Die 30 größten Monster-Verträge der NFL

Arizona Cardinals
18:16-Auswärtssieg gegen die Los Angeles Rams
by Cruehead
Wenn man in fast sämtlichen Preseason-Power-Rankings unter den schlechtesten fünf Teams gereiht wird, und dann die in ebenfalls fast sämtlichen Rankings als Super-Bowl-Contender-#1 favorisierten Rams besiegt, dann hat man sich auch eine Erwähnung an dieser Stelle verdient. Zugegeben, die Cardinals haben sich in L.A. jetzt nicht in einen unwiderstehlichen Offensiv-Rausch gespielt, aber die Leistung der Defense gegen diese nominell unglaublich schlagkräftige Offense war doch beeindruckend. Vor allem, weil die Cardinals-Defense bis dato eher überschaubar agierte.
Doch warum klappte es diesmal so gut? Im Gegensatz zur empfindlichen Niederlage gegen die Detroit Lions wirkte man aggressiver gegen den Ball und konnte Rams-QB Stafford stets unter Druck setzen, drei Sacks und weitere sieben Hits sind ordentliche Zahlen für die Cardinals-Defense. Das Fehlen von Stamm-LT Alaric Jackson auf Seiten der Rams war da vermutlich ein Mitgrund, dennoch eine respektable Leistung von Arizona.
Und irgendwie hat es dann auch ins Bild gepasst, dass man die Big Plays für sich entscheiden konnte: Eine verhinderte 2-Point-Conversion zu Beginn des Spiels und ein erzwungener Fumble gegen Rams-TE Higbee tief in der eigenen Hälfte im letzten Viertel.
Deshalb möchte ich nicht unbedingt die überschaubare Offense-Leistung der Rams in Frage stellen, sondern aus neutraler Sicht die tolle Leistung der Cardinals loben.
Aber entgegen der landläufigen Meinung gewinnt die Defense ein Spiel nicht im Alleingang. Da gehört dann doch noch eine Offense dazu, die gelegentlich punktet. In Arizona hat man sich wohl bei den Vikings umgehört, Kicker alleine können Spiele entscheiden.
Chad Ryland erlebte einen besonderen Tag, und konnte mit 6 Field Goals die nicht ganz so durchschlagskräftige Angriffsreihe um QB Brissett entlasten. Dass man kurz vor Ende überhaupt noch die Chance bekam, das Spiel zu drehen, sei Rams-Verteidiger Josh Wallace gedankt, der durch "unnecessary roughness" viel Raumgewinn und den letztlich entscheidenden 43-Yard-Field-Goal-Versuch ermöglichte.
Bin gespannt, ob die Nennung zum Gewinner der Woche zu früh kam und die Cardinals sich vielleicht gar zum Playoff-Team mausern. Was meint ihr? Potential zur Überraschung, schwächelnde Rams oder schafft es überhaupt nur ein Team aus der NFC West in die Playoffs?

Baltimore Ravens
10:13-Auswärtsniederlage gegen die Cleveland Browns
by Cruehead
Wie auch bei den Gewinnern der Woche, fiel auch bei den Verlierern der Woche das spielentscheidende Field Goal sehr spät (bzw. mit auslaufender Spieluhr).
Das Spiel hatte eigentlich vielversprechend begonnen für die Ravens. In Abwesenheit von QB Lamar Jackson konnte man den ersten Drive nach TD-Pass von Ersatz-QB Tyler Huntley auf TE Josh Cuevas (erster TD in dessen NFL-Karriere) abschließen. Ein Field Goal brachte eine 10:0-Führung nach dem ersten Viertel.
Das war es dann aber auch mit der Herrlichkeit auf Seiten der Ravens. Keine weiteren Punkte mehr, nach einem gesamt-punktelosen zweiten Viertel übernahmen die Browns die Kontrolle und konnten im letzten Viertel das Spiel komplett drehen, gipfelnd im erwähnten Field Goal.
Wieder einmal zeigt die NFL, dass Backup-QBs einen meist erheblichen Leistungsabfall verursachen. Neun weitere Versuche der Ravens verliefen im Sand. Und dann verlor Superstar-RB Derrick Henry auch noch den Ball im letzten Viertel – sein erster Fumble in dieser Saison übrigens -, was schließlich zum 10:10-Ausgleich von Cleveland führte.
Lamar Jackson wird spätestens in Week 8 erwartet, es hilft sicher, wieder bessere Leistungen zu zeigen. Für mich spielen die Ravens aktuell aber eindeutig unter den Erwartungen - die bisherigen Siege konnten gegen überschaubar starke Gegner (Colts, Cowboys, Titans, Falcons) und meist sehr knapp eingefahren werden. Gegen die Saints zu verlieren, ist weder Schande noch Ruhmesblatt – sollte aber gemäß den eigenen Ansprüchen nicht passieren.
Eine Niederlage im Division-Duell schmerzt, insbesondere wenn man sich die Situation in der AFC North (siehe auch User Endzone Week 3) betrachtet. Nach Niederlagen stehen alle vier Teams bei zwei Niederlagen. Bis auf die Bengals (eine Bye Week) haben alle vier Siege. Es bleibt spannend. Die Ravens haben in den nächsten drei Spielen die Bengals, Bills und Jaguars als Gegner. In diesen Games sollte ein positiver Record rausschauen, sonst sehe ich sehr harte Wochen auf die Ravens zukommen.

