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Neustart! So wappnete sich die Vienna für 2. Liga

Neustart, Skepsis, Budget und Aufstieg - wie sich die Vienna neu aufstellte.

Neustart! So wappnete sich die Vienna für 2. Liga Foto: © GEPA

Vor fünfeinhalb Jahren stürzte in Wien-Döbling ein Kartenhaus zusammen.

Der First Vienna Football Club, der älteste Fußballverein Österreichs, war nach lange anhaltenden Schwierigkeiten insolvent. Das Gericht bestätigte im November 2017 den Zwangsabstieg des Traditionsklubs, der nur mehr einen Neustart in der fünfthöchsten Spielklasse vollziehen konnte.

Im Mai 2022 sieht die Gegenwart um einiges rosiger aus. Die Vienna hat es am heutigen Freitag auswärts in Bruck/Leitha selbst in der Hand, die Rückkehr in den Profifußball zu besiegeln und in die Admiral 2. Liga aufzusteigen. Die jahrelange Aufbauarbeit unter neuer Führung scheint sich bezahlt zu machen, doch noch immer umgibt die Hohe Warte Skepsis, ob diesmal nachhaltiger gearbeitet wird als vor dem Zusammenbruch.

"Wir müssen nicht aufsteigen, wir wollen", heißt die Devise von Markus Katzer. Als Spieler, Spielertrainer und seit 2018 sportlicher Leiter hat er den steinigen Weg zurück mitgeformt. Mit der Zulassung ohne Auflagen für die 2. Liga wurde ein Meilenstein erreicht, ein neues Gerüst sorgt für Stabilität und Planungssicherheit.

Skepsis, Glücksfall und seriöse Beine

Doch der Ex-Rapidler weiß selbst, welcher Ruf der Vienna noch vor wenigen Jahren vorauseilte.

"Das Wichtigste ist, dass der Hauptsponsor eine Seriosität darstellt. Ich glaube, das war auch was die Vienna die letzten gefühlt 30 Jahre nicht gehabt hat. Man hat immer gemerkt, dass die Vienna zwar super ist, aber dann auf einmal nicht gezahlt wird, es ein Theater mit dem Präsidenten gibt oder Ähnliches", sieht Katzer die Zusammenarbeit mit der UNIQA als Basis für den kontrollierten Wiederaufbau des Kult-Klubs.

"Ich war damals selbst sehr skeptisch, wie mich Kurt Garger angerufen hat, ob ich als Spieler komme, weil ich einfach diese Negativität im Kopf gehabt habe. Darüber, dass der Klub geil ist, brauchen wir nicht reden, aber er muss halt auf seriösen Beinen stehen."

Ein derart renommiertes Unternehmen wie der Versicherungskonzern lässt die Träume in den Himmel wachsen, mit Roland Schmid von IMMOUnited hat sich ein Unternehmer mit viel Erfahrung der Vienna verschrieben.

Es kann aus Sicht der Wiener durchaus als Fügung gesehen werden, dass Schmid weder zum Rapid- noch ÖFB-Präsidenten gewählt wurde. Ein Glücksfall! "Für uns schon! Roland ist als Typ einfach ideal für den Klub. Er hat selber Möglichkeiten, um dem Klub finanziell zu helfen. Wir haben jetzt das Nachwuchszentrum um 1,5 Millionen Euro umgebaut, haben dort drei Plätze mit Flutlicht, einer davon Natur, ein neuer Kunstrasen. Da ist ja nicht nur auf der sportlichen Seite etwas weitergegangen", ist Katzer stolz.

"Das ist auch etwas, was den Verein wirklich auszeichnet"

Denn um die Krisenzeiten zu vergessen, wird Nachhaltigkeit groß geschrieben. "Wenn ich etwas mache, dann will ich etwas entstehen lassen. Wenn ich dort weggehe - egal, ob in 30, 40 oder zwei Jahren - will ich, dass es heißt, dass wir etwas Nachhaltiges geschaffen haben", betont Katzer.

Deshalb gelte es nicht nur Geld in die erste Mannschaft zu buttern, sondern den Verein zu stärken, den Nachwuchs auszubauen und sich auf solide Beine zu stellen. Fast wöchentlich werden neue Partner und Sponsoren präsentiert. Kein Wunder, dass nun jeder gerne etwas vom Kuchen abhaben möchte, wo nun sogar die 2. Liga lockt.

"Man merkt halt schon, dass viele dieses Projekt unterstützen wollen. Das ist bei uns schon cool, es ist jeder willkommen. Wir sind dieser Familienklub und trotzdem haben wir eine extreme Fanszene, die aber in eine ganz andere Richtung extrem ist. Du kannst mit deinem Buben in der Fankurve stehen", erklärt der Ex-Rapidler das Spezielle an der Vienna.

"Du wirst natürlich da und dort einmal ein Wort hören, dass er vielleicht nicht hören soll, aber es wird keiner aggressiv sein. Das wird es da nicht geben, auch nicht dem Gegner gegenüber. Du musst bei Sportclub gegen Vienna nichts absperren. Die trinken zusammen ein Bier nach dem Match. Die haben eine Rivalität, aber eine, die nie in körperliche Gewalt übergeht. Das ist auch etwas, was den Verein wirklich auszeichnet."

