Gregoritsch flieht aus Augsburg: "Hauptsache weg!"

 

"Das ist sicher mit die größte Tetschn, die ich bisher gekriegt habe!"

Für alle, die "Tetschn" nicht verstehen: Das ist eine Ohrfeige. Und besagter Satz war das Fazit von Michael Gregoritsch bei seinem Medientermin am Rande des ÖFB-Camps in Bad Tatzmannsdorf, bei dem er am Donnerstag mit unmissverständlichen Worten seinen Abgang vom FC Augsburg angekündigt hat.

"Für mich ist jetzt Mitte November klar, dass ich unbedingt aus Augsburg weg will. Ich möchte ab Winter die Möglichkeit haben, mich für die EURO zu empfehlen, indem ich regelmäßig spiele - und das nicht in Augsburg", stellt der 25-Jährige klar.

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Sommer-Transfer gescheitert

Aus Gregoritsch spricht der Frust, und dieser begründet sich zu einem guten Teil auf den geringen Einsatzzeiten in dieser Saison, aber nicht nur.

Im Sommer gab es Möglichkeiten, den Verein zu verlassen. Vor allem mit Werder Bremen gab es hartnäckige Verhandlungen, die am Ende jedoch zu keinem Ergebnis führten. Nun sei die Situation nicht so, wie sie mit den Verantwortlichen des FCA damals besprochen wurde.

"Es ist ein offenes Geheimnis, das ich wechseln hätte können, dass Angebote auf dem Tisch gelegen sind. Mir wurde gesagt, dass ich eine tragende Rolle haben soll. Dann habe ich drei Spiele gespielt - natürlich verstehe ich auch, dass die Leistung nicht so war, wie sich das alle vorgestellt haben. Dann bin ich von der Länderspiel-Pause zurückgekommen und habe nur noch eine Chance gekriegt. Dieses Spiel haben wir 1:5 verloren, was bitter ist. Das war aber letztlich die einzige Möglichkeit", rekapituliert der Steirer.

Wechsel-Wunsch wegen EURO

Insgesamt stehen für Gregoritsch bislang erst sechs Bundesliga-Einsätze zu Buche, zuletzt drückte er meist die Ersatzbank. Mit der EURO, für die sich Österreich bei diesem Lehrgang qualifizieren kann, im Hinterkopf, möchte der Stürmer nun die Reißleine ziehen.

"Das ist mit der Hauptgrund. Ich hatte zwei super Jahre in Augsburg, das muss man auch sagen. Das sind die ersten drei Monate, in denen es überhaupt nicht läuft. Aber man muss jetzt wirklich sagen, dass im Sommer die EURO ist - sofern wir uns qualifizieren natürlich. Deswegen ist es das Wichtigste, dass ich spiele, auch einen Trainer habe, der mir meine Stärken zu Gute hält und wo ich auch zur Geltung komme. Dass ich es kann, habe ich bewiesen. Es ist jetzt nicht so, dass ich in eine neue Liga gekommen bin und sage: 'Boah, vielleicht schaffe ich es in der Liga nicht.' Ich habe in dieser Liga schon gezeigt, dass ich es kann. Deswegen ist für mich auch klar, dass ich im Winter aus Augsburg weg will. Das Kapitel Augsburg ist geschlossen."

Die Phase bis zum Winter wolle er noch so zu Ende bringen, dass er sich vielleicht schon für einen neuen Arbeitgeber empfehlen kann. Die Chance, dass er doch bleibt, schätzt er als gering ein: "Natürlich gibt es Möglichkeiten, aber ich glaube nicht, dass die Situation das jetzt so hergibt."

"Ich habe nie ein Training bestreikt oder abgebrochen"

Wie er sich selbst erklärt, dass Augsburg nicht auf ihn setzt, obwohl man im Sommer noch auf eine stattliche Abösesumme für ihn verzichtet hat?

"Ich habe weder jemals ein Training bestreikt oder abgebrochen. Ich habe mich nie irgendwie aufgeführt. Ich habe mich auch öffentlich immer zurückgehalten. Und jetzt bin ich liegen gelassen worden - sogar ordentlich liegen gelassen worden."

"Das weiß ich auch nicht, wie das zu erklären ist. Es ist einfach enttäuschend. Denn im Sommer war die Möglichkeit für den Verein und für mich da, jeweils einen Schritt zu gehen. Es war eine Win-Win-Situation. Es waren auch faire Verhandlungen. Also ich habe weder jemals ein Training bestreikt oder abgebrochen. Ich habe mich nie irgendwie aufgeführt. Ich habe mich auch öffentlich immer zurückgehalten. Und jetzt bin ich liegen gelassen worden - sogar ordentlich liegen gelassen worden. Das ist eine Situation, die natürlich nicht zufriedenstellend ist. Deswegen wird es nach der Länderspiel-Pause Gespräche geben, und dann wird es im Winter zu Ende gehen."

