Die neue Reife des ÖHB-Teams

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Österreich gegen Nordmazedonien wird am Dienstagabend ein Entscheidungsspiel. Soweit ist das keine ungewöhnliche Situation bei der EURO 2020 für das ÖHB-Nationalteam - eine solche gab es schon bei den jüngsten Großereignissen zur Genüge.

Was anders ist, ist die Ausgangssituation. Es ist der Gegner, der mit dem Rücken zur Wand steht. Die Südeuropäer brauchen nach der Niederlage gegen Tschechien einen souveränen Sieg, um die eigenen Aufstiegschancen realistisch zu halten. Österreich könnte sich sogar eine Niederlage mit drei Toren Differenz erlauben und wäre dennoch aus eigener Kraft weiter.

Aufgelegte Voraussetzungen für die dritte Nervenschlacht für das ÖHB-Team, nachdem die Partien gegen Tschechien (32:29) und die Ukraine (34:30) bis in die Schlussmomente an der Kippe standen.

Aus solchen Positionen mit dem Punktemaximum zu gehen, ist ein augenscheinlicher Fortschritt zu den letzten großen Turnieren, an denen Österreich teilnahm.

Keine Freunde der Entscheidungsspiele - bislang

Bei der EURO 2018 in Kroatien war die Ausgangslage in einer Gruppe mit dem damaligen Weltmeister Frankreich und seinem Vize Norwegen im Vorhinein klar: Es brauchte schon im Auftaktspiel einen Sieg gegen Weißrussland, um als Gruppendritter aufzusteigen.

Doch die Weißrussen zeigten sich abgebrühter, nutzten jeden Fehler aus und gewann 27:26. Ein Tor Unterschied, das Österreich den Aufstieg kostete.

Die WM 2019 in Dänemark wurde überhaupt zum kleinen Desaster für den ÖHB: Nach einem Auftaktsieg über Saudi-Arabien wurde gegen Chile eine 15:14-Pausenführung verspielt, beim 24:32 geriet Österreich nach Seitenwechsel unerwartet klar unter die Räder.

Auch die Mini-Hoffnung zum Gruppen-Abschluss gegen Tunesien hielt nicht - nach dem 27:32 blieb am Ende Rang 19.

Pajovic sieht die Geduld

Schlüsselmomente waren bei den letzten zwei Großereignissen also keine Stärke eines ÖHB-Teams, das sich zu großen Teilen aus aktuellen Spielern zusammensetzte.

2019 hingen die Köpfe
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Aber es hat sich einiges geändert, was sich nicht allein auf den Heimvorteil und den neuen Teamchef Ales Pajovic zurückführen lässt. Die Erfahrung aus diesen Rückschlägen scheint mitgenommen worden zu sein, den Gegnern wurde bisher noch keine Möglichkeit geschenkt, mit einer Führung davonzueilen.

Der Slowene sieht sich ohnehin nicht als großer Faktor, zumindest kurzfristige Eingriffe betreffend: "Ich bin kein Trainer, der wirklich laut ist. Ich sage ihnen, was sie besser machen können, wenn Fehler passieren. Aber es ist Handball, da passieren 15 bis 20 Fehler pro Spiel. Wenn ich nach jedem davon verrückt werde, ist das nicht gut."

Das wäre auch bei den engen Schlussphasen gegen Tschechien und die Ukraine nicht anders gewesen: "Es ist schwer, den Jungs dann zu sagen, was sie noch besser machen können. Wenn du bis zum Schluss geduldig bist, bekommst du die ein bis zwei Bälle geschenkt."

Genau das war der Fall gegen die Ukraine, die das Risiko mit dem siebten Feldspieler bezahlte und einen Empty Netter kassierte, der die Entscheidung einläutete.

"Sie kämpfen unglaublich. Natürlich machen wir Fehler, aber das Herz ist da, und das bringt diese zwei, drei Bälle. Die Jungs lernen auch taktische Sachen schnell", scheint bei Pajovic kein Grund zur Kritik an Einstellung und Wille vorhanden zu sein.

Die Richtung stimmt

Hängende Köpfe sind tabu, auch nach kleineren Rückschlägen. Das ist auch der Verantwortung geschuldet, welche die ÖHB-Spieler einer Halle voll mit 8.000 österreichischen Fans gegenüber empfinden.

"Ich finde super, dass sich die Jungs auch alleine treffen und über die Taktik reden. Wir atmen alles zusammen und gehen in die gleiche Richtung."

Ales Pajovic

In einer Gruppe ohne echte Handball-Großmacht ist der Glaube an die Sieg-Chance bis zu den letzten Momenten nicht nur realistisch, sondern notwendig.

Die positiven Wendungen in zwei schwierigen Spielen werden diese Einstellung weiter gestärkt haben, so Nikola Bilyk: "Wir kommen über den Kampf und haben die Halle im Rücken. Wir haben Selbstvertrauen und wissen, was wir können. Das ist auch ein Vorteil für die nächsten Spiele, dass wir wissen, die Spiele nicht nur verlieren, sondern auch gewinnen zu können - ob wir drei Tore vorne oder hinten sind."

Und diese Einstellung beschränkt sich keineswegs auf das Zugpferd des Kapitäns. "Ich finde super, dass sich die Jungs auch alleine treffen und über die Taktik reden. Wir atmen alles zusammen und gehen in die gleiche Richtung. Das ist wichtig bei dieser EM", lobt der Teamchef.

Diese Richtung soll in die Hauptrunde führen. Ein Entscheidungsspiel trennt das ÖHB-Team noch von diesem Ziel - und zur Abwechslung sollen nach einer Vorrunde die Köpfe auf der anderen Seite des Parketts hängen.

Textquelle: © LAOLA1.at

Handball-EM: Österreich schlägt Ukraine und steht vor Aufstieg

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