Analyse: Das sind die Stars der "anderen" Bullen

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Es ist ein Duell der besonderen Art.

Im Halbfinale der Champions Hockey League kommt es zum internen Duell zwischen dem EHC Red Bull München und Red Bull Salzburg (das Hinspiel ab 19:30 Uhr im LIVE-Ticker). Die Salzburger stehen vor einer harten Aufgabe, bekommen sie es doch mit dem DEL-Serienmeister der letzten Jahre zu tun.

Gegen die Markenkollegen wird eine auf allen Ebenen außergewöhnlich starke Leistung nötig sein, um realistische Chancen auf einen historischen Final-Aufstieg zu haben - denn die Münchner Mannschaft ist eine starke.

LAOLA1-Scout Bernd Freimüller hat sich mit dem Kader des EHC Red Bull München auseinandergesetzt:

Viel Tiefe trotz Verletzungspech

Nicht nur aufgrund der blamablen Vorstellungen seit der Dezember-Pause, wo von neun Spielen nur zwei – beide gegen Bozen – gewonnen wurden, ist Red Bull Salzburg natürlich Außenseiter. Doch gegen größere Klubs tut sich das Team von Greg Poss immer leichter, die CHL-Spiele gegen Växjö, Bern und Kärpät Oulu boten zeitweise Eishockey vom Feinsten.

Ähnliche Leistungen werden auch notwendig sein - der Serienmeister aus München verfügt über einen qualitativ und quantitativ ausgezeichneten Kader, dessen Tiefe bei einer Verletzungsserie gleich nach Saisonbeginn ausgetestet wurde. Hilfe kam dann ausgerechnet aus Salzburg von der dortigen Akademie und dem AlpsHL-Team: Cracks wie Justin Schütz und Dennis Lobach (beide inzwischen wieder in der AlpsHL), Tobias Eder und Emil Quaas halfen aus, Jakob Mayenschein – ebenfalls mit Akademie-Erfahrung – etablierte sich als Stammspieler.

Ganz wurden die Münchner den Verletzungsteufel bis heute nicht los, Mads Christensen, Maxi Daubner und Jason Jaffray sind langzeitverletzt.

Doch Don Jackson – einstmals Meistertrainer in Salzburg und neunfacher(!) DEL-Champion– hat natürlich weiter eine Reihe von Stars im Kader. Sein Team spielt ein tempointensives Pressure-Game, das dem Gegner kaum Platz zum Spielaufbau bietet. Nach einigen hohen Niederlagen zu Saisonbeginn hat sich das Team jetzt auch konsolidiert und liegt neun Punkte hinter den überragenden Mannheimern an zweiter Stelle.

Goalie Danny aus den Birken hatte über die Jahre auch schon einige schwierige Zeiten in der DEL durchzustehen, etablierte sich aber zuletzt wieder als einer der besten deutschen Schlussmänner. Auch deswegen verzichtete man in München nach dem Abgang von Dave Leggio auf einen neuen etablierten Backup, Kevin Reich (ebenfalls ein Spieler mit AlpsHL-Erfahrung) kam schon zu einigen Einsätzen.

Vielschichtige Defensive

In der Abwehr ist Yannic Seidenberg (ein umgeschulter Angreifer) ein ungemein mobiler und spielstarker Mann, der das Spiel von der blauen Linie bis zu den Hashmarks dominiert. Der Deutsch-Kanadier Daryl Boyle ist vor allem im Powerplay gefragt, ebenso wie Derek Joslin. Andrew Bodnarchuk ist ein solider Defender ohne große Schwächen, der mir schon in der AHL immer gut gefiel.

Ihn mit dem ebenfalls jahrelang in der AHL dominierenden Brent Regner zu vergleichen, wird einer der interessanten Aspekte dieses internen Duells. Keith Aulie ist ein baumlanger Mann für die Defensive und das Penaltykilling, der auch ab und zu für Recht und Ordnung sorgt. Ebenfalls ein Hüne, aber mit mehr Offensive: Konrad Abeltshauser – er konnte sich in der San-Jose-Organisation nie durchsetzen. Der gebürtige Tölzer ist ein Urbayer, gegen den Monika Gruber geradezu als Saupreißin durchgehen würde.

Jede Menge Erfahrung in den Angriffslinien

Im Angriff kann Jackson auf einige Routiniers vertrauen: Der aus Nürnberg gekommene John Mitchell ist ein Super-Brain, der fast nur gute Entscheidungen trifft. Mark Voakes – schon ein DEL-Urgestein – ist auf beiden Seiten des Pucks und vor allem bei Faceoffs sehr stark. Matt Stajan kam knapp vor Saisonbeginn nach München, im Gepäck: über 1.000 NHL-Spiele. Der Charakterspieler, von dem seine einstigen Mitspieler in Calgary heute noch schwärmen, ist defensiv und körperlich sehr solide, bringt in der DEL auch mehr Offensive ein als in Übersee.

Um bei den Legionären zu blieben: Trevor Parkes war ein typischer AHL/ECHL-Grenzgänger, der mir aber bei einem Spiel in Worcester ins Auge stach. Er wurde früh von einigen DEL-Teams umworben, hängte immer noch ein Jährchen in Übersee an, ehe er nach Augsburg ging. Um das Tor herum ist er eine Macht, um ihn und seine Linienkollegen Mitchell und Stajan zu stoppen, wird die Salzburg-Defensive an ihre physischen Grenzen gehen müssen.

Parkes ist ein typisches Beispiel dafür, worin sich München und Salzburg unterscheiden: Die Bayern scheuen nicht davor zurück, liga-intern nach Legionären zu fischen, in Salzburg kommt das so gut wie nie vor.

Natürlich verfügt München über eine Reihe von herausragenden deutschen Spielern, wie etwa den schnellen Frank Mauer, den aus Krefeld gekommenen Patrick Hager (der dritte im Sommer geholte Center) sowie den heuer mit einer Breakout-Season aufwartenden Maxi Kastner. Michael Wolf meldete sich zuletzt von seiner Verletzung zurück. Der 37-jährige gebürtige Tiroler ist vor allem im Powerplay immer noch eine Waffe. Egal ob dies seine letzte Saison ist oder er noch ein Jährchen dranhängt: Er wird als einer der besten Sniper in die DEL-Geschichte eingehen.

München hat einiges richtig gemacht

Yasin Ehliz kam erst Anfang November nach München und das unter riesigem Gedöns: Er unterschrieb im Sommer bei den Calgary Flames, hatte aber angeblich seinem Ex-Klub Nürnberg ein Rückkehr-Versprechen gegeben. Als der Flügel seinen Vertrag mit den Flames nach kurzer Zeit wieder auflöste (sein Skillset ist nicht NHL-gerecht), fand er sich aber in München wieder, die Nürnberg-Fans waren "not amused".

Tolle Legionäre, eine Reihe von aktuellen oder ehemaligen Nationalspielern, dazu auch etwas junges Blut – die drei DEL-Titel sind Beleg dafür, dass in München zuletzt fast alles aufging. Heuer könnte auch der internationale Coup mit (zumindest) dem Finaleinzug gelingen – wenn die Salzburger Bullen nicht im Wege stehen...

Textquelle: © LAOLA1.at

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