Tennis: Die letzten zehn Premierensieger bei Grand Slams
Zverev hatte schon mit 20 in Rom und Montreal seine ersten Masters-1000-Events gewonnen und bis 2021 holte er zwei Titel bei den ATP-Finals sowie auch Olympia-Gold. Doch ausgerechnet bei den vier Grand-Slam-Turnieren wollte es einfach nicht klappen.
Unvergessen auch aus österreichischer Sicht ist freilich seine vergebene 2:0-Satzführung im Finale der US Open 2020 gegen Dominic Thiem. Damals nutzte der Niederösterreicher auch eine gewisse mentale Schwäche des Deutschen.
Denn an Fitness und Schlägen des 1,98-m-Manns scheiterte es nicht. In entscheidenden Momenten gegen die Allerbesten wurde er einfach zu passiv.
Das war auch am Sonntag gegen Cobolli zu sehen, als er plötzlich Krämpfe bekam. "Ich denke nicht, dass es einen psychischen Grund gab. Ich habe mich einfach verkrampft", gestand Zverev.
Satz vier ging verloren, doch dann baute sein Gegner im fünften ab und Zverev musste mehr riskieren. "Die Krämpfe haben mir sogar geholfen. Ich musste meine Schläge mehr gehen lassen", war eine überraschende Konsequenz.
Auf den Spuren von Agassi und Lendl
Auch Andre Agassi verlor seine ersten drei Grand-Slam-Finali, noch dazu jedes Mal als Favorit. Bei Ivan Lendl und Andy Murray waren es sogar vier verlorene Major-Endspiele, ehe sie erstmals triumphierten. Und bei allen drei kam der erste Titel in fünf Sätzen - wie bei Zverev. Und für alle drei blieb es nicht bei dem einen.
"Hätte ich auch hier verloren, wäre mein Selbstvertrauen deutlich gesunken."
Für andere wiederum folgte nach dem ersten Major-Pokal eine gewisse Leere, denn der große Kindheitstraum war erreicht. Der Blues nach dem großen Erfolg, der ist etwa auch für Thiem, der das Finale auf dem Court Philippe Chatrier verfolgte, gekommen.
Zverev hofft hingegen auf den gegenteiligen Effekt. "Etwas Freiheit und etwas mehr Ruhe" erhofft sich der Deutsche jetzt. Den Paris-Titel, es war sein insgesamt 25., kann ihm nun niemand mehr nehmen. "Hätte ich auch hier verloren, wäre mein Selbstvertrauen deutlich gesunken." Nun habe er aber das Gefühl, dass er es wieder schaffen könne.
Die nächste Chance dazu gibt es beim Rasen-Klassiker Wimbledon, der in drei Wochen beginnt. Zverev wird wieder als Nummer zwei hinter Sinner gesetzt sein. Alcaraz fällt auch beim Rasenklassiker wegen seiner Handgelenksverletzung noch aus.
Zverev "etwas angetrunken" zur Pressekonferenz
Nicht nur trunken vor Freude, zeigte sich ein gelöster Zverev bei der späten Pressekonferenz in den Katakomben des Center Courts. Der Deutsche lächelte unentwegt - was vielleicht auch an dem ein oder anderen Gläschen Siegersekt gelegen haben könnte. "Ehrlich gesagt bin ich schon etwas angetrunken, deshalb wiederhole ich mich etwas öfter als sonst", sagte der Olympiasieger.
Für Boris Becker ist Zverev nun in einem "ganz besonderen Klub". Dass 30 Jahre nach seinem eigenen Triumph bei den Australian Open wieder ein deutscher Mann einen Grand-Slam-Sieg feiern konnte, dafür habe er "größte Bewunderung", so Becker, der sechsfacher Majorsieger ist.
Die französische Sportzeitung "L'Équipe" schrieb wohl, was Zverev dachte. "Hört endlich auf, ihn als den besten Spieler der Welt zu bezeichnen, der noch keinen Grand-Slam-Titel gewonnen hat.
Wie Andre Agassi, Goran Ivanisevic und Dominic Thiem musste auch Alexander Zverev bis zu seinem vierten Finale warten, um seinen ersten Grand-Slam-Pokal in die Höhe zu stemmen. Die Geschichte wird sich eher daran erinnern, dass es bei den French Open geschah, als an die Einzelheiten des Finales."