C.J. Stroud (Quarterback, Houston Texans)
34:31-Sieg gegen die Jacksonville Jaguars (24/34, 312 Yards, 3 TDs, 1 INT)
by austrianViking
C.J. Stroud hat in London eine starke Leistung gezeigt. Beim 34:31-Sieg gegen die Jaguars brachte er 24 von 34 Pässen für 312 Yards, drei Touchdowns an den Mann. Besonders der 50-Yard-Deep-Ball an Jaylin Noel kurz vor der Pause – unter Druck und präzise platziert – war vom Feinsten und legte den Grundstein für die knappe Halbzeitführung.
Trotz der späten Interception in der Endzone blieb Stroud cool und dirigierte den finalen Drive zum siegbringenden Field Goal. Über die letzten drei Spiele ist ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen: Regelmäßig über 260 Yards und insgesamt sechs Touchdown-Pässe. Gleichzeitig wirkt die gesamte Texans-Offense derzeit stabiler und vielseitiger, was Stroud sichtlich zugutekommt.
Mit Marvin Harrison Jr. neu im Mix und einer wieder ansteigenden Form, sowohl der Offensive als auch der Defensive, sieht Houston aktuell deutlich besser aus als noch zu Saisonbeginn und versucht das zarte Pflänzchen "Playoff-Hoffnung" zum Wachsen zu bringen.
What a catch! 💥 With under a minute to go, Stroud finds Noel for 51 yards on 1st down! 😮 Watch live on 5, Sky Sports, talkSport and NFL Game Pass on DAZN 📺 https://t.co/cT4CDGWYkS
— NFL UK & Ireland (@NFLUKIRE) October 18, 2026

Indianapolis Colts
20:26-Niederlage gegen die Tennessee Titans
by austrianViking
Die Colts haben gegen die bis dahin sieglosen Titans ein Spiel komplett verschenkt. Zur Pause führten sie 13:0 und dominierten auch statistisch über das gesamte Spiel klar (399:186 Yards; 24:11 First Downs). Am Ende stand es dennoch 20:26 – nach Turnovern (2x INT, 1x Lost Fumble), einem geblockten Punt, der direkt zum Touchdown führte, und insgesamt einer zweiten Hälfte, in der so gut wie nichts mehr funktionierte. Die Fans reagierten mit Buhrufen und "Fire Ballard"-Rufen.
Das passt leider allzu gut zum Bild, das sich schon vor der Saison abgezeichnet hat: Eine Franchise, die im ewigen Mittelfeld steckt. Daniel Jones bleibt der limitierende Faktor – solide genug für Hot Streaks, aber nicht auf dem Level, um eine Mannschaft konstant nach oben zu tragen. Das Front Office um Chris Ballard und Shane Steichen hat sich erneut weder für einen echten Angriff (wohl mangels Picks nach dem hanebüchenen Gardner-Trade) noch für einen klaren Neustart entschieden.
Starke Einzelteile wie die O-Line, Jonathan Taylor oder das Corner-Duo reichen nicht, wenn der Quarterback und die Konstanz fehlen. Genau diese "stuck in the middle"-Problematik hat sich am Sonntag wieder einmal ungeschminkt gezeigt und wird dafür sorgen, dass in Indianapolis einige Leute ihren Job verlieren werden.
Anmerkung: Ich habe leider erst kurz vor dem Absenden gesehen, dass Chris Ballard mittlerweile gefeuert wurde. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Colts nun den aus meiner Sicht unausweichlichen Neuaufbau starten.
COLTS HUMILIATING THEMSELVES VS THE 0-5 TITANS 😭😭😭 https://t.co/kD6laGaBlw
— BrickCenter (@BrickCenter_) October 18, 2026