Budget? "Wir haben keinen Mäzen, dem das Geld wurscht ist"

In der Regionalliga galt der Klub aus dem 19. Wiener Gemeindebezirk als finanziell übermächtig. Ex-Bundesliga-Stars wie Deni Alar, Tomas Simkovic, Lukas Grozurek, Andreas Lukse, Markus Wostry oder Stephan Auer bekräftigten diesen Verdacht, wobei Katzer relativiert, dass sich viele wundern würden, was die Vienna diesen Akteuren wirklich zahlt.

Über wie viel Budget der Hauptstadtklub tatsächlich verfügt, breitet der Sportchef den Mantel des Schweigens. Allerdings ist Katzer schon wichtig, die Investitionen und den Sponsoren-Einfluss ins rechte Licht zu rücken.

"Die UNIQA ist top-seriös, die zahlt halt jeden Euro. Aber bis zu einem gewissen Punkt - und nicht darüber hinaus. Wir haben keinen Mäzen, dem das Geld wurscht ist. Es gibt einen Sponsorbetrag und der wird erfüllt, aber es wird nicht die Geldschleuse geöffnet, eine Lücke von 100.000 geschlossen oder eine Million investiert – das passiert ja nicht", erklärt der ehemalige Linksverteidiger.

"Wir haben ein Budget, in dem müssen wir uns aufhalten und das tun wir auch." Trotz des engagierten Hauptsponsors, Roland Schmid und vielen weiteren Partnern will man die Kirche im Dorf lassen. Mit dem Aufstieg in die 2. Liga soll der Fokus auch von alternden Stars auf den eigenen Nachwuchs gelegt werden.

Meilensteine zwischen Realität und Anspruch

Das Lizenz- und Zulassungsverfahren trieb speziell in diesem Jahr Schweißperlen auf die Stirn der Verantwortlichen diverser Vereine unterschiedlicher Ligen. Die Austria zitterte lange in der Bundesliga, den FC Wacker Innsbruck hat es in der 2. Liga endgültig erwischt. Doch die Vienna erfüllte die Auflagen ohne großes Kopfzerbrechen.

"Beim einen oder anderen war es klar, dass es Auflagen gibt oder sie die Lizenz in erster Instanz nicht bekommen. Bei uns war das für mich kein Meilenstein – ohne überheblich zu sein. Für andere ist das super, aber ich weiß einfach, wie der Verein aufgestellt ist. Für mich war einfach klar, dass wir die Lizenz bekommen"

Sportdirektor Markus Katzer

"Beim einen oder anderen war es klar, dass es Auflagen gibt oder sie die Lizenz in erster Instanz nicht bekommen. Bei uns war das für mich kein Meilenstein – ohne überheblich zu sein. Für andere ist das super, aber ich weiß einfach, wie der Verein aufgestellt ist. Für mich war einfach klar, dass wir die Lizenz bekommen", ist Sportdirektor Katzer stolz auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die nun vorherrschen.

Anders als in der Vergangenheit ist dabei höchste Vorsicht geboten, der Verein will sich in keinster Weise übernehmen. Realität und Anspruch sind für Katzer zwei entscheidende Punkte. So strebt die Vienna nicht den sofortigen Aufstieg in die Bundesliga an, sondern will langsam auf höherem Niveau mit größeren Herausforderungen wachsen.

Zu einem Wiedersehen mit dem FC Wacker Innsbruck, gegen den auch Katzer viele Spiele bestritt, wird es jedoch nicht mehr kommen. "Das ist extrem schade! Es ist ein bisschen traurig. Man will ja die Traditionsklubs gegeneinander sehen. Die sind einfach wichtig für den Fußball und die Tradition an sich. Deshalb ist es unendlich schade, wenn so ein Verein plötzlich insolvent ist und von der Bildfläche verschwindet."

Kultstätte Hohe Warte: "Da hier schon 2. Liga gespielt wurde, ist vieles vorhanden"

So wie es der Vienna vor fünfeinhalb Jahren passierte. Damals wie heute ist die Hohe Warte der Dreh- und Angelpunkt des ältesten Fußballklubs des Landes, auch wenn das Trainingszentrum in den 20. Bezirk ausgelagert wurde.

Große Änderungen an der Kultstätte waren nicht notwendig, um die Auflagen für die 2. Liga zu erfüllen. "Die Adaptionen, die wir für die 2. Liga machen mussten, haben wir schon erledigt. Dass du, wenn du irgendwann in der Bundesliga spielen willst, mehr machen musst, ist eh klar. Das ist uns auch bewusst", weiß Katzer.

Bei den Anpassungen wurde der Platz verkleinert und verbreitert, der Fan-Sektor adaptiert, am Flutlicht nachgerüstet, insgesamt soll es sich um zehn "Kleinigkeiten" gehandelt haben. "Wir haben schon adaptieren müssen, aber da hier schon 2. Liga gespielt wurde, ist vieles vorhanden. Die Investition war gering, um die Auflagen zu erfüllen", so der 42-jährige Wiener.

Der Flair mit der Naturtribüne und dem Blick über Wien bleiben dabei erhalten. Zur Geschichte Wiens gehört auch ein Traditionsverein wie die Vienna, die seit einigen Jahren endlich wieder positivere Schlagzeilen schreibt. Die jüngere Vergangenheit sollte dabei Warnung genug sein, dass es auch so bleibt.

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