ÖFB-Nationalteam: Was ist schlecht? Was ist gut?

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Im Frühjahr durfte sich Franco Foda angesichts der Nationalteam-Siegesserie zu Beginn seiner Amtszeit feiern lassen.

Im Herbst, als es in der Nations League dann tatsächlich zählte, lief es plötzlich nicht mehr rund und der ÖFB-Teamchef kann nur eindringlich bitten, dass man "nicht alles schlechtreden" möge.

Dieser Bitte kann man Folge leisten. Die ÖFB-Welt ist nach wie vor weder rein schwarz noch rein weiß.

Aus diesem Blickwinkel: Ist der Verlauf des Pflichtspiel-Herbsts enttäuschend? Ja, definitiv. Ist er besorgniserregend? Vielleicht - zumindest wurden einige Gebiete offenkundig, denen man sich intensiver widmen sollte.

Ist alles schlecht? Nein. Folgende Bestandsaufnahme widmet sich vor dem Nordirland-Match (18 Uhr im LIVE-Ticker) quasi als Sonntags-Lektüre diversen - positiven wie negativen - Themen-Feldern und ordnet dabei gleichzeitig auch einige Aspekte des ersten Teamchef-Jahrs von Foda ein, natürlich mit intensiverem Fokus auf die Pflichtspiele und besonders das Bosnien-Heimspiel.

PFLICHTSPIEL-LEISTUNGEN:

Beginnen wir mit dem Offensichtlichen. Stark vereinfacht ausgedrückt, lässt sich sagen: In den Testspielen unter Foda lief es weitestgehend, der Bruch kam in den Pflichtspielen. Ausnahmen bestätigen die Regel. Für Hobby-Psychologen muss es beinahe schon zu reizvoll sein, hier Diagnosen anzustellen. Dass es nicht nur, aber auch Kopfsache ist, bestreitet kaum jemand im ÖFB-Lager. So fühlt sich etwa Foda wohl nicht umsonst zu einer energischen Predigt gezwungen, dass seine Spieler in Wahrheit ja keinen Druck hätten. "Natürlich gibt es Unterschiede zwischen einem Test- und einem Pflichtspiel", meint Peter Zulj und versucht zu verdeutlichen: "Das ist, wie wenn du mit deinem Klub in der Vorbereitung jede Partie gewinnst und dann in der Meisterschaft die ersten zwei, drei Partien verlierst. Außerdem agiert der Gegner im Testspiel vielleicht nicht voll, im Pflichtspiel sind dann alle auf 100 Prozent. Da kann es schon sein, dass sich ein paar Spieler im Pflichtspiel Druck machen und sich sagen: 'Ich muss, ich muss, ich muss...' Dann kann es vielleicht zu einer Blockade im Kopf kommen - keine Ahnung, ich kann das nicht bewerten, weil ich nicht in die Köpfe anderer Spieler reinschauen kann."

Die Nationalteam-Vergangenheit hat gezeigt, dass Konstanz in Pflichtspielen auch Erfahrungssache ist - Julian Baumgartlinger hat diesen Findungsprozess sehr gut erklärt. Diverse routinierte Kräfte sind in den letzten zwei Jahren zurückgetreten. So mancher Nachrücker hat noch recht wenige Pflichtspiele als Stammkraft in den Beinen. Der verpasste Gruppensieg in der Nations League war so gesehen zwar keine erfreuliche Erfahrung, aber mittelfristig gesehen vielleicht eine lehrreiche.

FÄHIGKEIT ZUR SELBSTKRITIK:

Es gab Zeiten, da wurden selbst trostlose Leistungen, auch persönliche, schöngeredet. Man sollte durchaus einmal festhalten, dass hier in den letzten Jahren ein interner Wandel stattgefunden hat. Dies ließ sich auch nach dem Bosnien-Spiel beobachten, als es um die Einschätzung des Spiels (Deutliche Worte von Dragovic) beziehungsweise teils auch der eigenen Leistung ging. Alessandro Schöpf etwa redete gar nicht erst lange um den heißen Brei herum und gestand, dass er ein wenig seinen ÖFB-Flow verloren hat. Zulj fiel zwar nicht komplett ab, sondern agierte eher durchschnittlich - für seine eigenen Ansprüche jedoch beileibe nicht gut genug: "Ganz klar, das war kein gutes Spiel von mir. Ich muss einfach viel dominanter auftreten, viel mehr mit dem Ball Tempoläufe und das Eins gegen Eins suchen, wie man mich von Sturm kennt oder wie ich es im Sommer gegen Russland oder Deutschland gemacht habe." Eh schon wissen: Selbsterkenntnis ist der erste Schritt...

