10 Gründe für Thiem-Triumph in Roland Garros

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Dominic Thiem kann heute Sonntag (ab 15 Uhr im LIVE-Ticker) österreichische Sportgeschichte schreiben. Der Niederösterreicher kann sich als erst zweiter Tennis-Spieler nach Thomas Musters Premieren-Erfolg im Jahr 1995 einen Grand-Slam-Titel im Einzel sichern.

Mit dem elffachen Paris-Sieger Rafael Nadal könnte die Hürde im Endspiel allerdings höher nicht sein. Wir haben trotzdem zehn gute Gründe für einen rot-weiß-roten Sieg im mit Hochspannung erwarteten Gipfeltreffen der beiden besten Sandplatz-Spieler der Welt gefunden.

Darum klappt es mit dem erhofften Paris-Sieg für den 25-Jährigen:

Das letzte Duell gegen Nadal

Erst einmal trafen Thiem und Nadal in dieser Saison bislang auf der ATP-Tour aufeinander: Das Halbfinale des ATP-500-Turniers in Barcelona endete mit einem klaren 6:4, 6:4-Erfolg des Niederösterreichers, der den spanischen Sandplatz-König auf dessen Lieblingsbelag nach Strich und Faden dominierte. Sollte Thiem an diese Leistung anschließen können, wird sich Nadal im Endspiel ganz warm anziehen müssen – und zwar nicht nur wegen der stürmischen Verhältnisse in Paris.

Keine Zeit zum Nachdenken

Ein Argument für Zweck-Optimisten: Natürlich geht Rafael Nadal deutlich ausgeruhter ins Endspiel. Seit Mittwoch musste er nur den glatten Drei-Satz-Sieg über Roger Federer bestreiten. Thiem steht am Sonntag hingegen den vierten Tag in Folge unter voller Anspannung in Roland Garros – inklusive den über Tage verteilten Fünf-Satz-Fight gegen Novak Djokovic mit gleich drei Regenpausen. Dieser Umstand kann allerdings auch einen Vorteil mit sich bringen: Thiem hat nicht viel Zeit zum Nachdenken und muss nur schauen, dass er seinen aktuellen Flow beibehält.

Nicolas Massu

Dominic Thiem begründete das Engagement seines chilenischen Trainers vor einigen Monaten vor allem auch damit, dass dieser die Spieler auf der Tour sehr gut kenne und dementsprechend auch gute Match-Plans ausarbeiten kann. Diese Stärke des Südamerikaners hat sich auch in den vergangenen Partien in Roland Garros gezeigt: Thiem hatte gegen jeden seiner bisherigen Kontrahenten einen etwas anderes taktischen Zugang und agierte damit auch jedes Mal sehr erfolgreich.

Duglas Cordero

Auf Empfehlung von Massu engagierte Thiem mit Duglas Cordero auch einen eigenen Fitness-Coach. Der in Florida lebende Kubaner brachte den Niederösterreicher nach seinen körperlichen Problemen zu Saisonbeginn wieder auf Vordermann. "Abgesehen von Gebhard Gritsch (Anm.: Fitnesscoach von Djokovic) haben wir in Österreich keinen, der so einen guten Job macht", erklärt Vater Wolfgang Thiem in der "Kleinen Zeitung". Cordero arbeite mit Thiem sehr tennis-spezifisch. "Schnelligkeit, Kraft, Explosivität – Schrittkombinationen – wie laufe ich zum Ball, wie bewege ich mich zurück?" Vor allem im Halbfinale gegen Djokovic trumpfte Thiem mit diesen Stärken auf.

Ruhe im Betreuer-Team

Dominic Thiem trennte sich in den letzten Monaten von seinem langjährigen Trainer und Manager Günter Bresnik. Zunächst kam es zur Verpflichtung von Massu als Touring Coach, kurz vor den French Open gab Thiem auch bekannt, dass er mit Wien-Turnierdirektor Herwig Straka einen neuen Manager an seiner Seite habe. Die Beendigung der Zusammenarbeit mit Bresnik wurde intern geregelt, um auf sportlicher Ebene keine Unruhe reinzubringen. Am Beispiel Alex Zverev, der sich heuer von seinem Manager trennte und sogleich in eine tiefe sportliche Krise stürzte, ist gut zu erkennen, wie wichtig diese professionelle Vorgangsweise von Thiem und Bresnik war.

