Ralf Schumacher: "Red Bull das effizienteste Auto"

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180 Formel-1-Rennen hat Ralf Schumacher von 1997 bis 2007 bestritten, dabei feierte der Deutsche sechs Siege. Mittlerweile ist der Bruder von Rekord-Champion Michael Schumacher als TV-Experte hautnah an der Königsklasse dran.

Im Interview mit LAOLA1-Kolumnist Gerhard Kuntschik erklärt Schumacher, warum Ferraris Jungstar Charles Leclerc für ihn der vollkommenste Fahrer der jungen Generation ist. Er schätzt den Monegassen etwas höher als Max Verstappen und George Russell ein. Der 45-Jährige sieht für Red Bull beste Chancen für den bevorstehenden Saisonstart – weil das Team das effizienteste Auto hat.

Außerdem spricht Schumacher über die F1-Zukunft seines Neffen Mick Schumacher sowie Sebastian Vettel und schätzt den Einfluss der Corona-Pandemie auf die Königsklasse ein.

LAOLA1: Was bedeutet der Verlust der RTL-Übertragungen für die deutschen Fans?

Ralf Schumacher (lacht): Das bedeutet einen Riesen-Zuschauergewinn für uns (Sky, Anm.). Wir versuchen natürlich, die Lücke so gut wie möglich zu schließen. Es wird auch für mich ungewohnt sein, weil ich ja mit den Kollegen von RTL lang arbeitete.

LAOLA1: Siehst du einen Zusammenhang zwischen dem RTL-Ausstieg und der Aussicht, 2021 keinen deutschen Fahrer im Feld zu haben?

Schumacher: Da bin ich mir nicht so sicher, dass es 2021 keinen Deutschen in der Formel 1 geben wird. Nach meinen Informationen hätte RTL ohnedies ein Kündigungsrecht für den Fall gehabt, dass kein Deutscher mitfährt. Ich glaube, es ist eher eine Budget-Frage gewesen.

LAOLA1: Welcher deutsche Fahrer könnte 2021 dabei sein? Dein Neffe Mick? Oder doch Sebastian Vettel?

Schumacher: Sebastian könnte durchaus Interesse haben, etwas aufzubauen. Die Situation um Racing Point, das Aston Martin wird, Mercedes und Teamchef Toto Wolff ist noch ziemlich unklar. Toto würde mit Sebastian sehr gut zusammenpassen. Wenn Mick heuer eine ordentliche F2-Saison abliefert, könnte der Aufstieg in die Formel 1 realistisch sein. Warum nicht? Bei Alfa Romeo ist Räikkönen (wird im Oktober 41 Jahre, Anm.) nicht mehr der Jüngste, bei Giovinazzi muss man einmal sehen… Da gäbe es wohl Möglichkeiten.

LAOLA1: Machst du Dir Sorgen um die Formel-1-Zukunft angesichts der Probleme der Automobilhersteller?

Schumacher: Ich wurde in der Zeit im Rennsport groß, als die Hersteller gerade wieder in die Formel 1 zurückkamen. Die Budgets gingen durch die Decke. Ich denke, das Thema synthetischer Treibstoff wird ganz wichtig, damit hätte die Formel 1 eine große Chance und könnte sich besser verkaufen. Der neue Mercedes-Chef Ola Källenius mag sicher die Formel 1, aber nicht unter allen Bedingungen. Mercedes hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Jetzt wäre eine gute Situation, das Team zu verkaufen, denn 2021 beginnen die Investitionen in die neuen technischen Entwicklungen. Ich weiß nicht, ob die Mercedes noch stemmen will.

(Interview wird unter dem Video fortgesetzt)

LAOLA1: Wie siehst du die aktuellen Kräfteverhältnisse? Welche Teams sind am besten durch die Coronazeit gekommen?

Schumacher: Anfangs hätte ich gemeint, Mercedes und Ferrari. Aber die Italiener machten sich mit der Diskussion um Vettel das Leben schwer. Wenn Red Bull und vor allem Honda zulegten, werden sie ein ernsthafter Konkurrent sein und könnten Ferrari hinter sich lassen. Wie gut Racing Point mit der vermeintlichen "Mercedes-Kopie" sein wird, muss man abwarten. Da könnten Überraschungen kommen. Renault kann ich schwer einschätzen. Die Franzosen haben sich immerhin wegen der Budgetdeckelung zur weiteren Teilnahme verpflichtet.

LAOLA1: Haben die letzten offiziellen Tests im Winter jetzt - vier Monate später - noch Aussagekraft?

Schumacher: Die Strecke in Barcelona war immer schon ein Filter, der die Mängel schonungslos aufzeigte. Auf dem Red Bull Ring wird es interessant sein, wie sich Mercedes tut. Man fuhr immer mit maximalem Abtrieb und hatte weniger Topspeed, der Red Bull hingegen ist immer sehr effizient.

LAOLA1: Wird das Corona-Protokoll einen Einfluss auf den Rennausgang haben?

Schumacher: Die Schlüsselkräfte werden alle vor Ort sein. Zuhause bleiben jene, die man nicht so dringend braucht. Also wird es so gesehen keine Probleme geben. Was entscheidend sein kann, ist die lange Pause. Die Mitarbeiter müssen wieder in den Arbeitsrhythmus kommen. Interessant wird auch, wie ein Team zwei Rennen hintereinander auf derselben Strecke anlegt. Da bin ich gespannt. Die jüngeren Fahrer haben jedenfalls die Chance, viel zu lernen. Eintönigkeit erwarte ich nicht. Mal schauen, wie die Teams im zweiten Rennen reagieren.

LAOLA1: Welche der jungen Fahrer haben für dich das Potenzial zum Weltmeister?

Schumacher: Ich glaube, der Beste im Gesamtspektrum ist Leclerc. Verstappen hat den besten Speed, man muss sehen, ob er die Konstanz im Umsetzen mitbringt. Bei Red Bull hat er jedenfalls beste Unterstützung. Russell hat viel Potenzial, Albon machte bisher einen guten Job, auch Norris.

LAOLA1: Was denkst du als ehemaliger Sieger in einem Williams über die Lage deines Ex-Teams?

Schumacher: Das Team hat alles von der Infrastruktur her, was es braucht. Es entwickelt Technologien auch für andere. Ich glaube einfach, die Familie Williams müsste ausscheiden. Es braucht einen modernen Aufbau, ein Miteinander mit Vertrauen. Junge talentierte Mitarbeiter verlassen das Team wieder schnell, weil von oben nichts zugelassen wird.

Textquelle: © LAOLA1.at Zum Seitenanfang »

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