (oft arbeitslosen) Backup-Goalies der EBEL und eventuelle Nachrücker.

Steve Michalek und Lukas Herzog in Salzburg sowie Michael Ouzas und David Kickert in Linz bildeten in der EBEL-Saison 2018/19 zwei Pärchen, bei denen die Eiszeit nicht völlig einseitig verteilt war. Vor zwei Jahren teilten sich Herzog und Kickert den Goalie-Posten in Villach paritätisch untereinander auf, auch David Madlener und Tomas Duba waren damals beim KAC gleichgestellt.

Seit dem Sommer sind die Fronten aber klar abgesteckt: 86 der 98 Starts (88 Prozent) gingen an die Einser-Goalies, von den zwölf übrigen Spielen verdankten Thomas Höneckl (Graz), Lukas Schluderbacher (VSV) und Paul Mocher (Linz) jeweils einen Einsatz der Unpässlichkeit ihrer Kollegen.

Vier Teams kamen bis jetzt überhaupt nur mit einem Tormann durch. Sind die Einser so gut? Die Backups untauglich? Wird sich das in der spiel-intensiveren Zeit um Weihnachten noch ändern? Experte Bernd Freimüller wagt einen Rundblick:

Backups mit einigermaßen regelmäßigen Einsätzen:

Lukas Herzog kam bei Red Bull Salzburg hinter Vielspieler J.P. Lamoureux immerhin in jedem dritten Spiel zum Zug. Seine Probleme: Seine Seitwärtsbewegung unterbricht oft in der Mitte des Tores, dazu steht er auch öfters zu tief in seinem Kasten. So schlecht wie er sich bei der WM präsentiert hat, ist er nicht, aber zumindest ein fragwürdiges Tor pro Spiel ist bei ihm immer drinnen. Bekommt er im Laufe der Saison eher mehr oder weniger Spiele? Im Farmteam ist Nicolas Wieser in dieser Saison die klare Nummer eins – der gebürtige Villacher rückt aber mitunter zu leicht aus seiner Position.

Meine Einschätzung zu möglichen Starts von Herzog (nach 40 Runden und ohne Verletzung des Einser-Goalies): 10 bis 14

Wie hinter Lamoureux ist Bernhard Starkbaum bei den spusu Vienna Capitals auch hinter Ryan Zapolski klar als Nummer zwei gesetzt, durfte dafür in den CHL-Spielen gegen Tychy sein Können zeigen. Er hat mit zunehmendem Alter viel an Lateralbewegung verloren, versucht das mit Routine, Größe und ab und zu Desperation zu kompensieren. Vom Nervenkostüm und Selbstvertrauen sicher der Beste der EBEL-Backups. In Wien versucht er sich im Nachwuchs bereits als Goalie-Coach. Aber: Werden die Capitals je dazu bereit sein, einem jüngeren Goalie zu vertrauen? Der eigentlich bereits eliminierte Maxi Zimmermann hält das offensiv limitiere Farmteam in den meisten AlpsHL-Spielen in Schlagdistanz zum Gegner.

Mögliche Starts: 8 bis 10

Seit dem Abgang von Goalie-Coach Reinhard Divis ist die Rotation bei Meister KAC passe, Lars Haugen ist die klare Nummer 1. Die beiden EBEL-Einsätze von David Madlener waren in dieser Saison in Ordnung. Sein Stil ist seit Jahren klar definiert: Ein ruhiger Shotblocker mit Problemen bei der Seitwärtsbewegung und Recovery.

Haugen wurde nach einem schlappen CHL-Spiel krankgeschrieben, bedeutet das jetzt mehr Vertrauen für den Vorarlberger? Und werden Florian Vorauer und Jakob Holzer je der AlpsHL entkommen, entweder in Klagenfurt oder bei einem anderen EBEL-Team?

Mögliche Starts: 10 bis 12

Klare Backups, aber einsatzfähig:

Paul Mocher: Letztes Jahr beim U20-Team in Ordnung, damit bereits ein Upgrade gegenüber den meisten seiner Vorgänger. Groß und relativ ruhig, aber noch mit Problemen beim Puck-Tracking und in der Seitwärtsbewegung. Sollte sich bei den Black Wings Linz aber in der EBEL festsetzen und David Kickert ab November öfters entlasten können. Thomas Stroj ist derzeit (wieder einmal) verletzungsbedingt out, im Farmteam stellt sich derzeit der 2002 geborene Leonhard Sommer dem Puck-Hagel.

Mögliche Starts: 5 bis 8

Thomas Höneckl, der am längsten dienende Backup
Foto: © GEPA

Thomas Höneckl: Der längstdienende Backup der Liga. In besserer körperlicher Verfassung als in Jugend-Jahren, aber mehr als maximal zwei gute Spiele am Stück sind ihm nicht zuzutrauen, lässt immer wieder Löcher in seinem Körper zu. Bei einer (nicht unwahrscheinlichen) Verletzung von Cristopher Nihlstorp dürfte Höneckl die Stellung bei den Graz99ers wohl maximal für ein Wochenende halten, bevor die Kavallerie in Person eines neuen Imports eintrifft.

