ÖFB-Teamchef Foda will "nicht alles schlechtreden"

 

Es geht schon wieder los!

Dieses Murren, diese Unzufriedenheit. Tatsächlich konnte das ÖFB-Team zuletzt nur wenig Werbung in eigener Sache machen. Auch beim 0:0 gegen Bosnien-Herzegowina war mehr Schatten als Licht, erst spät wachte die Mannschaft doch noch auf und drängte phasenweise auf den Sieg.

Für Teamchef Franco Foda kommt die aufkeimende Kritik nach "nur" Platz 2 in der Nations-League-Gruppe wieder einmal zu früh: "Deswegen darf man nicht alles schlechtreden." Und er meint auch: "Ich bin der Überzeugung, dass wir uns da auf einem guten Weg befinden, auch wenn vielleicht die Ergebnisse im Moment nicht für uns sprechen."

Daran, dass in der Alpenrepublik schnell einmal Schwarzmalerei betrieben wird, hat sich der langjährige Wahl-Österreicher längst gewöhnt. Deshalb nimmt er die Unmutsäußerungen vorerst auch noch nicht sonderlich ernst.

"Ich bin schon lange genug hier Trainer, und weiß wie schnell das hier funktioniert. Aber ich bin nach wie vor überzeugt von der Mannschaft, von meinen Spielern und jetzt werden wir uns ruhig auf das Spiel in Nordirland vorbereiten."

Was Foda störte: "Das war absolut zu wenig"

Schließlich habe man gesehen, was die Mannschaft imstande ist zu leisten, wenn das Selbstvertrauen stimmt - allerdings erst in der zweiten Halbzeit. Über den ersten Durchgang würde selbst der Deutsche gerne den Mantel des Schweigens breiten.

Denn in diesem lieferten seine Schützlinge eine schlechte Leistung ab und ließen sich von den explosiv startenden Gästen die Schneid abkaufen. Trotz aller Durchhalteparolen übte Foda in dieser Hinsicht dann auch Kritik.

"Erste Halbzeit war es von unserem Bereich absolut zu wenig. Wir haben uns das anders vorgestellt. Wir waren nicht so ballsicher, hatten gute Umschaltmomente, aber haben den letzten Pass dann schlecht gespielt. Wir waren in den Zweikämpfen nicht präsent, waren immer einen Tick zu langsam, waren der zweite Sieger", analysierte der 52-jährige Mainzer.

Eine Tatsache, die ihn nicht nur negativ überraschte sondern auch in gewisser Hinsicht enttäuschte: "Was mich einfach nur etwas gestört hat, war, wie wir in der ersten Halbzeit gespielt haben. Die Mannschaft hat eigentlich gut trainiert, war sehr fokussiert, hat gut gearbeitet, und dann hat in der ersten Halbzeit einfach in gewissen Bereichen die letzte Überzeugung gefehlt. Aber in der zweiten Halbzeit hat man dann auch gesehen und da haben es die Spieler auch selbst dann gemerkt, dass wenn man von sich selbst überzeugt ist und an sich glaubt, dass man dann auch richtig gut spielen kann – das war dann der Fall."

Hat Foda die Partie etwa vercoacht?

Der Knackpunkt war jedoch der Start in die Partie. Der Tenor im Ernst-Happel-Stadion ging in die Richtung: Hat Foda die Partie anfangs etwa vercoacht? Die überraschenden Wechsel in der Startelf gingen nämlich nach hinten los.

Florian Kainz wurde in der Zentrale aufgeboten und war dort schlichtweg überfordert (siehe Einzelkritik). Auch der hineinrotierte Alessandro Schöpf kam links außen nicht so zur Geltung wie erhofft. Spieler wie Michael Gregoritsch mussten hingegen auf der Bank Platz nehmen.

Hatte man Bosnien etwa abwartender erwartet, da den Gästen schon ein Unentschieden zur Fixierung des ersten Gruppenplatzes gereicht hätte? "Nein, das haben wir schon gewusst, wie der Gegner auch spielt. Dass sie einmal tief, kompakt stehen können, aber auch teilweise vorne ein gewisses Pressing spielen. Aber es ist ein großer Unterschied, ob du mit neun Punkten herkommst oder den Druck hast, mit zwei Toren Unterschied zu gewinnen."

Vor allem Kainz, der sonst bisher akzeptable Leistungen im ÖFB-Team abliefern konnte, stand im Blickpunkt. Foda will die Fehlerkette und das schwache Auftreten in der ersten Hälfte nicht alleine am Ex-Rapidler festmachen, auch wenn er diesen zur Halbzeit bereits auswechselte.

"Das hat nichts mit Florian Kainz zu tun gehabt"

Der Teamchef erklärte die Entscheidung pro Kainz folgendermaßen: "In Ballbesitz sollte er versuchen, Überzahlsituationen am Flügel herzustellen, sich zwischen den Linien bewegen und darüber hinaus gegen den Ball Pjanic zustellen. Das war insgesamt in der ersten Halbzeit so – und das hat nichts mit Florian Kainz zu tun gehabt -, dass wir nicht so präsent waren, wie wir uns das eigentlich vorgenommen hatten. Wir haben einfach zu langsam gespielt, zu langsam das Spiel verlagert. Wir haben kaum einen Ball hinter die letzte Linie gespielt. Wir haben dann auch oft versucht durchs Zentrum zu spielen, wo sie aggressiv waren. Wie gesagt, insgesamt hatten wir erste Halbzeit zu wenig Tempo, zu wenig Überzeugung im Passspiel und vor allem waren wir in den Zweikämpfen immer zu weit entfernt. Wir sind gar nicht richtig in die Zweikämpfe gekommen. Das war das Problem."

