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Acosta erlöst KTM in Spielberg: "Payback für gesamtes Projekt"

KTM hat finanziell schwierige Zeiten hinter sich, die auch das MotoGP-Projekt beeinflusst haben. Ausgerechnet in Spielberg schließt sich nun der Kreis.

Acosta erlöst KTM in Spielberg: "Payback für gesamtes Projekt" Foto: © GEPA

Die Erleichterung bei KTM nach dem MotoGP-Heimsieg in Spielberg von Pedro Acosta war riesig.

Bereits am Samstag hatte der Spanier den Sprint-Erfolg in Reichweite, warf seine KTM aber ins Kiesbett und sorgte nicht nur für Ernüchterung, sondern ob seines folgenschweren Patzers auch für Unverständnis.

"Den Matchball gestern mussten wir eigentlich verwerten. Wenn man mit dieser Leichtigkeit so viel besser als alle anderen ist, gab es keinen Grund zu stürzen", sagt Pit Beirer am Sonntagabend rückblickend im exklusiven Interview mit LAOLA1.

Beirer wagte kaum an den Sieg zu glauben

Dem Motorsportdirektor war vom ersten Training an klar, dass Acosta am Red Bull Ring triumphieren könnte.

"Die Performance war von Freitagfrüh an perfekt. Es war offensichtlich, dass wir hier die Schnellsten sind. Wir hatten das beste Paket aus Fahrer und Motorrad. Aber man muss es nach Hause bringen", meint der Deutsche.

Gerade deshalb habe er sich nicht getraut, vom Sieg zu sprechen. Mehrmals hatte KTM nur eine Kleinigkeit zum Erfolg gefehlt. "Wir sind so oft schon knapp daran gescheitert, dann der Sturz im Sprint drei Runden vor Schluss..."

"Racing vom Allerfeinsten"

Deshalb fiel der Jubel bei Beirer zunächst verhalten aus, als Acosta im Grand Prix die Führung übernommen hatte. "Nach gestern traut man sich gar nicht mehr, normal zu sein", lächelt der 53-Jährige.

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Acosta zeigte "Racing vom Allerfeinsten"
Foto: ©GEPA

Er hätte einfach nur versucht, seinen Kreislauf unter Kontrolle zu halten und das Rennen ein Stück weit auch zu genießen. Acosta hat einen Tag nach einer der schwersten Niederlagen seiner Karriere "Racing vom Allerfeinsten" gezeigt, applaudiert Beirer.

Jorge Martin und Marco Bezzecchi hätten das gesamte Rennen über Druck ausgeübt. Beirer ist beeindruckt: "Diese Sekunde Vorsprung über das gesamte Rennen zu managen, war Rennsport auf allerhöchstem Niveau."

Als KTM ums Überleben kämpfte

Um die Bedeutung des Heimsiegs in den richtigen Kontext zu setzen, muss der Blick in den Rückspiegel geworfen werden.

Ende 2024 stand KTM finanziell am Abgrund. Im Insolvenzverfahren wurden Forderungen von mehr als zwei Milliarden Euro angemeldet. Ende November beantragten die KTM AG und zwei Tochtergesellschaften ein Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung.

Die Insolvenz hatte massive Auswirkungen auf die Belegschaft und auch auf den Motorsport. Die Zukunft des MotoGP-Projekts stand zeitweise auf wackligen Beinen, die Entwicklung der RC16 wurde zunächst pausiert.

Im Juni 2025 wurde die Sanierung schließlich rechtskräftig abgeschlossen. Ende Juli konnte KTM auch die Produktion in Österreich wieder vollständig hochfahren.

Vom Krisenjahr zum Heimsieg

2026 ist der österreichische Hersteller mit einem Sprint-Sieg in Thailand in die MotoGP-Saison gestartet, doch im Sommer folgte die nächste Misere: Ein defektes Bauteil im Motor sorgte für Zuverlässigkeitsprobleme und reihenweise Ausfälle.

So lange durchzuhalten, war für mich, das Team und das gesamte Werk einfach schwierig. Wir mussten immer wieder daran glauben, dass wir es können.

Pit Beirer

Doch auch dieses Hindernis wurde erfolgreich überwunden. Beirer betont: "So lange durchzuhalten, war für mich, das Team und das gesamte Werk einfach schwierig. Wir mussten immer wieder daran glauben, dass wir es können."

Der Motorsportchef blieb besonnen, als Acosta den Sieg endgültig abgesichert hatte. "Ich wollte nach dem Sieg gar nicht ausflippen, sondern ihn einfach genießen."

Beirer fällt ein Stein vom Herzen: "Das war eine Riesenerlösung und Payback für das Team und unser gesamtes Projekt. Dass sich der Kreis ausgerechnet hier in Spielberg schließt, tut unglaublich gut."

Acosta: Knoten geplatzt?

Damit kann voller Zuversicht auf die verbleibende MotoGP-Saison geblickt werden. Der Motorrad-Tross übersiedelt nun nach Asien, wo in zwei Wochen der Grand Prix von Japan ansteht.

Beirer glaubt, dass bei Acosta nach seinem Premierensieg ein Knoten geplatzt ist: "Pedro hat in der Vergangenheit den einen oder anderen Fehler gemacht, weil er den Druck hatte, endlich zu gewinnen."

Ich will gar nicht abheben. Wir haben heute gewonnen, aber mein Anspruch ist nach wie vor, ums Podium zu kämpfen.

Pit Beirer

Viele hätten gemeint, dass er der Beste sei. Nur der Rennsieg fehlte dem KTM-Star noch - bis heute. Beirer ist überzeugt, dass Acosta, den KTM mit Saisonende in Richtung Ducati verliert, nun befreit auffahren kann.

Am Boden bleiben

Im selben Atemzug ist der KTM-Chef bemüht, auf die Bremse zu steigen: "Ich will gar nicht abheben. Wir haben heute gewonnen, aber mein Anspruch ist nach wie vor, ums Podium zu kämpfen."

Doch das Bike habe sich in den letzten Wochen noch einmal "unglaublich verbessert. Mit dem Befreiungsschlag werden wir die nächsten Rennen sicher noch stärker sein", so Beirer.

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