Alle Kitzbühel-Turniersieger seit Thomas Muster
LAOLA1: Erstmals seit 1993 steht Kitzbühel wieder im Kalender der WTA Tour. Wie ist es zu diesem Comeback gekommen?
Alex Antonitsch: Im Grunde genommen war das immer so ein bisschen ein Wunsch: Wie kann man das Turnier oder dieses Tennis-Fest verlängern? Jetzt hat man die Chance auf ein kleines WTA-Turnier, 125er, bekommen und gesagt, lass uns das in der Woche davor probieren. Das Quali-Wochenende wird dadurch natürlich auch aufgewertet, weil da sind Semifinale und Finale der Damen. Natürlich freuen wir uns alle riesig, dass die Damen wieder aufschlagen in Kitz.
LAOLA1: Das Männer-Turnier ist wieder hochklassig besetzt, mit Spielern wie Flavio Cobolli, der jetzt in einem Grand-Slam-Finale dabei war, oder Bublik als Titelverteidiger. Auf was können wir uns bei diesem Turnier gefasst machen?
Antonitsch: Zunächst einmal freuen wir uns riesig. Bei der Meldefrist haben wir den höchsten Cut-Off, den wir je gehabt haben. Das ist, was wir tun können: Als Veranstalter schauen, wen können wir relativ früh ans Turnier binden, wer hat Lust nach Kitzbühel zu kommen. Dann beginnt dieses Warten. Bei ein paar haben wir gegambelt. Wie wir Cobolli quasi fixiert haben, war er gerade mal in den ersten 20 der Welt. Jetzt marschiert er durch. Bei Bublik hat es anders ausgeschaut, er war als Titelverteidiger relativ schnell klar. Struff, der noch offiziell gar nicht drin ist, ist jetzt auf einmal Nummer 40 in der Welt, diese Sachen kann man schwer beeinflussen. Da gehört zum Teil ein bisschen Glück dazu. Wir haben auf alle Fälle ein super Feld, das wird ein riesen Tennisfest geben.
LAOLA1: Ist die Sorge groß, dass einer dieser großen Stars aufgrund des Erfolges noch absagt?
Antonitsch: Ob jemand verletzt ist oder eine Pause braucht, das hat man nicht im Griff. Wir konzentrieren uns auf das, was wir im Griff haben. Wir hoffen, dass alle kommen. Ob es die eine oder andere Absage geben wird, das kann ich nicht vorhersagen. Aber das Feld ist so stark, dass man wahrscheinlich auch die eine oder andere Absage verkraften kann.
LAOLA1: Sebastian Ofner und Joel Schwärzler haben Wildcards bekommen. Wie stehen denn Ihre Hoffnungen bzw. Erwartungen an die beiden für das Turnier?
Antonitsch: "Ofi" (Anm. Sebastian Ofner), der sein mittlerweile drittes Comeback feiert, hat mit Kitzbühel sicher noch eine Rechnung offen. Er ist manchmal nicht ganz fit gekommen. Hat aber in dem Jahr, wo er in Wimbledon so gut gespielt hat, gleich danach in Kitzbühel ein Semifinale gespielt. Sowas wäre schon cool. Wenn ihm die erste Runde oder die ersten zwei aufgehen, ist ihm viel zuzutrauen. Er braucht Selbstvertrauen und spielt auch die Woche davor auf Sand, was gut ist. Da hoffen wir, dass er in Kitzbühel sein bestes Tennis spielen kann. Dann ist definitiv einiges drin.
LAOLA1: Und bei Schwärzler?
Antonitsch: Beim Joel ist die Entwicklung am Anfang des Jahres sehr steil nach oben gegangen. Wir hoffen, dass er an diese Form wieder anschließen kann. Joel ist ein gefährlicher Spieler, der viel in Kitzbühel mit Markus Hipfl trainiert, der die Höhenlage gewohnt ist. Wir sind sehr gespannt.
"Man muss in Österreich aufpassen, dass man nicht zu schnell sagt: Ich bin mir nicht sicher, ob das noch was wird."
LAOLA1: Wenn man darauf blickt, was im österreichischen Männer-Tennis so nachkommt, dann liegen sehr viele Hoffnungen aktuell auf Joel Schwärzler und seiner Entwicklung. Wie viel darf man sich da erwarten? Wo sollten die Erwartungen gedämpft werden?
