Vermännlichung von Frauen
Athletinnen und Athleten greifen zur verbotenen Substanz, weil sie sich dadurch eine positive Auswirkung auf die sportliche Leistung oder eine beschleunigte Regeneration erwarten. Welche Nebenwirkungen und Folgen tatsächlich auftreten, ist von mehreren Faktoren abhängig, wie NADA-Experte Müller erklärt.
In erster Linie seien Mittel und Dosis ausschlaggebend. Besonders gefährlich wären Substanzen, die noch nicht gut erforscht und bei denen Langzeitfolgen unklar sind:
"Erythropoietin beispielsweise ist ein Hormon, das mehr rote Blutkörperchen erzeugt und die Ausdauer verbessert. Mitte der 90er Jahre ist es in den Sport gekommen. Die Leute, die es damals mit 20 genommen haben, sind jetzt 45. Ob sie mit 60 umkippen, weiß man noch nicht. Es gibt dazu keine Langzeitstudien."
Man pfuscht am Körper herum, der normalerweise ein sehr sensibles Hormongleichgewicht hat. Dann sind Schäden vorprogrammiert.
Bei anderen Mitteln sind Auswirkungen erforscht und bekannt. So beispielsweise beim männlichen Sexualhormon Testosteron. Nehmen es Frauen ein, kommt es zur Vermännlichung, erzählt der Experte:
"In Ostdeutschland sah man erst Jahrzehnte später die grausamen Nebenwirkungen, die speziell junge Mädchen erfahren haben. Wenn du jungen Mädchen Testosteron gibst, dann vermännlichen sie."
Skelettschäden, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Nehmen Männer zusätzlich Testosteron ein, könnte sich der Körper darauf einstellen und hört auf, es selbst zu produzieren: "Ob sie wieder anspringt, ist nicht sicher. Es kann sein, dass durch den Substanzmissbrauch der Körper tatsächlich langfristig geschädigt wird."
Skelettschäden durch Wachstumshormone, Krebstumore und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählt Müller als weitere potenzielle Folgen eines Substanzenmissbrauchs auf und ergänzt:
"Man pfuscht am Körper herum, der normalerweise ein sehr sensibles Hormongleichgewicht hat. Dann sind Schäden vorprogrammiert. Unklar ist, wie viel dieser Belastung der Körper aushält und wann die Nebenwirkungen tatsächlich ausbrechen."
Mehr Infografiken finden Sie bei StatistaDas Sucht-Risiko
Neben den körperlichen Risiken sind auch die psychischen nicht zu unterschätzen.
"Beim Blutdoping weiß man, dass das Spritzen von Eigenblut manchmal keine Leistungssteigerung bringt. Wegen des Placebo-Effekts fühlt man sich trotzdem stärker", schildert David Müller.
Hätten junge Sportler dieses Dogma einmal verinnerlicht, glauben sie, nur damit Leistung erbringen zu können.
"Denkt der Athlet, dass jeder etwas nimmt, ist das dann nur eine selbsterfüllende Prophezeiung", erklärt der Sportwissenschaftler.
Die Chance, süchtig zu werden, sei dann umso höher: "Man glaubt dann schlichtweg auch einfach nicht mehr dran, dass man die Leistung auch ohne Dopingmittel erbringen kann."
Enhanced Games - ein gefährlicher Trend
Bei den Enhanced Games in Las Vegas spielen all diese Risiken keine Rolle – nur die maximale Leistung zählt. Ob es den Veranstaltern gelingt, die gravierenden Folgen mit Rekorden zu überdecken, bleibt abzuwarten.
Vielleicht markieren die Enhanced Games auch den Beginn eines gefährlichen Trends, Doping im Sport als das neue "Normal" anzusehen – mit all seinen Konsequenzen.