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Foda: Warum sich ÖFB-Team nicht belohnte

Teamchef Franco Foda war richtig zufrieden, weiß aber auch, was schief lief:

Foda: Warum sich ÖFB-Team nicht belohnte Foto: © GEPA

Eigentlich lief sehr viel für das ÖFB-Team - wenn dieses unzufriedenstellende Ergebnis nicht gewesen wäre.

Dass Österreich zum EM-Quali-Auftakt Polen vor 40.400 Fans im heimischen Ernst-Happel-Stadion mit 0:1 unterlag (Spielbericht>>>), war nicht unbedingt der Tatsache geschuldet, dass der Gruppen-Favorit auch die bessere Mannschaft war.

Teamchef Franco Foda war sogar sehr zufrieden. "Die Niederlage ist extrem bitter, keine Frage. Ich habe auch den Spielern gesagt, dass die Leistung über weite Strecken des Spiels gut war. Ich glaube, wir hatten auch über 90 Minuten die besseren Tormöglichkeiten. Auch nach dem 0:1 haben wir weiter nach vorne gespielt. Und eigentlich hätten wir zumindest ein Unentschieden verdient gehabt. Wir hatten dann am Ende noch zwei, drei Riesen-Möglichkeiten, um den Ausgleich zu erzielen. Es ist schade, weil unter dem Strich haben wir keinen Punkt geholt. Aber auf dieser Leistung können wir aufbauen", analysierte der 52-jährige Deutsche.

Trotzdem wusste er schon, was nicht so klappte und schlussendlich den Polen in die Karten spielte.

Eine Lobeshymne auf die ersten 25 Minuten

Am Anfang konnte seine Mannschaft noch genau das umsetzen, was man sich vorgenommen hatte. Polen wirkte überrascht und traute sich nicht von hinten heraus.

Die Anfangsphase gehörte Rot-Weiß-Rot, der perfekte Start in die Partie hätte nur noch mit einem frühen Tor gekrönt werden können.

"Wir haben die ersten 20, 25 Minuten sehr, sehr gut gespielt - in allen Bereichen. Wir waren defensiv extrem stabil, haben dem Gegner keine Situationen zugelassen, haben selbst gute Situationen nach vorne kreiert und hatten ein, zwei Top-Möglichkeiten schon in den 25 Minuten, um in Führung zu gehen. Ich erinnere an die Situation von Sabitzer", trauerte Foda ein wenig dieser Drangperiode nach, in welcher sich das Team nicht selber belohnte.

Vor allem, weil es nicht in dieser Tonart weiterging. Alles in allem war es eine starke Mannschaftsleistung, was auch die LAOLA1-Einzelkritik mit ganz wenigen Ausnahmen bestätigt, jedoch brachten Kleinigkeiten den Erfolg ins Wanken.

"Haben dann etwas die Kontrolle verloren"

Foda erklärt die Fehler, die sich eingeschlichen haben, folgendermaßen:

"Nach den 25 Minuten haben wir dann etwas die Kontrolle verloren, weil wir einfach im Spiel nach vorne, im Spielaufbau manchmal zu einfache Fehler begangen haben, und wir haben dann auch die Situationen über die Flügel nicht gut zu Ende gespielt. Das haben wir auch in der Halbzeit angesprochen", verrät der Chefbetreuer.

Österreich spielte gefällig, kombinierte gut, ließ aber mehrmals den Endzweck vermissen. Denn im letzten Angriffsdrittel fehlte trotz Spielwitz die Idee, oftmals lag es laut Foda am letzten Pass.

Doch von diesen Hängern erholte man sich schnell. "Auch nach der Halbzeit haben wir Druck ausgeübt, hatten ein, zwei gute Situationen von Arnautovic, er war immer wieder gut am Flügel durch, da hat oft dann der letzte Pass gefehlt."

System-Umstellung, Riesenchancen - aber die Belohnung blieb aus

Somit blieben richtige Großchancen Mangelware, doch das ÖFB-Team rannte an und drängte auf die Führung. Anstatt die Ernte für die Bemühungen einzufahren, kassierte man aber prompt in der besten Phase den spielentscheidenden 0:1-Treffer.

"Gerade in der Phase, wo eigentlich wir am Drücker waren, das 1:0 zu erzielen, haben wir bei einer Standardsituation leider nicht aufgepasst. Ich weiß aber nicht, ob es ein Foul an Alaba war, weil der dann am Boden lag." Das dürfte zumindest die Kollegen des Bayern-Legionärs verunsichert haben.

