Fünf Fragen vor dem ÖFB-Showdown gegen Nordirland

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Keine Frage: Das Nationalteam steht unter Zugzwang.

Nach der Niederlage im ersten Pflichtspiel unter Teamchef Franco Foda in Bosnien braucht Österreich im zweiten gegen Nordirland (ab 20:45 Uhr im LIVE-Ticker) drei Punkte, um sich eine realistische Chance auf den Gewinn der Nations-League-Gruppe zu bewahren.

Die Vorbereitung auf diesen Showdown war geprägt von diversen Ausfällen von Leitungsträgern, einer etwas unnötig zur Causa prima avancierten Kapitäns-Debatte und der unverkofften Rückkehr des langjährigen Goalgetters Marc Janko.

Wie jedes Länderspiel wird auch dieses Antworten liefern - und zwar auf folgende Fragen, diesmal auch auf jene nach dem Spielführer:

WIE IST DIE AUSGANGSLAGE?

"Die Situation ist relativ einfach zu analysieren: Wenn wir aus eigener Kraft Gruppensieger werden wollen, müssen wir gewinnen", sagt Foda. Beginnend von ÖFB-Präsident Leo Windtner über die Spieler gab es in der Vorbereitungswoche im rot-weiß-roten Lager eigentlich niemanden, der das Heimspiel gegen Nordirland nicht als Pflichtsieg einschätzte, will man die Nations-League-Gruppe noch gewinnen. "Wir haben es uns mit der Niederlage im ersten Spiel in Bosnien nicht einfach gemacht", verdeutlicht Stefan Ilsanker. Interessanterweise ist der Teamchef selbst der einzige, der vorbaut - zumindest ein wenig: "Wir spielen zu Hause mit dem Publikum im Rücken, wir wollen alles unternehmen, um das Spiel zu gewinnen. Wir haben die drei Punkte nötig. Aber unabhängig davon, wie das Spiel ausgeht, muss man auch wissen: Auch bei einem Unentschieden ist noch alles möglich. Über das andere Szenario will ich jetzt nicht reden, aber auch da wäre es theoretisch noch möglich. Egal wie das Spiel ausgeht, auch am nächsten Tag wird sich die Welt weiterdrehen."

Gewinnt das ÖFB-Team nicht, würde Foda jedoch am nächsten Tag in einer vermutlich ungemütlicheren Arbeits-Welt aufwachen. Verliert Österreich nach der guten Testspiel-Serie auch das zweite Pflichtspiel seiner Amtszeit, besteht die Gefahr, dass Gegenwind einsetzt. Bei einem Remis wäre man auf Schützenhilfe von Nordirland in Bosnien angewiesen und müsste selbst die beiden ausstehenden Spiele gegen Bosnien und in Nordirland gewinnen. Fährt man den erhofften Sieg ein, kann man mit Erfolgen in besagten beiden Partien die Gruppe noch aus eigener Kraft gewinnen. In doppelter Hinsicht ungünstig wäre es, die Gruppe als Dritter und Letzter abzuschließen. Einerseits wäre man dann bei der nächsten Nations League nur drittklassig, andererseits würde man in der EM-Quaifikation-Auslosung aus dem dritten statt aus dem zweiten Topf gezogen werden, und dieses Szenario gilt es mit aller Macht zu verhindern.

MIT WELCHEM PERSONAL TRITT DAS ÖFB-TEAM AN?

Sowohl Startelf als auch System sind wie gehabt ein Geheimnis. Fest steht nur, dass Österreich stark ersatzgeschwächt antreten muss. Wie schon im September gilt es Julian Baumgartlinger zu ersetzen, zum eigentlichen Kapitän gesellen sich die Ausfälle von David Alaba, Florian Grillitsch und Michael Gregoritsch, die in Bosnien allesamt in der Anfangsformation gestanden sind. Guido Burgstaller ist zumindest fraglich. Worauf gilt es zu achten? Besonders spannend wird, wie Foda das Fehlen von Alaba kompensiert, der zuletzt ein Doppel mit Marko Arnautovic auf der linken Seite gebildet hat - und zwar in zweierlei Hinsicht: personell und vom System her. Ersetzt der ÖFB-Coach den Bayern-Legionär eins zu eins und agiert weiter mit Dreierkette oder zieht sein Fehlen eine System-Änderung nach sich? In beiden Varianten ist Andreas Ulmer ein Kandidat. Kommt der Salzburg-Routinier zum Zug, ist auch eine Rückkehr zur Viererkette nicht auszuschließen. Bleibt es bei einer Dreierkette, sollte man nicht außer Acht lassen, dass gegen Russland auch Allrounder Alessandro Schöpf schon die linke Defensivrolle eingenommen hat und sogar das Siegtor erzielt hat. Ulmer wäre aber natürlich auch bei dieser Variante ein logischer Kandidat.

