Lando Norris: Frisch, frech und der Anti-Hamilton

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Grand Prix von Silverstone. Offizielle Pressekonferenz der FIA. Lando Norris schlägt die Hände vors Gesicht, legt sich mit dem Kopf auf den Tisch und kann sich vor Lachen kaum noch halten.

Erst nach Minuten kriegt sich der McLaren-Youngster wieder ein, nachdem ihm Daniel Ricciardo eine Frage zu seiner Schambehaarung zugeflüstert hatte. Die Szene im Video>>>

Mit seinem herrlichen Lachkrampf vor laufenden Kameras sorgte Norris nicht für Unterhaltung bei der oft förmlichen Pressekonferenz, sondern sammelte auch viele Sympathiepunkte.

Lando Norris ist frisch und frech - und Lando Norris ist schnell. Neben Max Verstappen und Charles Leclerc, die bereits als die kommenden Weltmeister gelten, ist der 19-Jährige einer jener Piloten, der ebenfalls zum Star der "next generation" werden kann.

Norris: "Möchte in die Geschichtsbücher eingehen"

Der Brite ist eine der größten Überraschungen der bisherigen Formel-1-Saison. Mit seinem sechsten Platz beim Grand Prix von Österreich hat der Rookie unter Beweis gestellt, welch enormes Talent in ihm schlummert.

Norris selbst macht keinen Hehl daraus, wo er einmal hin will. "Ich möchte Teil dieser langen Liste sein, die mit McLaren großartige Leistungen erbracht, Rennen und Meisterschaften gewonnen haben. Ich möchte mit dem, was ich erreicht habe, in die Geschichtsbücher eingehen. Das ist mein Ziel", stellt Norris gegenüber dem britischen "Standard" klar, fügt aber an: "Ich möchte nicht zu selbstsicher klingen, da ich weiß, dass noch ein langer Weg vor mir liegt."

Der "neue" Hamilton?

Auch wenn Norris selbst auf die Euphoriebremse tritt, in seiner Heimat ist er bereits jetzt die große Hoffnung für die Zukunft. Viele bezeichnen ihn sogar als den "neuen" Lewis Hamilton.

Wie der fünffache Weltmeister ist auch Norris ein Kind der McLaren-Schule, und seine Entwicklung ist rasant.

Den Vergleich mit Hamilton hört Norris trotzdem nicht gerne. "Als britischer Fahrer wird man mit Lewis verglichen, das verstehe ich. Aber als er zu McLaren kam, ging es ihnen gut und sie hatten ein Auto, das die Meisterschaft gewann. Ich bin in einer ganz anderen Situation, also vergleiche ich mich nicht mit seinen Statistiken."

Die Berührungspunkte zwischen Norris und Hamilton scheinen ohnehin gering. "Ich habe ihn nicht angerufen", erklärt der McLaren-Jungspund auf die Frage, ob er sich vor seiner ersten Formel-1-Saison Tipps von Hamilton geholt hat. "Ich habe ja nicht mal seine Nummer."

Generation Playstation

Norris und Hamilton trennt in der Tat mehr, als sie verbindet. Der 19-Jährige, geboren in Bristol, gehört der Generation Playstation an. Als Kind war er kaum vom Computer zu trennen, erst kurz vor seinem siebenten Geburtstag sah Norris sein erstes Kartrennen. "Es sah cool aus, also wollte ich auch mal fahren", erzählt Norris: "Damit ging es los, und ich machte meinen Weg nach oben."

Mit 14 wurde er Kart-Weltmeister, es folgte ein Durchmarsch durch die Nachwuchs- und Formel-Klassen. In der Formel 3 ließ er unter anderem Mick Schumacher hinter sich. In diesem Jahr folgte dann der Sprung in die Formel 1 zu McLaren - auch dank des nötigen Kleingelds, das Norris mitbringt. Der Brite kommt aus einem reichen Elternhaus, das Vermögen, das sein Vater mit dem Verkauf von privaten Rentenversicherungen machte, wird auf über 200 Millionen Euro geschätzt. Ein weiterer Gegensatz zu Hamilton, dessen Vater damals drei Jobs gleichzeitig hatte, um seinen Sohn den Motorsport zu finanzieren.

Wer glaubt, Norris sei der verwöhnte Bub aus reichem Haus und führe ein Jetset-Leben wie Hamilton, der irrt. Für den 19-Jährigen sind Partys und Alkohol Nebensache. "Davon will ich mich dieses Jahr fernhalten. Ich werde nichts Dummes tun und meine Karriere aufs Spiel setzen. Das ist meine Chance in der Formel 1", sagt Norris, "die muss ich nutzen."

McLaren-Aufschwung dank Norris?

Die Chance hat er bisher eindrucksvoll genutzt. In seiner ersten Saison in der Königsklasse fuhr Norris im McLaren in vier der ersten neun Rennen in die Punkte, liegt in der Fahrer-WM aktuell auf Rang acht.

Damit erfüllt der Brite zumindest bist jetzt die hohen Erwartungen an ihn. Beim britischen Rennstall ist man von Norris so überzeugt, dass man seinen Vertrag kürzlich bis 2020 verlängert hat. "Er ist ein außergewöhnliches Talent", sagt Teamchef Zak Brown.

Wie einst mit Fernando Alonso und Lewis Hamilton hofft McLaren, mit Norris eine Art Neustart hinlegen zu können. Die bisherigen Leistungen sind vielversprechend, dennoch rechnet Norris mit Rückschlägen.

"Es wird vorkommen, dass ich mich nicht gerade großartig schlage, ich werde Fehler machen. Und es wird passieren, dass dann alle denken, dass ich es furchtbar vermasselt habe. Es wird also passieren, aber es ist wichtig, dass mir bewusst wird, dass das dazu gehört", sagte Norris schon vor Saisonbeginn. "Durch die Medien kriegen es viel mehr Leute mit als in der Formel 2 und in der Formel 3. Der Druck ist also größer, aber kein Fahrer ist perfekt!"

Und das ist auch gut so. Dann schon lieber frisch, frech und mit Lachkrampf.

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Textquelle: © LAOLA1.at

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