Gregoritsch: Darum wurde Interview so emotional

 

Mit den ganz großen Emotionen geizt das ÖFB-Team derzeit nicht.

Im Rahmen der Vorbereitung auf die EURO brach bereits Marko Arnautovic vor laufender Kamera in Tränen aus.

Nach dem 3:1-Sieg gegen Nordmazedonien in Bukarest zeigte Michael Gregoritsch, dass auch Profi-Fußballer Menschen mit Gefühlen sind.

"Für mich war das sicherlich der schönste Moment meiner Karriere", bekräftigt der Stürmer, der nach seiner Einwechslung den zweiten ÖFB-Treffer erzielt hat, am Tag danach.

Und sicherlich auch einer der emotionalsten, denn mit seinem bewegenden Interview unmittelbar nach dem Schlusspfiff berührte der Steirer das Publikum vor den TV-Geräten.

Dabei wollte Gregoritsch eigentlich gar nicht zu diesem Interview.

Warum nicht und warum er seine Gefühle nicht kontrollieren konnte, erklärt Gregoritsch in diesem Video:

Ein rausgeschnitzter Gregoritsch

Papa Werner Gregoritsch spielt in der Karriere von Michael eine große Rolle. Mit 15 ließ er den Sohn beim Kapfenberger SV in der Bundesliga debütieren - samt Tor bei der Premiere. Später betreute er ihn als U21-Teamchef.

Wie viel von seinem Vater er an sich entdecken würde?

"Mittlerweile gibt es leider Gottes sehr viel, wo ich mich in meinem Vater wiedererkenne. Man kann es nicht leugnen, dass ich ein rausgeschnitzer Gregoritsch bin."

"Diese Diskussion gibt es im Hause Gregoritsch sehr oft, und dann ist immer mit sehr viel Sarkasmus das Wort 'leider' dabei. Denn mittlerweile gibt es leider Gottes sehr viel, wo ich mich in meinem Vater wiedererkenne. Man kann es nicht leugnen, dass ich ein rausgeschnitzer Gregoritsch bin", grinst Michael und fährt fort:

"Das will ich auch gar nicht leugnen. Ich bin sehr stolz darauf, was mein Vater erreicht hat. Ich glaube, inzwischen ist er der am längsten dienende Profi-Trainer in Österreich. Für ihn war es auch nicht immer einfach. Das muss man sich erst einmal trauen, dass man seinen Buam über sechs, sieben Jahre bei der U21 dabei hat."

Abmachung mit Papa Werner

Dafür habe sich sein Papa durchaus Kritik anhören müssen. Auch in den vergangenen Wochen und Monaten sei die Situation für Gregoritsch Senior nicht einfach gewesen. Schließlich ist er als U21-Teamchef ein hochrangiger ÖFB-Angestellter.

Michael mit Papa Werner Gregoritsch
Foto: © GEPA

"Und sein Sohn ist an der Kippe, ob er bei der Europameisterschaft dabei ist. Natürlich hat er auch mitgefiebert und mitgezittert. Mein Vater und ich haben ein Verhältnis, wie ich es mir nicht besser vorstellen kann. Das gilt generell für meine ganze Familie. Es ist schön, wie sich diejenigen mitfreuen, die irgendwann in der Karriere einen Teil dazu beigetragen haben, dass ich bei so einem Großereignis dabei sein darf. Das ist etwas Besonderes, dabei bleibe ich", so Gregoritsch.

Telefonisch versicherte Papa Gregoritsch dem 27-Jährigen, wie sehr er Sieg und Torerfolg genossen hat. Nur dass sich Werner kein EM-Spiel von Michael vor Ort im Stadion ansieht, will der Junior so nicht stehen lassen:

"Er wird zu keinem Gruppenspiel kommen. Aber wir haben eine Abmachung: Sollten wir weiterkommen, ist es Pflicht, dass er zumindest ein Mal dabei ist. Denn ich glaube, er war erst bei einem einzigen Länderspiel von mir, als wir uns gegen Nordmazedonien für die EM qualifiziert haben. Sonst spielt er immer gleichzeitig. Das habe ich ihm schon ein bisschen vorgehalten."