Freundin Kiki

Thiem kann in seiner Spieler-Box nicht nur auf den zweifachen Olympia-Sieger Massu setzen, sondern auch auf eine künftige Nummer 1: Kristina Mladenovic, seit mittlerweile zwei Jahren feste Freundin von Österreichs Tennis-Ass, wird am Montag erstmals die Führung in der Doppel-Weltrangliste übernehmen. Als Weltklasse-Spielerin weiß "Kiki" genau, wie sie ihren Freund am besten unterstützen kann. Da Mladenovic auch noch eine waschechte Pariserin ist, darf sich Thiem deshalb auch über zusätzliche Unterstützung von den Fan-Tribünen freuen.

Mentale Stärke

Von eigenen Mental-Betreuern hält Dominic Thiem bekanntlich nichts. Je besser man Tennis spiele, umso stärker sei man auch im Kopf – so das Motto des Weltranglisten-Vierten. Der Erfolg gibt dem Niederösterreicher bislang recht: Besonders im Halbfinal-Kracher gegen Novak Djokovic hatte er aufgrund dreier Regenpausen, der bekannten Mätzchen des Serben und dessen Verbissenheit einige Rückschläge zu verkraften. Doch Thiem blieb bis zum verwandelten Matchball cool und ließ sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Auch die Pressekonferenz-Diskussion zu Wochenbeginn mit Serena Williams brachte den bodenständigen Lichtenwörther nicht aus dem Konzept.

"Step-by-Step"-Karriere

Vor allem Ex-Coach Günter Bresnik sprach es in den letzten Jahren immer wieder an: Dominic Thiem ist kein Spieler, der sich mit einem großen Paukenschlag in der Weltelite meldet, sondern sich langsam und konstant Schritt für Schritt an die Spitze arbeitet. Dies zeigt sich im Ranking und auch bei seinen Turniersiegen. Nach vier 250er Titeln folgte der erste 500er Titel, nach zwei 1000er Endspielen der erste Masters-Titel und nun greift Thiem in Paris nach zwei Halbfinal-Einzügen 2016 und 2017 sowie nach einem Final-Einzug 2018 nach seinem ersten Grand-Slam-Titel. Es ist Zeit.

Thomas Muster

Der Steirer ist Österreichs bislang einziger Grand-Slam-Sieger im Herren-Einzel. 1995 triumphierte Muster bei den French Open und erwarb damit auch das Recht, für jedes Paris-Endspiel zwei Gratis-Karten ordern zu können. Erstmals überhaupt wird Muster am Sonntag diesen Bonus in Anspruch nehmen. Es wäre die perfekte Zepter-Übergabe, sollte er seinen Nachfolger in der Tennis-Weltelite vor Ort bei seinem Premieren-Titel bewundern können.

Thiem hat Französisch gelernt

Bereits in der ersten Runde hat es Dominic Thiem bewiesen: Die stundenlangen Lern-Einheiten mit Freundin Kiki haben sich ausgezahlt, er absolvierte zumindest einen Teil seines Sieger-Interviews in der französischen Sprache. Ein Entgegenkommen, das den Pariser Fans traditionell sehr wichtig ist. Im weiteren Turnierverlauf zierte sich der in Französisch teilweise noch etwas unsicher wirkende Niederösterreicher zwar daraufhin etwas, wir sind uns aber sicher, dass er bei der großen Siegerehrung am Sonntag sein ganzes Können ausgepackt wird. Der Sieger-Pokal wird Dominics Zunge lockern und die folgende Rede die Fans endgültig für den jungen Lichtenwörther einnehmen.

Textquelle: © LAOLA1.at

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