Jaylen Brown: Entgegen der Norm

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Mit Kyrie Irving und Gordon Hayward holten die Boston Celtics für diese Saison zwei All-Stars, mit dem Ziel, Cleveland als Nummer eins im Osten abzulösen.

Im Eröffnungsspiel gegen eben jene Cavaliers brach sich Hoffnungsträger Hayward nach nur wenigen Minuten den Knöchel. Spieler und Fans waren wie erstarrt, während Hayward aus dem Innenbereich der Arena getragen wurde.

Einer jener Spieler, der in dieser Drucksituation cool blieb, war Sophomore Jaylen Brown. Er verzeichnete bei der knappen 99:102-Niederlage ein Career-High von 25 Punkten.

Der 21-jährige Shooting Guard, auch als Small Forward einsetzbar, wurde 2016 an dritter Stelle gedraftet und kam in seiner Premierensaison auf 17,2 Minuten. Mit dem Ausfall von Hayward änderte sich seine Rolle schlagartig - als Starter des zweitbesten Teams der Eastern Conference trägt er maßgeblich zum Erfolg der Mannschaft bei.

Doch nicht nur seine sportliche Entwicklung ist beeindruckend, auch seine Einstellung abseits des Courts imponiert. Ein kritischer Geist, der sich nicht ziert, öffentlich Stellung zu beziehen.

Bildung an erster Stelle

Brown beweist eine, für einen 21-Jährigen erstaunliche, Weitsicht, die er auch seiner Mutter zu verdanken hat. Sie zog ihn und seinen Bruder alleinerziehend auf, besuchte parallel dazu die Universität und förderte seine vielfältigen Interessen.

Der Small Forward ist passionierter Schachspieler, war während der Middle School sogar Kapitän des Schach-Teams. "Ich vergleiche Schach ein wenig mit Basketball. Es geht darum, das Spiel zu lesen und die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Brown für die Califorina Golden Bears
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In seinem ersten Semester an der University of California, die er vorrangig wegen der akademischen Reputation und weniger wegen des Teams auswählte, schrieb er eine Abhandlung darüber, wie institutionalisierter Sport das amerikanische Bildungssystem beeinflusst. Seiner These nach werden athletisch veranlagte Kinder oft auf Kosten der intellektuellen Entwicklung zum Sport gedrängt.

Dennoch misst er dem Sport einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert bei. "Sport ist ein Kontrollmechanismus. Wenn die Leute den Sport nicht hätten, wären sie noch viel enttäuschter von ihrer Rolle in der Gesellschaft. Es gäbe viel mehr Wut und Ärger über die Ungerechtigkeit, die Armut und den Hunger. Sport ist ein Weg, unsere Energie in etwas Positives zu lenken. Wer weiß, was die Hälfte der Kids ohne Sport tun würde?"

Seit seinem Wechsel in die NBA kompensiert er den Entzug von geistigem Input mit dem Erlernen des Klavierspiels und dem Auffrischen der spanischen Sprache, die er sich parallel zum Studium angeeignet hat. Neuerdings probiert er sich am arabischen Alphabet.

Stellung beziehen

Dass Sport und Politik nicht zusammengehören, ist für Brown kein haltbares Konzept. Er hat großen Respekt vor Colin Kaepernick, der seine NFL-Karriere aufs Spiel gesetzt und letztlich verspielt hat, um ein politisches Statement zu setzen.

"Viele fühlen sich wohl mit ihrer Rolle im Leben und vergessen diejenigenm denen es nicht so geht. Daher ist es unglaublich, dass Colin seine Karriere geopfert hat. Aber er hatte die Nase voll von Polizeigewalt und Rassismus. Er spricht für sehr viele Menschen in unserem Land - auch für mich."

Er ist sich bewusst, dass seine "Chancen wesentlich größer sind als noch vor 50 Jahren", aber dass Rassismus noch immer existiert. "Es gibt weniger Leute, die dir gewisse Dinge ins Gesicht sagen. Aber Trump macht es für Rassisten leichter, ihre Meinung zu artikulieren."

Allgemein hält der Sophomore mit seiner differenzierten Haltung gegenüber dem US-Präsidenten nicht hinterm Berg. "Ich glaube nur, dass Trumps Charakter und einige seiner Werte ihn untauglich machen, zu führen."

Dass sich Brown ohne Agent für den Draft anmeldete, sowie seine Bereitschaft auch über politische Themen zu sprechen, sorgte dafür, dass ein namentlich nicht genannter NBA-Funktionär ihn als "zu schlau für die Liga" betitelte, womit er wohl "unbequem" gemeint haben dürfte.


Browns Career-High 27 Punkte: (Text wird unter Video fortgesetzt)


Sportlicher Erfolg

Bei all dem Staunen über die geistige Reife des jungen Profis, darf man seine sportlichen Ambitionen nicht vergessen. Es bedarf eines gefestigten Charakters, die ihm zugefallene zentrale Rolle im Spiel der Celtics so souverän zu erfüllen. Dabei ist es seine Zielstrebigkeit, die ihn stark macht.

Brown im Match-Up mit Superstar LeBron James
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Noch vor dem NBA-Draft erklärte er: "Ich bin nicht daran interessiert, ein Top-5-Pick im Draft zu sein, ich will ein Top-5-Spieler in der Liga werden."

Viele sehen die jungen Celtics in den nächsten zwei Jahren als potenziellen Titelanwärter. Brown glaubt, sein Team ist schon jetzt stark genug. "Je mehr wir die Leute unsere Denkweise konstruieren lassen und anfangen zu sagen 'in zwei Jahren ist es so weit', desto mehr verlieren wir."

Im Vergleich zu seiner Rookie-Saison hat er bereits einen großen Sprung gemacht. Seine große Stärke ist die Athletik und die Aggressivität im Zug zum Korb, zudem verfügt er über einen äußerst soliden Sprungwurf und beweist zunehmend seine Defensiv-Qualitäten. Sollte er seine sporadischen Leistungsschwankungen in den Griff bekommen und nicht von Verletzungen ausgebremst werden, ist Jaylen Brown auf dem besten Weg zum NBA-All-Star.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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