Außerdem sei die Variante mit Kainz erst spät entschieden worden, denn das verletzungsbedingte Fehlen von Guido Burgstaller machte Foda in Hinblick auf die Aufstellung einen Strich durch die Rechnung.

"Es war so, dass es auch einen kurzfristigen Ausfall von Burgstaller gab. Es war schon auch die Überlegung, ob wir mit zwei Spitzen beginnen, mit Marko (Anm.: Arnautovic) und Burgi. Aber er ist kurzfristig ausgefallen und Marko spielt im Verein immer auf der Neun. Wir wollten einfach mehr Tiefe haben, das ist uns in der ersten Halbzeit wenig gelungen."

Was man dem Ex-Sturm-Graz-Erfolgstrainer zugute halten muss, ist die Tatsache, dass Österreich unter ihm variantenreicher und flexibler agiert. Allerdings scheinen die oftmaligen Umstellungen auch Probleme mit sich zu bringen.

Taktische Flexibilität birgt auch Probleme

Dass das Team dadurch möglicherweise überfordert ist, ständig in anderen Konstellationen oder Systemen zu spielen, lässt Foda aber nicht als Ausrede gelten beziehungsweise sieht es ein wenig anders.

"Wir haben jetzt genauso gespielt wie gegen Nordirland, weil sie auch in einem 4-3-3 spielen. Wir wollten das Zentrum dicht machen. Ich glaube, dass das mit dem System eher weniger zu tun hat. Das System ist ein Teil des Fußballs, es geht aber letztendlich um die taktische Ausrichtung und die haben wir in der ersten Halbzeit einfach nicht so umgesetzt, wie wir uns das vorgenommen haben. Wir waren zu spät in den Zweikämpfen, da ist es unabhängig davon, welches System du spielst, wenn du einen Tick zu spät bist."

Dabei wird er nicht müde zu erwähnen, dass es in der zweiten Halbzeit dann viel besser funktionierte, doch trotz Druckphasen und guten Torchancen landete der Ball nicht im Netz. "Ich bin der Überzeugung: Wäre uns dann in der Phase direkt nach der Halbzeit in den ersten 20 Minuten ein Tor gelungen, dann hätten wir das Spiel hundertprozentig für uns entschieden."

Die besten Bilder der Nations League:

Bild 1 von 13 | © GEPA
Bild 2 von 13 | © GEPA
Bild 3 von 13 | © GEPA
Bild 4 von 13 | © GEPA
Bild 5 von 13 | © GEPA
Bild 6 von 13 | © GEPA
Bild 7 von 13 | © GEPA
Bild 8 von 13 | © GEPA
Bild 9 von 13 | © GEPA
Bild 10 von 13 | © GEPA
Bild 11 von 13 | © GEPA
Bild 12 von 13 | © GEPA
Bild 13 von 13 | © GEPA

Doch es hapert am Torabschluss. Nur ein Tor gelang in den vergangenen drei Spielen. Foda tut dies jedoch als "Phase, die es im Fußball gibt" ab. In der zweiten Halbzeit wäre der letzte Pass oft auch gekommen, doch man nützte die Chancen nicht. Man habe aber auch schon in Spielen bewiesen, dass man diese eiskalt nützen kann.

Nordirland? "Schon noch ein wichtiges Spiel"

Durch die Vorentscheidung in der Nations-League-Gruppe verpasste das ÖFB-Team ein Entscheidungsspiel in Nordirland. Doch er zollt Bosnien Respekt und betont, wie wichtig auch Platz zwei und ein vermiedener Abstieg ist.

"Jetzt haben wir den zweiten Platz belegt, das ist jetzt auch nicht so unwichtig für die EM-Auslosung. Ich habe gewusst, dass es eine enge Gruppe ist, unser Ziel war klar. Wir wollten den ersten Platz belegen, weil man nach dem Höchsten streben muss. Das ist uns nicht gelungen. Aber deshalb darf man auch nicht den Fehler machen, alles schlecht zu reden. Die zweite Halbzeit war sehr, sehr gut, da war ich mit den Spielern auch sehr zufrieden."

Für Foda stellt das Duell in Belfast jedoch sehr wohl eine wichtige Aufgabe dar. Eine mögliche Rotation sieht er nur gegeben, sollte der eine oder andere Spieler nicht fit genug sein. Marko Arnautovic könnte einer davon sein, schließlich hatte dieser vor dem Bosnien-Spiel zusätzlich zu seinen Knie-Problemen auch noch mit Übelkeit und Erbrechen zu kämpfen. Zum West-Ham-Legionär meint er: "Das spricht einfach für ihn, dass er trotzdem immer wieder bereit ist, auch für das Land Österreich alles zu geben."

Und weiter: "Aber wir haben schon noch ein wichtiges Spiel. Der Modus mit der Nations League ist sehr kompliziert. Wir sind jetzt mal Zweiter, es besteht noch die Möglichkeit, dass der Zweite an einem Playoffspiel teilnimmt. Darüber hinaus ist es auch extrem wichtig für die EM-Auslosung, wir benötigen eigentlich jeden Punkt. Insofern haben wir da schon noch ein wichtiges Spiel. Dementsprechend wollen wir auftreten."

Textquelle: © LAOLA1.at

Marko Arnautovic nach Bosnien: "Bin auch kein Superman"

Zum Seitenanfang »

LAOLA Meins - Tags folgen

COMMENT_COUNT Kommentare