"Merke, dass der Trainer große Stücke auf mich hält"

Gregoritsch ist seit 2016 Stammgast im A-Team. Dass er überhaupt an der Kippe stand, lag an einer missglückten Saison beim FC Augsburg.

Es wäre für Teamchef Franco Foda nicht allzu schwer zu begründen gewesen, wenn er den Angreifer hätte fallen lassen. Der Deutsche hielt jedoch an Gregoritsch fest und begründete dies nicht nur mit sportlichen Überlegungen, sondern auch mit dem Wert von "Gregerl" für das Team-Gefüge.

"Von dem Moment an, als ich die Einberufung erhalten habe, habe ich mir gesagt: Ich werde wirklich in jedem Training ans Limit gehen. Erstens, damit ich zeige, dass es richtig ist, dass ich dabei bin, und zweitens auch die Spieler rundherum mitnehme und pushe."

Der Grazer Gregoritsch verweist darauf, dass der in Graz ansässige Foda nicht nur seit drei Jahren sein Trainer sei, sondern dass er ihn schon zehn Jahre davor, als man noch gegeneinander angetreten sei, gekannt habe.

"Ich merke einfach, dass der Trainer große Stücke auf mich hält. Von dem Moment an, als ich die Einberufung erhalten habe, habe ich mir gesagt: Ich werde wirklich in jedem Training ans Limit gehen. Erstens, damit ich zeige, dass es richtig ist, dass ich dabei bin, und zweitens auch die Spieler rundherum mitnehme und pushe."

Nicht als Maskottchen mit dabei

Denn auch wenn er zuletzt zum Wackelkandidaten wurde, änderte dies nichts an den Ambitionen des Torjägers.

"Ich bin nicht hierher gefahren, um nur als Maskottchen dabei zu sein. Ich habe schon gewusst, dass ich trotzdem etwas kann", erklärt Gregoritsch selbstbewusst.

Schon in den beiden Tests gegen England und die Slowakei brachte Foda ihn als Joker, in beiden Matches habe er noch vergeblich angeklopft:

"Mein Kopfball gegen England ging daneben. Der Kopfball gegen die Slowakei ging bereits aufs Tor. Ich habe mir gesagt, die dritte Chance geht dann rein. Dass es dann wirklich so aufgeht, ist auf gewisse Art und Weise Glückssache. Die Mannschaft gibt mir schon die ganze Zeit hinweg ein sehr gutes Gefühl. Das ist mir sehr wichtig. Sie wissen alle, dass ich in manchen Momenten sehr sensibel bin, aber ich fühle mich einfach total wohl."

Coldplay und Whitney Houston

Um sich vor dem Nordmazedonien-Match in Stimmung zu bringen, habe er "Lieder gehört, die mir in meiner Karriere etwas bedeutet haben. Da ist von bis alles dabei, zum Beispiel Viva la Vida von Coldplay oder Step by Step von Whitney Houston. Das sind Lieder, dich ich dazuschneiden würde, wenn ich einen Karrierefilm machen würde."

Dieses Tor gegen Nordmazedonien spielt in der bisherigen Karriere fraglos eine große Rolle. "Man hat in gewisser Art und Weise das Verständnis, das ich über Jahre mit David Alaba aufgebaut habe, gesehen", so Gregoritsch.

Dass es der 700. Treffer der EURO-Historie gewesen ist, sei eine schöne Randnotiz. Alles in allem ist er nun einer von fünf rot-weiß-roten EM-Torschützen.

Wobei: "Ich hoffe natürlich, dass der sechste, siebente und achte EURO-Torschütze auch noch ein Thema werden."

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