FLUCH UND SEGEN DER FLEXIBILITÄT:

Bevor es zu Missverständnissen kommt, stellen wir folgendes außer Streit: Die flexible Herangehensweise von Foda ist eine gute Sache und eine völlig richtige Weiterentwicklung. Der rote Pfeil bezieht sich auf die Momentaufnahme. Denn man kann es auch ein wenig übertreiben oder zu viel auf einmal wollen. Wenn in einem Test wie in Dänemark personelle Experimente mit Spielern auf ungewohnten Positionen gewagt werden - alles gut. Der Teamchef hat auch recht, wenn er findet, dass Spieler im Nationalteam auch einmal auf einer ungewohnten Position einspringen können müssen - ebenfalls alles gut. Aber man muss es nicht zwingend ohne Not tun - noch dazu in einem Pflichtspiel, das man gewinnen muss.

Die derzeit heiß diskutierten Beispiele Alessandro Schöpf und Florian Kainz sind deshalb besonders gute Beispiele, weil sie vermeidbar waren. Erstens kann man generell darüber streiten, wie gut die Idee war, die beiden ungeprobt am linken Flügel (Schöpf) und offensiv im Zentrum (Kainz) zu bringen. Zweitens kann man darüber diskutieren, ob es nicht genau anders herum schlauer gewesen wäre - schließlich ist der linke Flügel Kainz alles andere als fremd und Schöpf kann auf der Zehn spielen. Und drittens muss man sich fragen, warum Foda nicht früher eingriff, als längst offenkundig war, dass es nicht funktioniert.

Ohne dieses Beispiel überzustrapazieren, führt es recht gut vor Augen, dass der Segen der gesteigerten Flexibilität auch den einen oder anderen Fluch mit sich bringen kann. So gut es ist, wenn man für den Gegner von System, Taktik und Personal her möglichst schwierig ausrechenbar ist, so groß ist auch die Gefahr, dass die Automatismen verloren gehen. Auch daran könnte der eine oder andere unattraktive Auftritt der jüngeren Vergangenheit gelegen haben. Ein durchaus gewichtiges Aber: Irgendwann musste man damit beginnen und das Team muss sich auch in Pflichtspielen daran gewöhnen, gut und richtig mit dieser Flexibilität umzugehen. Die Antwort werden wir erst 2019 erfahren, aber vielleicht erweist sich der Preis, der in der aktuellen Einführungsphase bezahlt wird, als gutes Investment. Die Chance dafür steht nicht schlecht.

BOSNISCHE ÜBERRASCHUNG:

Apropos Flexibilität. Diverse ÖFB-Kicker gaben nach dem Bosnien-Spiel zu, dass sie den Gegner passiver erwartet hätten und durchaus überrascht von der bosnischen Herangehensweise, sehr wohl voll auf Sieg zu spielen, waren. Mit Foda meinte nur einer, dass er gewusst habe, wie der Gegner spielen kann, auch wenn er im Vorfeld selbst viel von den tief stehenden und teilweise mit verkappter Sechserkette agierenden Bosniern sprach. Flapsig ausgedrückt: Hier dürfte es an der Übermittlung an seine Spieler gehapert haben. Ernsthaft ausgedrückt: Den Trainer, der nie von der Spielweise des Kontrahenten überrascht wird, gibt es kaum, von dem her - mein Gott, soll vorkommen. Aber: Dies sollte erstens gerade auf Nationalteam-Niveau möglichst selten passieren, alleine aufgrund der geringen Anzahl an Spielen. Und zweitens predigt Foda ja auch gerade deswegen die Flexibilität, um im Fall der Fälle, dass dem Gegner etwas Unerwartetes einfällt, reagieren können. Dies ist gegen Bosnien nicht wirklich geschehen, beziehungsweise erst in der Pause durch die Einwechslung von Xaver Schlager.

DAS ENDE DER ALABA-DEBATTE:

Ein großes Lob, nein eigentlich ein riesengroßes Lob, muss man Foda dafür aussprechen, wie er aus einem Dauer-Thema eine Fußnote gemacht hat. Gegen Bosnien ist es tatsächlich passiert: David Alaba hat erstmals von Beginn an Linksverteidiger in einer ÖFB-Viererkette gespielt. Hat es jemanden sonderlich gejuckt? Eher nicht. Hat es Alaba selbst weh getan? Vermutlich nicht. Sagen musste er in der Öffentlichkeit bis dato nichts dazu, er versäumte die Mixed Zone nach dem Spiel, weil er zur Dopingkontrolle musste. Aber auch so war es kaum Gesprächs-Thema nach der Partie.

