Habsburg: "Pay Driver? Interessiert mich nicht!"

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Ferdinand Habsburg steht vor einem entscheidenden Jahr in seiner Karriere.

In der zweiten Saison in der Formel-3-EM peilt der Urenkel von Kaiser Karl I. von Österreich nach seinem ersten Sieg und drei weiteren Podestplätzen im Vorjahr den Titel an. Dann soll sich die nächste Tür auf dem Weg Richtung Formel 1 öffnen.

Dort ist Habsburg kein unbeschriebenes Blatt mehr. "Er ist definitiv am Radar!", sagt sein Pressebetreuer Viktor Lienhart.

Seinem Traum ordnet der 20-Jährige alles unter, wenngleich er sicher nicht bereit ist, sich als "Pay Driver" einen Platz in der Königsklasse zu erkaufen.

Im LAOLA1-Interview spricht Habsburg über seine Chancen in der kommenden Saison, seine Begeisterung für die Formel E und großer Angst vor dem geilsten Rennen seiner bisherigen Karriere.

LAOLA1: Wann war für dich klar, dass du professionell Motorsport betreiben willst und was war dein erster Schritt, den du auf diesem Weg gemacht hast?

Ferdinand Habsburg: Der erste Kontakt mit dem Motorsport war früh, aber dass es mein Leben sein soll, das kam erst in den Teenager-Jahren. Mit acht Jahren bin ich zum ersten Mal Go-Kart gefahren. Zu der Zeit war ich aber generell sportbegeistert. Ich habe von Karate über Reiten bis zu Fechten und Basketball alles gemacht. Mit elf bin ich dann eine erste volle und intensive Saison gefahren. Da war es dann soweit, dass ich gesagt habe: Ich habe keinen Bock auf alles andere. Dienstags, donnerstags und freitags nach der Schule war ich nur noch auf der Strecke.

LAOLA1: Wie ist dir dann der Sprung von den Karts in den Formel-Sport gelungen?

Habsburg: Viktor Lienhart, der sich um das Sponsoring kümmert und Michael Fiedler, mein Kart-Coach, haben entschieden, dass es Zeit wird. Sie haben dann bei Lechner Racing angerufen und so hat es begonnen. Beide haben mich weiter begleitet und dann habe ich meinen jetzigen Driver-Coach und Manager Jamie Campbell-Walter kennengelernt, der auch der Cousin meiner Mutter ist.

LAOLA1: Alexander Wurz soll auf deinem Weg auch eine wichtige Rolle eingenommen haben.

Habsburg: Ihn habe ich kurz vor meiner ersten Saison im Single-Seater für Lechner Racing getroffen. Er hat mir gute Tipps und Ratschläge gegeben. Nicht nur, was das Fahren betrifft, sondern auch das Training. Er ist heute noch eine gute Kontaktperson, wenn ich Rat brauche. Es ist wertvoll, so eine Freundschaft zu haben.


In der 6. Ausgabe von "LAOLA1 On Air - der Sportpodcast" geht es um den aktuellen Umbruch in der Formel 1. ORF-Kommentator Ernst Hausleitner spricht über seine Eindrücke der Königsklasse unter der Führung von Liberty Media und Ferdinand Habsburg spricht offen über seine Ziele und schwere Stunden. Hier anhören:


"Wenn ich gut genug bin und bereit für die Formel 1 wäre, will ich nicht noch ein bezahlender Fahrer sein. Meine Eltern haben sehr viel in mich investiert und ich habe auch sehr viel Zeit in mich investiert. So etwas interessiert mich einfach nicht."

LAOLA1: Du warst im Verlauf der letzten Jahre in verschiedenen Rennserien unterwegs, ehe du jetzt in der Formel-3-EM gelandet bist. Was versprichst du dir davon?

Habsburg: Verschiedene Sachen zu probieren ist in meinen Augen immer wichtig gewesen. Jetzt bin ich in der Formel 3, einer Meisterschaft, auf die viele Augen gerichtet sind. Es ist wichtig, sich zu zeigen, daher haben wir uns entschieden, hier zwei Jahre zu fahren und heuer im zweiten Jahr um die Meisterschaft zu kämpfen. Ansonsten waren die Jahre für mich eine wichtige Lernphase. Ich musste viel aufholen, nachdem ich erst mit 16 wirklich professionell begonnen habe. Andere Fahrer waren viel früher in Profi-Kartteams oder haben Rennautos getestet.