Germie Bernard (Wide Receiver, Pittsburgh Steelers)
26:19-Sieg gegen die Pittsburgh Steelers (11 Receptions, 87 Receiving-Yards, 1 TD)
by austrianViking
Germie Bernard hat gegen die Buccaneers sein bisher stärkstes Spiel als Profi abgeliefert – und das mit Ansage. Nach dem Ausfall von Roman Wilson bekam der Zweit-Runden-Pick deutlich mehr Verantwortung und nutzte sie. 11 Catches bei 12 Targets, 87 Yards und vor allem der erste Touchdown seiner Karriere – und dass der gleich noch der entscheidende in der Overtime war, war die Kirsche auf der Torte.
Aaron Rodgers hat dem Rookie über das gesamte Spiel hinweg vertraut und ihn immer wieder gesucht. Bernard hat dieses Vertrauen belohnt und einen nicht unerheblichen Beitrag zum Comeback-Sieg geleistet. Solange Wilson ausfällt, hat er jetzt eine gute Chance, sich zu etablieren. Wird spannend zu beobachten.
Germ! Extension! Six! @oti_germie https://t.co/6AZHDzh8uT
— Pittsburgh Steelers (@steelers) October 18, 2026

5000
by Cruehead
Bei der Zahl der Woche wollte ich zunächst auf die Flaggenflut in Philadelphia eingehen. 24 Flaggen fühlten sich schon sehr rekordverdächtig an - war es dann halt doch nicht (der Rekord gehört seit 1951 den Browns und Bears mit 37 Strafen). Die Panthers jedoch haben für einen Franchise Rekord gesorgt: 149 Yards Raumverlust nach Strafen sollen nicht unerwähnt bleiben.
Doch nun zur eigentlichen ZDW: Kollege austrianViking hat mir diese vorgeschlagen und nach der Enttäuschung über einen Nicht-Flaggen-Rekord greife ich diesen gerne auf. Alvin Kamara ist der erst sechste Spieler in der NFL-Historie, der sowohl im Lauf- als auch Passspiel 5000 Yards durchbrach. Habt ihr eine Idee, wer die anderen fünf waren/sind? Ich muss gestehen, bis auf – Achtung Spoiler! – Christian McCaffrey kannte ich die anderen nicht wirklich. War einfach lang vor meiner Zeit.
Alvin Kamara hat ohnehin schon einige Rekorde für sich beanspruchen können (Stichwort Christmas-Day-Game z.B.), sich nun aber in diesen erlauchten "5000er"-Kreis zu befinden, ist außergewöhnlich.
Drew Brees war sicherlich förderlich für diese Zahlen, die Saints liegen heuer aber auch noch gut im Playoff-Rennen, da kann Kamara sein Yards-Konto noch erhöhen, ein All-Time-Rekord in der kumulierten Rangliste ist wohl außer Reichweite (19.154 zu Kamaras 12.394 Yards)…dennoch eine tolle Leistung eines Ausnahmespielers!