Antonitsch: Im Grunde genommen geht es in Österreich sehr schnell, dass gehypt wird. Ich blicke immer ein bisschen über die Grenzen hinaus und bei ein paar Spielern hat man schon auch international gemerkt, dass da ein Rieseninteresse ist. Das war auch bei Joel Schwärzler so. Aber der Übergang ist auch beinhart. Manchen gelingt das schneller, manche brauchen einfach noch länger, um aus der Jugend herauszukommen, um diesen Anschluss an die Spitze zu schaffen. Beim Joel, vom Talent und Potenzial her, wissen wir, dass er das auf alle Fälle drauf hat. Jetzt geht es nach oben, aber für manche nicht schnell genug. Da muss man in Österreich genauso aufpassen, dass man nicht zu schnell sagt: Ich bin mir nicht sicher, ob das noch was wird.
"Dass es jeder oder jedem so gelingt wie einer Lilli Tagger, das passiert einfach nicht. Es gibt nicht 'den einen Weg'."
LAOLA1: Das kann man von Lilli Tagger vermutlich nicht behaupten?
Antonitsch: Den Weg, den die Lilli gemacht hat, ist phänomenal. Von French-Open-Juniorinnen-Siegerin zu einer Top-100-Spielerin jetzt - das ist natürlich genial. Ich glaube, dass sie in super guten Händen ist. Da braucht man nur Geduld. Sie wird sehr weit vorne mitspielen.
Dann dürfen wir nicht vergessen, eine die jetzt sehr stark aufzeigt: Eine Tirolerin, die in Kitzbühel zu sehen gewesen wäre, ist Anna Pircher. Sie ist auch erst 16, musste für das Turnier kurzfristig absagen. Sie braucht Zeit. Bei jedem oder jeder, die auf dem Niveau gut spielen kann, ist mehr als genug Potenzial vorhanden. Wir dürfen positiv darüber berichten, wir müssen aber nicht gleich zu viel Druck aufladen und sagen, jetzt muss man gleich mit 16 Jahren Kitzbühel gewinnen. (UPDATE: Rechtstreit um ÖTV-Talent Pircher - Absage für Kitzbühel >>>)
LAOLA1: Und bei den Burschen?
Antonitsch: Wir haben zum Beispiel einen super Jungen, der bei Wolfgang Thiem trainiert: Thilo Behrmann. Der steht auf Nummer sechs oder sieben in der Junioren-Weltrangliste - auch jemand, der zeigt, dass er mit den weltbesten Junioren mithalten kann. Jetzt kommt der für viele so schwierige Sprung aus der Junioren-Zeit raus in den Profizirkus. Auch der erst 14-jährige Steirer Moritz Freitag (Wimbledon-U14-Champion) ist ein sehr großes Talent. Dass es jeder oder jedem so gelingt wie einer Lilli Tagger, das passiert einfach nicht. Es gibt nicht "den einen Weg".
Manche brauchen körperlich etwas länger, manche müssen ihr Spiel noch entwickeln, manche werden noch nicht Profi und beenden die Schule und gehen dann ans College. Wenn es "den einen Weg" geben würde, würde ich jedem gratulieren der sagt: "Das ist der Weg, wie man Profi wird." Aber ich glaube, dass wir in Österreich immer wieder große Talente haben. Nicht eine Masse an Talenten, dafür sind wir einfach als Land zu klein. Bei manchen geht es schneller, bei manchen dauert es länger - und man muss auch so ehrlich sein, manche schaffen es leider nie, im Profisport erfolgreich zu sein!
LAOLA1: Wie wichtig sind diese Entwicklungen und dieser Fokus auf junge österreichische Talente aus Veranstaltersicht für Turniere wie Kitzbühel?
Antonitsch: Für uns, am Beginn des Turniers, als ich 2011 begonnen habe, wo wir mit Dominic (Anm. Thiem) gewachsen sind und ihn unterstützt haben, ähnlich wie jetzt längerfristig Joel Schwärzler, war das extrem wichtig. Dann haben viele gesagt "jetzt ist Dominic nicht mehr da, was wird mit Kitzbühel passieren?" Wir sind nach wie vor da.
Ab Donnerstag gibt es Restkarten, Samstag ist es komplett ausverkauft, Mittwoch spielen die besten Spieler, Montag, Dienstag die meisten Österreicher. Der Zuspruch ist da und das Event funktioniert. Aber "no-na" ist es für die mediale Bedeutung und für die Stimmung super wichtig, dass Österreicher erfolgreich sind. Wir sehen das bei uns auch im Doppel. Alexander Erler hat das drei Mal gewonnen, ein Mal gemeinsam mit Lucas Miedler. Oder als voriges Jahr Schwärzler mit meinem Neffen (Anm. Neil Oberleitner) im Finale war, da war die Stimmung einfach super gut. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass wir nur mehr von Österreichern oder österreichischen Erfolgen abhängig sind.
LAOLA1: Wir danken Ihnen für dieses Interview und wünschen alles Gute für die kommenden Turniertage!