Polen spielte weiter und bezwang in Person von Krzysztof Piatek - jener Mann, der seit seinem Wechsel zum AC Milan einen Mega-Lauf hat und in seinem elften Pflichtspieleinsatz seit Ende Jänner neun Tore erzielte - Torhüter Heinz Lindner.

Doch auch nach dem Tor in der 68. Minute ließ sich die Mannschaft nicht hängen, sondern versuchte zum gezeigten Spiel zurückzufinden. Doch selbst eine Systemumstellung reichte am Ende nicht zu einem Punktgewinn.

"Nach dem 0:1 haben wir dann auf ein 4-4-2 umgestellt. Da hatte Polen schon eine gute Möglichkeit im Konter. Das war aber klar, weil wir dann geöffnet haben. Aber auch da hatten wir noch drei Riesenmöglichkeiten, den Ausgleich zu erzielen - von Alaba, Janko und Wöber, um nur drei zu nennen, plus den Schuss von Arnautovic. In vielen Phasen haben wir viele Dinge richtig gut gemacht, aber unterm Strich haben wir keine Punkte geholt und das ist natürlich sehr bitter."

Foda fühlt sich bei Janko bestätigt

Die Riesenchance von Janko per Kopf war natürlich auch nach dem Spiel ein heißdiskutiertes Thema. Doch Foda wollte seinem nachnominierten 35-jährigen Schützling keinen Vorwurf machen - im Gegenteil.

"Ob das jetzt damit zu tun hat, dass Marc keinen Spielrhythmus hat, ist schwer zu sagen", sprach der Teamchef über den frustrierten Lugano-Legionär. Dabei fühlte er sich jedoch bestätigt, warum er den Stürmer wieder einberufen hatte.

"Er hatte die Möglichkeit. Du kannst gewisse Situationen nicht lernen: Wo es die Räume gibt im Strafraum oder wie die Situation zu antizipieren ist. Das hat Marc in dieser Situation getan. Er wusste genau, wo die Flanke hinkommt. Das einzige Manko war im Prinzip, dass er diese Riesen-Möglichkeit nicht genützt hat."

Dass die Chancenverwertung aber alles in allem ein entscheidender Punkt ist, ist Foda bewusst. Daran wird er arbeiten lassen, auch wenn ihn die Tatsache, dass das Wichtigste noch immer ist, überhaupt Chancen vorzufinden, nicht unzufrieden zurücklässt.

ÖFB-Team bereits unter Druck?

Und defensiv? Da konnte die überraschend mit Maximilian Wöber formierte Dreierkette, die nach dem Gegentor dann zur Viererkette umgeformt wurde, Eindruck schinden.

"Wir haben heute die richtige Taktik gewählt, wir haben dem Gegner über 90 Minuten wenig zugelassen, obwohl sie Top-Qualität haben mit Milik, Piatek, der dann noch reinkam, und mit Lewandowski. Die Innenverteidiger haben das sehr, sehr gut gemacht, darüber hinaus haben sie das Spiel nach vorne immer wieder entwickelt. Auch Wöber hat sich immer wieder mit nach vorne eingeschaltet. Wir haben extrem viel Risiko gespielt, wir haben oft hinten auch Eins-gegen-Eins gespielt, wir haben den Gegner immer zugestellt, dass sie nicht herausspielen konnten. Es gab so viele positive Momente", schwärmte Foda.

Doch im selben Moment schien ihm wieder einzufallen, dass in einer Quali gut spielen nicht belohnt wird. Vor der schwierigen Auswärtsfahrt nach Israel zu Andreas Herzog und Willi Ruttensteiner betont er aber, dass eine Auftaktniederlage noch kein Beinbruch ist. Auch wenn sich der Ex-Sturm-Trainer schon bewusst ist, dass nun noch mehr Druck auf seinen und jenen Schultern der Mannschaft lastet.

"Wir sind auch in der Nations League mit einer Niederlage gestartet und haben danach 7 Punkte geholt. Wenn wir diese Leistung wieder abrufen können am Sonntag, dann sind wir auch in der Lage, in Israel Punkte zu holen", so Foda. "Und klar, wenn du das erste Spiel nicht gewinnst, ist es logisch, dass du dann in den nächsten Spielen punkten solltest – keine Frage."

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