Man drehe das Rad der Zeit um gut ein Jahr zurück und stelle sich vor, welche öffentliche Debatte es ausgelöst hätte, wenn Marcel Koller den Bayern-Star aus dem zentralen Mittelfeld auf seine aus dem Verein gewohnte Position geschoben hätte, wie es viele über einen langen Zeitraum gefordert hatten. Auch Foda gab zu Beginn seiner Amtszeit kaum ein Interview, in dem er nicht darauf angesprochen wurde. Der Deutsche positionierte Alaba stets links, wenn mit Dreierkette gespielt wurde - so gesehen war es ein schleichender Übergang. Denn wenn der Teamchef in seinem ersten Jahr im Amt auf eine Viererkette setzte, stand Alaba bis zum Bosnien-Spiel entweder verletzungsbedingt oder geschont nicht zur Verfügung. Ab sofort lautet die Frage also nicht mehr, ob Alaba links in der Viererkette spielt, sondern wie. Denn das ginge definitiv besser als gegen Bosnien.

LINDNER HEINZ, DIE NUMMER...

Lindner Heinz, die Nummer eins. Sagen wir es so: Es hat schon Trainer gegeben, die sich klarer auf einen Nummer-1-Torhüter festgelegt haben als Foda auf Lindner. Dabei spielt der Oberösterreicher in jedem Pflichtspiel und ließ sich unter Foda auch noch nichts zu Schulden kommen. Klare Kennzeichen einer Nummer eins eigentlich. Nach dem Bosnien-Spiel reagierte Lindner durchaus ein wenig genervt auf die Frage, ob man nach seiner starken Leistung nun endgültig einen Haken unter dieses Thema machen könne. Mit einem Tag Abstand zeigte er sich einsichtiger: "Genervt ist das falsche Wort. Ich verstehe natürlich, dass Journalisten nachhaken müssen. Aber eigentlich gebe ich immer dieselbe Antwort. Soll ich es noch einmal wiederholen?" Nein, das konnte man dankend ablehnen.

Die Floskeln kennen alle Beteiligten schon auswendig - das klingt in etwa so: Wenn der Teamchef ihm das Vertrauen schenkt, freut er sich und versucht es zu rechtfertigen; er vertraut weiter seinem Weg; er hat im Nationalteam stets gute Leistungen gebracht und sich nichts zu Schulden kommen lassen; er versucht weiter, wenn er die Chance bekommt, der Mannschaft zu helfen.

Dieser Running-Gag im Frage-Antwort-Spiel zieht sich nun schon durchs ganze Länderspiel-Jahr - und wäre man abergläubisch, müsste man fast hoffen, dass sich Foda nie offiziell festlegt, denn bislang funktioniert es ja, weil Lindner gut performt. Andererseits: Etwas war bei diesem Lehrgang schon anders: Erstmals verriet Foda bereits vor dem Bosnien-Spiel, dass Lindner im Tor stehen würde - wir nähern uns also einer offiziellen Festlegung. Und nur fürs Protokoll: Es wäre durchaus eine Überraschung, wenn der Grasshoppers-Legionär in Nordirland nicht auflaufen würde. "Ich gehe davon aus, dass ich spiele", betont Lindner.

TORFLAUTE/STÜRMER-PROBLEM:

Dieses Thema wurde in dieser Länderspiel-Woche in aller Ausführlichkeit besprochen, mit dem Bosnien-Spiel hat sich an unserer "Analyse einer Krise" nichts geändert - außer, dass Edin Dzeko mit seiner Leistung jenen, die es noch nicht wussten, veranschaulicht hat, dass ein starker Stürmer recht praktisch ist. Eines sei noch einmal in aller Deutlichkeit festgehalten: Hier handelt es sich um ein Problem, das zweigeteilt betrachtet werden muss. Auf der einen Seite die aktuellen ÖFB-Stürmer Michael Gregoritsch und Guido Burgstaller, denen im ÖFB-Dress noch nicht der Knopf aufgegangen ist. Aber hier darf man ob ihrer Qualität durchaus zuversichtlich sein. Gregoritsch ist zudem in einem Alter, in dem er dem Nationalteam noch Jahre helfen kann. Vielleicht braucht es einfach ein wenig mehr Geduld, als es allen Beteiligten lieb ist.

