NEWS

Deschamps-Ära soll mit weiterem Meilenstein enden

Frankreich-Teamchef könnte als erster Trainer seit Vittorio Pozzo 1938 zwei WM-Titel gewinnen.

Deschamps-Ära soll mit weiterem Meilenstein enden Foto: © IMAGO / ABACAPRESS

WM-Titel als Spieler und Trainer: Didier Deschamps hat reichlich Geschichte geschrieben.

Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada bietet sich für den 57-Jährigen zum Abschied als Trainer von Frankreichs Team die Möglichkeit, seiner außergewöhnlichen Erfolgsära ein weiteres Kapitel hinzuzufügen.

Sollte er den WM-Pokal wie 2018 stemmen dürfen, wäre er der erste Teamchef seit Italiens Vittorio Pozzo 1938 mit zwei WM-Titeln.

Frankreich im Kurz-Portrait >>>

Historische Chance

Zudem wäre der Franzose dann der Einzige, dem dieses Kunststück gelang, nachdem er zuvor auch als Spieler (1998) - und zugleich Kapitän - Weltmeister gewesen war. Es wäre ein weiteres Sahnehäubchen am Ende einer der erfolgreichsten Teamchef-Laufbahnen aller Zeiten.

Vergessen machen könnten "Les Bleus" damit auch den verlorenen Elfmeterkrimi im WM-Finale 2022 gegen Argentinien. Auch auf EM-Ebene führte Deschamps seine Truppe ins Finale, da gab es 2016 in der Verlängerung gegen Portugal kein Happy End.

Bei der jüngsten Auflage 2024 war im Halbfinale gegen Spanien Endstation.

Rückzug war seit Anfang 2025 bekannt

Die Kritik an Deschamps, der 2021 auch die Nations League gewonnen hat, wuchs während und nach dem EM-Turnier, da die Franzosen nur selten spielerischen Glanz vermittelt hatten. Anfang 2025 kündigte er wohl auch durch Druck von diversen Seiten seinen Rückzug mit WM-Ende 2026 an.

Fast genau 14 Jahre lang wird er am Ende im Amt gewesen sein. Eine fast unvorstellbar lange Zeit im heutigen Fußballgeschäft. Umso beeindruckender ist das, wenn man bedenkt, dass Deschamps über die langen Jahre hinweg immer wieder mit Gegenwehr zu kämpfen hatte.

Sein Spielstil wurde oft als pragmatisch bezeichnet, seine Aufstellung als konservativ, und sein Kontrollinstinkt steht manchmal im Widerspruch zu dem ihm zur Verfügung stehenden enorm großen Offensivtalent.

Resultatsorientierter Fußball gilt bei ihm als oberstes Gebot. Hinzu kommt, dass der Ex-Kicker alles andere als ein Showman ist und auch nicht für spektakuläre Aussagen bekannt ist. Jedes Wort ist sorgfältig gewählt und ausgesprochen. Das war auch vor seiner vorerst letzten WM, in der er auf fünf Akteure von Champions-League-Sieger Paris St. Germain setzt, der Fall.

WM-Tippspiel: Gewinne tolle Preise >>>

"Langer Weg" bis zum Finale

"Wir sind Erster in der Weltrangliste, aber sind wir mehr Favorit als Spanien, Portugal, Deutschland, England, Argentinien, Marokko?", fragte Frankreichs Teamchef die versammelte Presse. Er wisse, dass es hohe Erwartungen gebe.

"Aber wir werden schon in den ersten drei Matches schwierige Gegner haben. Darauf müssen wir uns zuerst einmal fokussieren. Bis zum Finale ist es ein sehr langer Weg", sagte Deschamps. Erstmals ernst im Kampf um den dritten WM-Titel wird es am 16. Juni in New York gegen den Senegal.

Der hat die Franzosen schon einmal "geschockt", im Eröffnungsspiel der WM 2002 gab es gegen den Weltmeister einen 1:0-Erfolg. Am 22. Juni geht es gegen den Irak, am 26. Juni gegen Norwegen mit Erling Haaland.

Unfassbare Offensive

Unfassbare Offensive
Deschamps herzt seinen Superstar Mbappe.
Foto: ©IMAGO / ActionPictures

Die französische Offensivwucht ist aber noch einmal höher einzuschätzen. Ousmane Dembele, Kylian Mbappe, Michael Olise und Desire Doue zählen zum "Who is Who" des offensiven Weltfußballs.

Alle haben das Potenzial, zum Star des Turniers zu werden. Bayerns Olise machte mit einem Triplepack beim 3:1 gegen Nordirland bei der WM-Generalprobe am Montag alleine alles klar. "Bei ihm schaut technisch alles so leicht aus und er hat die Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen", sagte Deschamps über den Flügelspieler.

Gerne drosselt der 24-Jährige einmal das Tempo, um es dann mit einem Pass, einer Finte oder einem Richtungswechsel blitzschnell wieder zu beschleunigen.

Schwierige Situationen kein Neuland

Dass die Stars auch außerhalb des Platzes harmonieren, wird in den nächsten Wochen auch zur großen Aufgabe für Deschamps, dessen Team im Zentrum von Boston im Fünf-Sterne-Hotel "Four Seasons" logiert.

In der Vergangenheit meisterte Frankreichs Teamchef schwierige Situationen jedenfalls mit Bravour. Der unscheinbare Baske hat ein Gefühl für das Team, weiß, wann welche Veränderung nötig ist, und zeigt sich dabei recht unsentimental, aber selbstkritisch.

Er holte den einst geächteten Karim Benzema zwischenzeitlich zurück ins Team, als es an Stürmern fehlte, oder beförderte Mbappe zum Kapitän anstatt des dienstälteren Antoine Griezmann, weil er damit das Teamgefüge besser stärken konnte.

Ranking: Die WM-Trikots der 48 Teilnehmer

Kommentare