Vettel nützt Reglement clever aus
Wie sich bei der Analyse herausstellte, erwies sich Vettel bei der rennentscheidenden Szene einmal mehr als besonders clever: Bei einer VSC-Phase müssen die Fahrer durch jeden sogenannten "Marshal-Sektor" - davon gibt es etwa 20 auf einer Strecke - in einer vorgegebenen Mindestzeit fahren.
Kommt ein Fahrer während einer VSC-Phase an die Box, wie Vettel, gelten diese Zeiten aber nur bis zur ersten Safety-Car-Linie. Zwischen dieser Linie und der Boxeneinfahrt, ab der ein Tempolimit von 60 km/h gilt, dürfen die Fahrer Vollgas geben.
Genau in diesem Sektor hat der Ferrari-Pilot die entscheidende Zeit herausgeholt, um letztlich vor Hamilton zurück auf die Strecke zu kommen. Die Delta-Zeiten werden üblicherweise im Training von Mechaniker herausgestoppt. "Das ist nie eine ganz genaue Wissenschaft, weil du nicht weißt, wie schnell ein Auto durchfährt und Richtung Boxengasse kommt", meint Shovlin.
Situation hätte sich vermeiden lassen
Vettel war wesentlich schneller, als es Mercedes ihm zugetraut hätte: "Wir dachten, wir hätten ein bisschen Puffer, aber dann sahen wir das Ergebnis. Wir kamen als Zweiter auf die Strecke. Von da an kamen wir nicht mehr durch, weil es sehr schwierig war, jemanden zu überholen."
Das Problem hätte sich aus Sicht der Silberpfeile vermeiden lassen können, wenn man Hamilton nach seinem Boxenstopp wenige Runden vor der Situation dazu aufgefordert hätte, schneller zu fahren.
"Weil wir uns sicher gefühlt haben, haben wir Lewis nicht gesagt, dass er pushen soll. Das ist der größte Frust, den wir aus Melbourne mitnehmen. Wir hatten das Auto, um das Rennen zu gewinnen", ärgert sich Shovlin.
Für künftige Fälle dieser Art ist das Weltmeister-Team, so hofft man, gerüstet: "Wir werden sicherstellen, dass wir mehr Puffer berechnen, alleine schon um außergewöhnlich schnelle Runden von Vettel oder einen außergewöhnlich schnellen Boxenstopp zu covern."