Mögliche Starts: 5 bis 8

Ich habe Dominik Groh für den HC Znojmo nur einmal in der Vorbereitung gesehen, da wirkte er auf mich etwas hyper und mit zu viel Bewegung. Gewann aber immerhin seinen bisher einzigen EBEL-Einsatz in Szekesfehervar. Teemu Lassila ist der klare Einser in Znojmo, ein Status, den er allerdings nur bei den stets goalie-schwachen Tschechen innehaben dürfte. Groh könnte den einen oder anderen Start am Ende eines Roadtrips oder um die Weihnachtszeit bekommen, ist aber eher keine Alternative für eine längere Serie an Spielen.

Mögliche Starts: ca. 5

Die Zuseher:

Rasmus Rinne ist bei den Dornbirn Bulldogs die klare Nummer Eins, der aus Wien gekommene Matthias Tschrepitsch darf für den Finnen einspringen, wenn dieser weichgeschossen wurde. Rinne ist sicher nicht das größte Problem in Dornbirn, aber halt auch nicht mehr der Retter aus seiner ersten Saison. Tschrepitsch hat zwar seine Gewichtsprobleme über die Jahre einigermaßen in den Griff bekommen, gibt aber weiter viele Löcher her und wirkt oft zu passiv. Was Ex-Coach Dave MacQueen oft angekreidet wurde, ist auch unter seinem Nachfolger Jussi Tupamäki Realität: Rinne muss jedes Spiel bestreiten.

Felix Beck sollte bald die Nummer 2 werden, weist nach einer guten U18-WM heuer aber schwache Werte bei Bregenzerwald auf.

Mögliche Starts: 0

Lukas Schluderbacher kehrte aus Lustenau zurück
Foto: © GEPA

Der VSV holte im Sommer 2018 Lukas Schluderbacher aus Lustenau zurück, er sollte hinter Dan Bakala den Backup geben und so Alexander Schmidt ein weiteres Jahr zur Entwicklung ermöglichen. Ein guter Plan für ein Jahr, aber nicht für ein zweites: Schluderbacher verspielte mit zwei desaströsen Auftritten in der Vorbereitung und gegen Innsbruck sämtliches Vertrauen, ließ auch schon letzte Saison Gegentore bei sichtbaren Wristshots von der blauen Linie zu. Besonders problematisch: Man merkte bei ihm immer, wie er nach schlechten Gegentoren in sich zusammenbricht. Schmidt wiederum kommt in einer Mixtur zwischen Bundesheer und Ausleihe nach Zell kaum zu Spielzeiten, ist aber gleichzeitig ein Anwärter für die Einser-Position beim U20-Nationalteam. Ich habe ihn schon öfters gut spielen gesehen, sein Mangel an Größe macht mich aber nervös. Brandon Maxwell sollte jedenfalls besser gesund bleiben.

Mögliche Starts: vielleicht 2

Unter Hannu Järvenpää verdient sich der Einser-Goalie bei Fehervar sein Geld mit ehrlicher Arbeit: War im letzten Jahr schon Mac Carruth ein Vielspieler, fielen bis jetzt auch Mike Ouzas alle Starts zu. Daniel Kornakker ließ in der letzten Saison bei seinen wenigen Einsätzen einige bizarre Gegentore zu, war für mich auch in der Ersten Liga alles andere als ein sicherer Wert. Er ist genauso wenig eine gleichwertige Alternative wie David Gyenes, mit dem er sich im Farmteam und auf der Bank abwechseln könnte. Ouzas muss alle Spiele bestreiten, etwas, das ihm noch selten gut bekam.

Mögliche Starts: vielleicht 2

Bei keinem anderen Team sind die Goalie-Fronten dermaßen klar abgesteckt wie in Innsbruck: C.J. Motte muss und wird alle Spiele bestreiten, egal ob gut oder schlecht, gesund oder krank. Wo man in den letzten beiden Jahren noch Geld in Backup Rene Swette steckte, wurde heuer im Sommer Rene Huber (Bruder von Mario) zurückgeholt, der letzte Saison in Zirl(!) spielte. Selbst im Junioren-Bereich kam er nie auch nur in die Nähe von Auswahl-Teams.

Mögliche Starts: 0

Backup-Rotation und das Warten auf den Pass:

Ganz eigen ist die Situation beim HC Bozen: Mit Justin Fazio kam ein junger Italo-Kanadier Anfang September, der Jeremy Smith (zog die AlpsHL einem weiteren Backup-Jahr vor) als Zweier hinter Leland Irving ersetzten sollte. Das Problem dabei: Fazio wartet bis heute auf seinen italienischen Pass.

Hannes Treibenreif – Backup beim AlpsHL-Team Ritten – nahm Anfang der Saison auf der Bank Platz, ist aber berufstätig und musste daher wieder ciao sagen. Zuletzt zogen sich zwei Goalies aus dem Partnerklub Eppan um, der in der italienischen Liga spielt.

Irving, dessen operiertes Knie ab und an aufmuckt, muss solange jedes Spiel bestreiten, bis Fazio bereitsteht. Sollte das bis zur Länderspiel-Pause nicht passieren, muss sich Sportchef Dieter Knoll um einen anderen Backup umsehen, was wiederum zu Punkte-Problemen führen könnte. Fazio wäre der dringend benötige Nullpunkter hinter Irving.

Mögliche Starts: 0 für die bisherigen Alternativen, etwa 5 für Fazio

Weitere Videos

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..