Auf der anderen Seite das wahre Problem: Hinter den aktuellen ÖFB-Angreifern ist die Stürmer-Dichte alles, nur nicht zufriedenstellend. Um die Tragweite dieses Problems noch einmal zu untermauern, musste auch in diesem Lehrgang Marc Janko auf seine alten Tage noch einmal als Notnagel einspringen. Der ÖFB im Alleingang wird keine Lösung finden, aber man sollte sich dieses Themas mit hoher Dringlichkeit annehmen. Läuft in der Ausbildung etwas schief? Warum produziert Fußball-Österreich gefühlte zehn Innenverteidiger, die man sich über kurz oder lang im Nationalteam vorstellen kann, aber kaum einen Stürmer, bei dem nicht ein wenig Fantasie notwendig ist, um ihn fürs A-Team auflaufen zu sehen? Sportdirektor Peter Schöttel ist am Zug...

LAND DER INNENVERTEIDIGER:

Wenn wir schon beim Thema sind. Wenn man einen Blick auf den aktuellen U21-Erfolgs-Kader wirft, könnte man das Gefühl bekommen, Österreich sei tatsächlich ein Land der Innenverteidiger. Ob Philipp Lienhart, Maximilian Wöber, Kevin Danso, Stefan Posch oder Dario Maresic - Martin Hinteregger hat schon recht, wenn er betont, dass sich das Nationalteam auf dieser Position auf absehbare Zeit keine Sorgen machen muss. Man darf aber auch den aktuellen A-Team-Innenverteidigern mal ein Lob aussprechen, von denen nur der diesmal verletzte Sebastian Prödl seinen 30. Geburtstag schon hinter sich hat.

Die phasenweise Umstellung auf eine Dreierkette war/ist auch deshalb kein großes Problem, weil Spieler zur Verfügung stehen, für die diese Variante geradezu maßgeschneidert scheint. Zuletzt kam wieder die Viererkette zum Zug, in der gegen Bosnien Aleksandar Dragovic und Hinteregger eine undankbare Aufgabe gut gelöst haben. Schließlich präsentierte sich Dzeko in Spiellaune, während das ÖFB-Team nicht so kompakt wie gewohnt agiert hat. Julian Baumgartlinger lobte das Duo entsprechend: "'Drago' und Martin haben das sehr gut gemacht. Es gibt nicht so viele Stürmer wie Dzeko, die zwei Innenverteidiger über ein Spiel so beschäftigen können, aber es gibt auch nicht viele Innenverteidiger, die dann so gut und aggressiv dagegenhalten können." Es ist natürlich nicht nur der Abwehrzentrale zuzuschreiben, sondern der Rückwärtsbewegung der ganzen Mannschaft, dass Österreich in der Nations League nur ein Tor kassierte. Leider war es letztlich ein Tor zu viel...

KADER-DICHTE/HIERARCHIE:

Foda erwähnt gerne, dass er kein Trainer ist, der sich auf Ausfälle ausredet. Das stimmt auch. Auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel, denn bei diesem Lehrgang musste er es aufgrund der kurzfristigen Absagen von Florian Grillitsch, Marcel Sabitzer und vor allem Guido Burgstaller doch tun, weil diese seine ursprünglichen Pläne durcheinanderbrachten und er gegen Bosnien ein wenig zum Improvisieren gezwungen war. So gerne und so richtigerweise der 52-Jährige stets betont, dass er allen seinen Kadermitgliedern vertraut, kommt man trotzdem nicht um die Erkenntnis umher, dass es sehr wohl ein größeres Leistungsgefälle gibt, als man es zugeben will und kann.

Durchaus erwähnenswert ist auch, dass die Führungsaufgaben derzeit an sehr wenige Spieler, konkret an Baumgartlinger, Prödl, Arnautovic und Alaba, verteilt sind. Dahinter ist die Hierarchie sehr, sehr flach. In der jüngeren Vergangenheit gaben auch Akteure wie Martin Harnik, Zlatko Junuzovic, Robert Almer oder Ex-Kapitän Christian Fuchs in der internen wie externen Kommunikation die Richtung vor, von Marc Janko ganz zu schweigen - dessen Rückkehr führte noch stärker vor Augen, dass diesbezüglich derzeit etwas fehlt. Unter den sich nun etablierenden Stammkräften gibt es durchaus Kandidaten, die das Zeug zum Häuptling haben. Aber so weit, um in die Riege der Leader vorzustoßen, sind sie noch nicht. Dies ist wohl ein natürlicher Prozess, den es abzuwarten gilt.

