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Wie mit Lionel Scaloni der Erfolg von Argentinien zurückkehrte

Der Teamchef übernahm die Nationalmannschaft in einer schwierigen Zeit und führte sie zurück an die Spitze. Die Beziehung zu Superstar Messi ist besonders.

Wie mit Lionel Scaloni der Erfolg von Argentinien zurückkehrte Foto: © IMAGO / Agencia EFE

Wenn im Fußball von Argentinien die Rede ist, denkt jeder an Lionel Messi.

Viel weniger präsent ist sein Namensvetter und Coach der Weltmeister-Auswahl. Lionel Scaloni hat im Sechzehntelfinale der Fußball-WM gegen Kap Verde (3:2 n.V.) sein 100. Spiel als Cheftrainer der "Albiceleste" bestritten.

Ein Mal Weltmeister, zwei Mal Copa America

Gegen Ägypten folgt nun Nummer 101, Ziel ist 104 am 19. Juli in East Rutherford. Sollte in Nordamerika der nächste Coup gelingen, stünde der 48-Jährige vor großen Trainer-Legenden.

Scaloni würde dann seine Landsleute Cesar Luis Menotti (Weltmeister-Trainer 1978) oder Carlos Bilardo (Weltmeister-Trainer 1986) in den Schatten stellen.

Dabei hatte der Argentinier 2018 ohne jegliche Meriten den Trainerjob nach der WM in Russland, bei der Messi und Co. im Achtelfinale an Frankreich gescheitert waren, übernommen. Ein WM-Titel und zwei Copa-America-Triumphe stehen nun auf seiner Visitenkarte.

Scalonis Weg

Scalonis Weg
Bei der WM 2006 war Lionel Scaloni noch Spieler.
Foto: ©IMAGO / Picture Point

Vor 20 Jahren bei der WM in Deutschland kickten der Verteidiger Scaloni und Offensiv-Zauberer Messi noch gemeinsam, standen zusammen im Kader der Argentinier.

Scalonis Nationalteam-Karriere als Spieler blieb mit sieben Einsätzen aber überschaubar. Ganz anders verlief seine Karriere als Teamchef.

An Messi verzweifelten alle, die seit dessen kurzem Länderspieldebüt mit Rot nach Einwechslung im August 2005 im Amt waren. Ob anfangs Jose Pekerman, zwischendurch sogar Diego Maradona oder am Ende Jorge Sampaoli - insgesamt acht Trainer versuchten es vergeblich.

Bis Scaloni kam - der Ex-Profi, aber mit null Trainer-Erfahrung als Chefcoach eines Profi-Teams.

Seit 2018 Teamchef

Er war Co-Trainer unter Sampaoli beim FC Sevilla und der argentinischen Nationalmannschaft, ehe Scaloni die U20 übernahm. 2018 erfolgte die Beförderung zum Chef des Elite-Teams um Messi. Dass dieser damals nicht zurücktrat, war auch Scalonis Verdienst.

Der ehemalige rechte Verteidiger, der vor allem in Spanien und Italien spielte, formte eine Mannschaft, die längst auch "La Scaloneta" genannt wird - nach dem Namen des Trainers.

Die "Methode Scaloni"

Die "Methode Scaloni"
Der Höhepunkt seiner bisherigen Laufbahn.
Foto: ©IMAGO / Bildbyran

Scalonis Führungsstil wurde auch schon verfilmt: "El Método Scaloni" (Die Methode Scaloni). Ein südamerikanischer Streamingdienst widmete ihm eine Doku.

"Die wahre Revolution der Scaloni-Methode war nicht nur taktischer Natur, sondern auch emotionaler und kultureller Art", sagt der Autor und Regisseur der Doku, Fabian Jalife.

Scaloni ist weder Eisklotz, noch Selbstdarsteller. Er zeigt Emotionen, ist Mensch. Auf Pressekonferenzen kommen bei Erinnerungen und Wiedersehen schnell auch mal die Tränen.

