"Hätte gern Hollywood gespielt": 98er-Treffen am ÖFB-Campus
Ex-Teamchef Prohaska, Pfeffer und Vastic schwelgten in der Wiener Seestadt in Erinnerungen. Bei der kommenden WM käme ein Vorrunden-Aus einem Scheitern gleich.
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Kleines Klassentreffen am ÖFB-Campus: In der Wiener Seestadt haben am Dienstag Ex-ÖFB-Teamchef Herbert Prohaska sowie Ivica Vastic und Anton Pfeffer Österreichs letzte WM-Teilnahme 1998 in Frankreich Revue passieren lassen.
Zugleich äußerte das Trio seine Hoffnungen bezüglich der WM im Sommer in Amerika. Vastic sieht eine "gute Chance" für die Elf von Ralf Rangnick auf den Aufstieg in die K.o.-Phase.
Prohaska erwartet sich diesen, alles andere wäre "fast peinlich".
Gruppen-Aus? "Das wäre schon fast peinlich"
Österreichs Jahrhundertfußballer lobte im Rahmen der Jahrestagung der Sportjournalisten-Vereinigung "Sports Media Austria" die Entwicklung des ÖFB-Teams und glaubt, dass Marcel Sabitzer, Marko Arnautovic und Co. bei den Titelkämpfen in den USA, Mexiko und Kanada gegen Jordanien, Argentinien und Algerien eine gute Rolle spielen können.
"Sie werden dort für alle drei sehr, sehr unangenehm als Gegner sein. Ich glaube nicht, dass sich wer auf Österreich freut", sagte Prohaska, der sich ein Weiterkommen erwartet. "Die Tatsache, dass sich auch die acht besten Gruppendritten qualifizieren, das wäre schon fast peinlich, wenn wir da nicht dabei sind mit unserer Qualität, die wir haben."
Vastic warnte, dass es nie leicht sei bei einer WM. Aber "das Auftreten der Mannschaft gibt mir die Sicherheit, dass sie gut eingespielt sind und immer auf Sieg spielen wollen. Sie haben eine positive Siegermentalität. Ich glaube schon, dass sie eine gute Chance haben, die Gruppe zu überstehen. Danach ist es eh eine Lotterie, gegen wen man spielt", meinte der 56-Jährige.
Damals wie heute: "Mit großer Hoffnung zur WM"
Im Mittelpunkt stand aber die WM 1998, wo das rot-weiß-rote Nationalteam ihre bisher letzten weltmeisterlichen Auftritte hatte. "Wir sind mit großer Hoffnung zur WM geflogen", erinnerte sich Pfeffer.
"Die Quali war sehr gut, Stimmung in der Mannschaft auch." Die Erwartungen in der Heimat waren dementsprechend hoch. Gegen Kamerun gab es durch einen Treffer von Toni Polster - an dem Pfeffer maßgeblich beteiligt war - in der Nachspielzeit ein 1:1. "Er hat sich nicht bedankt. Er hat aber auch nicht mehr ausweichen können", meinte der einstige Austria-Wien-Verteidiger schmunzelnd.
Danach folgten die Spiele gegen Chile (1:1) und Italien (1:2). Mit nur zwei Punkten wurde das Achtelfinale verpasst. "Es war eine Mannschaft, die sich den Aufstieg verdient gehabt hätte", meinte ORF-Reporter-Legende Hans Huber.
Prohaska meinte zur damals geäußerten Kritik, er habe zu verhalten und defensiv spielen lassen: "Ich hätte eh gern - wie der Ernst Happel immer gesagt hat - Hollywood gespielt." Aber in den Testspielen vor der WM sei das gründlich misslungen. Und augenzwinkernd fügte er hinzu: "Mit Toni Polster und (Andreas) Herzog Pressing zu spielen, ist unmöglich."
Keine Blockbildung
Vastic, der gegen Chile den Ausgleich in der Nachspielzeit besorgt hatte, erklärte, im Nachhinein sei es "immer leichter zu sagen, es war mehr drinnen. Wir hätten vielleicht im Voraus mehr an uns glauben müssen. Das hat man ganz gut gegen Italien gesehen, wo wir sehr gut waren."
Dass sich im Team damals ein Wiener und ein Grazer Block gegenüber gestanden sei, verneinte der Ex-Sturm-Spieler. Auch Pfeffer betonte, die Trainer hätten "eine sehr runde Einheit" geschaffen.
"Die Truppe war super. Und ich war sehr, sehr stolz, dass ich sie trainieren durfte", erklärte Prohaska. "Es war enttäuschend, nach Hause fahren zu müssen. Es war eine sehr knappe Geschichte und eine große Erfahrung für Trainer und Spieler." Pfeffer ergänzte: "Der große Unterschied zu 1990 war, dass man sich in den Spiegel schauen konnte."