AUSWÄRTSSCHWÄCHE:

Bis zum konstanten Beweis des Gegenteils steht hier ein roter Pfeil. Punkt. Nordirland ist diesbezüglich eine - erste - gute Gelegenheit. Oft hat das Nationalteam unter Foda noch nicht in der Fremde gespielt, aber vor allem die Niederlage in Bosnien war nicht gerade ein Indiz, dass man die Auswärtsschwäche in den Griff bekommen hat. Bei den Tests steht der Sieg in Luxemburg der Niederlage in Dänemark gegenüber. Sagen wir so: Es wird höchste Zeit, dass dieses Thema nachhaltig eliminiert wird. Denn in Wahrheit ist dies nur in der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 gelungen, davor und danach ging auswärts zu wenig.

DAS POTENZIAL STIMMT (WEITER):

Bevor diese Bestandsaufnahme mit einem etwas komplizierteren Thema endet, sei ein versöhnliches Fazit in sportlicher Hinsicht gezogen. Auch wenn dieser Länderspiel-Herbst sehr wohl einen kleinen Knacks mit sich brachte, ist in Wahrheit wenig bis nichts passiert. Wäre der Gruppensieg in der Nations League schön gewesen? Sicher! Ist es ein Drama, dass er nicht gelungen ist? Nein, es ist unerfreulich, aber kein sportliches Drama. Ein solches wäre das Verpassen der EURO 2020. In der Quali 2019 zählt es dann so richtig. Vielleicht ist die Hintertür um einen Spalt weniger offen, aber durch selbige gehen zu müssen, kann ohnehin nicht das Ziel sein.

Vielleicht wird dieser Herbst im Rückspiegel der notwendige Warnschuss gewesen sein. Denn angesichts der Testspiel-Siegesserie im Frühjahr glaubte der eine oder andere vielleicht an einen Selbstläufer - Deutschland besiegt man ja tatsächlich nicht alle Jahre. Die eine oder andere Baustelle dürfte definitiv nicht intensiv genug bearbeitet worden sein. Nun liegen einige Problemfelder offen, denen man sich bis zum Quali-Startschuss im März in aller Ausführlichkeit widmen kann. Am positivsten stimmen sollte, dass der Kader bei allen Kritikpunkten vergleichsweise immer noch viel hergibt. Foda wiederum hat in seinem ersten Jahr bewiesen, dass er Teamchef kann. Wer ihn kennt, weiß, dass er in den kommenden Wochen und Monaten nicht ruhen wird, um so manches Thema anzugehen.

WO BLEIBEN DIE FANS?

Das angekündigte schwierige Thema zum Abschluss: Man kommt leider nicht um die Vermutung umhin, dass dieses Nationalteam seine Fans nicht wie erwünscht erreicht. Dies soll jetzt weniger Jammerei darüber sein, dass gegen Bosnien so viele Gäste-Fans im Happel-Stadion waren. Dass viele Anhänger im bosnischen Lager sein würden, war klar. Dass im rot-weiß-roten Fan-Sektor im Gegensatz zu jenem der Bosnier der 3. Rang komplett frei blieb, verwunderte angesichts der Wichtigkeit der Partie dann allerdings doch und ärgerte Aleksandar Dragovic auch zurecht. Der Innenverteidiger sprach klar an, womit sich viele seiner Kollegen schwer tun. Lieber loben sie jene Zuschauer, die gekommen sind. Um diese treuen Fans geht es jedoch nicht, sondern um die Daheimgebliebenen. Schon gegen Nordirland (22.300) und Schweden (11.100) war der Publikums-Zuspruch verhalten. Koller setzte einst alle Hebel in Bewegung (Stichwort : "Pflänzchen"), um die Bindung zwischen Fans und Mannschaft zu stärken, weil er genau wusste, wie dringend sein Team diese Unterstützung braucht.

Ausbleibender Erfolg dient nicht wirklich als geeignete Begründung, dafür sollte im starken ersten Halbjahr genügend Kredit aufgebaut worden sein. Vielleicht liegt es an der mangelnden Attraktivität der Nations League, vielleicht an der Politik im ÖFB, wo manche glauben, 35.000 verkaufte Karten sind ganz super, obwohl ein derart großer Anteil an bosnische Fans ging. Oder vielleicht muss die aktuelle Generation die Herzen der Fans tatsächlich erst nachhaltiger zurückgewinnen.

Baumgartlinger verdeutlicht: "Unsere Aufgabe ist es, auch attraktiven Fußball zu spielen, aber vor allem Spiele zu gewinnen. Dann kommt vielleicht auch der eine oder andere Fan mehr. Ich sehe es als unseren Auftrag fürs neue Länderspiel-Jahr, dass wir das Stadion wieder voll machen." Begonnen werden kann mit der Eigenwerbung noch im alten Jahr - mit guter Leistung samt Sieg in Nordirland.

Textquelle: © LAOLA1.at

Peter Zulj von Mählich angetan: "Richtig guter Kerl"

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