Hitzige Stimmung
Das Spiel im Azteken-Stadion in Mexiko-City war schon vor dem Anpfiff hoch brisant, denn vier Jahre zuvor bekriegten sich Argentinien und England im Falkland-Krieg, so kam es während des Spiels immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den beiden Fanlagern.
In der ersten Hälfte der Partie zeichnete sich schon ab, dass die englische Mannschaft vor allem mit Maradona ihre Probleme haben wird.
Immer wieder konnte der kleine Argentinier nur durch Fouls gestoppt werden. Jedoch näherte er sich dabei schon mit gefährlichen Freistößen an das englische Tor an.
Mit der Hand ins Tor
Nach dem Seitenwechsel war es dann soweit: Der englische Verteidiger Steve Hodge versucht in der 51. Minute den Ball zu klären, die Kugel fliegt jedoch in einem hohen Bogen Richtung eigenes Tor, Keeper Peter Shilton eilt zwar aus seinem Kasten heraus, doch auch Maradona ist da. Trotz 20 Zentimeter Größenunterschieds zu Gunsten von Shilton bugsiert Maradona den Ball über den englischen Keeper hinweg ins Tor.
Während Maradona zum Jubel abdreht, stürmen die englischen Spieler auf Schiedsrichter Ali Ben Nasser zu. Denn Maradona beförderte den Ball mit seiner Hand ins Tor.
Vermutlich alle im Stadion haben gesehen, dass es ein irregulärer Treffer gewesen ist. Nur für Schiri Ben Nasser gab es nichts am Treffer auszusetzen.
"Die Hand eines Halunken"
Selbst Maradona sagte nach der Partie: "Es war ein bisschen Maradonas Kopf und ein bisschen die Hand Gottes".
Der Ausdruck "Die Hand Gottes" ist bis heute legendär.
Auch wenn es aus englischer Sicht nicht ganz so gesehen wurde. So sagte der englische Teamchef, Bobby Robson, nach der Partie: "Es war die Hand eines Halunken."
Dribbling über 60 Meter
Dennoch, der Treffer blieb stehen und Maradona zeigte nur wenige Minuten später, dass er nicht nur ein "Halunke" war, sondern eben auch einer der größten Fußballer aller Zeiten.
In der 55. Minute bekam Maradona kurz vor der Mittellinie den Ball, mit einer Drehung ließ er zwei englische Gegenspieler stehen und sprintete los. Mit zwei Haken wurden die nächsten beiden Engländer stehen gelassen, auch Keeper Shilton konnte Maradona umkurven und so nach seinem 60-Meter-Lauf schließlich zum 2:0 einschieben.
"Kosmischer Drache, von welchem Planeten kommst du?"
Der uruguayische Kommentator Victor Hugo Morales kommentierte das Tor für "Radio Argentina":
"Jetzt ist Maradona am Ball. Zwei sind ihm auf den Fersen. Maradona rollt seinen Fuß über den Ball und prescht über rechts vor, wie ein Fußballgenie. Er lässt einen dritten Gegner stehen und sucht Burruchaga. Maradona für immer! Genial! Genial! Genial! Er rennt noch immer... Tooooor! Mir kommen die Tränen! Großer Gott! Lang lebe der Fußball! Was für ein Tor! Ein denkwürdiger Lauf von Maradona. Das beste Solotor aller Zeiten. Kosmischer Drache, von welchem Planeten kommst du?"
VIDEO: Das zweite Tor mit dem Kommentar von Morales
Lineker: "Ich wollte applaudieren"
Maradona war mit seinem zweiten Tor endgültig in den Fußball-Olymp aufgestiegen. Der Treffer wurde im Nachhinein als WM-Tor des Jahrhunderts ausgezeichnet.
Gary Lineker erzielte in der 81. Minute zwar noch den Anschlusstreffer, doch das Tor kam zu spät. Argentinien zog mit einem 2:1-Sieg ins Halbfinale der WM ein.
England-Torschütze Lineker sagte einige Jahre später über Maradonas Jahrhundert-Tor: "Als Diego dieses zweite Tor gegen uns erzielt hat, wollte ich applaudieren. Es war unmöglich, ein so schönes Tor zu schießen. Er ist der beste Spieler aller Zeiten – mit Abstand. Ein wahres Phänomen."
Ein Halunke und ein Fußballgenie
Im Halbfinale gegen Belgien sollte Maradona Argentinien mit einem weiteren Doppelpack zum Sieg schießen. Gegen Deutschland im Finale lieferte der kleine Magier in der 84. Minute den entscheidenden Assist auf Jorge Burruchaga zum 3:2-Siegtreffer.
Mit insgesamt fünf Toren und fünf Assists lieferte Maradona eines der besten WM-Turniere aller Zeiten. Als entscheidender Spieler des WM-Triumphs wird er bis heute in Argentinien als eine gottgleiche Person verehrt, ganz entscheidenden Anteil daran hat vor allem sein Spiel gegen England.
Denn beide Tore, die Maradona 1986 gegen England erzielte, sind bis heute legendär - und beide Tore beschreiben Maradona perfekt. Einerseits der "Halunke", der sich immer am Rande des Rechts bewegte und andererseits das "Fußballgenie", das sich mit seinen genialen Bewegungen auf dem Platz unsterblich machte.