Der Hubraum der Motoren wird von 1000 ccm auf 850 ccm reduziert, dazu wird die Anzahl der einsetzbaren Triebwerke in einer Saison auf maximal sieben begrenzt.
Die Aerodynamik wird ebenfalls strenger reglementiert: Die Front wird etwas schmäler, das Heck etwas tiefer gesetzt und es gibt weniger Flügel auf den Bikes.
Ab 2027 wird überdies auf zu 100 Prozent nachhaltigen Treibstoff gesetzt.
Mehr Zweikämpfe, weniger Technologie?
Mit diesen Änderungen soll die MotoGP in Zukunft noch sicherer, nachhaltiger und spektakulärer werden.
Die MotoGP wurde insgesamt zu schnell. 370 km/h sind zu viel, die Sturzräume zu klein.
KTM-Motorsportdirektor Pit Beirer sagt im LAOLA1-Interview: "Die MotoGP wurde insgesamt zu schnell. 370 km/h sind zu viel, die Sturzräume zu klein. Wenn man die Kubik reduziert, wird das Motorrad automatisch ein wenig schwächer."
Die Hoffnung: Es gibt wieder mehr Zweikämpfe und die Fahrer machen einen größeren Unterschied. "Am Limit werden den Fahrern mehr Möglichkeiten bleiben, um zu überholen", betont Beirer. "Das ist, was die Zuschauer sehen wollen."
Außerdem soll jungen Piloten der Einstieg in die Königsklasse erleichtert werden.
Warum KTM auf einen Rookie setzt
Deshalb hat sich KTM auch entschieden, mit Senna Agius einen Moto2-Piloten unter Vertrag zu nehmen.
Der 20-jährige Australier wird für das Kundenteam Tech3 fahren. "Auf junge Fahrer zu setzen, hat bei uns schon eine gewisse Tradition", sagt Beirer.
Das Werksteam wird mit Fabio di Giannantonio und Alex Marquez von zwei Routiniers besetzt, die bereits Rennsiege in der MotoGP vorweisen können. Den zweiten Platz bei Tech3 wird Luca Marini einnehmen.
Beirer: "Es war ein Wunsch von Günther Steiner, auch in seinem Team einen routinierten Piloten zu haben. Doch für uns stand auch fest, dass wir daneben einen Rookie sehen wollen."
Er verrät: "Rein vertraglich dürfen wir einen Fahrer bei Tech3 bestimmen. Dieser Pilot steht bei uns unter Vertrag, der zweite Fahrer direkt bei Tech3. Wir haben uns bei beiden Fahrern miteinander abgestimmt und sind mit der Paarung sehr glücklich."
Agius bringt wertvolle Pirelli-Erfahrung mit
Man wollte einen jungen Fahrer ins Projekt aufnehmen, der bereits Erfahrung mit den Pirelli-Reifen mitbringt.
"Diese hat bei uns aktuell niemand", betont der 53-Jährige. Agius kennt die Pneus der Italiener hingegen schon aus der Moto2, wo sie seit 2024 zum Einsatz kommen.
Der Australier, der heuer die Moto2-Rennen in Austin und Jerez gewonnen hat, wird deshalb auch am Test teilnehmen.
Acosta soll Benchmark liefern
Mit dabei ist auch Pedro Acosta, der den österreichischen Hersteller zur kommenden Saison in Richtung Ducati verlässt und dort eine explosive Fahrerpaarung mit Superstar Marc Márquez bilden wird.
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Bei KTM ist man sich bewusst, dass der Spanier dabei wertvolle Erfahrung für 2027 sammeln kann. Aber: "Er ist aktuell vielleicht sogar der schnellste MotoGP-Pilot. Deshalb wollen wir uns von ihm auch die Benchmark holen und nicht irgendetwas schönreden", so Beirer.
Der 22-Jährige soll zeigen, wo KTM in der Entwicklung der neuen Motorräder im Vergleich zur Konkurrenz steht. Beirer: "Jetzt ist ein ganz entscheidender Moment, noch die letzten Weichen zu stellen und den besten Fahrer aufs Bike zu setzen."
KTM sieht sich gut aufgestellt
Zum aktuellen Entwicklungsstand kann Beirer zufrieden sagen: "Wir befinden uns sehr gut im Zeitplan. Wir sind auch für den Test sehr gut vorbereitet. Es war unser Ziel, hier ordentliche Motorräder hinzustellen."
Ich fühle mich wohl und glaube, dass wir ganz gut bei der Musik dabei sind.
Der Motorsportchef ist gespannt zu sehen, wo KTM im Vergleich zu den anderen Herstellern steht. Auf Ducati werden besonders viele Augen gerichtet sein.
Beirer weiß: "Ducati und Nicolo Bulega machen einen tollen Job. Seine Erfahrung mit den Pirelli-Reifen samt dem 850er-Bike scheint ein sehr gutes Paket zu sein."
Bulega ist Ducatis offizieller Testfahrer für die 2027er-Bikes und bereitet sich auf seinen Wechsel zum VR46-Team vor, wo er künftig als Stammpilot antreten wird. Aktuell dominiert der Italiener die Superbike-WM und hat dort erst ein Rennen nicht gewonnen.
Beirer ist trotzdem zuversichtlich: "Ich fühle mich wohl und glaube, dass wir ganz gut bei der Musik dabei sind."
Wie viel langsamer werden die Bikes?
Bei den Rundenzeiten werde es, glaubt Beirer, keine großen Abstriche geben.
"Sie werden ungefähr zwei Sekunden langsamer werden. Auf einer langsamen Strecke wie Jerez könnte es sogar weniger sein. In Sepang, wo der Vollgas-Anteil sehr hoch ist, könnte es mehr sein."
Das sei immer noch schneller als vor vier, fünf Jahren. Beirer hält fest: "Die Rundenzeiten bleiben flott."
Doch die Technologie werde sich weiterentwickeln. "Die Motorräder werden in wenigen Jahren wieder genauso schnelle Rundenzeiten wie heute erzielen", meint der ehemalige Motocross-Fahrer.
Beirer ist überzeugt: "Uns erwartet eine sehr spannende MotoGP-Ära."