Schöpf könnte in Ermangelung von Baumgartlinger und Grillitsch jedoch auch zentral gebraucht werden. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Ilsanker diesmal anstelle von Grillitsch ins defensive Mittelfeld rückt. Bleibt es bei einer Dreierkette, sollte dann der Kurs von Aleksandar Dragovic wieder steigen. Der Leverkusen-Legionär sprang bei seinem Verein zuletzt übrigens im defensiven Mittelfeld ein und schlug sich in dieser Rolle gut. In der Offensive hängt vieles einerseits von der Einsatzfähigkeit von Burgstaller und zweitens von der Positionierung von Arnautovic ab. Fehlt der Schalke-Legionär, bliebe wohl "nur" noch Arnautovic für die Stürmer-Rolle, da ein Einsatz von Nachrücker Marc Janko von Anfang an eher unwahrscheinlich erscheint. Eine große Überraschung wäre dies nicht, der West-Ham-Legionär spielte in diversen Tests im Angriffs-Zentrum. Auch eine Doppel-Spitze Arnautovic/Burgstaller kann man nicht ausschließen. Am rechten Flügel gibt es diverse Optionen, sei es Schöpf, Valentino Lazaro oder Marcel Sabitzer, der mit steigender Form in die Startelf drängt. Alle drei können dank ihrer Vielseitigkeit jedoch je nach System auf diversen Positionen nominiert werden. Denkbare Optionen gibt es wie immer genügend, der Aufstellungs-Poker bleibt also ein spannender.

WIE VERÄNDERT DAS FEHLEN VON ALABA DAS ÖFB-SPIEL?

Wie sich das Fehlen von Alaba bemerkbar macht, ist nicht nur hinsichtlich des Aufstellungs-Pokers interessant, sondern auch im Hinblick auf die Spielanlage. Setzte Foda auf das "Doppel" Alaba/Arnautovic, agierte das ÖFB-Team bisweilen sehr linkslastig. Dies liegt bei dieser Star-Power auf eine Seite wohl auch in der Natur der Sache. "Was sich im Spiel ändert, wird man sehen. Vielleicht sind wir dann nicht mehr so linkslastig. Wenn man viel Qualität auf einer Seite hat, spielt man viel über diese Seite, das ist ganz normal - gerade mit Marko und seinen Offensiv-Dribblings, im Eins gegen Eins ist er super", betont Schöpf, der speziell im Test gegen Schweden in Kombination mit Stefan Lainer auf der rechten Seite kaum einen Ball sah und auch zu bedenken gibt: "Ich glaube, der Gegner kann sich auch ganz gut darauf einstellen, wenn man fast nur über eine Seite spielt. Es ist schon wichtig, dass man immer flexibel bleibt und über beide Seiten spielt. Aber wie gesagt: Marko macht es offensiv super, ist immer torgefährlich, legt Tore vor. Wenn einer einen super Tag hat und über links die Gegner schwindlig spielt, warum sollen wir dann nicht weiter über links spielen?"

Mit Alaba und Arnautovic am Platz ist von der rechten Seite viel Manschaftsdienlichkeit gefordert, wie Lainer verdeutlicht: "Die beiden sind die herausragenden Kicker bei uns. Dass sie gesucht werden, ist irgendwo auch selbstverständlich. Da muss man sich einfach in den Dienst der Mannschaft stellen und wissen, dass manche Wege für dich selbst umsonst sind, aber du reißt damit ja wieder Löcher auf und drückst die gegnerische Mannschaft rein. Aber es kann schon sein, dass jetzt ohne David die eine oder andere Aktion mehr über rechts passiert. Das kommt auch darauf an, was der Gegner zulässt." Und darauf, wen Foda auf links nominiert. Rückt Arnautovic ins Angriffs-Zentrum, wären beide Jobs auf links neu besetzt, was wiederum zu mehr Ausgeglichenheit im ÖFB-Spiel führen könnte.

Kleine statistische Spielerei am Rande: In den letzten fünf Länderspielen, in denen Alaba fehlte, ging Österreich stets als Sieger vom Platz: Russland (1:0), Serbien (3:2), Moldawien (1:0), Uruguay (2:1) und Luxemburg (4:0). Die letzte Niederlage ohne Alaba setzte es im November 2014 beim 1:2 gegen Brasilien.

WAS IST VON NORDIRLAND ZU ERWARTEN?