LAOLA1: Die Formel 3 kann auch ein Sprungbrett Richtung Formel 1 sein. In den letzten Jahren haben die Serie unter anderem Esteban Ocon (2014) und Lance Stroll (2016) gewonnen, die heute Formel 1 fahren.

Habsburg: Es gibt aber ziemlich viele Regeln, die es nicht mehr möglich machen, von der Formel 3 in die Formel 1 zu kommen. Egal ob du Meister bist oder nicht. Man muss davor die Formel 2 absolvieren. Da geht es um Lizenz- und Erfahrungspunkte. Man muss mindestens drei oder vier Rennen in der Formel 2 gefahren haben, um überhaupt eine Superlizenz beantragen zu können. Die Regeln sind jetzt neu und sicher auch nicht schlecht. Aber es bedeutet, dass es einen Zwischenschritt geben muss. Primär wäre das die Formel 2, aber es gibt auch andere Möglichkeiten.

LAOLA1: Wenn du es einmal in die Formel 1 schaffen solltest, willst du ein bezahlter Fahrer sein und kein sogenannter Pay-Driver. Wie realistisch schätzt du deine Chancen angesichts der vorherrschenden Umstände in der Serie ein?

Habsburg: Das ist ein schwieriges Thema, weil es viel mehr bezahlende als bezahlte Fahrer in der Formel 1 gibt. Ein bezahlender Fahrer zu sein ist überhaupt nicht mein Ziel, schon gar nicht in naher Zukunft. Wenn das bedeutet, dass die Formel 1 keine Möglichkeit ist, dann würde mich das auch nicht interessieren. Ich bin Rennfahrer, damit ich mein Leben lang den Motorsport genießen kann. Das kann ich aber nur, wenn ich ein Einkommen habe und davon leben kann. Daher ist das ein Kriterium für mich, das sehr wichtig ist. Wenn ich gut genug bin und bereit für die Formel 1 wäre, will ich nicht noch ein bezahlender Fahrer sein. Meine Eltern haben sehr viel in mich investiert und ich habe auch sehr viel Zeit in mich investiert. So etwas interessiert mich einfach nicht. In der Formel 1 gibt es auch bezahlte Fahrer. In diese Gruppe möchte ich hinein, auch wenn sie wahnsinnig klein ist.

LAOLA1: Glaubst du, dass es in Zukunft durch die finanziellen Pläne von Rechteinhaber Liberty Media in der Formel 1 wieder mehr bezahlte Fahrer geben wird?

Habsburg: Das weiß ich leider nicht. Ich glaube, die Leute in der Formel 1 wissen was sie tun und schauen, dass die Formel 1 weiterhin die höchste Form von Motorsport ist. Solange das so ist, wird es auch Hersteller wie Mercedes oder Ferrari geben. Die braucht man, um bezahlte Fahrer zu haben. Die Motorsport-Welt ist aber viel größer, als sie oft gesehen wird. Es gibt Sportarten wie die Formel E, die wahnsinnig wächst und wo es diesen Hersteller-Sport auch gibt. Wenn es bedeutet, dass der größte Spaß und die besten Fahrer dort sind, dann möchte ich dort hin. Momentan ist es noch immer die Formel 1 und deswegen ist das mein Ziel.

LAOLA1: Hast du dich dem Thema Formel E schon näher beschäftigt?

Habsburg: Ab und zu, aber das ist noch unklar. Wenn ich die Möglichkeit hätte, ein Auto zu fahren, wäre ich hundertprozentig dabei. Es gibt dort auch Young-Driver-Tests. Das wäre echt genial. Ich würde es aber eher als Erfahrung für jetzt sehen.

"Es ist viel Druck da, aber jeder Fahrer, der zum ersten Mal um eine richtig große Meisterschaft kämpfen will, wird diesen Druck erfahren. Hoffentlich kann ich gut damit umgehen."

LAOLA1: Wie stehst du zur Kritik an der Formel E, dass sie aufgrund der Autos und der mangelnden Geräuschkulisse kein "echter" Motorsport sei?