Als er am 30. Mai 2015 seine letzten Minuten als Profi für Atalanta Bergamo gegen den AC Milan absolviert hatte, umarmte der damals 37-Jährige seinen Vater Angel und "weinte wie nie zuvor", schrieb die FIFA über Scaloni, dessen Vorfahren auch italienische Wurzeln haben.

Schon als Spieler galt Scaloni als Motivator. Die erste Trainerausbildung zur UEFA-B-Lizenz absolvierte er 2011 in Trigoria, dem Trainingszentrum der AS Roma. Damals stand er bei Lazio unter Vertrag.

Sein Trainer-Debüt gab Scaloni fünf Jahre später - auf der Trainerbank der Jugendmannschaft des Son Caliu CF auf Mallorca. "Er fragte uns, ob er eine Jugendmannschaft trainieren dürfe, um seinen Trainer-Abschluss endgültig zu validieren", erzählte ein Vereinsfunktionär einmal dem Sender Antena3.

Das Wichtigste ist, dass wir keine Fußballspieler sind, sondern Menschen, die Fußball spielen.

Rodrigo de Paul

Die Verbindung zu Mallorca

Scaloni ist mit einer Mallorquinerin verheiratet und lebt teilweise auf der Insel. "Wie schön, dass dieses Märchen auf Mallorca seinen Anfang genommen hat", schrieb das "Mallorca Magazin" einmal über den Weltmeister-Trainer, der mit seiner Art einen Wandel in der argentinischen Nationalmannschaft schaffte.

"Er hat mir klargemacht, dass man das Leben aus vielen verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann, auch den Fußball", erklärte Mittelfeldmann Rodrigo de Paul bei der WM. Der wichtigste Nebenmann von Superstar Messi - beide spielen auch bei Inter Miami zusammen - hob Scalonis verständnisvolle Art hervor.

"Das Wichtigste ist, dass wir keine Fußballspieler sind, sondern Menschen, die Fußball spielen. Dieser Satz ist für mich äußerst wichtig. Hinter jedem Spieler steht ein Mensch mit vielen Problemen, Freuden und Enttäuschungen. Wenn man sieht, dass derjenige, der einen anleitet, das versteht, fühlt man sich viel wohler", betonte de Paul. Schon als Spieler soll Scaloni kein Typ für Kontroversen gewesen sein.

Die beiden Lionels

Die beiden Lionels
Lionel Scaloni herzt seinen Starspieler.
Foto: ©IMAGO / NurPhoto

Ein besonderes Verhältnis hat er zu Messi. Er ließ ihn in Ruhe, als er den Posten übernommen hatte und Messi nach dem Aus in Russland Zeit brauchte. Messi kam zurück und zelebrierte unter Scaloni seinen Fußball.

Nie zuvor wirkte Messi in der Nationalmannschaft glücklicher, nie war er erfolgreicher. 2021 Sieger der Copa America, drei Jahre später wieder, 2022 der WM-Triumph. Unter Scaloni verewigte sich Messi endgültig.

Und er war es, der Scaloni in Momenten des Zweifels zum Weitermachen bewegte, wie Scalonis Biograf Diego Borinsky der argentinischen Zeitung "La Capital" erklärte.

Zweimal soll Scaloni dessen Schilderungen zufolge ans Aufhören gedacht haben. Einmal, als es seinen Eltern nicht gut gegangen war und er glaubte, nicht die nötige Energie für den Job zu haben. "Vergiss es. Wir stehen voll und ganz hinter dir", soll Messi ihm gesagt haben.

Argentinien als eine Einheit

Und es ist genau diese Einheit von Spielern und ihrem Trainer, die Argentinien 2022 zum Weltmeister machte. Angel di Maria, einer der Weltmeister und einer derer, die all die Versuche vorher seit der WM in Deutschland miterlebt hatten, sagte einmal: "Die Mauer ist gefallen."

Es war an dem Tag, als er Argentinien zum Sieg bei der Copa America 2021 im legendären Maracana geschossen hatte.

Es war der Anfang des Titelweges der Argentinier unter Lionel Scaloni, der nach dem Sieg gegen Kap Verde betonte: "Von den 100 Spielen als Trainer war es für mich das wichtigste."

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