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In der BSL heißt es: Alles ist möglich!

Die Halbfinal-Serien entwickelten sich zu Knüllern. Eine genaue Prognose für das Final-Duell von Nummer 4 Graz gegen Nummer 7 Oberwart wagt der Experte nicht:

In der BSL heißt es: Alles ist möglich! Foto: © LAOLA1

Zwei fünfte Spiele und zweimal setzte sich das (schlechter gerankte) Auswärtsteam durch: Das Halbfinale der der win2day Basketball Superliga brachte viel Drama und – wie schon in der gesamten Saison – viel Unvorhersehbares.

UBSC Raiffeisen Graz gegen Unger Steel Gunners Oberwart: Ich bin mir sicher, es hat niemand vor der Saison auf diese Finalpaarung getippt und auch nach dem Grunddurchgang hätte zumindest niemand – außer sie selbst – an einen solchen Run der Burgenländer geglaubt.

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Kurios, emotional, spannend, einzigartig – ich denke, es ist wirklich sehr besonders, was wir heuer in der BSL erleben dürfen.

Den Spruch hört man ja oft, doch in dieser Saison ist es wohl Realität: Es hätten wirklich neun Teams theoretisch Meister werden können – die acht Playoff-Teilnehmer plus ein von Verletzungen verschonter BC Vienna.

Graz gewann alle drei Spiele in Klosterneuburg
Foto: © Copyright Pictorial/Michael Filippovits

Im Viertelfinale war das Weiterkommen der Nummer sieben Oberwart gegen die Nummer zwei Gmunden speziell, im Halbfinale waren beide Serien echte 2:3-Kracher.

Das Duell Klosterneuburg (1) gegen Graz (4) zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass es ausschließlich Auswärtssiege gab. Schon verrückt: Da kämpft man 32 Spieltage lang um den Heimvorteil und am Ende gewinnt immer das Gäste-Team.

Wobei die Grazer ja einmal nach Eggenberg ausweichen mussten, wo in der ungewohnten Halle beim UBSC kein großartiges Zuhause-Gefühl aufkommen konnte.

Basketballerisch war die Serie aus meiner Sicht von den Grazer Versuchen geprägt, den athletisch überragenden Michael Weathers unter Kontrolle zu bekommen. Mein MVP-Favorit steigerte sein ohnehin schon starkes Niveau von Stufe zu Stufe nochmals: Grunddurchgang, Platzierungsrunde, Viertelfinale, Halbfinale. 37 Punkte, elf Assists, acht Rebounds in Spiel zwei, 33 Punkte, zwölf Rebounds, acht Assists in Spiel vier, dazu als Guard neun Blocks über die gesamte Serie – krass!

"Die Serie war von den Grazer Versuchen geprägt, den athletisch überragenden Michael Weathers unter Kontrolle zu bekommen."

Hubert Schmidt über Dukes gegen UBSC

In der Transition ist der US-Amerikaner kaum ohne Fouls zu stoppen, im Halbfeld gelang es dem UBSC im Entscheidungsspiel aber gut: Die Kombination aus Containment, den Center mit einem beweglicheren Spieler zu verteidigen, um leichter (aggressiv) switchen zu können und von gewissen Spielern komplett wegzuhelfen, um den Raum für Drives wegzunehmen, hat Weathers auf der schwächsten Efficiency-Statistik der Playoffs gehalten (immer noch gute 21!).

Dazu kamen teils ungewöhnlich wilde individuelle Aktionen der Dukes. Die sah man zwar bei den Steirern auch, bei jenen ist dies allerdings eher Teil der Philosophie. Und sie funktionierte: Viermal konnten die Grazer 80 oder mehr Punkte erzielen und Spiel drei, als sie es nicht schafften, gewannen Zach Cooks und Co. 70:69. Übrigens vor den Augen von Fenerbahce-Star Nigel Hayes-Davis, der nach fixiertem Einzug in das EuroLeague-Final-Four seinen ehemaligen Wisconsin-Kumpel und jetzigen Klosterneuburger Duje Dukan besuchte.

Beim UBSC wurde die Rotation wegen des gehandicapten Lukas Simoner sogar auf bis zu sechs Spieler reduziert, schlussendlich schmerzte die Dukes der Ausfall des erkrankten Benjamin Blazevic in Spiel fünf mehr.

Auch Traiskirchen musste sich in heimischer Halle beugen
Foto: © Pictorial/M.Proell

Extrem spannend verlief auch die Serie Traiskirchen gegen Oberwart. Die Lions standen – nach einer unverschuldet "unglücklich" verlaufenen Schlussphase in Spiel zwei mit dem Rücken zur Wand, konnten auf 2:2 ausgleichen und lagen auch im Entscheidungsspiel meist voran.

Fünf Minuten vor Ende führten die Niederösterreicher 64:58, ehe Daniel Köppel mit zwei extrem wichtigen Offensivrebounds und daraus resultierenden vier Punkten die Gunners am Leben hielt. Munis Tutu und Derreck Brooks versenkten Dreier gegen Ende der 24-Sekunden-Uhr und am Schluss fehlte den durch die Verletzung von Youngster Alexej Kostic dezimierten Traiskirchnern vielleicht doch ein Quäntchen Kraft – und sicherlich auch etwas Glück.

Und was kann man nun vom Finale erwarten? Sich mit Prognosen hinauszulehnen, ist gerade in der heurigen Saison schwer. Oberwart versteht es von allen Teams am besten, den Gegner aus seiner Komfortzone zu bringen und ihm seinen Spielrhythmus aufzuzwingen. Andererseits ist das vielleicht gerade gegen Graz am schwierigsten, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen Teams über ein mehrköpfiges Guard-Monster verfügen und viel Qualität besitzen, um Situationen am Ende der Shot-Clock zu lösen.

Die Spieler eines der beiden Teams werden jedenfalls als absolute Helden in die jeweiligen Klub-Annalen eingehen. Für Graz ist es ja der erste Finaleinzug überhaupt. Heldenhaftes haben auch Österreichs 3x3-Herren bei der Olympia-Qualifikation in Debrecen vor, wir halten die Daumen!

 

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