Sebastian Prödl vermutet, dass Nordirland beim ÖFB-Publikum nicht so zieht, weil dem Gegner der ganz große Name fehlt. Die Wichtigkeit des Spiels hätte sich jedenfalls einen ansprechenden Fan-Zuspruch verdient. Bis Donnerstag waren jedoch nur 21.000 Tickets im Vorverkauf abgesetzt. Aber auch Nordirland ist kein gänzlich unattraktiver Gegner. "Ich persönlich habe die Nordiren erstmals auf den Radar bekommen, als sie sich für die EURO 2016 qualifiziert haben. Sie haben danach eine super WM-Quaifikation gespielt. Sie sind in der Weltrangliste nur ein paar Plätze hinter uns, also auf Augenhöhe. Das wird ein schweres Stück Arbeit. Ich erwarte ein spannendes, enges, umkämpftes und körperbetontes Spiel", warnt Prödl. Österreich ist im FIFA-Ranking 24., Nordirland rangiert auf dem 28. Platz. Im Vorfeld war viel von einem "ekligen Spiel", welches das ÖFB-Team erwartet, die Rede.

So körperbetont es gegen ein Team von der Insel zur Sache gehen kann, diverse ÖFB-Kicker wollen den Gegner nicht nur auf lange Bälle und Zweikampfstärke reduzieren. "Sie haben das Britische sehr gut drinnen, aber nur mit dem Britischen kommst du heutzutage nicht mehr zu einer EURO oder ins WM-Playoff gegen die Schweiz", betont Prödl. Beim Nations-League-Auftakt gegen Bosnien verloren die Nordiren zwar mit 1:2, dominierten die Partie jedoch eindeutig. "Sie hatten in diesem Spiel extrem viel Ballbesitz und haben sich gute Torchancen herausgespielt. Also da heißt es nicht nur, Ball nach vor und hinterher, sondern das ist auch eine spielerisch angelegte Mannschaft. Die können beides. Aber das können wir genauso. Wir können genauso fighten und wir können genauso Fußball spielen", meint Ilsanker. Foda erwartet, dass sich die Gäste nicht verstecken werden: "Die Ausgangslage ist ähnlich. Auch Nordirland muss versuchen, das Spiel zu gewinnen. Ich gehe davon aus, dass sie dementsprechend agieren werden. Auch sie werden versuchen, uns früh unter Druck zu setzen. Es wird wichtig sein, dass wir auch unter Druck Lösungen haben."

WER IST BEIM NORDIRLAND-SPIEL ÖFB-KAPITÄN?

Hand aufs ÖFB-Herz: Eigentlich ist dies eine banale Angelegenheit. Eigentlich. Aber durchaus auch selbstverschuldet entwickelte sich die Frage in dieser Länderspiel-Woche zu einer Causa prima, die für viel Gesprächsstoff sorgte. Und da zu guter Letzt Foda auf stur schaltete und den Namen des Spielsführers aus Prinzip nicht wie geplant bei der Abschluss-Pressekonferenz verraten wollte, wird das Nordirland-Match tatsächlich das erste Länderspiel der jüngeren Vergangenheit, bei dem die breite Öffentlichkeit den Namen des ÖFB-Kapitäns erst kurz vor dem Anpfiff erfährt. Eine kurze und vor allem zeitgerechte Ansage, was der Plan ist, hätte wohl gereicht und das Thema wäre abgehakt gewesen. So lässt sich munter spekulieren und die eine oder andere Frage steht weiter im Raum. Was will Foda mit der Geheimniskrämerei bis zum letzten Moment bewirken? (Verrät er nicht) Kann Arnautovic Kapitän? (Ja, kann er. Er selbst sieht das auch so. Ob das jeder so sieht, ist unsicher) Bleibt die Schleife ein "Wanderpokal" und ist diesmal zum Beispiel mit Sebastian Prödl ein anderer logischer Kandidat dran? (Man wird sehen) Hieße dies, dass irgendjemand auf die Idee kommt, dass dies eine Entmachtung von Arnautovic wäre? (Ist zu befürchten) Wäre es tatsächlich eine Entmachtung von Arnautovic? (Natürlich nicht) Wäre es angesichts der enstandenen Debatte jedoch ein nachvollziehbares Signal, die Wanderpokal-Idee zu verwerfen und demonstrativ Arnautovic die Schleife zu geben? (Ja) Ehrlich: Es ließen sich noch weitere Fragen formulieren. Wie gesagt: Eine simple Ansage hätte es genügt. Die wichtigsten Fragen: Ist die Kapitäns-Causa allen ÖFB-Spielern tatsächlich so wurscht, wie sie betonen? Hoffentlich! Und viel wichtiger: Hoffentlich war es keine denkbar unnötige Ablenkung.

Textquelle: © LAOLA1.at

Sebastian Prödl: Zeit für einen "Brexit" noch nicht reif

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