KTM-Chef Mike Leitner: "Alle pushen wie verrückt"

KTM-Chef Mike Leitner: Foto: © getty
 

Wie die Formel 1 beginnt auch die MotoGP am 28. März die neue Saison, ebenfalls im Mittleren Osten, in Katar.

Das österreichische KTM-Team war wohl neben Suzuki die größte Überraschung der vergangenen Saison, konnte seine ersten Siege feiern.

Welche Erwartungen man heuer in teils neuer Fahrerbesetzung hat und wie er die Konkurrenz einschätzt, sagt der ehemalige GP-Pilot und KTM-Teamchef Mike Leitner (58) im Interview mit LAOLA1:

LAOLA1: Welche Rückschlüsse lässt der Abschlusstest in Katar auf die ersten Saisonrennen zu?

Mike Leitner: Der Test war für alle schwierig wegen der äußeren Bedingungen. Es gab viel Wind, Sand auf der Piste, der fünfte und letzte Tag war nicht fahrbar. Wir hatten ein sehr dichtes Programm zu absolvieren und hatten gehofft, mit den schnellsten Zeiten näher dran zu sein, aber wir arbeiteten bewusst auf Haltbarkeit und viele Details hin. Die Rundenzeitenjagd ersparten wir uns. Dazu kommt, dass der Losail-Kurs für uns immer sehr schwierig war. In den ersten beiden Rennen gilt es, möglichst viele Punkte zu holen.

LAOLA1: Wie steht es um die Neuerungen am Motor?

Leitner: Wir haben heuer nicht mehr die Zugeständnisse von früher. Wir haben weniger Motoren zur Verfügung, daher war der Fokus auf Standfestigkeit und weniger auf Leistung, da gibt es noch keinen großen Schritt zum Vorjahr. Wir sahen vergangenes Jahr die Probleme von Yamaha mit der Standfestigkeit.

LAOLA1: Wie ist also die Erwartungshaltung heuer nach der sensationellen Saison 2020 mit den ersten Siegen?

Leitner: Natürlich wollen wir wieder mitmischen, vielleicht nicht bei den ersten Rennen, aber dann in Europa schon. Nach vier, fünf Rennen wissen alle mehr. Fakt ist: Jeder Hersteller pusht wie verrückt. Unsere Fahrerpaarung im Werkteam mit Miguel Oliveira und Brad Binder ist hervorragend, dazu kommt im Tech-3-Team mit Danilo Petrucci ein sehr erfahrener Pilot. Iker Lecuona fährt seine zweite Saison in der Topklasse und verlor die letzten Rennen 2020 wegen einer Covid-Infektion, aber er ist der Jüngste im Feld und sehr talentiert. Er soll sich in Ruhe entwickeln. Grundsätzlich ist die Erwartung immer, so weit vorn wie möglich zu sein.

LAOLA1: Was traust Du Deinem ehemaligen Schützling Pol Espargaro im Honda-Werkteam zu?

Leitner: Einiges! Pol hat sich zu einem ganz starken Fahrer entwickelt. Er machte beim Test einen sehr guten Eindruck, auch wenn er nicht Schnellster war. Aber die Tests soll man ja nicht überbewerten.

LAOLA1: Wird Marc Marquez nach seiner langen Verletzungspause wieder dabei sein und wenn ja, kann er um den Titel mitfahren? Die ersten beiden Rennen verpasst er ja.

Leitner: Man hört viele Gerüchte über ihn, am Ende wird er die Entscheidung zum Comeback so spät wie möglich treffen. Dann kommt es auf seine Fitness drauf an. Wenn er voll fit ist, kann er wieder Champion werden. Aber er war wirklich schwer verletzt.

LAOLA1: Können Joan Mir und Suzuki ihr Husarenstück von 2020 wiederholen?

KTM und Tech3 für 2021

Leitner: Warum nicht? Er wurde ja nicht zufällig Weltmeister, sondern fuhr eine ganz starke Saison. Ich glaube, dass die Werkteams ziemlich ausgeglichen sind.

LAOLA1: Hast Du einen Geheimtipp?

Leitner: Ich traue Jack Miller auf der Ducati einiges zu, speziell jetzt in Katar, wo die Ducati immer sehr schnell war und Dovizioso einige Siege feierte.

LAOLA1: Und "Dottore" Rossi? Hätte er schon aufhören sollen?

Leitner: Solange er so schnell ist, soll er fahren, wenn er Spaß hat. Ich bewundere ihn und seine Motivation. Und vielleicht tut ihm ein Satellitenteam gut.

LAOLA1: Vor Kurzem starb Teamchef Fausto Gresini nach einer Covid-Infektion mit 60 Jahren. Du bist gegen ihn noch gefahren? Hattet ihr zuletzt noch Kontakt?

Leitner: Als ich 1987 in der WM begann, war Gresini auf Garelli unterwegs und wurde Champion. Klar hatten wir an den Rennwochenenden Kontakt. Es war furchtbar zu erfahren, wie schwer sein Krankheitsverlauf war. Am Schluss soll es ganz schnell gegangen sein….

LAOLA1: Neu im Kalender ist heuer der KymiRing, der Grand Prix von Finnland kehrt nach 38 Jahren – damals in Imatra – zurück. Was wisst Ihr über die Strecke?

Leitner: Jeder Hersteller konnte dort einen Vorabtest auf nicht ganz fertiger Strecke absolvieren, für uns war Testpilot Mika Kallio dort, er hatte ja nicht weit dorthin! Es ist ein eigener Kurs mit vielen Zweiter-Gang-Kurven und einer langen Geraden. Die Fahrer hatten ziemlich gemischte Meinungen...

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

KOMMENTARE..