In seiner ersten Augsburg-Saison glänzte Gregoritsch mit 13 Toren, in der vergangenen Spielzeit folgten deren sechs. Ob er sich gedacht hätte, dass er nach den vergangenen Leistungen ein größeres Standing im Verein habe?

"Schon, ja. Vor allem wenn man sieht, dass es Möglichkeiten gibt, aus Augsburg wegzukommen. Aber wenn du dich so verhältst, anscheinend nicht. Wenn man sieht, dass andere Spieler irgendwo spielen, und ich sitze in Augsburg auf der Bank, stellt man sich die Frage: Okay, was zählt im Fußball? Ist es wichtig, dass du ein lieber Kerl bist, dich immer gut verhältst und gut gespielt hast? Oder musst du dich dann leider schlecht verhalten?"

Muss man es wie Hinteregger machen?

Aussagen wie diese provozieren natürlich die Frage, ob man es so machen muss wie Martin Hinteregger. Dass der ÖFB-Mitspieler von Gregoritsch in diesem Kalenderjahr so manche Transfer-Schlagzeile in Augsburg schrieb - sowohl im Winter als auch im Sommer - ist bestens dokumentiert.

"Da hätten sie auch 15 andere von uns filmen können, aber es war halt in Österreich, wo 'Hinti' relativ bekannt ist, und ich habe mich ein bisschen woanders versteckt."

Im Winter kam es zum leihweisen Last-Minute-Wechsel zu Eintracht Frankfurt. Den fixen Transfer zum Verein von Trainer Adi Hütter beschleunigte schließlich erst das allseits bekannte Alkohol-Video aus dem Trainingslager des FC Augsburg, der zuvor in harten Verhandlungen einem Wechsel nicht zugestimmt hatte.

"Ich weiß nicht, ob man es so machen muss wie 'Hinti'", meint Gregoritsch, "ich habe 'Hinti' damals auch gesagt, dass ich ihn vom Grundsatz her schon verstehe, die Situation für ihn war auch schwer. Wobei man sagen muss, dass es ja nur eine Frage der Zeit war, wann das Video kommt. Da hätten sie auch 15 andere von uns filmen können, aber es war halt in Österreich, wo 'Hinti' relativ bekannt ist, und ich habe mich ein bisschen woanders versteckt. So war es halt der 'Hinti', das war auch Pech."

Leihe denkbar? "Blöd gesagt: Hauptsache weg!"

Um im Winter wechseln zu können, braucht es auch Interessenten. Der Angreifer über die Angebotslage: "Es gibt natürlich schon was. Es gibt einige Vereine, die interessiert sind. Da wird man schauen, was das Beste sein wird, wo der Trainer am besten mit mir zusammenarbeiten kann, wo auch der Sportdirektor voll dahintersteht, wo der komplette Verein dahintersteht, wo ich auch gebraucht werde. Ich werde nicht irgendwo hingehen, wo ich nicht gebraucht werde. Es muss schon passen."

Der Vertrag in Augsburg läuft noch bis Sommer 2022. Ob auch eine Leihe denkbar ist? "Blöd gesagt: Hauptsache weg! Ich kann sonst nicht im österreichischen Nationalteam bleiben. Bis jetzt ging das, weil ich mir das ein Stück weit auch erarbeitet habe, aber noch einmal ein halbes Jahr wird schwierig."

"Bei aller Liebe: Ich habe jetzt ein halbes Jahr kaum gespielt. Da kannst du dich nicht hinstellen und sagen, ich verlange jetzt wieder eine zweistellige Summe."

Das letzte Wort wird diesbezüglich aber wohl Augsburg haben. Mit Sportdirektor Stefan Reuter und Trainer Martin Schmidt habe es in den vergangenen Wochen bereits ein Gespräch gegeben, nach dem er geglaubt hatte, wieder den Anschluss finden zu können:

"Dann komme ich vom Spiel gegen Slowenien, wo ich nicht schlecht gespielt habe, nach Augsburg zurück und spiele in vier Spielen fünf Minuten. Das ist nicht zufriedenstellend. Da ist schon sehr viel Frust auf meiner Seite."

Ablöse wird er dennoch kosten, diesbezüglich findet Gregoritsch: "Bei aller Liebe: Ich habe jetzt ein halbes Jahr kaum gespielt. Da kannst du dich nicht hinstellen und sagen, ich verlange jetzt wieder eine zweistellige Summe."

Textquelle: © LAOLA1.at

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