Habsburg: Es wird immer die Seite geben, welche die Oldschool-Elemente beibehalten will, dafür habe ich auch völliges Verständnis. Ich bin aber Riesen-Fan der Formel E. Ich liebe es, die Rennen zu sehen, sie sind wahnsinnig aufregend, die Competition ist riesig und das Event cool. Ich bin aber auch mit einer Formel 1 aufgewachsen über die letzten Jahre, in der der Sound minimierter war. Ich kann mich noch an meine ersten Besuche bei Formel-1-Rennen erinnern, als die Autos noch V8- oder V10-Motoren eingebaut hatten. Das ist unglaublich beeindruckend. Aber ich bin gewillt, das abzuhaken. Ich würde auch sagen, dass die jüngere Generation, zu der ich mich zähle, das Ganze relaxter angeht, weil ich nicht zehn oder 20 Jahre diese lauten Autos erlebt habe.

LAOLA1: In der Formel-3-EM sollst du bei deinem Team Carlin in diesem Jahr eine Führungsrolle einnehmen und um den Titel mitfahren. Spürst du einen gewissen Druck?

Habsburg: Ich weiß nicht, wie ich die Teamleader-Rolle nehmen soll. Meine Kollegen sind wahnsinnig stark und schnell. Ich würde sagen, dass wir alle auf einem ähnlichen Level sind und zusammen daran arbeiten, das Auto schnell zu machen. Wenn das Rennen kommt, fährt natürlich jeder für sich selbst. Mit meiner bisherigen Erfahrung werde ich versuchen, meine Fähigkeit in eine Meisterschaft umsetzen zu können. Das ist das Ziel. Es ist viel Druck da, aber jeder Fahrer, der zum ersten Mal um eine richtig große Meisterschaft kämpfen will, wird diesen Druck erfahren. Hoffentlich kann ich gut damit umgehen.

LAOLA1: Bei den Testfahrten hast du dich unter anderem mit Mick Schumacher um die Bestzeit gematcht. Wie siehst du deine Konkurrenz in dieser Saison?

Habsburg: Die Konkurrenz ist wahnsinnig gut. Beim Preseason-Test in Misano waren die ersten 18 Fahrer innerhalb von fünf Zehntel. Wenn das in der gesamten Saison so ist, dann freue ich mich darauf. Je enger es ist, umso genialer wird das Gefühl sein, wenn du gewinnst. Es bedeutet natürlich, dass ich wahnsinnig hart arbeiten muss. Es sind 24 Fahrer da draußen und an den Tagen, an denen ich eine Pause mache, bekomme ich das Gefühl, dass da draußen jemand anderer gerade härter arbeitet. Ich muss versuchen, immer "on top of the game" zu sein.

LAOLA1: Das war beim prestigeträchtigen Grand Prix von Macau definitiv der Fall, auch wenn das Rennende unglücklich war. Davor musstest du aus nächster Nähe den Tod des Motorradpiloten Dan Hegarty miterleben. Wie bist du damit umgegangen?

Habsburg: Ich habe mich sehr schwer getan damit, um ehrlich zu sein. Es war mein erster Kontakt mit dem Tod auf der Rennstrecke. Ich war erschrocken und habe auch plötzlich große Angst gehabt, weil es am Tag vor dem Grand Prix war. Wenn du am nächsten Tag genau durch die Kurve, wo er gestorben ist, am absoluten Limit durchfahren musst, dann musst du dir wirklich überlegen, ob du gewillt bist, etwas zu tun, was möglicherweise dein Leben wegnehmen könnte. Ich musste eine lange Zeit darüber nachdenken und habe den ganzen Abend gebraucht. Ich musste auch meine Eltern anrufen, um sie um Rat zu fragen. Ich glaube, das kommt auch davon, dass ich ein sehr religiöser Mensch bin. Mein erster Gedanke war: Eine Seele hat uns heute verlassen. Ich habe ihn davor noch im Paddock gesehen, seine Familie war da und dann habe ich gesehen, was er seiner Familie antut. Es waren so viele Faktoren, die mir durch den Kopf gegangen sind. Aber ich bin zufrieden, wie ich damit umgegangen bin. Ich glaube, ich bin auch stärker davon hervorgegangen und am nächsten Tag wahrscheinlich das geilste Rennen meines Lebens gefahren - bis auf die letzten 50 Meter.

Textquelle: © LAOLA1.at

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