austrianViking:
Mehr Liebe für die Special Teams
Jeder redet über Fünfzig-Millionen-Dollar-Quarterbacks und spektakuläre Highlight-Reels, doch während die Liga im Offensiv-Hype versinkt, werden die Special-Teamer oft als Nebensache abgetan – bis der Kick daneben geht oder der Punt geblockt wird.
Doch in der heutigen NFL triumphiert längst nicht mehr nur der Glamour, sondern die stoische Präzision im Detail. Den besten Beleg dafür lieferte Woche 6: Die Arizona Cardinals schlugen die Superstar-Truppe der Los Angeles Rams mit 18:16. Arizona erzielte dabei keinen einzigen Offensiv-Touchdown, sondern verließ sich komplett auf Chad Ryland, der sechs Field Goals verwandelte und die Partie mit dem Walk-Off-Game-Winner bei auslaufender Uhr entschied.
Parallel dazu zeigen Kicker wie Will Reichard, Spencer Shrader oder Chase McLaughlin seit Wochen, wie wertvoll echte Elite-Konstanz ist, denn wer Kicker nur als Notlösung versteht, verschenkt Woche für Woche Punkte und Siege.
Auch die Zeiten, in denen der Kickoff ein Play zum Auffüllen der Getränke war, sind durch die erzwungenen Returns vorbei, was jeden Kick in eine spannende Field-Position-Schlacht verwandelt. Gleichzeitig steigt aber auch der Druck auf die Beine der Liga unaufhaltsam: Ein 50+-Yard-Field-Goal ist längst kein Luxus mehr, sondern die absolute Minimalerwartung. Wer aus 55 Yards wackelt, fliegt am Montag überspitzt gesagt aus dem Roster.
Doch das Problem sitzt tief im Roster-Building: Viele General Manager behandeln Special-Teams-Spieler nach wie vor wie Verfügungsmasse. Wer nicht als Wide Receiver oder Linebacker im Stamm-Schema steht, muss halt "nebenbei" noch Punts covern – ein fataler Trugschluss. Wenn Positionen wie Kicker, Punter und Long-Snapper mit billigen Alternativen oder Opfern aus dem Roster-Cut besetzt werden, folgt die Quittung meist prompt: Geblockte Kicks, verschossene Game-Winner in den letzten Sekunden und missglückte Punts haben bereits reihenweise Spiele ruiniert.
Es ist doch so: Ein Punter, der den Gegner an der 5-Yard-Linie festnagelt, oder ein Kicker, der aus 55 Yards eiskalt bleibt, bringt oft mehr Siegwahrscheinlichkeit als der nächste millionenschwere Rotations-Pass-Rusher. Wer die Special Teams im Roster-Building stiefmütterlich behandelt, handelt schlichtweg fahrlässig. Wie seht ihr das?
Cruehead:
Wenn ich so in der User-Endzone-eigenen-WhatsApp-Gruppe mitlese, fühle ich mich in die Zeit zurückversetzt, als ich die Angaben für die Französisch-Schularbeit vor mir hatte. Ich verstehe so gut wie gar nichts. Das zeigt mir Folgendes: Ich habe noch sehr viel zu lernen (nein, nur in Sachen Football – ein Schelm, wer Böses denkt), aber viel wichtiger: Trotz rudimentärer Kenntnisse fühle ich mich dennoch willkommen in der "Community", auch die Hänseleien halten sich – bis auf ein paar Seitenhiebe gegen die Falcons – eigentlich im Rahmen.
Ich bin überzeugt, einigen von euch geht es ähnlich und auch ihr habt vielleicht auch hier und da das Gefühl, unzureichend mitdiskutieren zu können und beginnt deshalb gleich gar nicht.
Macht nichts, denn Football-Fan zu sein, macht Spaß - egal, auf welchem Level man ist. Ob man mit Sean McVay diskutieren, mit Michi Eschlböck über Football in Österreich plaudern oder mit Cruehead hier oberflächlich Meinungen austauschen könnte.
Da ich auch sehr affin gegenüber der österreichischen Bundesliga und Fußball generell bin, hat mich eine Aussage beim Spiel Panthers bei den Eagles auf den Plan gerufen: Die Heimstärke von Philadelphia.
Seit ca. zehn Jahren verfolge ich die NFL, eine allgemeine Dominanz bei Heimspielen hätte ich so aber noch nicht bemerkt. Klar, es gibt Parameter – die zu diesem Trugschluss führen könnten (Mile High in Denver, Hitze in Florida, Kälte in Buffalo und Wisconsin, Lautstärke in Kansas City oder Seattle, Leidenschaft in Philadelphia etc.), gibt es aber nun wirklich eine Franchise, die statistisch gesehen heimstärker als andere ist?
Der Heimvorteil schwindet in der NFL bewiesen seit ein paar Jahren marginal. Das liegt in einem an der professionelleren Vorbereitung der Gastteams (Planung der Anreise etc.) als auch an den verlässlicheren Schiedsrichter- und Videoentscheidungen. Gellende Pfeifkonzerte und Ähnliches haben zwar noch Auswirkungen, aber können Entscheidungen dann nicht aktiv beeinflussen.
Im Fußball verlieren die Heimmannschaften ca. 30 – 35 % (in Europa) ihrer Heimspiele, während es in der NFL 43- 47 % sind. Ist doch wesentlicher.
In den letzten zehn Jahren kommen die heimstärksten Mannschaften aus Kansas City (.747 % Siegquote), Buffalo (.726), Green Bay (.701), Pittsburgh (.669) und Philadelphia (.665). Was zeigt das? Nun ja, aus meiner Sicht jedenfalls, dass man auch ein starkes Team benötigt, um überhaupt Erwähnung zu finden und dass die eingangs erwähnten Parameter doch auch eine Rolle spielen könnten.
Letztlich spielt aber der Austragungsort in der NFL eine untergeordnete Rolle. Was mich zu meiner Einleitung zurückführt: Egal, was man alles über die NFL weiß, welche Statistiken man rausholt und welche taktischen Finessen man intus hat: Football ist viel Emotion und Empfinden, so geht es zumindest mir. Und wisst ihr was: In diesem Fall (Mythos Heimstärke) hat mich mein Gefühl bestärkt. Tut auch manchmal gut zwischen all den beeindruckenden Expertisen meiner Schreiber-Kollegen!
Also lasst eure Meinung los, solange alle respektvoll miteinander umgehen, macht es einfach sehr viel Spaß, so viele unterschiedliche Meinungen zu lesen. Bei 32 Teams wird es immer Anlässe zu Diskussionen geben!
Jeder, der sich auch daran versuchen möchte, bei uns mitzschreiben, kann sich gerne unter info@userendzone.at melden. Sollte jemand bei unseren Fantasy-Games (Tipps und Survivor) mitmachen wollen, kann er sich dort auch gerne melden. Oder ihr habt eine Frage, auf die wir eingehen sollen sowie eine "Frage der Woche", dann zögert nicht und schreibt uns das, wenn wir hier nicht in den Kommentaren drauf eingehen können.